Reportage Plug-in-Hybride von Volkswagen – Weiter geht‘s!

Joshua Hildebrand

 · 19.10.2021

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Foto: VW

VWs Plug-in-Hybride sind nicht nur beliebt, sie bieten auch viele Vorteile. Die nächste PHEV-Generation mit doppelter Batteriekapazität, Schnellladen und mehr Reichweite ist bereits in Arbeit

Wir machen weiter“, verkündete Volkswagen Mitte September im Rahmen einer Driving-Experience in Norwegen. Anlass war die Schlagzeile eines anderen deutschen Autobauers, den Plug-in-Hybridantrieb nicht mehr weiterzuentwickeln – weil der Fokus auf reine E-Autos gerichtet werden soll.

Trotzdem: Der PHEV ist nicht tot. Hoch lebe der PHEV! Für Volkswagen ist und bleibt er ein fester Bestandteil der Elektrifizierungsstrategie zum Erreichen der CO2-Ziele und ein für viele Anwendungsbereiche effizientes Antriebskonzept – bei richtiger Nutzung. Möglich macht das die Vereinigung von zwei Technologien – der Kombination aus konventionellem Verbrenner mit Hybridfunktion sowie einer E-Maschine, die sich direkt im Getriebe befindet. Der Vorteil: Mit einem teilelektrischen Auto lässt sich lokal emissionsfrei fahren, aber bei Bedarf auch die Reichweite eines konventionellen Verbrenners nutzen. „Plug-in“ bedeutet im Grunde genommen, dass sich das Fahrzeug für die elektrische Fahrt extern aufladen lässt – dies geschieht derzeit bei allen VW-Teilzeitstromern via Typ-2-Stecker und einer Maximalleistung von maximal 3,6 kW (MQB), respektive 7,2 kW (MLB) Wechselstrom.

„E“ first! So fahren die VW-Plug-ins immer rein elektrisch und damit geräuscharm los. Seinen Strom kann sich das Hybridauto auch selbst erzeugen: Weniger effizient über den Verbrennermotor, oder – sehr effizient – über das Rekuperieren der E-Maschine. Dabei verzögert sie bei den meisten Bremssituationen und speist so gewonnene Energie wieder zurück in den Akku. Wenn die volle Systemleistung gebraucht wird, startet zusätzlich der Verbrenner, dann fungiert der Elektromotor bei „Kickdowns“ als Boost.

Effiziente Einzelkomponenten sind für einen Plug-in äußerst wichtig, jedoch ist das perfekte Zusammenspiel aller Teile noch viel wichtiger. So managt eine ausgeklügelte Software die Hardware und berücksichtigt viele verschiedene Parameter wie etwa den Ladezustand und die Temperatur der Batterie oder die gefahrene Route – Stichwort: prädiktiver Effizienzassistent. Mithilfe von Topographie-Daten der Navigation und auch Kameras erkennt das System, ob rekuperiert werden kann oder nicht. Und gibt Handlungsempfehlungen, um zum Beispiel in eine Geschwindigkeitsbegrenzung hinein zu segeln statt zu bremsen.

PHEV-Fahrerkönnen grundsätzlich aus zwei Betriebsmodi wählen: dem „E-Modus“ (rein elektrisch) und dem „Hybrid-Modus“ (Kombination beider Antriebe). Darüber hinaus bieten diverse Modelle auch einen GTE-Modus, welcher auf maximale Fahrleistung getrimmt ist. Übrigens arbeitet VW zurzeit an einer neuen Software, die das Fahren in Umweltzonen erkennt und den Antrieb automatisch auf E-Betrieb umstellt.

