Neuer VW Passat VariantFrischer Wind

Arne Olerth

 · 25.08.2023

Neuer VW Passat Variant: Frischer WindFoto: Volkswagen
Erste Gerüchte zur frischen, nunmehr neunten Generation des Volkswagen-Langzeitbestsellers mit dem Tropenwind im Namen, wirbeln ordentlich Staub auf. GUTE FAHRT hat für Sie alle belastbaren Informationen zum neuen Passat Variant zusammengetragen
Text-Bild-Schere: Der neue Passat kommt mit einem Multifunktionslenkrad mit haptischen Knöpfen – im Sinne einer leichten Bedienung. Das Vorserien-Fotoauto wurde mit einem Touch-Volant ausgerüstet
Foto: Volkswagen

Große Jubiläen erfordern besondere Präsente. Daher beschenkt Volkswagen die Kunden pünktlich zu seinem fünfzigsten Geburtstag mit einer Neuauflage ihres Bauzeit-Champions: dem Passat. Generationen von Handlungsreisenden setzten genauso erfolgreich auf ihn, wie die Familienväter eines halben Jahrhunderts. Aus Handlungsreisenden wurden Außendienstler, doch der Dienstwagen blieb der gleiche: schmuck und komfortabel, zuverlässig und wertstabil, technisch in Vorreiterrolle und dabei derart geräumig, dass manch Oberklassen-Vertreter beschämt das Edelleder kräuselte. Dabei kokettierte der Große aus Wolfsburg in Sachen Materialwahl, Ausstattung und Verarbeitung stets mit dieser Klasse, blieb beim Kostenkapitel stets aber bodenständig. Manch zeitgeistige Strömungen sorgten für spannende Derivate – wie etwa das viertürige Coupé Passat CC oder den hemdsärmeligen Crossover Passat Alltrack. Doch die tragende Säule im Passat-Programm ist seit 49 Jahren schon der mega-praktische Passat Variant. 1974 ein Jahr nach dem Modellstart nachgereicht, übernimmt er in der jetzt folgenden neunten Generation (B9) die Alleinherrschaft, die Limousine entfällt.

Der neue Passat Variant legt in Radstand und Länge zu – bei letzterer um satte
14 Zentimeter. Das dürfte für noch mehr Beinfreiheit im bisher schon fürstlichen Fond
sorgen. Auch die Reichweiten der e-Hybride wurde gestreckt – auf rund 100 KilometerFoto: VolkswagenDer neue Passat Variant legt in Radstand und Länge zu – bei letzterer um satte 14 Zentimeter. Das dürfte für noch mehr Beinfreiheit im bisher schon fürstlichen Fond sorgen. Auch die Reichweiten der e-Hybride wurde gestreckt – auf rund 100 Kilometer

Deutlich gewachsener Kofferraum

Zwar dauert es noch einige Wochen bis zur offiziellen Vorstellung des neuen Passats, doch konnte Volkswagen es sich nicht verkneifen, heute bereits einige Appetithäppchen freizugeben. Was die Wartezeit nicht eben erleichtert, zeigt sich der neue große Volkswagen-Kombi doch als echter Kracher: Mit einem Längenzuwachs von satten 14 Zentimetern übertrifft er die aktuelle Baureihe B8 (4,77 Meter) deutlich, auch der Radstand ist gewachsen. Weitere Aufbaudaten verrät der Autobauer noch nicht. In der Silhouette freilich offenbart der Youngster keine radikalen Sprünge: Die Dachlinie neigt sich etwas stärker als bisher, die Proportionen bleiben jedoch im Wesentlichen erhalten. Das ist auch gut so, gehört der B8 doch bis heute zu den gelungensten Kombis auf dem Markt. In einem wesentlichen Kaufkriterium aber kann der B9 seinen Vorhänger ausbooten: beim Kofferraumvolumen. Bietet der Passat Variant bisher überragende 650 bis 1.780 Liter, so sind es ab Modelljahr 2024 schier unglaubliche 690 bis 1.920 Liter! Wem das nicht reicht, dem kann nur mit einem Multivan geholfen werden.

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Selbstverständlich wird auch der neue Passat mit einer schicken Lichtleiste zwischen den Scheinwerfern die Blicke auf sich ziehen, so wie man es von anderen Volkswagen-Modellen kennt. Die Leuchteinheiten bauen flacher, optional gibt es eine neue Generation der „IQ.LIGHT – LED-Matrixscheinwerfer“ mit einem High-Performance-Fernlicht. Satte 500 Meter Leuchtweite sollen damit möglich sein, was einen erheblichen Zugewinn an Sicherheit bei Nachtfahrten darstellt und ganz nah an die Performance von Laserscheinwerfern ran kommt. Schmucke Lichttechnik gibt’s auch am Heck: Hier kommt der neue Passat Variant mit durchgängiger LED-Querspange zwischen den Rückleuchten. Darüber sitzt ein langgezogener Dachkantenspoiler mit seitlichen Winglets – der Aerodynamik zuliebe.

