VW Van

VW Amarok & Tischer Trail 230S – Aufgesattelt

Heiko P. Wacker

 · 18.12.2020

VW Amarok & Tischer Trail 230S – AufgesatteltFoto: Jan Bürgermeister

Er schultert Lasten und zieht Hänger, der VW Amarok ist ein Arbeitstier. Er kann aber auch den echten Abenteurer im Urlaubsmodus mimen – es braucht nur eine Wohnkabine von Peter Tischer

Schon Anfang der 1970er Jahre entstanden in Kreuzwertheim Wohnkabinen. Und bereits die frühesten Exemplare wurden auf einen Volkswagen gesattelt, einen Bulli natürlich. Die Idee hatte schon damals Charme, denn einen Pritschenwagen gab es für kleines Geld an jeder Ecke. Und wendiger als ein Wohnwagen-Gespann war man ohnedies. Heute konstruiert und fertigt das Familienunternehmen Tischer Absetzkabinen für Pick-Ups. Mehr als 40 Mitarbeiter produzieren rund 200 Einheiten im Jahr, etwa die Hälfte ist für den Amarok geeignet.

Das Fach der beiden 5-Kilo-Gasflaschen ist von außen zugänglichFoto: J. Bürgermeister
Das Fach der beiden 5-Kilo-Gasflaschen ist von außen zugänglich
Der Amarok hat beachtliche Offroad-Talente – auch mit gesattelter KabineFoto: J. Bürgermeister
Der Amarok hat beachtliche Offroad-Talente – auch mit gesattelter Kabine
Bild 2Foto: J. Bürgermeister
So robust die Kabine auch wirkt, so gemütlich zeigt sich das Innere mit dem Bett im AlkovenFoto: J. Bürgermeister
So robust die Kabine auch wirkt, so gemütlich zeigt sich das Innere mit dem Bett im Alkoven
Könner satteln die Kabine in 20 Minuten ab, mit dem Akkuschrauber geht‘s schneller. Am besten unter Ausschluss der Öffentlichkeit übenFoto: J. Bürgermeister
Könner satteln die Kabine in 20 Minuten ab, mit dem Akkuschrauber geht‘s schneller. Am besten unter Ausschluss der Öffentlichkeit üben
Sinnvoll: Zusatzluftfeder an der HinterachseFoto: J. Bürgermeister
Sinnvoll: Zusatzluftfeder an der Hinterachse
Der Absorber-Kühl-Gefrierschrank von Dometic fasst stolze 90 LiterFoto: J. Bürgermeister
Der Absorber-Kühl-Gefrierschrank von Dometic fasst stolze 90 Liter
Die BF Goodrich Allterrain rotieren auf 17-Zöllern von Delta: Schaut deftig aus, ist aber auch Bestandteil der Auflastung auf 3,5 TonnenFoto: J. Bürgermeister
Die BF Goodrich Allterrain rotieren auf 17-Zöllern von Delta: Schaut deftig aus, ist aber auch Bestandteil der Auflastung auf 3,5 Tonnen
Bild 8Foto: J. Bürgermeister
Das Bad im Heck lässt keine Wünsche offen: Waschbecken, Dusche und Kassettentoilette sind an BordFoto: J. Bürgermeister
Das Bad im Heck lässt keine Wünsche offen: Waschbecken, Dusche und Kassettentoilette sind an Bord
Der Küchenblock mit Spüle und Gaskocher wird seitlich rechts montiert, unten drin gibt’s Stauraum für Töpfe und PfannenFoto: J. Bürgermeister
Der Küchenblock mit Spüle und Gaskocher wird seitlich rechts montiert, unten drin gibt’s Stauraum für Töpfe und Pfannen
Landstrom wird via CEE-Stecker bezogen, hinter den abschließbaren Verschluss des Frischwassertanks rauschen respektable 96 LiterFoto: J. Bürgermeister
Landstrom wird via CEE-Stecker bezogen, hinter den abschließbaren Verschluss des Frischwassertanks rauschen respektable 96 Liter
Weit in die Ferne schweift der Blick – dorthin möchte man auch mit einem Amarok mit Tischer-Kabine fahren. Wer braucht da schon Asphalt?Foto: J. Bürgermeister
Weit in die Ferne schweift der Blick – dorthin möchte man auch mit einem Amarok mit Tischer-Kabine fahren. Wer braucht da schon Asphalt?
Ein Viererschalter steuert das Geleucht in der gesamten BudeFoto: J. Bürgermeister
Ein Viererschalter steuert das Geleucht in der gesamten Bude
Die Scherenstufe kommt von Thule, der optionale E-Antrieb kostet 350 Euro extraFoto: J. Bürgermeister
Die Scherenstufe kommt von Thule, der optionale E-Antrieb kostet 350 Euro extra
Auf einen preislich knapp sechsstelligen Camper darf man auch mal anstoßenFoto: J. Bürgermeister
Auf einen preislich knapp sechsstelligen Camper darf man auch mal anstoßen
Alles im Blick: Die Elektronik informiert über alle FüllständeFoto: J. Bürgermeister
Alles im Blick: Die Elektronik informiert über alle Füllstände
Das Fach der beiden 5-Kilo-Gasflaschen ist von außen zugänglichFoto: J. Bürgermeister
Das Fach der beiden 5-Kilo-Gasflaschen ist von außen zugänglich
Der Amarok hat beachtliche Offroad-Talente – auch mit gesattelter KabineFoto: J. Bürgermeister
Der Amarok hat beachtliche Offroad-Talente – auch mit gesattelter Kabine
Der Amarok hat beachtliche Offroad-Talente – auch mit gesattelter Kabine
Bild 2
So robust die Kabine auch wirkt, so gemütlich zeigt sich das Innere mit dem Bett im Alkoven
Könner satteln die Kabine in 20 Minuten ab, mit dem Akkuschrauber geht‘s schneller. Am besten unter Ausschluss der Öffentlichkeit üben
Sinnvoll: Zusatzluftfeder an der Hinterachse
Der Absorber-Kühl-Gefrierschrank von Dometic fasst stolze 90 Liter
Die BF Goodrich Allterrain rotieren auf 17-Zöllern von Delta: Schaut deftig aus, ist aber auch Bestandteil der Auflastung auf 3,5 Tonnen
Bild 8
Das Bad im Heck lässt keine Wünsche offen: Waschbecken, Dusche und Kassettentoilette sind an Bord
Der Küchenblock mit Spüle und Gaskocher wird seitlich rechts montiert, unten drin gibt’s Stauraum für Töpfe und Pfannen
Landstrom wird via CEE-Stecker bezogen, hinter den abschließbaren Verschluss des Frischwassertanks rauschen respektable 96 Liter
Weit in die Ferne schweift der Blick – dorthin möchte man auch mit einem Amarok mit Tischer-Kabine fahren. Wer braucht da schon Asphalt?
Ein Viererschalter steuert das Geleucht in der gesamten Bude
Die Scherenstufe kommt von Thule, der optionale E-Antrieb kostet 350 Euro extra
Auf einen preislich knapp sechsstelligen Camper darf man auch mal anstoßen
Alles im Blick: Die Elektronik informiert über alle Füllstände
Das Fach der beiden 5-Kilo-Gasflaschen ist von außen zugänglich