Vor allem für Kurzstrecken-Pendler interessant

Unterschieden wird bei Volkswagen zwischen MQB- und MLB-Baukasten – also quer und längs eingebautem Motor. Die hybridisierte MQB-Baureihe, dazu zählen Arteon & Shooting Brake, Golf, Passat und Tiguan, sind allesamt mit einem 1,4-Liter-Vierzylinder-Benziner (EA211, 150 bis 156 PS) samt integriertem Ladeluftkühler und Abgaskrümmer im Zylinderkopf, einer E-Maschine (110 bis 115 PS) zwischen Verbrenner und Sechsgang-DSG (DQ400E) sowie einer 13,0 kWh (10,4 kWh netto) großen Batterie ausgerüstet. Der EA211-Motor wurde dabei eigens für den Hybrid- Einsatz überarbeitet: Aufgrund der längeren Standzeiten des Motors mussten die Zylinderlaufbahnen plasmabeschichtet werden, damit sie durch Kondenswasser nicht korrodieren.

Bei den beiden MLB-Modellen Touareg eHybrid und Touareg R ist die Funktionsweise gleich, nur die Komponenten sind anders. So kommen bei beiden SUV ein Dreiliter-V6-TSI, eine 8-Gang-Hybridautomatik von ZF und ein 17,9-kWh-Akku (brutto) zum Einsatz, der mit maximal 7,2 kW (AC) geladen werden kann.

Plug-in Hybride sind sicherlich keine eierlegende Wollmilchsau, vor allem weil zwei Antriebe und dadurch auch mehr Gewicht mitgeführt werden müssen. Jedoch stellen sie eine sinnvolle Technologie dar, um die Mobilität vieler Nutzer jetzt schon CO2-neutral zu gestalten.

Laut Bundes-Verkehrsministerium (BMVI) liegen die täglich mit dem Auto zurückgelegten Strecken nämlich zu 95 Prozent unter 50 Kilometern – ein Einsatzradius, den die meisten PHEV locker schaffen. Gerade mithilfe der Kaufprämie für Plug-in-Hybride und Elektroautos sowie den steuerlichen Vorteilen (0,5 Prozent Dienstwagenbesteuerung) hat die Politik erhebliche Anreize zum Kauf eines PHEV geschaffen – einer der Gründe, warum die Neuzulassungen von teilelektrischen Fahrzeugen in den letzten Monaten stark angestiegen sind. Vor allem aus ökologischer Sicht sind sie für jenen Käuferkreis interessant, der zu Hause eine Wallbox nutzt, vielleicht sogar den Strom aus der Photovoltaik-Anlage bezieht, nur wenige Kilometer Wegstrecke zur Arbeit zurücklegen muss und dann auch dort wieder laden kann. Für eine möglichst positive Ökobilanz sollte der PHEV möglichst oft rein elektrisch betrieben werden. So kann der Plug-in-Hybrid beispielsweise für Kurzstrecken-Pendler die ideale Lösung sein.

Besser, weiter, schneller

Volkswagen sieht im Plug-in-Hybrid nicht nur eine Übergangstechnologie, sondern eine zusätzliche Antriebsvariante, die in bestimmten Bereichen richtig Sinn macht. Gute Nachrichten: Alle aktuellen VW-Teilzeitstromer bleiben auch im kommenden Jahr förderfähig. Zudem wurde jüngst von VW verkündet, dass die aktuelle Technik weiterentwickelt werden soll. Besser: Der 1,4-Liter-TSI habe bald ausgedient und werde durch den moderneren 1.5 TSI – dann ohne Zylinderabschaltung – ersetzt. Weiter: Die Entwickler planen eine Verdoppelung der Batteriekapazität auf 26 kWh bei gleichbleibendem Bauraum. Somit sollen zukünftig rein elektrische Reichweiten von bis zu 100 Kilometern nach WLTP möglich sein. Schneller: Die nächste PHEV-Generation wird in der Lage sein, dank CCS-Anschluss Gleichsstrom zu laden. Über die genaue Ladeleistung ist jedoch noch nichts bekannt. Die neue Plug-in-Hybrid-Technik soll bis 2024 in die neuen Modelle einziehen.