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Noch verbirgt sich die Grafik der LED-Heckleuchten teilweise unter Tarnfolie – Volkswagen aber
hat bereits bestätigt, dass sie eine durchgehende Lichtspange verbindetFoto: VolkswagenNoch verbirgt sich die Grafik der LED-Heckleuchten teilweise unter Tarnfolie – Volkswagen aber hat bereits bestätigt, dass sie eine durchgehende Lichtspange verbindet

Digitalisiertes Cockpit

Radgrößen und Reifendimensionen? Volkswagen gibt auch dazu noch keine Informationen preis, verweist auf die offizielle Vorstellung Ende August. Wohl aber wird ein Blick auf den Arbeitsplatz des Passat-Piloten gewährt. Und der wurde radikal umgekrempelt: Das annähernd durchgehende Lüftungsdüsenband des aktuellen Modells ist Geschichte, an seiner statt spannt sich eine breite Klavierlackleiste über den Armaturenträger, die bis weit in die Türverkleidungen hineinreicht. Zentral vor dem Fahrer ist ein digitales Cockpit integriert, die Lüftungsdüsen sitzen außen an den A-Säulen und mittig unterhalb des zentralen Touchscreens, der prominent vor dem Dekorband platziert wurde und leicht zum Fahrer geneigt ist.

Er ist deutlich gewachsen, misst mindestens 12 Zoll, je nach Ausstattung sogar 15 Zoll in der Diagonale. Kamen die Multimediasysteme zumindest in den preisgünstigen Ausführungen bisher noch mit zwei Drehknöpfen, so will das neue System über Touchen und Sliden bedient werden. Das sorgte in der Vergangenheit nicht immer für uneingeschränktes Wohlwollen, doch Volkswagen verspricht mit dem neuen System einen großen Schritt nach vorne gemacht und viele Kundenwünsche umgesetzt zu haben. So ist etwa der unterhalb des Screens platzierte große Slider zur Einstel- lung von Lautstärke, Temperatur und Sitzheizung nun beleuchtet, die zentralen Elemente der Klimaanlagen-Steuerung sind stets auf der untersten Leiste platziert. Das System kann vielfältig individualisiert werden. Voraussichtlich kommt hier die Einheit aus dem ID.7 zum Einsatz, die bei einer ersten Probefahrt mit einer prima Sprachsteuerung glänzen konnte. Intuitive Bedienbarkeit jedenfalls stand ganz oben im Lastenheft der Passat-Entwickler. Daher kommt Generation B9 jetzt auch optional mit einem Head-up-Display, das direkt in die Scheibe projiziert – die ausfahrbare Kunststoffscheibe ist Geschichte.

Doppelkupplungsgetriebe in Serie

Die Designer haben die Mittelkonsole entschlackt: Zwei Abdeckrollos verbergen Ablagen, dazu gibt es je einen Taster zum Starten des Motors und für die Handbremse – das war’s. Okay, zusätzlich gibt es eine zweigeteilte Mittelarmlehne, die ein großes Fach bedeckt – doch weitere Bedienelemente sucht man hier vergebens. Zuvorderst den Getriebewählhebel. Der wanderte in den linken Lenkstock, womit die Vermutung im Raum steht, dass der Passat nur noch mit DSG angeboten wird – analog zum neuen Tiguan (siehe GF 8/2023). Wenngleich die Bilder eine andere Sprache sprechen, beteuert Volkswagen, dass das Multifunktionslenkrad des neuen Passats mit Knöpfen und nicht mit Touch-Flächen kommen wird – eine Entscheidung, die durch ihr verringertes Ablenkungspotential nur begrüßt werden kann.

