Sicher fahren im WinterWas es bei Eis und Schnee zu beachten gibt

Reinhard Haas

 · 01.05.2024

Sicher fahren im Winter: Was es bei Eis und Schnee zu beachten gibtFoto: Škoda Auto
Die kalte Jahreszeit ist besonders herausfordernd für Mensch und Maschine – denn beim Fahren auf Schnee, Eis und Matsch gilt es einiges zu beachten

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Foto: iStock/bastianbodyl, Skoda

Tageshell ist es nur kurz – und die Sicht meistens mäßig. Dazu gesellen sich Schnee, Eis und schlechte Straßenverhältnisse. Die Rede ist vom Winter. Gerade jetzt ist Sicherheit im Straßenverkehr oberste Priorität – angefangen bei der richtigen Bereifung bis hin zu Fahrer oder Fahrerin selbst

In Deutschland gilt die situative Winterreifenpflicht. Einfach gemerkt mit der „O bis O“-Regel etwa die Zeit von Oktober bis OsternFoto: SeatIn Deutschland gilt die situative Winterreifenpflicht. Einfach gemerkt mit der „O bis O“-Regel etwa die Zeit von Oktober bis Ostern

Der optimale Winter-Check für das eigene Gefährt beginnt mit der Beantwortung der acht wichtigsten Fragen:

Ist die Lichtanlage meines Fahrzeugs voll funktionsfähig? Viele Werkstätten bieten hierfür einen kostenlosen Service an. Ist meine Batterie komplett aufgeladen? Batterien können empfindlich auf Kälte reagieren. Unter 0 Grad Celsius können Batterien bis zu 30% ihrer Leistung einbüßen. Sind bereits Winterreifen montiert und haben sie noch genügend Profiltiefe? Falls Sie die Reifen nicht selbst wechseln: Kümmern Sie sich früh um einen Termin bei der Werkstatt – wenn der erste Frost kommt, ist der Andrang groß! Sind Eiskratzer und Schneebesen im Auto? Die wichtigsten Utensilien für den Winterbetrieb kann man getrost auch das ganze Jahr über im Kofferraum verstauen. Dazu gehört auch eine kleine „Notfall-Ausrüstung“ für längere Staus auf der Autobahn, wie z.B. eine Decke, eine Notration mit Müsli-Riegeln oder Nüssen und Mineralwasser. Ist genügend Frostschutzmittel im Scheibenwischwasser und - noch wichtiger - im Kühlsystem? Hat der Motor ausreichend Motoröl? Im Winter verbraucht ein Verbrennungsmotor deutlich mehr Öl als in den warmen Monaten, in denen er schneller auf Betriebstemperatur kommt. Funktionieren die Scheibenwi- scher einwandfrei? Verschmierte Scheiben sind - vor allem nachts - ein großes Sicherheitsrisiko. Sind die Gummidichtungen an Türen und Kofferraum elastisch und intakt? Bei Frost werden diese schneller brüchig und somit undicht.

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WINTERREIFENPFLICHT IN DEUTSCHLAND

In Deutschland gibt es keine Winterreifenpflicht in bestimmten Monaten – stattdessen gilt die situative Winterreifenpflicht, die Paragraf 2 StVO regelt. Wer im Winter garantiert auf der sicheren Seite fahren möchte, sollte sich an die „O bis O“-Regel halten: Von Oktober bis Ostern muss jeder Autofahrer in Deutschland mit plötzlichem Schneefall, mit stellenweise auftretender Eisglätte und mit trüben Lichtverhältnissen rechnen. Für Motorräder und andere Zweiräder gilt diese Pflicht nicht. Autoreifen sollten die Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimeter haben. Der ADAC empfiehlt jedoch gerade für Winter- oder Ganzjahresreifen eine Profiltiefe von mindestens vier Millimetern.

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Übrigens: Seit 01.01.2024 sind nur noch Winterreifen mit Alpine-Symbol erlaubt, die alten Reifen nur mit M + S Symbol alleine reichen nicht mehr – mit einer Übergangsfrist: Reifen, die mit M+S markiert sind und vor 2018 produziert wurden, werden bis Ende September 2024 noch als wintertauglich angesehen.

