Classic: VW 1300 Cabriolet – SonnenkindFoto: Jan Bürgermeister

VW Kleinwagen Classic: VW 1300 Cabriolet – Sonnenkind

Markus Olejniczak

 6/13/2022, Lesezeit: 3 Minuten

Das Käfer Cabriolet VW 1300 verzaubert mit dem Charme der Sechziger Jahre, als die Frauen weite bunte Röcke trugen und die Männer Rüschenhemden. Ein Auto wie ein Sommertag!

Bild 13Foto: Jan Bürgermeister
Bild 1Foto: Jan Bürgermeister
Glück gehabt: Die originale Betriebsanleitung des schmucken Volkswagen fand sich nach dem Kauf im AutoFoto: Jan Bürgermeister
Glück gehabt: Die originale Betriebsanleitung des schmucken Volkswagen fand sich nach dem Kauf im Auto
So war das in den Sechziger Jahren – eine einsame Leuchte illuminiert den Innenraum. Sie sitzt beim Cabrio zwischen den SonnenblendenFoto: Jan Bürgermeister
So war das in den Sechziger Jahren – eine einsame Leuchte illuminiert den Innenraum. Sie sitzt beim Cabrio zwischen den Sonnenblenden
Das aufwendige Verdeck des Käfer Cabrio sorgt für GanzjahreskomfortFoto: Jan Bürgermeister
Das aufwendige Verdeck des Käfer Cabrio sorgt für Ganzjahreskomfort
Der 1,3-Liter- Boxermotor machte erstmals Tempo 120 möglichFoto: Jan Bürgermeister
Der 1,3-Liter- Boxermotor machte erstmals Tempo 120 möglich
Kurz nach dem Kauf wurde ein Becker- Autoradio nachgerüstet – wie im Auto gefundene Unterlagen belegenFoto: Jan Bürgermeister
Kurz nach dem Kauf wurde ein Becker- Autoradio nachgerüstet – wie im Auto gefundene Unterlagen belegen
Eine einsame Allee, Wind in den Haaren und das fröhliche Schnattern des Boxermotors in den Ohren – Glücksgefühle sind hier garantiertFoto: Jan Bürgermeister
Eine einsame Allee, Wind in den Haaren und das fröhliche Schnattern des Boxermotors in den Ohren – Glücksgefühle sind hier garantiert
Unter der vorderen Haube befindet sich der Kofferraum des Käfers. Neben dem Reserverad ist hier auch der Kraftstofftank untergebrachtFoto: Jan Bürgermeister
Unter der vorderen Haube befindet sich der Kofferraum des Käfers. Neben dem Reserverad ist hier auch der Kraftstofftank untergebracht
Das Verdeck liegt zusammengefaltet auf der Karosserie auf. Dadurch bleibt der Platz auf der Rückbank erhaltenFoto: Jan Bürgermeister
Das Verdeck liegt zusammengefaltet auf der Karosserie auf. Dadurch bleibt der Platz auf der Rückbank erhalten
Bild 10Foto: Jan Bürgermeister
Das Blinzeln der liegenden Scheinwerfer verzaubert heute den Betrachter, die schwachen Bilux-Birnen arbeiten mit 6 Volt. Die Umstellung auf 12 Volt erfolgte erst zwei Jahre später – und nicht für alle Käfer-VariantenFoto: Jan Bürgermeister
Das Blinzeln der liegenden Scheinwerfer verzaubert heute den Betrachter, die schwachen Bilux-Birnen arbeiten mit 6 Volt. Die Umstellung auf 12 Volt erfolgte erst zwei Jahre später – und nicht für alle Käfer-Varianten
Mit neuem Zündverteiler und überholtem Vergaser schnattert der Boxermotor so fröhlich wie am ersten TagFoto: Jan Bürgermeister
Mit neuem Zündverteiler und überholtem Vergaser schnattert der Boxermotor so fröhlich wie am ersten Tag
Bild 13Foto: Jan Bürgermeister
Bild 1Foto: Jan Bürgermeister
Bild 1
Glück gehabt: Die originale Betriebsanleitung des schmucken Volkswagen fand sich nach dem Kauf im Auto
So war das in den Sechziger Jahren – eine einsame Leuchte illuminiert den Innenraum. Sie sitzt beim Cabrio zwischen den Sonnenblenden
Das aufwendige Verdeck des Käfer Cabrio sorgt für Ganzjahreskomfort
Der 1,3-Liter- Boxermotor machte erstmals Tempo 120 möglich
Kurz nach dem Kauf wurde ein Becker- Autoradio nachgerüstet – wie im Auto gefundene Unterlagen belegen
Eine einsame Allee, Wind in den Haaren und das fröhliche Schnattern des Boxermotors in den Ohren – Glücksgefühle sind hier garantiert
Unter der vorderen Haube befindet sich der Kofferraum des Käfers. Neben dem Reserverad ist hier auch der Kraftstofftank untergebracht
Das Verdeck liegt zusammengefaltet auf der Karosserie auf. Dadurch bleibt der Platz auf der Rückbank erhalten
Bild 10
Das Blinzeln der liegenden Scheinwerfer verzaubert heute den Betrachter, die schwachen Bilux-Birnen arbeiten mit 6 Volt. Die Umstellung auf 12 Volt erfolgte erst zwei Jahre später – und nicht für alle Käfer-Varianten
Mit neuem Zündverteiler und überholtem Vergaser schnattert der Boxermotor so fröhlich wie am ersten Tag
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So lange es den Käfer gab, so lange gab es ihn auch ohne Dach: Bereits Ferdinand Porsche hatte erkannt, wie viel Charme ein Frischluft-Volkswagen hat. Schon unter den ersten Versuchsfahrzeugen fanden sich daher offene Varianten – auch wenn die offizielle Produktion erst 1949 begann.

