VW T3 Syncro (Südafrika)Ein T3 auf Abwegen

Rene Bauer

, Andrea Kaucka

 · 24.10.2022

VW T3 Syncro (Südafrika): Ein T3 auf AbwegenFoto: Andrea Kaucka & Rene Bauer
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Gebrochene Stoßdämpfer, ein kaputtes Getriebe, zerbröselnde Radlager, gerissene Kolben und sogar eine Schießerei – dazu faszinierende Sonnenuntergänge und wilde Tiere. Die Bilanz eines abenteuerlustigen Paares nach 200.000 Kilometern und 12 Jahren Afrika-Erlebnis in einem VW-T3-Syncro-Bulli.

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Foto: Andrea Kaucka & Rene Bauer

Mit schwarzen Fingern krieche ich wieder einmal unter dem VW T3 Syncro hervor, liebevoll »Mistvieh« genannt. Ich stelle ich mich vor ihn, wische die dreckigen Hände am Overall ab und schaue in seine rechteckigen Augen. »Den nächsten Trip wirst du einfach nur durchhalten – du schaffst das!« Dann streiche ich ihm über den Außenspiegel, bevor ich mich ans Steuer setze und den Zündschlüssel drehe. Grummelnd erwacht er zum Leben, bereit für ein neues Abenteuer abseits der Zivilisation.

Verlagssonderveröffentlichung

Zugegeben: Anfangs war ich misstrauisch gegenüber den VW-T3-Transportern, sind sie doch eine Art Schuhkarton auf vier Rädern, angetrieben von leistungsschwachen Motoren. Und obwohl ich diesen Autos immer ausgewichen bin, hatte ich in den letzten Jahren das große Vergnügen, in eben solch einem Vehikel das südliche Afrika intensiv zu erkunden – einige der schlechtesten Straßen des Kontinents inklusive.

2015 planten meine Partnerin Andrea und ich eine Reise mit Freunden durch das südliche Afrika. Es fehlte lediglich das passende Auto. Nie hätte ich damals gedacht, dass ich bei einer weltbekannten automobilen Ikone landen würde, die mir nicht nur unbeschreibliche Abenteuer und Erfahrungen bescheren, sondern mir nebenbei auch das hart verdiente Geld aus der Tasche ziehen sollte. Ich rede vom T3 Syncro, der Allradversion des T3-Bus. Weltweit wurden davon nur etwa 45.500 Stück gebaut, einige davon in Südafrika. In Afrika wird der T3 »Kombi« genannt. Die wohl am meisten verbreitete Version des Syncro dort ist die Variante mit üblichen 14-Zoll-Rädern und einem 2,1-Liter-Wasserboxer. Diese Motoren sind für ihre Anfälligkeit berüchtigt. In Südafrika gibt es keinen TÜV, so wie wir ihn kennen. Nur wenn das Auto den Besitzer wechselt, muss man nur zu einer technischen Kontrolle – danach nie wieder. Das ist der Grund, warum so viele halb zerfallene Rostlauben herumfahren. Der Kombi-Besitzer profitiert ebenfalls vom dieser laxen Kontrolle, steht ihm damit doch die Tür für Umbauten weit offen. Besonders beliebt: modifizierte Antrieben. Viele ersetzen den Wasserboxer durch Subaru-, Audi- oder Golfmotoren. Dabei ist insbesondere der Zwoliter-Motor (AGG) aus dem Golf III sehr beliebt, gilt er doch als langlebig und zuverlässig – genau das richtige für Touren durch Afrikas Wildnis.

Als ich das erste Mal in unserem T3 Syncro saß, konnte ich mich nur staunen: Wie hatte VW es geschafft, den Bus innen größer als außen zu machen? Nach der ersten Probefahrt war es passiert: Ich war infiziert. Dieses Phänomen kennen sicher viele.

Für eine Expedition in Afrika muss jedes Fahrzeug entsprechend ausgerüstet werden, so auch unser T3. Als wir ihn bekamen, hatte er bereits drei Benzintanks und eine veritable Höherlegung. Seikel-Fahrwerke gibt es in Südafrika kaum, vielmehr werden an der Vorderachse »Taxi-Federn« (verstärkte Spiralfedern) benutzt. Hinten wird meist ein dicker Gummiteller von oben auf die Feder gelegt. Damit passen auch 215/80/R15-All-Terrain-Reifen in die Radkästen. Damit das obere Traggelenk durch die Höherlegung nicht zu sehr beansprucht wird, baut man zwischen Gelenk und Lenker einen Spacer ein. Das korrigiert den steilen Winkel etwas.