Der neue Passat Variant legt in Radstand und Länge zu – bei letzterer um satte 14 Zentimeter. Das dürfte für noch mehr Beinfreiheit im bisher schon fürstlichen Fond sorgen. Auch die Reichweiten der e-Hybride wurde gestreckt – auf rund 100 Kilometer
Und wo, bitteschön, ist der Schalthebel? Der Passat wird wohl generell mit DSG ausgerüstet, dessen Bedienung über den rechten Lenkstockhebel erfolgt. Das sorgt für eine aufgeräumte Mittelkonsole mit noch mehr Platz für Ablagen – diskret unter Rollos versteckt
Foto: Volkswagen

Darüber hinaus macht das neue Passat-Cockpit einen enorm hochwertigen Eindruck. Neben dem ansprechend geradlinigen Design, das auch nach vielen Jahren nicht langweilen wird, beeindruckt die hochwertige Verarbeitung. Edle Biesen und Kontrastnähte heben die Wohlfühlatmosphäre an Bord genauso wie feine Applikationen aus Aluminium. Aus dem Leichtmetall sind auch die Türgriffe, der Startknopf und die Griffe der Rollos auf der Mittelkonsole gefertigt – Elemente, die der Fahrer oft berühren muss. Dazu passt das Volkswagen-Versprechen, dass besonders hochwertige Materialien und eine effektive Geräuschdämmung zum Zuge kommen. Optionale ErgoActive-Vordersitze zielen noch mehr in Richtung Luxusklasse.

B8-Piloten wissen: Passat-Fahren macht Laune. Mit frisch abgeschmecktem Fahrwerk, neuen DCC-Pro-Dämpfern und dem GTI-Fahrdynamikmanager wird die neue Passat-Generation B9 für noch mehr Glücksmomente sorgen

Sie sind bis zu 14-fach verstellbar und bieten neben Heizung und Belüftung auch umfangreiche Massagefunktionen – damit werden lange Reisen zum Vergnügen. Ein besonderes Schmankerl ist das riesige Panorama-Glasschiebedach, das sich direkt hinter der Windschutzscheibe bis auf Höhe der C-Säule erstreckt und damit das komplette Passagierabteil überspannt. Neben einem lichtdurchfluteten Innenraum sorgt es fast schon für Cabrio-Feeling – ganz einfach auf Fingerwisch.

Mehr elektrische Reichweite für die PHEVs

Und unter der Haube? Bleibt der Passat sich treu, hält neben TDI-, TSI- und eTSI-Aggregaten auch e-Hybridantriebe bereit. Genauere Daten gibt es noch nicht, nur so viel hat Volkswagen verraten: Die PHEVs können etwa 100 Kilometer rein elektrisch fahren, ihre Batterie deutlich schneller laden als bisher – sogar an starken Gleichstromladesäulen. Die Aggregate gehören zum MQBevo-Baukasten, auf dem der B9 aufbaut. Damit wird auch der Einsatz des neuen DCC Pro-Dämpfersystems möglich, das mit 2-Ventil-Dämpfern deutlich performanter arbeitet als die aktuelle Generation der adaptiven Dämpfer. Radindividuell wird hier zigfach pro Sekunde die Dämpfung für jedes Rad eingestellt, Lenk-, Brems- und Beschleunigungsvorgänge werden berücksichtigt. So ergibt sich für jede Fahrsituation und jeden Untergrund stets das perfekte Setup, das der Fahrer zudem von sehr sportlich bis super-komfortabel abstimmen kann. Unterm Strich verspricht das System noch mehr Komfort und Dynamik als bisher. Doch das ist noch nicht alles: Volkswagen spendiert dem neuen Passat Variant den aus dem Golf GTI be-währten Fahrdynamikmanager.

Der choreografiert die elektronischen Differenzialsperren (XDS) und die Querdynamikanteile der DCC Pro-Dämpfer – so vorhanden – und sorgt damit für ein noch präziseres und agileres Fahrverhalten. Dazu wurde auch das Fahrwerk neu abgeschmeckt: Erhöhte Sturzsteifigkeit und ein höheres Seitenkraftlenken der Vierlenker-Hinterachse, neu abgestimmte Stabilisatoren und Dämpfer, angepasste Felgenformate und eine direktere Lenkübersetzung sichern im Verbund mit dem verlängerten Radstand mehr Fahrspaß und eine nochmals erhöhte Fahrstabilität. Das bestätigt auch Entwicklungsvorstand Kai Grünitz: „Beim neuen Passat haben wir sehr viel Wert auf einen hohen Fahr- und Reisekomfort gelegt, den die Kunden direkt spüren werden. Dafür sorgen unter anderem der gewachsene Radstand sowie die neue adaptive Fahrwerksregelung mit 2-Ventil-Dämpfern. Gleichzeitig lässt sich unser neues Anzeige- und Bedienkonzept sehr intuitiv bedienen. Die klimatisierten Massagesitze verdeutlichen unseren Premium-Anspruch im Interieur.“ Keine Frage: Mit 50 ist noch lange nicht Schluss, Generation neun wird die Erfolgsgeschichte weiter fortschreiben! Wir freuen uns schon darauf.