TestFlowcamper Casper T6.1 - RumCaspern

Heiko P. Wacker

 · 23.08.2021

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Foto: Jan Bürgermeister

Einen echten Kasper sollte man nie so ganz ernst nehmen, er selbst tut das ja auch nicht. Aber man muss immer mit ihm rechnen. So ist es auch beim jüngsten Spross aus dem Hause Flowcamper. Wir waren mal so frei, ein wenig rum zu caspern

Den Namen Casper hat das Modell vom Opa, erklärt Yannic Scholz, während er das Aufstelldach öffnet. Allerdings wird hier nicht Bezug auf des Großvaters Passion genommen, sondern auf seinen Bulli der zweiten Generation – und dessen drolliger Neigung, in engen Kehren ein wenig rumzukaspern. Das blieb in Erinnerung: Yannic mag Werkstattleiter der Hagener Vanufaktur sein – allzu ernst ist er freilich nicht. Womit wir schon direkt beim jüngsten Camper auf Basis des VW T6.1 wären, an Idee, Entwurf und Entwicklung war Yannic zentral beteiligt.

Verlagssonderveröffentlichung

Als Basis dient ein VW Transporter Kombi, wobei auch aus Gründen der Stromgewinnung auf die hinteren Seitenscheiben verzichtet wurde. Wir werden noch darauf zurückkommen. „Im Normalfall ist der Wagen dann komplett verglast, und auch den drehbaren Beifahrersitz sowie die Zweitbatterie und die optionale Standheizung werden schon ab Werk verbaut“, erklärt Yannic. Damit ist beispielsweise die Heizung über die VW-Werksgarantie gedeckt. Auch nicht schlecht.

Doch auch die Vanufaktur steuert noch Bauteile bei – und zwar eine ganze Menge. Freilich erst nach einer grundlegenden Isolierung der Innenwände mit Armaflex, während der Boden mit verklebten Kunststofflagen eine Isolierung erfährt. Hier sind auch die bekannten „Schnierle-Schienen“ eingebettet. Auf den in den Boden eingelassen Schienen lassen sich die beiden Einzelsitze verschieben und dennoch crashsicher einrasten, wobei die Sitze auch komplett entnehmbar sind. Das ist pfiffig: Wer zu zweit verreist, der wirft das je 34 Kilo wiegende Gestühl in die heimische Garage, und hat unterm Bett eine Ladefläche bis zwischen die Vordersitze. Das Bett, es misst 110 auf 195 Zentimeter, kümmert das eh nicht: Es schwebt auf den beiden Seitenschienen und ist zusätzlich an einer der an den Dachholmen verbauten Schienen gesichert.

Dritte Modelvariante von Flowcamper

Die sind ohnedies für alles zu gebrauchen. Im Casper, er startet in der Grundausstattung bei 52.900 Euro, hängen hier Kleinutensilien ebenso wie die hintere Bettfläche. So lassen sich bei hochgeklapptem Kopfteil auch größere Kisten im Kofferraum transportieren, und auch eine Sofa-Funktion ist gegeben. Selbst die Neigung der Lehne ist nun leicht verstellbar, man muss die Kletterhaken einfach nur in den Schienen verrücken. In denen hängen weiterhin die vier „Leuchtbeutel“, die LED-Bänder haben jeweils eigene Anschlüsse mit Schaltern. Zudem finden sich im Wohnbereich diverse USB-Dosen, alleine vier sind am Himmel verbaut. Auch die neueste Evolutionsstufe „USB-C“, wie sie der VW-Konzern inzwischen ebenfalls nutzt, ist vorhanden.

Verwaltet wird der Energiehaushalt über das Zentralpaneel neben der Schiebetür. Hier finden sich auch die Hauptschalter für Wasser, Kühlbox und Licht, zudem informiert eine Digitalanzeige über die Spannung im System. Alleine die Liebe, mit der die Symbole an diesem Paneel gestaltet sind, beweist, wie sehr bei Flowcamper ins Detail gedacht wird. Pfiffige Lösungen ohne Schnickschnack zeichnen den Casper aus. Der mit einer Knebelschnur fixierte Bajonettverschluss der Außendusche, die wiederum an der Heckklappe oder am flankenseitig angedockten Saugkopf eingeclipst wird, ist hier ein gutes Beispiel.

Ganz großes Kino wiederum offeriert das von Reimo bezogene Aufstelldach. Hier besticht vor allem die Open-Sky-Funktion: Die gesamte Bespannung lässt sich öffnen. Das obere Bett wird so zur Lounge, neidische Blicke aus „normalen“ Wohnmobilen sind garantiert. Dass zusätzlich zwei seitliche Moskitonetze im Balg verbaut sind – diese lassen sich im Gegensatz zur frontseitig eingenähten Kunststoffscheibe auch noch öffnen – das sei nur nebenbei erwähnt. Auch erwähnt sei, dass dieses stets in weiß lackierte GFK-Dach 6.200 Euro Aufpreis kostet. Trotzdem wird man kaum je einen Casper ohne dieses grandiose Feature in freier Natur sehen.

Die Felgen? In Wunschdekor!

Und damit einem dort der Saft nicht ausgeht, wurden gleich drei Solarpaneele verbaut: Auf dem Deckel werden 150 Watt erzeugt, der Aufpreis beträgt 1.290 Euro, an den Flanken – aha, deshalb die fehlenden Seitenscheiben – noch zusätzlich zwei Mal derer 55. Indes sind hier im Rahmen einer Machbarkeitsstudie nicht eben günstige Solara-Module montiert, wie man sie aus dem Yachtbau kennt. Für die beiden Seitenmodule müsste man mit jeweils 1.690 Euro rechnen. Allerdings tauchen diese Module in der Aufpreisliste noch nicht auf. Uns wurde der Prototyp als Fotomodell zur Verfügung gestellt, danke nochmals!

LED-„Lichtbeutel“ fürs Ambiente

Der Serienbau läuft natürlich auch schon in Hagen. Der erste Casper soll im November in die Schweiz ausgeliefert werden. „Wir bekamen sogar schon Anfragen aus Großbritannien oder Nordamerika“, freut sich Inhaber Martin Hemp. Die Mischung aus sinnvollen Detaillösungen und charmantem Innenausbau scheint die Menschen international anzusprechen, so manch einer hat wohl einfach keine Lust mehr auf kühle Sachlichkeit oder steril-nüchterne Oberflächen.

Apropos Oberflächen: Für den Möbelbau kommt im Normalfall Fichtenholz zum Einsatz. Unser Fotostar hingegen wurde bereits mit dem deutlich edleren Zirbenholz aufgewertet, das just in die Liste der Optionen aufgenommen wurde. Das Holz, die in den Alpen und in den Karpaten heimischen Kiefergewächse werden bis zu tausend Jahre alt, ist dank Maserung und Haptik besonders anmutig. Doch auch das passt zum Auto: Bei einem Kasper muss man eben immer auf alles gefasst sein.