Da wir viel im Busch unterwegs sein wollten, stand eine zweite Batterie für den Kompressor-Kühlschrank, diverse Lichter und ein 230-Volt-Inverter auf der Liste. Diese war jedoch zu groß für den Sockel des Beifahrersitzes, fand daher unter der hinteren Sitzbank Platz. LED-Leuchten wurden installiert, damit man nachts im Busch das Umfeld erleuchten kann. Vorn und hinten im Bus platzierte Steckdosen erlauben es, die Arbeitsleuchte bequem überall einstöpseln zu können. Auf dem Dach hat der Bus einen Frontrunner-Dachträger – hier liegt meist der zweite Ersatzreifen (jawohl, in Afrika braucht man den auch), der Hi-Lift-Jack und Feuerholz. Zudem kann man auf dem Träger mit dem Fernglas Ausschau halten oder ein Sonnensegel aufstellen.

Zwischen den beiden Vordersitzen ist im T3 viel Platz – hier haben wir einen Stahlsafe verschraubt, um Reisepässe und Geld zu sichern. Die Sitze sind mit strapazierfähiger Leinwand überzogen und haben Taschen, um Fotoapparate oder Bücher zu verstauen. Habe ich schon unsere »Bord-Bibliothek« erwähnt? Es gibt Bücher über Tiere, Pflanzen, Reisekarten und vieles mehr. An meiner Tür liegt eine Machete und eine Axt – für alle Fälle.

Hinten im Kofferraum gibt es Platz für diverse Boxen und einen 50-Liter-Wasserkanister, der längs hinter die Rücksitzbank passt. Den Rest des Wassers transportieren wir auf dem Anhänger, genauso wie der Rest Ausrüstung und unsere Kleidung.

Auf Tour unterhält der Bus uns stets mit neuen Herausforderungen – ganz gleich, ob zerbröselnde Radlager in Botswana, eine nicht funktionierende Visco-Kupplung des Allradantriebs in einem Fluss, Bremsprobleme in Namibia oder ein kaputter Anlasser mitten in einem Löwenrudel. Andrea und ich haben durch den T3 Syncro viel gelernt – vor allem Geduld.

Seine Offroad-Talente aber sind über jeden Zweifel erhaben. Einmal planten wir einen Besuch des Nxai Pan-Nationalparks in Botswana, um dort eine der vielen Salzpfannen zu erkunden. Dort gibt es keinen Asphalt, nur tiefen Sand. Pures Offroad-Feeling also. Das präsentiert sich im T3 keineswegs hart und ungemütlich, der Bulli verhält sich im tiefen Sand eher wie ein Schiff. Fast so, als schwämme er durch das Gelände. Es gibt kaum ein hartes Aufsetzen oder ein abruptes Ende des Federwegs. Klasse. Doch der Trip wurde – wie so oft – durch ein technisches Problem unterbrochen. Und das kündigte sich schon lange vor der Panne an: Es begann mit einem leichten Muckern, dann ging der Motor plötzlich ohne Vorwarnung aus. Trotz neuem Benzinfilter blieben wir in einer Stadt liegen und mussten unsere Zelte bei einer Tankstelle aufbauen. Ich habe dann die Benzinpumpe herausgenommen und gereinigt. Den Benzinschlauch vom Tank verschloss ich dabei einfach mit einem Finger. Hey, wir sind in Afrika!

Und schon konnte es weitergehen, bis zum Eingangstor des Nationalparks. Wir bezahlten den Eintritt, gönnten dem Bulli eine kurze Pause – dann ging es auf Tiefsand weiter. Endlich! Das Grinsen in meinem Gesicht erfror jedoch, als der Motor erneut stotterte und ausging. Nach einer Pause versuchte ich, wieder zu starten. Diesmal kamen wir 500 Meter weit. Nach dem Öffnen der Motorklappe zeigte sich, dass die Benzinpumpe extrem heiß war. Das Benzin verdampfte in der Leitung, bildete Dampfblasen und brachte den Motor zum Absterben.

