Reportage E-Ladelücke: Die Ladelücke drohtFoto: Volkswagen

Reportagen Reportage E-Ladelücke: Die Ladelücke droht

Wolfgang Schaeffer

 12/18/2020, Lesezeit: 4 Minuten

Bei VW rollt die Elektrowelle auf vollen Touren. Es gibt 40.000 Vorbestellungen für den ID.3 und Interessenten im vier­stelligen Bereich für den ID.4, der zum Jahresende bommen soll. Dieser Boom wird nach Ansicht von VW zu einer Ladelücke führen

Thomas Ulbrich, Vorstand für Elektromobiliät bei Volkswagen, ist davon überzeugt, den Einstieg in den Systemwechsel vom Verbrenner in die E-Welt erfolgreich geschafft zu haben. „Im Elektrowerk Zwickau laufen derzeit täglich 650 ID.3 vom Band. Bis zum Jahresende werden wir die Schlagzahl auf 750 erhöhen.“ Der Bestelleingang für den ID.3 mit europaweit 40.000 Einheiten sowie das große Interesse für den ID.4, von dem die ersten Autos noch in diesem Jahr an die Kunden ausgeliefert werden sollen, zeigen, dass VW auf dem richtigen Weg sei.

Dessen ungeachtet aber sieht Ulbrich angesichts des erkennbaren schnellen Zuwachses an E-Fahrzeugen mit Blick auf die Ladeinfrastruktur schon in Kürze eine enorme Versorgungslücke. Derzeit gäbe es etwas mehr als 30.000 Ladepunkte in Deutschland, davon allein 1.200 an VW-Standorten.

Bild 3Foto: Volkswagen
Wenn es bei dem derzeitigen Tempo des Ausbaus der Ladestationen bleibt, tut sich bis zum Jahr 2025 ein erhebliches Defizit auf. 150.000 Ladepunkte werden fehlenFoto: Volkswagen
Wenn es bei dem derzeitigen Tempo des Ausbaus der Ladestationen bleibt, tut sich bis zum Jahr 2025 ein erhebliches Defizit auf. 150.000 Ladepunkte werden fehlen
Die derzeitige Zahl von etwas mehr als 30.000 der Ladesäulen in Deutschland reicht noch aus, um den noch relativ niedrigen Bestand an Elektroautos mit Strom zu versorgenFoto: Volkswagen
Die derzeitige Zahl von etwas mehr als 30.000 der Ladesäulen in Deutschland reicht noch aus, um den noch relativ niedrigen Bestand an Elektroautos mit Strom zu versorgen
Bild 3Foto: Volkswagen
Wenn es bei dem derzeitigen Tempo des Ausbaus der Ladestationen bleibt, tut sich bis zum Jahr 2025 ein erhebliches Defizit auf. 150.000 Ladepunkte werden fehlenFoto: Volkswagen
Wenn es bei dem derzeitigen Tempo des Ausbaus der Ladestationen bleibt, tut sich bis zum Jahr 2025 ein erhebliches Defizit auf. 150.000 Ladepunkte werden fehlen
Wenn es bei dem derzeitigen Tempo des Ausbaus der Ladestationen bleibt, tut sich bis zum Jahr 2025 ein erhebliches Defizit auf. 150.000 Ladepunkte werden fehlen
Die derzeitige Zahl von etwas mehr als 30.000 der Ladesäulen in Deutschland reicht noch aus, um den noch relativ niedrigen Bestand an Elektroautos mit Strom zu versorgen
Bild 3

