Martin Wittler
· 05.05.2024
Ambientebeleuchtung in allen Farben, Gestensteuerung, Vierzonen-Klimaautomatik – bei vielen neuen Fahrzeugen überbieten sich die Hersteller mit Extras und Spielereien. Einige Autoinsassen dürften mit solcherlei Techno-Gimmicks eher überfordert sein. In der Praxis kommen diese dann eher selten zur Geltung – auch Details wie etwa die Innenraumfarbgebung treten in den Hintergrund. Und dass derartiger Hightech-Schnickschnack auch gar nicht nötig ist, um das Fahrerlebnis aufzuwerten, zeigt Škodas Kompaktwagen Scala. GUTE FAHRT hat den überarbeiteten Wagen genauer unter die Lupe genommen.
Škoda wer? Tatsächlich dürfte der Scala vielen noch gar kein Begriff sein. Denn in Deutschland ist die Baureihe Scala noch vergleichsweise unbekannt. Hierzulande war der Wagen mit 7.342 Neuzulassungen im vergangenen Jahr das mit Abstand am wenigsten verkaufte Modell der tschechischen Marke. Eingeführt wurde die Baureihe Scala im Jahr 2019. Sie folgte damals auf das 2012 vorgestellte Kompaktmodell Škoda Rapid, das sich bis dahin immerhin gut 100.000-mal in Deutschland verkauft hatte. Diesen Rang muss sich der Scala erst noch erarbeiten. Bis dahin stellt sich eher die Frage: Hat der Škoda Scala das Potenzial zum Geheimtipp?
Inmitten des SUV-Booms und der zunehmenden Elektrifizierung der Fahrzeugmodelle sticht der Scala allein durch seine Form als Kompaktwagen hervor, der noch dazu ausschließlich als Benziner erhältlich ist. Der Motor leistet wahlweise 70 kW (95 PS), 85 kW (115 PS) oder 110 kW (150 PS). Wir waren mit der mittleren Leistungsstufe mit Siebengang-DSG unterwegs. Unsere Tour führte uns über die Autobahn, über Landstraßen entlang des Elbdeichs, über holpriges Kopfsteinpflaster und auch über teils unbefestigte Wege. Auf allen Untergründen fuhr sich der Scala äußerst komfortabel. Die Federung war stets angenehm, die Lenkung griffig. Kurz: Der Fünftürer zeigte sich überraschend agil. Auch beim Verbrauch machte der Scala eine gute Figur: Der Durchschnittswert lag während unseres Tests bei etwas mehr als fünf Litern pro 100 Kilometer.
Während der Testfahrten durch Hamburg und Umgebung hatten wir auch Zeit für eine Art “Simply Clever”-Check. Dieser Claim ist seit mehr als zwanzig Jahren das Markenversprechen von Škoda – und das bereits seit Anfang der 2000er-Jahre, als die tschechische Marke dem Mittelklasse-Modell Superb erstmals ein praktisches Regenschirmfach in der Fahrertür spendierte, aus dem der Schirm einfach hervorgezogen werden konnte. Ein sinnvolles Extra, über das der für das Jahr 2024 überarbeitete Škoda Scala nach wie vor verfügt. Gerade bei Hamburger Schmuddelwetter ist ein Regenschirm in Griffweite stets von Vorteil. Das zeigte sich auch während der Testfahrt durchs Hamburger Frühjahrsgrau.
SO VEREINT ŠKODA PRAKTIKABILITÄT UND MODERNE
Aber auch sonst – zum Beispiel auf dem Weg vom Parkplatz ins Büro oder in den Supermarkt – kann es nie schaden, einen Schirm parat zu haben. Stichwort Parkplatz: Ein weiteres “Simply Clever”-Detail, das Škoda seinen Modellen bereits seit geraumer Zeit mitgibt, ist der Parkzettelhalter an der Innenseite der Windschutzscheibe. So ist das Ticket aus dem Parkautomaten von außen immer gut sichtbar – und fliegt auch, sollte es vergessen werden, bei der nächsten Tour nicht auf dem Armaturenbrett hin und her. Es sind diese kleinen, durchdachten Gadgets, die im Autoalltag enormen Nutzwert haben. Und das gilt auch für die kleine, herausnehmbare Abfallbox, die sich in der Türablage befestigen lässt und in der sich zum Beispiel die Verpackungen der Snacks während unserer Testfahrt einfach versenken ließen.
Weitere praktische, jedoch keineswegs selbstverständliche Details finden sich an etlichen Stellen des Škoda Scala: beispielsweise ein Scheibenkratzer mit einer Profiltiefenskala für die Kontrolle des Reifenprofils, der an der Innenseite des Tankdeckels befestigt ist. Oder, unter der Motorhaube, ein Trichter, der das Kleckern beim Nachfüllen des Scheibenwaschwasserbehälters verhindert. Oder eine herausnehmbare Box im Mitteltunnel, in der Fondpassagiere kleinere Gegenstände unterbringen können. Aus dieser Box lässt sich bei Bedarf auch ein flexibler Becherhalter aus Gummi ausklappen, sodass Getränke sicher fixiert werden können.
