Joachim Fischer
· 18.10.2023
Das Leben wird immer komplizierter. Haben Sie auch das Gefühl? Klima, Energiewende, Lieferengpässe, Verkehrswende – da bleibt momentan kein Stein auf dem anderen. Sie fahren ohnehin nur noch mit den Öffis, gelegentlich mal Taxi oder mieten sich allenfalls bei Bedarf ein Auto? Dann brauchen Sie prinzipiell nicht weiterlesen, andere müssen sich für Sie die Gedanken um das Thema Winterreifen machen. Wenn Sie selbst aber ein Auto besitzen, vielleicht sogar mehrere in der Familie haben, sollten Sie die folgenden Zeilen aufmerksam lesen, denn das kann weitere Komplikationen in ihrem Mobilitätsalltag verhindern.
Der Bridgestone überzeugt durch seine Ausgewogenheit und seine sicheren Fahreigenschaften – auch auf Kompakt-SUV. Ausgezeichnet auf Schnee, gut bei Nässe und im Trockenen. In vielen Größen verfügbar und zudem laufruhig.
Preis in 205/55 R 16 91H: ab 100 Euro
Ausgewogene Fahreigenschaften, gute Traktion und Seitenführung auf Schnee. Gutes, direktes Trockenhandling, etwas empfindlich im Nasshandling. Der Hankook hat zudem viele Werksfreigaben, rollt leise ab und ist günstig.
Preis in 205/55 R 16 91H: ab 81 Euro
Der Vredestein Snowtrac 5 ist sicher und traktionsstark auf Schnee, gut bei Nässe und lenkpräzise sowie bremsstabil auf trockener Bahn. Ebenfalls empfehlenswert: der Wintrac sowie der Wintrac Pro für SUV. Preiswert.
Preis in 205/55 R 16 91H: ab 81 Euro
Der neue TS 870 setzt die Erfolgsgeschichten des TS 860 und TS 850 fort. Er ist betont ausgewogen und fahrsicher, sehr gut auf Schnee, gut bei Nässe und im Trockenen. Komfortabel, geringer Rollwiderstand. Viele Werksfreigaben.
Preis in 205/55 R 16 91H: ab 100 Euro
Auch der neue Michelin Alpin 6 ist ein höchst ausgewogener Winterreifen mit hoher Lebenserwartung. Gut auf Schnee, trockener und nasser Piste, feines Handling auf Nässe. Als Pilot Alpin 5 SUV ebenfalls absolut top.
Preis in 205/55 R 16 91H: ab 111 Euro
Als Winter Sport 5, 4D oder 3D ist der Dunlop ein ausgezeichneter Winterklassiker. Dynamisch im Handling, ausgewogen und super auf Schnee, gut auf nasser wie trockener Bahn. Nicht umsonst hat er einige Werksfreigaben.
Preis in 205/55 R 16 91H: ab 91 Euro
Auf Schnee und im Trockenen zeigt sich der Finne von seiner allerbesten Seite, bietet viel Traktion, stabiles Handling, bremst gut. Generation 2 des Snowproof zeigt sich auch auf Nässe verbessert.
Preis in 205/55 R 16 91H: ab 91 Euro
Ein wirklich ausgewogener Alleskönner auf Schnee, Nässe und auch trockener Fahrbahn mit guter Lenkansprache und gutmütigem Handling. Ebenfalls sehr empfehlenswert: der Goodyear Ultra Grip 9+.
Preis in 205/55 R 16 91H: ab 102 Euro
Der Pirelli glänzt mit vielen Werksfreigaben, entsprechend ausgewogen ist er in seiner Leistung: überzeugend auf Schnee, top auf trockener Fahrbahn, gut auf Nässe. Auch sehr gut: der Pirelli Sottozero 3.
Preis in 205/55 R 16 91H: ab 93 Euro
Der Beispielreifen hat das Format 205/60 R 16. Die Breite des Pneus wird in Millimeter (hier: 205) angegeben, 60 bezeichnet das Verhältnis von Reifenbreite zu -höhe, auch Querschnitt genannt. Die Reifenhöhe beträgt hier also 60 Prozent der Breite – somit 123 mm. Die 16 steht für den Felgendurchmesser in Zoll. Die DOT nennt das Produktionsdatum. 1506 steht etwa für die 15. Kalenderwoche 2006. Auf Winterreifen muss heute ein dreizackiges Berg/Schneeflocken-Symbol vorhanden sein, M&S allein gilt bei ab 2018 gebauten Reifen nicht mehr.