Zahl der E-Ladepunkte wächst zu langsam

„Im Vergleich zu 2019 ist das zwar eine Steigerung um 50 Prozent. Doch der Bestand an E-Autos ist im gleichen Zeitraum um 100 Prozent gewachsen. Von Januar bis Oktober wurden mehr als 120.000 batterieelektrisch angetriebene Fahrzeuge (BEV) zugelassen. Das sind 14 E-Autos pro Ladepunkt“, rechnet Ulbrich vor. Angesichts der ständig wachsenden E-Flotte auf den Straßen sieht er bereits Ostern 2021 ein Verhältnis von 20:1. „In jeder Woche kommen derzeit um die 12.000 BEV und Plug-in-Hybride (PHEV) mehr auf die Straße. Dem stehen lediglich 200 neue Ladepunkte gegenüber. 2000 wären aber notwendig, um eine umfassende Versorgung zu gewährleisten.“ Beim Ausblick auf die kommenden fünf Jahre sieht der E-Vorstand komplett schwarz. „Die Prognosen gehen von 3,5 bis vier Millionen E- und Plug-in-Hybrid-
Fahrzeugen in 2025 aus. Um die an öffentlichen Plätzen mit Strom zu versorgen, wären mindestens 300.000 Ladepunkte notwendig. Doch legen wir das derzeitige Ausbautempo zugrunde, kommen wir auf maximal 150.000 Stromtankstellen.“ In diesem Zusammenhang weist Ulbrich auf Umfragen hin, die belegen, dass schnelles, einfaches und komfortables Laden ein wesentlicher Faktor für den Erfolg der E-Mobilität sei. Neben dem Preis und der Reichweite sieht er die Sorge um fehlende Lademöglichkeiten als eine der größten Barrieren für den Kauf eines E-Autos. Das Laden eines E-Autos müsse daher ebenso einfach und selbstverständlich sein wie das Aufladen eines Smartphones.

Masterplan Ladeinfrastruktur zeigt Wirkung

Derzeit finden nach VW-Angaben schätzungsweise etwa 70 Prozent aller Ladevorgänge zu Hause oder am Arbeitsplatz statt. Weitere 25 Prozent der Ladevorgänge erfolgen an öffentlichen Ladepunkten. Dieser Anteil werde mit zunehmender Etablierung der E- Mobilität allerdings steigen. Um der E-Mobilität in Deutschland zu einem schnellen Durchbruch zu verhelfen, müsse der Kunde das Vertrauen haben, sein E-Auto jederzeit aufladen zu können – wenn nicht zu Hause oder am Arbeitsplatz dann eben an einem öffentlichen zugänglichen Punkt und natürlich an der Autobahn.

Generell lobt Ulbrich den „Masterplan Ladeinfrastruktur“ der Bundesregierung, der schon Wirkung zeige. Der Anspruch auf Installation einer Wallbox sei europaweit wegweisend und speziell die Ende November in Kraft tretende 900-Euro-Förderung der privaten Wallboxen eine gute Sache. Da koste die VW-eigene ID.Charger „Connect“-Box den Verbraucher lediglich noch 283 Euro inklusive Installation.

Für das Laden an öffentlichen Lade- punkten hat Volkswagen den neuen Ladeservice We Charge im Angebot. Die Ladekarte bietet Zugang zu einem der größten Ladenetzwerke Europas mit mehr als 150.000 öffentlichen Ladepunkten. Der Zugang erfolgt ganz einfach über die We Charge-Ladekarte, die Suche nach angeschlossenen Ladepunkten und die Steuerung der Ladevorgänge über das Smartphone. Für Kunden eines ID.3 oder ID.4 bietet We Charge zudem exklusive Preisvorteile beim Ionity-Schnellladenetzwerk. Die Ladetarife sind auf die unterschiedlichen Nutzergruppen zugeschnitten.

Damit es mehr dieser öffentlichen Ladepunkte gibt, müssen nach den Worten Ulbrichs vor allem die Kommunen aktiv werden und Flächen vor Ort ausweisen. „Leider fühlt sich in vielen Rathäusern niemand so recht zuständig. Im Prinzip brauchen wir in jeder Stadt einen E-Mobilitäts-Manager. Auch die Wirtschaft kann und muss mehr tun. Für den Handel und den Immobiliensektor bringt das Thema Laden große Chancen.“

Noch einmal weist Ulbrich in dem Zusammenhang auf den „Masterplan Ladeinfrastruktur“ hin. „Bis 2030 sollen eine Million öffentlich-zugängliche Ladepunkte entstehen. Für entsprechenden Maßnahmen sieht die Bundesregierung untern anderem Investitionen von mehr als drei Milliarden Euro vor. Das Geld für den Ausbau ist also vorhanden.“ Allerdings werde es nicht abgerufen. Der Grund: Da es bislang noch nicht einmal entsprechende Ausschreibungen gäbe, könne es auch nicht ausgegeben werden.