Das hinreißend geformte Käfer Cabriolet auf diesen Seiten in der betörenden Farbe Rubin ist annähernd zwei Jahrzehnte jünger. Sicher tönten „Barbara Ann“ und „Michelle“ in seinem Zulassungsjahr 1966 in Mono aus dem Becker-Autoradio „Europa“, inszeniert von den Beach Boys und den Beatles. Wahrscheinlich auch Frank Sinatra, der mit „Strangers in the Night“ einen Welterfolg landete. Glückloser hingegen verliefen die Geschicke des ehemaligen Gesichts der Wirtschaftswunderzeit Ludwig Erhard in seinem letzten Amtsjahr als Kanzler. Auch im Fußball lief es alles andere als rund, verlor doch Deutschland gegen England 0:1 im Weltmeisterschaftsfinale in London.

Dafür war die Autowelt noch in Ordnung, kostete der Liter Normalbenzin doch nur 55 Pfennig – etwa 28 Cent. Es war die Hochzeit des Käfers – jährlich wurden hierzulande mehr als 300.000 der luftgekühlten Krabbler zugelassen. Dagegen nimmt sich die Zahl der Cabriolets recht bescheiden aus, waren es doch kaum mehr als 2.000 Exemplare. Das mag auch am Verkaufspreis gelegen haben: Mit 6.490 DM kostete das feine Cabriolet fast eineinhalb mal so viel wie der Standard-Käfer VW 1200 A (4.485 DM). Doch bot das Cabriolet neben Ganzjahreskomfort durch sein aufwendiges Verdeck und Platz für die ganze Familie das volle Chrom-Ornat des Exportmodells.

Alte Hasen erinnern sich: Volkswagen differenzierte ehedem nach Standard und Export, der Letztere stets feiner ausstaffiert. Das Modelljahr des Fotoautos freilich lancierte ein Novum, kombinierte die Luxus- Ausstattung erstmals mit einem kräftigeren Motor. Anstelle von Standard und Export hieß es ab sofort: VW 1200 A (34 PS) und VW 1300 (40 PS) – angelehnt an den Hubraum. Der Stärkere kostete knapp 500 DM Aufpreis.

Das Cabrio des Jahrgangs ’66, das darauf aufbaut, wird von einem 1,3-Liter-Boxer angetrieben. Volkswagen realisierte den Hub-raum-Zuwachs durch einen simplen Kniff, installierte die größere Kurbelwelle des VW 1500 (Typ 3) im VW 1200-Motor. Mit dem VW 1300 begann eine wahre Leistungsexplosion, die – ausgehend vom 1200er mit 30 PS, später 34 PS – in den S-Modellen 1302 und 1303 der Siebziger Jahre mit 50 PS aus 1,6 Litern Hubraum ihren Leistungszenit erreichte.

Mit seinen charismatisch liegenden Scheinwerfern, den rundlichen Stoßstangen mit kleinen Hörnern, der Armaturentafel aus lackiertem Blech, mit Bedienknöpfen aus Hart-Kunststoff darf dieser Volkswagen den Zeitgeist der Sechziger Jahre verströmen. Nur zwei Jahre darauf beraubten Sicherheitsbestrebungen den Käfer dieser Details – und damit auch einer Menge seines Charmes.

Dem freilich ist Besitzerin K. Kiefer komplett erlegen:„Alleine dieses weiße Lenkrad und dahinter das rote Armaturenbrett! Und überhaupt: Diese Farbe, die sieht man innen, die sieht man außen. Phantastisch!“ Es beeindruckt, wie viel Glückspotential die schlichte Farbnummer 456 bei ihr zu wecken vermag. In einer Oldtimer-Werkstatt wurde der hübsche Oben-ohne- Krabbler angeboten. Zuvor restauriert von einem Privat- mann kurz nach der Jahrtausendwende, ereilte ihn das Los vieler Sammler-Fahrzeuge: Standschäden durch zu langes Nichtbewegen.

Alles Schnee von gestern: Heute fährt, bremst und lenkt das Cabrio problemlos. Die Felgen fallen gar eine Nummer breiter aus, waren eigentlich für den Verwandten Porsche 356 vorgesehen.

„Ich bin froh, dass das Auto bei der Restaurierung auf Originalzustand getrimmt wurde. Die Farbe passt einfach.“ Sagt es, und rollt weiter durch die Allee: Die Haare im Wind, im Gesicht ein Lächeln voller Frühling.