Unterschiedliche Talente für unterschiedliche Witterungsbedingungen. Die Gummimischung für Winterpneus ist elastischer, damit sie auch bei tiefsten Temperaturen noch flexibel bleibt. Zusätzlich verbeißen sich Winterreifen mit ihren unzähligen Lamellen und Profilkanälen förmlich im Schnee, sorgen so für die nötige Traktion und guten Kurven-Grip. Das Profil leitet Matsch und Regenwasser schnell nach außen weg. Sommer Pneus sind für Plus-Temperaturen ausgelegt. Große Blöcke und Mittelrippen sorgen für beste Lenkpräzision, sportlich-sicheres Kurvenverhalten sowie beste Bremseigenschaften.
Winterreifen – warum überhaupt, es wird doch sowieso immer wärmer, schneit kaum noch? Nun, in Deutschland gilt die sogenannte situative Winterreifenpflicht. Das bedeutet: Sobald Schnee, Matsch, Eis oder Reif auftreten und die Straßen rutschig machen, müssen alle Pkw, SUV, Vans, Geländefahrzeuge, Wohnmobile und Busse mit bis zu acht Sitzplätzen mit Winterreifen ausgerüstet sein – und zwar rundum. Eine zeitliche Begrenzung gibt es nicht. Das macht die Sache knifflig, denn keiner weiß so genau, wann es glatt wird. Das kann schon früh im Oktober passieren, vielleicht aber auch noch im Frühjahr nach Ostern. Da sollte man sich keinesfalls nur auf den Klimawandel verlassen. Allenfalls absolute Wenigfahrer im Flachland mit geringer Schnee-Wahrscheinlichkeit wohnhaft, könnten zocken, müssten dann aber – für einzelne Tage, vielleicht auch Wochen – das Auto konsequent stehenlassen und öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Wer das akzeptiert, kann auf den Winterräder-Tausch verzichten. Eine Alternative wären gute Ganzjahresreifen. Allwetter-Pneus sind inzwischen sehr ordentlich, bleiben aber ein Kompromiss: Im Sommer sind sie nicht so gut wie reine Sommerreifen, im Winter schlechter als reine Winter-Pneus. Sie sind aber eine legale Möglichkeit, sich vor dem Reifenwechsel zu drücken.
Die letzte Winterreifen-Empfehlung in GUTE FAHRT, Ausgabe 10/2022, behandelte ganz ausführlich die jeweiligen Winterreifen-Vorschriften in den Staaten Europas. Das ist zur kalten Jahreszeit nicht nur für Wintersportler, sondern auch für sonstige Urlauber oder Geschäftsreisende wichtig, die mit dem Auto unterwegs sind. Bei Nichtbeachtung drohen teils saftige Strafen und man darf nicht weiterfahren. Wegen des teils gewaltigen Wirrwarrs an Regelungen und manchmal auch widersprüchlichen Vorschriften haben wir an dieser Stelle auf genauere Erklärungen für die einzelnen Länder verzichtet und nur die wichtigsten Vorschriften noch einmal zusammengefasst: Gilt im betreffenden Land eine Winterreifenpflicht? Und wenn ja, wann? Welches ist die vorgeschriebene Mindestprofiltiefe für die Winterpneus? Im Zweifelsfall gilt: Bei Auto-Reisen während der kalten Jahreszeit in die genannten Länder lieber zuvor Winterreifen aufziehen lassen. Das erspart Ärger. Und wer ganz auf Nummer sicher gehen will, legt noch einen Satz Schneeketten in den Kofferraum. Gute Fahrt!
