Test Audi Q5 50 TDI QuattroFein gemacht

Martin Santoro

 · 08.07.2021

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Foto: J. Bürgermeister

Audi hat sein Mittelklasse-SUV Q5 optisch und technisch überarbeitet. Der 50 TDI ist der Top-Diesel in der Baureihe. Wie passt der 286 PS starke Dreiliter-V6 mit Mild-Hybrid-System, Tiptronic und Quattro-Antrieb zum noblen Raumgleiter?

Welches Mittelklasse-Auto wünschen sich Vielfahrer, wenn sie trendorientiert eine hohe Sitzposition plus noble Ausstattung schätzen? Richtig: ein luxuriöses und geräumiges SUV. Und da ansprechende Modelle dieser Fahrzeuggattung bekanntlich aus Bayern kommen, geht der Blick ganz schnell nach Ingolstadt. Audi empfiehlt den Publikumsliebling Q5, der frisch überarbeitet wurde. Das Facelift-Modell gibt sich an neuen Scheinwerfern und Rückleuchten zu erkennen. Bei letzteren kommen erstmals organische OLED-Leuchtdioden (1.190 Euro) zum Einsatz, die eine Personalisierung der Leuchtsignatur erlauben. Der Kunde kann zwischen drei unterschiedlichen Grafiken wählen. Oder er greift direkt zum Komplettset mit Matrix-LED-Scheinwerfer für 2.250 Euro. Neben zahlreichen empfehlenswerten Zusatzfunktionen beinhaltet diese Option auch das eindrucksvolle Lichterspiel der OLEDs beim Öffnen/Verschließen des SUV.

Verlagssonderveröffentlichung

Bedeutsamer aber scheint die Frage nach dem passenden Antrieb, kommt der überarbeitete Q5 natürlich auch mit besonders spritsparenden TDI – abgasgereinigt mit dem Twindosing-SCR-System. Blättern Sie im Konfigurator zügig nach unten, findet sich dort beim Thema Antrieb der Q5 50 TDI Quattro Tiptronic – das Topmodell.

Souveräne 286 PS und gewaltige 620 Newtonmeter maximales Drehmoment bietet der drei Liter große V6-Turbo-Direkteinspritzer. Er kommt serienmäßig mit klassischem Quattro-Allradantrieb nebst selbstsperrendem Mittendifferenzial und dem extrafeinen Achtgang-Tiptronic- Automaten.

Bei exzessivem Umgang mit der wirklich verführerischen Sonderausstattungsliste schießt der Basispreis von 57.600 Euro ganz schnell in unerwartete Höhen. Wählen Sie also mit Bedacht! Für 58.900 Euro ist die gehobene Linie „Advanced“ mit entsprechend erweiterter Ausstattung zu haben. 60.250 Euro werden für die Topversion „S-Line“ aufgerufen. GUTE FAHRT stand letztere in der edlen Metallic-Lackierung Distriktgrün (900 Euro) für einen Test bereit. Der Testwagen war fast bis zum Anschlag ausstaffiert und unterm Strich gut 89.000 Euro teuer.

In diesen Sphären muss der Interessent aber nicht landen. Neben seinem üppigen S-Line-Ornat sind zahlreiche Annehmlichkeiten wie Bluetooth-Freisprechanlage, digitaler Radioempfang und eine integrierte SIM-Karte für den Zugriff auf Online- und Remote-Funktionen ebenso bereits in Serie an Bord, wie elektrisch verstellbare Außenspiegel mit Heizfunktion, der fast etwas übereifrig reagierende Pre Sence City-Assistent sowie Audis Fahrmodusprogramm Drive Select.

Und natürlich der fulminante Sechs- ender, der mit einem Mild-Hybrid-System ausgestattet ist. Ein Riemen-Starter-Generator (RSG) speist ein zusätzliches 48-Volt-Bordnetz, das eine kompakte Lithium-Ionen-Batterie integriert. Beim Verzögern gewinnt der RSG Strom zurück und speichert ihn im Akku. Boosten kann er nicht, wodurch eine leichte Anfahrschwäche des TDI offenbar wird. Der V6 löst sein Dampfhammer-Versprechen daher mit leichter Verzögerung ein.

Bulliger Diesel

Danach treibt der bullige Motor den 4,70 langen und zwei Tonnen schweren Audi fast schon spielerisch leicht an. Der hochmoderne Diesel zeigt sich laufruhig und vibrationsarm von seiner besten Seite. In 5,7 Sekunden katapultiert er das SUV aus dem Stand auf 100 km/h, in 14,9 Sekunden auf 160 km/h. Der Überholsprint von 80 auf 120 km/h verfliegt in 3,9 Sekunden förmlich, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 240 km/h elektronisch abgeregelt. Das reicht locker, um auf der linken Autobahnspur souverän jedes Tempo mitzugehen.

Dass dies zudem äußerst komfortabel von Statten geht, ist in erster Linie ein Verdienst der optionalen Luftfederung samt einstellbarer Dämpfercharakteristik. Mit 2.000 Euro kein Schnäppchen, aber jeden Cent wert. Das Federungsverhalten beim Überfahren von Unebenheiten ist oberklasse, auch wenn die montierten 21-Zoll-Räder (3.540 Euro) einen etwas trockenen Eindruck beim Anfedern hinterlassen. Komfortorientierte Naturen dürften mit ein bis zwei Nummern kleiner besser bedient sein.

Bei flotter Fahrt auf kurvigem Geläuf agiert die Lenkung präzise und fein rückmeldend. Das Einlenken erfolgt sehr direkt und ohne nennenswerte Karosserieneigung. So lässt sich das stattliche SUV elegant, fast schon spielerisch auf mäanderndem Asphaltband bewegen.

Fahrkomfort der Extraklasse

Die Tiptronic verrichtet ihre Arbeit sprichwörtlich unauffällig. Jeder Gangwechsel erfolgt seidenweich und ruckfrei. Das Sport-Programm sorgt für späteres Hochschalten.

Und das MHEV-System? Es schaltet bei Gaswegnahme den Diesel aus – auch bei höheren Geschwindigkeiten. Drückt der Pilot wieder aufs Pedal, so reißt der RSG den Diesel blitzschnell an. Das Wechselspiel „an/aus“ funktioniert ohne Komfortverlust – klasse. Und beim Ausrollen an eine Ampel knipst der Q5 schon ab Tempo 22 den TDI aus. Das alles resultiert in einem angemessenen Testverbrauch von 8,9 Litern. Beim entspannten Cruisen sind Sechser-Schnitte möglich.

Mit dem V6-TDI ist der Q5 geradezu prädestiniert für die lange Reise. Sinnvolle Ergänzung: das Assistenz-Paket „Tour“ zu 1.340 Euro. Es enthält nützliche Funktionen, wie den adaptiven Fahr- und Geschwindigkeits- Assistenten sowie Effizienz-, Abbiege-, Ausweich-, Spurhalte- und Fernlichtassistent. Eine sinnvolle Kombination. Nicht fehlen sollte auch die MMI-Navigation Plus (2.445 Euro). Das Bedienkonzept ersetzt den Dreh-/Drücksteller auf der Mittelkonsole mit einem Touchdisplay.

So ausgerüstet und nicht zuletzt aufgrund seiner makellosen Verarbeitung sowie den vielen feinen Details ist der vorne wie auf der Rückbank großzügig geschnittene Q5 ein wahres automobiles Genussmittel. Das rechtfertigt letztlich auch den Preis.

Noch mehr Diesel-Power und Exklusivität gefällig? Bitteschön: das serviert Audi im Sportmodell SQ5.