Und das ist nicht die einzige Ablagelösung für die Fondpassagiere. Denn an der Rückseite der Vordersitze befinden sich auch sogenannte Smartphone-Taschen. Das Handy bleibt so jederzeit griffbereit und versinkt nicht in der Tiefe der klassischen Stautaschen an den Sitzlehnen.
EINFACHE, DURCHDACHTE LÖSUNGEN WERTEN DAS FAHRERLEBNIS AUF
Das Beispiel zeigt, dass die “Simply Clever”-Details des Škoda Scala überaus simpel sind, zugleich aber auch echten Zusatznutzen bringen. Dazu kommen digitale Hilfen: Apple Carplay und Android Auto verbinden das Smartphone mittlerweile kabellos mit dem Infotainment-System. Bei unserem Testwagen mit der Topausstattungsvariante Monte Carlo kommen weitere Annehmlichkeiten hinzu: allen voran diverse Sicherheitssysteme wie etwa ein adaptiver Abstandshalteassistent, ein Tempomat, ein Spurhalte- und sogar ein Spurwechselassistent.
Trotz aller Modernität, aus der Zeit gefallen ist jedoch das 9,2-Zoll-Infotainment-Display, das sich auch über eine Sprachsteuerung bedienen lassen soll: Das funktionierte im Test überhaupt nicht. Und auch die Steuerung via Touchscreen ist eine eher ruckelige Angelegenheit. Die fehlerlose Benutzung des Bildschirms erfordert einiges an Einarbeitungszeit. Unpraktisch ist auch, dass sich die Lautstärke des Radios nicht über einen Drehregler, sondern nur über zwei Touchfelder am Rand des zentralen Bildschirms regeln lässt. Immerhin: Am Lenkrad gibt es zwei leicht und intuitiv bedienbare Walzen. Über die eine der beiden lässt sich die Lautstärke einpegeln. Und über die andere kann man das digitale Cockpit feinjustieren. Letzteres ist nun serienmäßig an Bord. Analoge Zeiger gehören beim Scala der Vergangenheit an. Hier zieht also die Moderne ein. Ebenso mit den neuen, für den Scala optionalen LED-Matrixscheinwerfern.
Überzeugend ist auch der Stauraum des Kompaktwagens: 467 Liter passen in den Kofferraum. Bei umgeklappten Rücksitzlehnen wächst das Ladevolumen auf bis zu 1.410 Liter. Das ist mehr, als etwa in die neueste Generation des VW Golf (381 l/1.237 l) hineinpasst. Und auch im Kofferraum gibt es einige clevere Details. Etwa die Haken an den Seitenwänden oder an der Rückseite der hinteren Sitzreihe, an denen volle Einkaufstüten eingehängt werden können. Das verhindert, dass die Tüte etwa in einer scharfen Kurve umkippt und die Fracht anschließend durch den Kofferraum rumpelt. Und für den Fall, dass mal nasse oder schmutzige Gegenstände transportiert werden müssen, dreht man einfach die Kofferraumbodenabdeckung um. Dann liegt der Teppichbelag unten und eine leicht zu reinigende, unempfindliche Gummimatte bildet den Kofferraumboden.
RAUMWUNDER: DER WAGEN BIETET MEHR STAURAUM ALS DER AKTUELLE VW GOLF
Die Raumwunder-Qualitäten des Škoda Scala sind übrigens umso beachtenswerter, wenn man bedenkt, dass der Wagen auf dem Technikbaukasten MQB A0 aufbaut – also dem Basisbaukasten für die Einstiegsmodelle und Kleinwagen des VW Konzerns. Auf diesem Technikgerüst fußen beispielsweise auch Modelle wie der VW Polo oder der Seat Ibiza. Škoda hat beim Scala aus der kleinen MQB-A0-Plattform, deren Entwicklung die tschechische Marke übrigens seit 2021 verantwortet, das Maximale herausgeholt. Das macht sich allerdings auch beim Preis bemerkbar. Die Basisausführung des Škoda Scala startet bei 23.420 Euro. Unser Testwagen in der Topausstattung Monte Carlo liegt jedoch mindestens bei 41.200 Euro. Zum Vergleich: Ein VW Polo kostet 21.590 Euro. Und der Golf, der im Gegensatz zum Scala zum Beispiel über eine Mehrlenker-Hinterachse und nicht über eine einfachere Verbundlenkerachse verfügt, startet bei 27.180 Euro. Ob das Preissegment zwischen Polo und Golf die Position ist, mit der dem Škoda Scala in Deutschland der Aufstieg vom Nischenmodell zum Bestseller gelingen kann? Die Kunden werden es entscheiden.