Als zugelassene Winterreifen gelten seit 1. Januar 2018 nur noch an der Flanke mit dem Schneeflocken-/Alpin-Piktogramm gekennzeichnete Reifen. Das gilt auch für Ganzjahres-Pneus. Die Bezeichnung M+S allein reicht nicht mehr. Für vor dem 31. Dezember 2017 produzierte M+S-Reifen gilt eine Übergangsfrist bis 30. September 2024. Wer die Regelungen missachtet, bringt sich sowie andere in Gefahr und riskiert Bußgelder ab 60 Euro aufwärts plus Punkte in Flensburg.
Wer einfach sicher gehen will, in hügeligen Gegenden oder im Gebirge lebt, Wintersportler ist oder auch Vielfahrer mit häufigen geschäftlichen Terminen auswärts ist, für den gilt: Solange Glätte droht, sind Winterreifen unerlässlich. Punkt.
Vor der Montage lohnt sich ein Blick auf die Winterpneus. Haben sie Schäden, ist noch genügend Profil vorhanden? Der Gesetzgeber schreibt mindestens 1,6 Millimeter vor, Fachleute raten zu einem Restprofil von mindestens 4 Millimetern. Das macht Sinn, denn wie sollen sich die elastischen, kälteresistenten Profilblöcke von Winterreifen mit ihren bis zu 2.000 Lamellen sonst noch in den Schnee krallen können? Eben! In dieser speziellen Beschaffenheit der Blöcke liegt auch der Grund, warum man Winterpneus unabhängig vom Profilbild nach spätestens sechs Jahren austauschen sollte. Durch die Alterung verliert die spezielle Gummi-Mischung ihre Elastizität, härtet aus. Die Profilblöcke mit ihren Lamellen sind nicht mehr so beweglich und büßen so ihre Vorteile auf Schnee und Eis ein. Feststellen kann man das Alter der Pneus anhand der DOT-Nummer auf der Reifenflanke. Steht dort etwa DOT...2320, bedeutet das: Der Reifen wurde in der 23. Woche des Jahres 2020 produziert.
Alles in Ordnung? Dann sollte man rechtzeitig einen Termin für den Räderwechsel bei seiner Werkstatt ausmachen. Denn wer wartet, bis die ersten Flocken fallen, steht garantiert Schlange. Ihre alten Winterreifen sind am Ende oder sie brauchen wegen eines Autowechsels entsprechend den Fahrzeugpapieren (Zulassungsbescheinigung Teil 1 unter 15.1 und 15.2 oder zulässige Alternativen im COC, Certificate of Conformity, Punkt 32 oder 50) eine neue Größe? Kein Problem: GUTE FAHRT veröffentlicht traditionell in Ausgabe 10 ihre Winterreifen-Empfehlung. Enthalten sind die gängigsten Winter-Formate für viele VW, Audi-, Seat-, Cupra- und Skoda-Modelle – auch aus älteren Baujahren. Die Übersichtstabelle finden Sie auf den Seiten 76 und 77. Dazu haben wir aktuelle Top-Winterreifen von neun Herstellern kombiniert. Viele davon besitzen Werksfreigaben der Marken des VW Konzerns. Falsch macht man mit keinem dieser Winter-Spezialisten etwas.
Das Hauptaugenmerk haben wir bei der Auswahl auf Reifenmodelle für die Kompakt- und Mittelklasse gelegt, doch spezielle Winter-Profile für große und Mittelklasse-SUV, besonders leistungsstarke Fahrzeuge oder auch E-Autos drängen in den Markt. Die Diversifizierung ist hier in vollem Gange. Deshalb findet man im Tabellenkopf und den Fußnoten oft auch verschiedene Reifenmodelle von einem Hersteller.
Abschließend noch ein Hinweis: Sollten Sie neue Winterreifen benötigen, kümmern Sie sich auch hier frühzeitig um Ersatz. Der Krieg in der Ukraine und die teils noch brüchigen Lieferketten haben auch bei der Reifenindustrie tiefe Spuren hinterlassen. Teils sind bestimmte Formate oder Reifentypen nicht lieferbar oder lassen lange auf sich warten. Wer zu spät ordert, muss nehmen, was übrig bleibt, bekommt unter Umständen sogar nichts mehr und ist dann zeitweilig auf die Öffis angewiesen – was das Leben weiter unnötig komplizieren kann.