Meyers Manx Replica – VW BuggyArt on wheels

Joshua Hildebrand

 · 20.10.2022

Meyers Manx Replica – VW Buggy: Art on wheelsFoto: Stephan Szantai
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Über ein Vierteljahrhundert ging ins Land, bis der Kanadier Kevin Paugh seinen extravaganten Buggy im Manx-Style fertig­gestellt hat. Das Ergebnis ist so spektakulär wie einzigartig – nicht zuletzt aufgrund der aufwendigen Lackierung im 60er Jahre-Stil …

»Wenn man den Motor nicht nur hören, sondern auch spüren kann, und wenn der Wind durchs Gesicht pfeift … ja, dann ist‘s Freiheit auf vier Rädern«
Foto: Stephan Szantai

Sommer, Sonne, Emotionen. Der Buggy war das Kultauto der 1960er- und 70er-Jahre. Ein Auto zum Selbstbauen, welches das Gefühl von Freiheit und Fahrspaß verkörperte wie kaum ein anderes. Mit dröhnenden Motoren und knalligen Farben rollten die nach Unabhängigkeit strebenden Individualisten über die Straßen, Dünen und Strände – besonders in den USA.

Selbst Steve McQueen, Elvis Presley, Terence Hill und Bud Spencer liebten den Buggy. So fuhr Steve McQueen mit Faye Dunaway 1968 im Film »Die Thomas Crown Affäre« einen Dune-Buggy mit Sechs-Zylinder-Motor des Chevrolet Corvair. Im Film »Liebling, lass das Lügen« cruiste auch der King of Rock, Elvis Presley, mit dem Spaßmobil über die Leinwand. Und in »Zwei wie Pech und Schwefel« avancierte der rote Dune-Buggy von Terence Hill und Bud Spencer sogar zum heimlichen Helden des Films. Ja, und wer hat‘s erfunden? Der leider vor kurzem verstorbene Lebe-Mensch Bruce Meyers († 19. Februar 2021), der sich selbst als Ingenieur, Künstler, Bootsbauer und Surfer sah. Aufgewachsen an der südkalifornischen Küste, wollte er ein Auto bauen, das sich wendiger, leichter und schneller über die Strände lenken lassen sollte, als die schweren Achtzylinder-Offroad-Fahrzeuge, die bis dahin durch den Sand gedriftet waren. Dafür kürzte er die Bodenplatte eines Käfers, montierte darauf eine selbst gefertigte Kunststoffkarosse und nannte es Meyers Manx. Die Geschichte entwickelte sich rasch zu einem Erfolg. Zunächst als »Dune-Buggy« für den Einsatz in Wüsten- und Strand-Rennen unter anderem in Kalifornien konzipiert, eroberten das coole Spaßmobil schnell die ganze Welt und die Trend-Welle schwappte Ende der 1960er-Jahre sogar zu uns nach Deutschland.

Verlagssonderveröffentlichung

Inspiriert vom erfolgreichen amerikanischen Buggy entwickelten übrigens auch die Kollegen von »Gute Fahrt« damals ein Modell: »den Buggy-Bausatz für Jedermann«, welchen sie 1969 TÜV-konform auf die Straße brachten. Später wurden die Rechte an Karmann in Osnabrück verkauft, weswegen der Buggy Karmann von 1971 bis 74 den Zusatz GF trug.

Auch wenn der Buggy nie ein Massenerfolg wurde, so bildete sich schnell eine florierende Fangemeinde, die das Thema Buggy bis heute am Leben hält – sei es durch Restaurationen oder kreativen Umbauten. Dazu zählt auch Kevin Paugh aus Pitt Meadows, einer kleinen Stadt im Westen der kanadischen Provinz British Columbia. Bei ihm läuft es fast schon andersherum: Sein Buggy hält ihn am Leben, oder besser gesagt bei Laune – und das seit fast 30 Jahren! Warum das ganze Spekatkel so lange dauerte, klären wir gleich.

Kevins Leidenschaft und Engagement für die Buggy-Szene geht bis auf seine Highschool-Zeit in den 1990ern zurück: »Ich erinnere mich noch allzu gut daran. Damals habe ich meiner Freundin an ihrem babyblauen Käfer geholfen und sogar Silvester damit verbracht, ihr Getriebe wieder aufzubauen. Ab da war es um mich geschehen …« Im Klartext bedeutet das nichts anderes als die Suche nach einem Projektauto. Eigentlich sollte es auch ein Käfer werden, jedoch kam es – wie so oft im Leben – ganz anders. Durch einen Freund in Whistler, ebenfalls British Columbia, fand er einen »custom-made Dune-Buggy« unbekannten Herstellers, natürlich mit kurzem Chassis. Genauer gesagt handelte es sich um eine Meyers-Manx-Replika. Der Verkäufer hatte bereits angefangen, ihn in einen Dragster zu verwandeln, jedoch war das Projekt ins Stocken geraten. Kevin zögerte nicht lange und kaufte den Buggy, ohne überhaupt einen Plan davon zu haben, wo und wie er an ihm arbeiten könne. Ganz so blauäugig war er dann aber trotzdem nicht: »Ich hatte da schon eine Lösung im Hinterkopf. Zum Glück konnte ich die Scheune eines Familienfreundes nutzen; auch wenn sie mit 45 Minuten einfacher Fahrzeit nicht gerade um die Ecke lag. Aber was macht man eben nicht alles für sein Hobby, oder?« Noch dazu wusste der 44-Jährige bis dato sehr wenig übers Schrauben an alten VW: »Wie die meisten Anderen habe ich die Dinge einfach angepackt, auseinander genommen und viel dabei gelernt.« Kurze Zeit später, im Jahre 1995, war der Elektriker fürs Erste zufrieden, schloss sich der Vee Dub-Family an und nahm schließlich stolz an der Great Canadian Bug Show teil. Wäre ihm dort nicht ein anderer Buggy aufgefallen, der ihm quasi die Show stahl, wäre er vermutlich mit seinem Projekt nie so weit gekommen. Er wollte etwas noch Größeres schaffen, seinen Buggy noch weiter individualisieren – kurzum: Es war noch nicht genug! Doch aus den plötzlich entstandenen Plänen wurde wieder nichts: Kevin bekam nach der Jahrtausendwende gleich zwei Kinder, so dass das Buggy-Projekt gezwungenermaßen ruhen musste – und das mehr als zehn Jahre. Erst vor kurzer Zeit nahm Kevin wieder Fahrt auf und überarbeitete die Fiberglas-Karosserie im Bereich der Seitenkästen als auch am Heck, um besser an den Motor zu kommen. Zudem gestaltete er den Armaturenträger neu und integrierte VDO-Intstrumente. Als Vater mit Verantwortung musste auch der bisherige Käfig einer sicheren 6-Punkt-Version weichen.

