Bulli-Treffen in ArizonaDas Glücksprinzip

Arne Olerth

 · 20.10.2022

Bulli-Treffen in Arizona: Das GlücksprinzipFoto: Bernd Hanselmann
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Eine Handvoll alter Bullis, ein langes Wochende, Gleichgesinnte und eine tolle Location – mehr braucht es nicht zum Treffen-Glück. »Busses by the Bridge« fand genau auf diese Art seinen Ursprung. Mittlerweile hat sich das schillernde Event in der Wüste Arizonas zum größten Bulli-Treffen der USA gemausert.

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Foto: Bernd Hanselmann

Bulli-Fahrer sind ein geselliges Völkchen, haben ihr Schneckenhaus zur spontanen Übernachtung stets dabei. Der wohl praktischste Volkswagen-Klassiker bietet enorm viel Raum zum Erleben, eröffnet Möglichkeiten auf allen Ebenen – Eindrücke, die gerne geteilt werden. Möglichkeiten dazu gibt es zur Genüge – sei es auf einem regionalen Treffen, der legendären Zusammenkunft auf dem Großglockner oder dem Mega-UK-Event in Malvern, nordwestlich von London. Eine besondere Treffenperle funkelt stets im Januar in der Wüste Arizonas, 150 Meilen südlich von Las Vegas. Am Seeufer, von Palmen flankiert. Wäre das noch nicht der Skurrilität genug, so gibt es hier noch eine »London Bridge« – demontiert in der britischen Metropole, verschifft und wieder aufgebaut in der amerikanischen Wüste. Glauben Sie nicht? Begleiten Sie uns nach Lake Havasu City zum schillernden Bulli-Treffen »Busses by the Bridge«.

Verlagssonderveröffentlichung

Ehe wir eintauchen in die bunte Welt der Geselligkeit, der romantischen Lagerfeuer, der Gitarrenklänge und der schnatternden Boxermotörchen wenden wir uns kurz der Stilblüte der britischen Brücke mitten in den USA zu. Zu verdanken ist sie dem findigen Unternehmer Robert McCulloch. Dieser kaufte in den Sechziger Jahren ein Stück Wüste am Arizona River, der hier jung zum See »Lake Havasu« gestaut worden war. Und eben darauf gründete er die Stadt Lake Havasu City. Eine Fabrik für Kettensägen brachte Arbeitsplätze, doch McCulloch hatte auch Touristen im Visier. Da kam ihm die Versteigerung der Themse-Brücke, die an ihrem ursprünglichen Platz nicht mehr ausreichend war, genau recht – als Attraktion für Lake Havasu City. Mit den Transport waren geschätzte 10 Millionen US-Dollar fällig. Zielführend oder nicht, die Kleinstadt jedenfalls ist heute ein beliebter Anlaufpunkt unter US-Touristen.

Gerade die so genannten »Silverbirds«, Renter mit stattlichen Wohnmobilen, finden am kristallklaren Süßwasser-See in Arizona eine willkommene Abwechslung zum heißen Florida, obendrein Ruhe vor lärmenden Spring Breakern.

Seit langem gehören auch die Bulli-Fahrer zum Stadt-Bild von Lake Havasu City, zumindest zu Jahresbeginn. 1994 ging es los, eine Handvoll Bus-Fans trafen sich um See, um Bier und Barbecue zu genießen. Im Jahr darauf sah man sich wieder, das Treffen etablierte sich zur festen Größe. Und es wuchs. Erst langsam, bis es dann vor etwa einem Jahrzehnt regelrecht explodierte. Immer mehr Clubs zog es nach an den Lake Havasu. Anfangs kamen die Teilnehmer aus Arizona, dem wenige Meilen entfernt liegenden Kalifornien und Nevada – heute kann man »Kanada« und »Mexiko« auf manchem Nummernschild lesen. Die Anreise? Dauert in manch altem Schätzchen drei, vier Tage – oder eben auch länger. So what! Wir reden von Reisen im Bulli – home is where you park it.

»Busses by the Bridge« hat sich zum bekanntesten Bulli-Event der Vereinigten Staaten gemausert, schaffte es 2019 gar ins »Guinness-World-Records«-Buch als weltgrößtes Treffen seiner Art.

T1, T2 oder T3 – die Bus-Szene gibt sich hier bunt gemischt. Und ausgesprochen locker. Das sieht man auch den Klassikern an – Originalität wird hier nicht groß geschrieben. Gemacht wird vielmehr, was gefällt. Das Treffen bereitet die Bühne für bunte Unikate – Freigeist statt Uniformität.

Profit-Denken will dazu nicht passen. Tut es auch nicht – die Eintrittsgelder fließen nach Abzug der Unkosten in soziale Projekte der Stadt. Wie etwa Bibliothek, Schulen, Förder-Einrichtungen für benachteiligte Kinder und ähnliches mehr. Es fügt sich dazu, dass »Busses by the Bridge« ohne kommerzielle Catering- und Food-Stände auskommt – vom Kaffee- und Popcorn-Verkäufer einmal abgesehen. Bohnensuppe, Pulled Pork oder Burger kann man dennoch erwerben … bei den Boy-Scouts, den US-Pfadfindern. Der Erlös kommt, Sie ahnen es, eben jenen zu gute. Den Keks für den Nachtisch verkaufen dann die Girl-Scouts.

In der Regel aber lautet das Motto: Selbstverpflegung. In der Bordküche oder am Lagerfeuer. Bisweilen wandelt sich das Gelände am See auch zur gewaltigen Freiluftküche. Ein Jeder kocht, flaniert, isst hier einen Happen, dort den nächsten.

Dabei werden alte Freundschaften gepflegt, neue geknüpft. Und spätestens beim abendlichen Lagerfeuer wird musiziert und gesungen. Regelmäßig gesellen sich dabei US-Größen aus dem Rock- und Pop-Business »inkognito« dazu, unterstützen das Spektakel und genießen die einmalige Atmosphäre.

Die für dieses Jahr geplante 25. Auflage des Treffen wurde Corona-bedingt auf Januar 2022 verschoben. Ein Besuch lohnt sich (www.busesbytheBridge.com)!