Und jetzt? Wenn ich eines in Afrika gelernt habe, dann ist es die Kunst zu improvisieren. Ich baute kurzerhand eine Wasserkühlung für die Benzinpumpe, indem ich einen Schlauch von der Scheibenwaschanlage unter dem Bus bis zur Pumpe legte. Und: Es funktionierte! Sobald der Motor anfing zu stottern, konnte ich jetzt – ohne anhalten – die Scheibenwaschanlage bedienen und die Pumpe kühlen. Ab sofort ging es problemlos weiter. Wir erreichten ohne Zwischenfälle die dicken Affenbrotbäume im Park, wurden mit der Aussicht auf Löwen und andere wilde Tiere reichlich für die erlebten Strapazen belohnt.

Der Bus lehrt uns stets etwas Neues. Das eine Jahr steht das Thema Bremsen im Fokus, im nächsten dafür das Getriebe. Dann wieder der Motor. Dieses Jahr scheint das »Jahr der Radlager« zu sein. Das permanente Schleifen hatte ich schon länger im Ohr, hatte es aber erfolgreich ignoriert. Das kennt ihr sicher – erstmal verdrängen. Irgendwann klappte das aber nicht mehr. Das Schleifen und Schaben wurde so laut, dass ich anhalten musste. Das war wieder in einer Salzpfanne, etwa 50 Kilometer vom nächsten Asphaltfetzen und 170 Kilometer von einer Stadt entfernt. Und wie so oft bauten wir das Sonnensegel auf. Dann nahm ich das Rad ab, zog Bremstrommel und Radnabe herunter und schaute mir das Elend an. Das Radlager war total zermürbt und fiel in seinen Einzelteilen vor mir in den Sand. Das hatte ich in der Art noch nicht gehabt. Dieser Radlagersatz, »Made in China«, hatte genau 550 Kilometer gehalten. Noch bedenklicher: Ich hatte keinen Ersatz mehr. Was nun? Ich ließ Andrea mit den anderen am Bus zurück und hielt erfolgreich das einzige Auto an, das durch diese Einöde fuhr. Es nahm mich mit in die nächste Stadt, wo ich nach neuen Radlagern fahndete. Außerhalb Südafrikas ist es gar nicht so einfach, Ersatzteile für einen VW T3 zu finden. Im wirklich letzten Ersatzteilladen der Stadt hatte ich Glück. Zwar waren die angebotenen Teile erneut »Made in China«, doch eine Alternative hatte ich nicht. Ich kaufte gleich drei Sätze. Jetzt hieß es 170 Kilometer zurückzutrampen und die neuen Lager einzubauen. Darin hatte ich Übung – innerhalb einer Stunde war der Bus wieder fahrbereit. Viel Schweiß und Aufregung – ganz normal beim Reisen in Afrika. Sogar einen Schusswechsel haben wir erlebt, als wir in Mosambik zwischen die Fronten von Rebellen und
Regierungstruppen gerieten und mit Kalaschnikows bedroht wurden. Gott sei Dank kamen wir unbeschadet aus diesem Abenteuer heraus.

Wenn ich abends am Feuer sitze, lege einen Arm um Andrea, den anderen an den Bus. Ich mag diesen Typen mit seinem eckigen Design und den derben Offroad-Reifen – trotz der vielen Pannen, die oft an den Nerven zehren. In ihm habe ich einen treuen Begleiter gefunden, der kompromisslos jedes Gelände meistert. Ich komme gar nicht umhin, diesen T3 Syncro, liebevoll »Mistvieh« genannt, zu bewundern.


VW T3 Syncro (Südafrika)

Baujahr 1989

Karosserie 14-Zoll-Syncro-Fensterbus, Rechtslenker, 8 Sitzplätzen, Sitzbezüge: Heavy Duty Canvas, Bord-Safe, Zwei-Batterie-System mit Spannungsanzeigen, elektrische Fensterheber auf manuelle Bedienung zurückgerüstet, LED-Beleuchtung, Spannungs­wandler, 3x Benzintank, Frontrunner-Dachträger, Ersatzradhalter verstärkt, weiß lackiertes Dach, Klimaanlage.

Motor 2.0-Motor aus Golf III, MKB: AGG, 116 PS/166 Nm, 8V,MPI-Einspritzanlage,
4-Gang-Getriebe mit Verteilergetriebe für Allrad, Motor stehend eingebaut mit Adapterplatte, erhöhte Motorabdeckung.

Fahrwerk VA mit verstärkten »Taxifedern«, die oberen Dreieckslenker mit Spacern, HA mit verstärkten und 40-mm-Gummitellern, Stossdämpfer Monroe Gas (VA) / Landcruiser (HA), Bereifung: 215/80 R15 Goodyear Wrangler AT, Differentialsperren: VA/HA, per Unterdruck geregelt, Servolenkung.