Der Buggy auf 1970er Käfer-Bodenplatte erhielt für den aggressiven Nose-Down-Look ein Tieferlegungsvorderachse mit Tieferlegungsachsschenkel. Hinten verbaute Kevin verstellbare Schwerter an der Schräglenkerachse. Er beließ es bei Trommelbremsen rundum, verbaute hinten jedoch kräftigere vom Typ 3 und unterstrich den Drag-Style mit leichten Erco-Alufelgen in 15 Zoll samt 145er-Reifen vorn und 205er-Reifen hinten. Keine dumme Idee, wenn man einen genaueren Blick auf das Triebwerk wirft: Der von California Imports gebaute Typ 1 leistet 100 PS. Die Leistung basiert unter anderem auf einer 74er Kurbelwelle, 92er Zylindern, einer W125-Nocke mit 1,25:1-Kipphebeln, CB-044-Köpfen mit 40/35,5er Ventilen und Weber 44-IDF-Doppelvergasern. Zündungsseitig setzt Kevin auf 009, MSD 6A und eine Flamethrower-Zündspule.

Der Innenraum ist Buggy-typisch schlicht gehalten, auch wenn der VW-Fan das Bestmögliche raus geholt hat: Grant-Lenkrad, Empi-Schalthebel mit Schaltwegsverkürzung, Recaro-Schalensitze und ein spezieller Teppich hübschen den puristischen Innenraum auf. Nicht zu vergessen ist vor allem die Lackierung, immerhin das Erkennungsmerkmal und extrem extravagant: »Ursprünglich sollte der Buggy nur blau werden. Aber als ich den Wagen Mitch von Desmond Custom Finishes vorbeibrachte, änderte sich alles. Er zeigte mir einige Bilder und wir sprachen über viele Ideen. Ich sagte, sie können tun und lassen, was sie wollen.« Gut so! Heraus kam eine sensationelle Lackierung mit 14 verschiedenen Mustern, mehrere Farbschichten in Blau mit unzähligen silbernen Flakes, Pinstripes und jeder Menge Klarlack. »Art on wheels« im Look der 1960er-Jahre. Selbst bei Nacht macht das Design einiges her, denn Kevin hat die Karosserie, den Motor und auch den Inennraum mit blauen LED beleuchtet.

Top gestylt konnte es so (noch vor Corona) ein Wiedersehen bei der Great Canadian Volkswagen Show geben. Kevin lud alle ein, die in der knapp 30-jährigen Umbauzeit mitgewirkt haben. Nur einer war nicht da: der lilafarbene Buggy von damals. Somit waren Kevin und seine Manx-Replika die Stars des Tages, den er mit folgenden Worten besiegelte: »Ich besaß einige Käfer, die inzwischen alle weg sind. Nur mein Buggy ist noch da – und er wird es auch immer bleiben!«


Meyers Manx Replica

Karosserie Fiberglas-Karosserie (Meyers-Manx-Replika) auf gekürzter Käfer-Bodenplatte, Heck / Seitenkästen mod., Lackierung mit Metal Flakes / Pinstriping, 6-P.-Überrollkäfig, blaue LED-Beleuchtung, AutoMeter-DZM & VDO-Zusatzinstrumente, Grant-Lenkrad, Empi-Shifter, Recaro-Schalensitze, Teppich.

Motor Typ 1, 1.968 ccm, 100 PS, 74-mm-Kurbelwelle geschmiedet, 92-mm-Mahle-Zylinder, CB-044-Köpfe, Edelstahlventile 40/35,5 mm, doppelte Ventilfedern, Engle W125, Kipper 1,25:1, Weber 44 IDF, leichter Schwung, Kennedy-Stage1, 009, MSD 6A, Flamethrower, Tri-Mil-Abgasanlage (1 5/8 Zoll).

Fahrwerk Verstelb. Kugelgelenk-VA mit Tieferlegungsachsschenkel & KYB-Stoßdämpfer, Schräg- lenker-HA, Stoßdämpfer mit Schraubfedern h., Trommelbremsen rundum (Typ 1 v. / Typ 3 h.), Erco-Alufelgen in 4 / 6 x 15 Zoll (v/h) mit 145/65 und 215/60 R15-Pneus.