Aus der strategischen Partnerschaft von VW Nutzfahrzeuge und der E-Sparte von Tuner Abt sind mittlerweile serienreife Stromer entstanden. Über Details der bei Abt entwickelten e-Caddy und e-Bulli informierte GUTE FAHRT beim Fahrbericht in Ausgabe 3/2020. Während die Produktion des e-Caddy, der noch auf dem Vorgänger-Modell basiert, nach etwa 1.200 verkauften Fahrzeugen bereits endete, handelte es sich bei der von uns gefahrenen Transporter-Version des e-T6.1 noch um ein Vorseriemodell. Bei einem neuerlichen Fahrtermin Ende Juli konnten wir an Bord der E-Caravelle platznehmen. Dabei sind die technischen Daten der jetzt bestellbaren Elektro-Bullis ebenso identisch geblieben wie der Produktionsprozess: Alle e-T6.1 laufen als vollwertige Fahrzeuge mit langem Radstand und Diesel-Antriebsstrang in Hannover vom Band. Sämtliche Verbrenner-Komponenten werden bei Al-Ko in Kötz entfernt und durch den von Abt e-Line entwickelten elektrischen Antriebstrang ersetzt. Während die Bordnetz-Architektur des T6.1 beibehalten wird, greifen die Kemptener bei den E-Komponenten teils ins E-Golf-Regal. Bei der Batterieproduktion setzen die Allgäuer auf den Partner Handtmann aus Biberach. Das komplett neue Steuergerät entwickelte man gemeinsam mit Schäffler. Für Vortrieb sorgt eine 83 kW starke E-Maschine von Bosch. Diese Kombination bringt den E-Bus gemäß WLTP bis zu 138 Kilometer weit, was eindeutig seinen Einsatzzweck für Gewerbe, Handwerk und Kommune im urbanen Raum definiert. Der Reichweite zu Liebe ist die Topspeed auf 90 km/h begrenzt, 120 km/h sind optional (147 Euro) auch möglich.
Anders als bei den meisten Stromern üblich, benutzt der elektrische T6.1 den normalen DSG-Schaltautomaten, allerdings auf die ersten drei Fahrstufen begrenzt Im Fahrbetrieb macht sich das Getriebe nicht bemerkbar, lediglich beim Kickdown hört man in der gut gedämmten Caravelle minimal, wie es arbeitet. Ansonsten bleibt es in der Passagierversion herrlich ruhig, regelrecht still.
Entspannter Antrieb, sehr gute Lenkung
Vorzüge bietet auch die neue elektromechanische Lenkung des T6.1, die ein sicheres Fahrgefühl vermittelt und nie von der Antriebskraft beeinflusst scheint. Durch den unterm Boden montierten Akku, der samt Schutzgestell rund 360 Kilo wiegt, wandert der Schwerpunkt nach unten, wodurch der Caravelle satt auf der Straße liegt. Ein Abt-Entwickler meinte gar, die neue Gewichtsverteilung von 50:50 liege gar auf Sportwagen-Niveau. Der E-Caravelle ist indes weder Sportler noch Wanderdüne, sondern ausgewogen abgestimmt. Bei vorausschauender Fahrweise lässt er sich mit der einzig verfügbaren Rekuperationsstufe fast ausschließlich übers Gaspedal be- und entschleunigen, selten muss in der hügeligen Allgäuer Landschaft oder auch in der lokalen Metropole Kempten die Betriebsbremse herhalten. Bei den gefahrenen 45 Kilometern hat sich die im Kombiinstrument abgelesene Restreichweite um kaum mehr als 30 Kilometer reduziert. Das lässt vermuten, dass der E-Antrieb sehr sparsam arbeitet – trotz des um 170 Kilo schwereren Eigengewichts gegenüber einem TDI.
Und die Preise? Ohne die Förderprogramme zu berücksichtigen, gibt es den E-Caravelle ab 56.475 Euro. Der elektrische Kombi und Kastenwagen sind für 49.623 Euro oder 44.990 Euro zu haben. Auch im Leasing (48 Monate) ist der E-Caravelle folglich am teuersten: Die Monatsrate beträgt 569 Euro. Die Lieferzeit liegt bei etwa 12 Wochen.