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EISKRATZEN UND SCHNEERÄUMEN

Wer sein Fahrzeug nicht in einer Garage unterstellen kann, kennt die morgendliche Prozedur: erst mal Eiskratzen. Aber bitte nicht – wie man es immer wieder sieht – während des Eiskratzens den Motor laufen lassen. Erstens dauert es zu lange, bis die Heizung die vereisten Scheiben auftaut. Zweitens ist der nutzlos laufende Motor ein echter Umweltsünder. Es genügt außerdem nicht ein Guckloch für den Blick nach vorne freilegen. Sicher Autofahren kann man nur, wenn man alle Verkehrsteilnehmer rundherum erkennen kann. Außerdem sollte Schnee vom Dach, der Motorhaube und dem Heck abgekehrt werden.

Ist das Auto startbereit, heißt die Devise bei Eis und Schnee: langsam und vorsichtig. Technik-Experte Andreas Kaurisch vom ADAC Nordrhein empfiehlt: „Mit Gefühl die Kupplung kommen lassen und anfahren. Drehen die Räder durch, fährt man besser im zweiten Gang an. Eine geringere Motordrehzahl führt zu einer besseren Bodenhaftung. Noch schwieriger ist es bei Fahrzeugen mit E-Antrieb. Durch das hohe Drehmoment des Elektromotors drehen die Räder leichter durch. Eis, Schnee und Glätte auf der Fahrbahn verlängern den Bremsweg deutlich. Vorausschauendes Fahren, genügend Abstand zum vorausfahrenden Verkehrsteilnehmer und behutsames Bremsen sind daher im Winter besonders wichtig. Bei der ersten Fahrt an einem winterlichen Tag empfiehlt sich eine kurze Bremsprobe auf freier Strecke, damit man ein Gefühl für die aktuelle Fahrbahnbeschaffenheit bekommt.“

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SICHER UND VORSICHTIG UNTERWEGS

Vorausschauendes Fahren ist besonders wichtig im Winter. Wer auf Schnee oder gar Eis scharf bremsen muss, riskiert die Kontrolle über den Wagen zu verlieren – und zu rutschen. In dieser Situation nehmen Sie den Fuß vom Bremspedal, lenken gegen und bremsen dann erneut. Wiederholen Sie diesen Vorgang, bis das Fahrzeug steht. Überholvorgänge und Spurwechsel stellen im Winter eine besondere Gefahr dar, insbesondere bei Schnee auf der Fahrbahn. In der Fahrbahnmitte liegt meist mehr Schnee als auf den Fahrspuren. Die unterschiedliche Schneehöhe bremst die Räder ungleichmäßig ab, wodurch das Auto schleudern kann. Verzichten Sie daher bei Schnee und Eis auf den Straßen auf unnötige Überholmanöver.

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SCHNEEKETTENPFLICHT

Wer regelmäßig in den Skiurlaub fährt, ist sicherlich schon dem Verkehrsschild 268 begegnet. Es zeigt ein Schneekettensymbol auf blauem Hintergrund und bedeutet, dass ab hier nur noch mit Schneeketten an den Reifen weitergefahren werden darf. Wer ohne Ketten weiterfährt, muss in Deutschland mit einem Verwarngeld von 20 Euro rechnen. Deutlich strenger sind die Regeln in anderen Ländern: In Österreich gilt in den Wintermonaten eine Mitführpflicht von Schnee- ketten für alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen und ein Bußgeld von bis zu 5.000 Euro bei Verstößen gegen die Schneekettenpflicht.