Der wiederum hat in seinem performanten V6-Trimm mehr als genügend Reserven, um die schon in der Grundausstattung 653 Kilo wiegende Kabine vom Typ Trail 230S zu satteln. Die nutzt die Ladefläche des Amarok voll aus und ragt einen Dreiviertelmeter nach hinten hinaus. Befestigt wird die Rucksack-Wohnung an vier Zurrpunkten. Stabile Metallhaken übernehmen die Fixierung, wobei man die Spannschlösser nach den ersten paar Kilometern ein wenig nachjustieren sollte. Das ist auch für Neulinge kein Problem. Die Sitzflächen der Bänke im Wohnbereich sind als Klappen ausgebildet, unter denen die Seilspanner zu finden sind. Zudem kann man solcherart auch den leeren Raum zwischen Kabinenfundament und Ladebordwand erreichen, um beispielsweise Zeltplanen oder Klappstühle zu transportieren. Zumindest, wenn sich diese eng zusammenfalten lassen.

Doch lassen wir das Drumherum und entern die Kabine selbst! Bei unserer 230S geschieht dies im Heck rechts, das „S“ steht klassisch für den „S“-eiteneinstieg. Alternativ gelangt man durch die Rückwand der Kabine ins Innere, wobei sich preislich kein Unterschied ergibt. Beide 230er sind ab 31.818** Euro erhältlich, unser komplett ausgestattetes Testexemplar lag bei derer 33.472. Und auch drinnen gibt es kaum Unterschiede, im Prinzip tauscht die Tür nur die Position mit dem Hochschrank. Die Raumaufteilung selbst bleibt nahezu unverändert – und schon wären wir mittendrin im Reich der Gemütlichkeit. Wobei es immer wieder überrascht, um wie viel größer die Kabine von innen betrachtet wirkt.