Vorsicht direkt hinter dem Streudienst: Kürzlich gestreutes Salz löst Schnee und Eis erst nach einiger Zeit

ÜBERHOLEN VON RÄUMFAHRZEUGEN

Räumfahrzeuge genießen nach Deutscher Straßenverkehrsordnung Sonderrechte. Der Fahrer eines langsam fahrenden Schneepflugs ist beispielsweise nicht für Auffahrunfälle verantwortlich. Sie sollten daher hinter Räumfahrzeugen immer großzügig Abstand halten. Überholt werden darf nur, wenn die Fahrbahnbeschaffenheit dies zulässt und keine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer entsteht. Noch ein weiterer Grund spricht dafür, hinter Streufahrzeugen besonders vorsichtig zu fahren: Eben erst gestreutes Salz löst Schnee und Eis erst nach ein paar Minuten. Fahren Sie also direkt hinter einem Streufahrzeug, ist die Fahrbahn noch glatt.

Viele Gefahren lassen sich im Winter durch eine vorausschauende und vorsichtige Fahrweise eindämmen – und viel Abstand zum Vordermann. Ist jedoch die Fahrbahn komplett mit Eis überzogen, wie es bei Blitzeis und Eisregen vorkommt, sind die Straßen nicht mehr befahrbar. Auf einer eisglatten Fahrbahn lässt sich ein Fahrzeug nicht mehr kontrollieren. Geraten Sie unterwegs auf eine eisglatte Fahrbahn, bleibt Ihnen nur eine Möglichkeit: Fuß vom Gas, auskuppeln, ganz vorsichtig bremsen und den Wagen langsam zum Stehen kommen lassen.

Durch die eisigen Temparaturen im Winter können E-Auto-Batterien bis zu 30 Prozent ihrer Reichweite einbüßen
Foto: iStock/Milan Krasula, Skoda

BESONDERHEITEN BEI E-AUTOS

Besitzer von Elektrofahrzeugen sollten wissen, dass die Batterie durch die Winterkälte bis zu 30 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit – also Reichweite – verlieren kann. Beim Betrieb auf der Kurzstrecke können es bis zu 50 Prozent sein. Hinzu kommt, dass die Heizung ein großer Energiefresser ist. Falsches Laden kann im Winter den Akku schädigen. Generell gilt, dass man sein Auto am besten direkt nach der Fahrt wieder auflädt, solange der Akku noch warm ist. Zum einen dauert so das Laden nicht so lange, zum anderen ist das am schonendsten und sorgt für eine möglichst lange Akku-Lebensdauer. Am besten den Ladestand im Winter zwischen 40 und 80 Prozent halten, wenn das Auto länger als einen halben Tag nicht genutzt wird.

Beim Laden an der eigenen Wallbox das Auto am besten angesteckt lassen. Die Netzenergie kann zum Vortemperieren des Akkus für die nächste Fahrt genutzt werden – viele Wallboxen können dementsprechend programmiert werden. Einen kalten Akku sollte man nicht an einer Schnellladesäule laden. Bereits bei weniger als 20 Grad Akkutemperatur können Schäden entstehen, da sich die Ionen langsamer bewegen und die mit hoher Geschwindigkeit hineingepresste Energie nicht richtig aufnehmen können.


7 Tipps zum Fahren bei Eis und Schnee

  1. Langsam und vorsichtig fahren, keine ruckartigen Lenkbewegungen, gefühlvoll bremsen, nicht zu stark beschleunigen
  2. Bei Glatteis größeren Abstand zum Vordermann halten
  3. Wenn zwischen den Fahrspuren Schnee liegt, Spurwechsel auf die notwendigsten beschränken
  4. Fahrzeuge mit Automatikgetriebe nicht im Sport-Modus fahren
  5. Bei Eisregen möglichst anhalten und warten bis der Streudienst vorbeigefahren ist
  6. Kommt das Fahrzeug ins Schleudern: auskuppeln, den Gang rausnehmen, gefühlvoll bremsen – falls man auf ein Hindernis zufährt vollbremsen – und für geübte Fahrer gegenlenken
  7. Wenn keine Gefahr besteht bei geringer Geschwindigkeit auf der Straße eine Bremsprobe machen. Auf glatter Fahrbahn kann der Bremsweg bis zu fünf Mal so lange sein wie auf trockener Straße