U-Sitzgruppe und großes Bett

Das verdankt sich vor allem der großzügigen U-Sitzgruppe, an die sich der 90 Liter fassende Absorber-Kühlschrank und der Küchenblock mit Spüle und Gasherd anschließen. In Fahrtrichtung nach vorne gedacht thront schließlich im Alkoven, und damit über dem Fahrerhaus, das angenehm bemessene Doppelbett. Die 100 Millimeter dicke Kaltschaummatratze misst 150 auf 195 Zentimeter, und ruht auf den bekannten Froli-Elementen. Und auch die Sitzgruppe lässt sich zum Bett umbauen, hier misst die Schlafstatt 91 Zentimeter in der Breite. Es sei denn – aha, da wäre denn doch noch ein Unterschied zwischen der 230 und der 230S – man wählt den Heckeinstieg. Dann verbreitert sich das Bett der unteren Etage um 20 Zentimeter. Im Tiefgeschoss verbirgt sich hier übrigens die Bordtechnik mit Wassertank, Batterie oder Ladegerät.

Serienmäßig an Bord ist die Gasheizung „Combi 4“ von Truma mit Warmwasseraufbereitung. Der Boiler fasst zehn Liter – allemal genug für eine warme Dusche nach der Wanderung im Sturm. Wintertauglich sind die mit 30 Millimeter dickem Hartschaum isolierten Kabinen ohnedies. Wer aber tatsächlich echten Winter- urlaub machen möchte, der sollte auch den Abwasser- tank in isolierter und beheizter Ausführung zu 336 Euro ordern – nur so zur Sicherheit.

230„S“ meint „S“-eiteneinstieg

Sicher ist natürlich auch der Tritt des Amarok, der mit seinen 258 PS die ideale Basis für eine Wohnkabine darstellt, jedoch mittels Auflastung auf 3,5 Tonnen wichtige Reserven mit auf den Weg bekommt. Auch die in unserem Kandidaten verbaute Zusatzluftfederung an der Hinterachse macht Sinn. Das 1.289 Euro kostende Feature bringt nur fünf weitere Kilos ins Auto, ist aber auf schlechten Bergpassagen Gold wert – sorgt die Kabine doch für eine deutlich spürbare Heck-
lastigkeit.

Deshalb sollte man sich auch gut überlegen, was man auf dem optionalen Fahrradträger so transportiert: Schweres Gepäck sollte eher auf die Rückbank. Viele Camper, gerade wenn sie zu zweit unterwegs sind, ersetzen die zweite Sitzreihe gleich ganz durch einen Lagerraum. Und natürlich kann man auch auf dem begehbaren Dach Stauraum schaffen, was dann aber wieder die Gesamthöhe, sie misst ohnehin schon 310 Zentimeter, vergrößert.

Außen an der Kabine selbst sind lediglich zwei abschließbare Fächer vorhanden: Seitlich reisen die beiden Propanflaschen mit je fünf Kilo mit, im Heck findet sich die Toilettenkassette. Ach ja – und dann wären da noch die Öffnungen für die Kurbelstützen, mit denen sich die Kabine in rund 20 Minuten separieren lässt. Die Kurbel lagert im Gasschrank, stabile Unterlegteller sind serienmäßig an Bord. Doch nur Anfänger leiern von Hand: Profis greifen zum Akkuschrauber, wobei das Procedere stets identisch ist. Man trennt die Kabel zwischen Kabine und Ladefläche und öffnet die Seilspanner, bevor die Kabine angehoben wird, damit der Amarok herausfahren kann. Ist besagte Luftfeder an der Hinterachse installiert, geht’s auch per Knopfdruck.

Wer die separierte Kabine nun wieder etwas ablässt, kann sie auch solo nutzen, der Landstromanschluss sitzt seitlich an der Außenwand.

Und das Aufsetzen? Nun, die meiste Mühe macht noch das saubere Rangieren unter die Kabine – und das auch nur beim ersten Mal. Wer also zunächst in einer stillen Ecke übt, der hat auf dem Campingplatz den großen Auftritt. Der passt im übrigen er zu einem Vollprofi wie dem Amarok, der die Tischer-Kabine schultert, als sei er nie für etwas anderes konstruiert worden. So lässig kann Urlaub sein.


Test kompakt:

Mit einer Absetzkabine von Peter Tischer wird aus dem Amarok ein
Reisemobil, das selbst auf dem Stellplatz mit Outback-Aura punkten kann. Robuste Schuhe und Khaki-Klamotten passen bestens zu diesem Offroad- Camper. Der mimt nach außen den harten Kerl, punktet innen aber mit erstaunlicher Behaglichkeit – die freilich ihren Preis hat.