Dino Medic
· 29.04.2024
Sie haben als erster Österreicher mit Porsche den DTM-Titel auf dramatische wie ungewöhnliche Weise geholt – im Qualifying zum letzten Rennen am Hockenheimring. Sechs Tausendstel trennten Sie von Ihrem Verfolger Mirko Bortolotti. Für die Pole-Position bekamen Sie drei Punkte und waren damit uneinholbar an der Spitze der Gesamtwertung. Hätten Sie es lieber im Rennen entschieden?
Thomas Preining: Das war natürlich eine schräge Situation. Im Rennen hast du zwar alle Fans da und kannst dann auf eine andere Art feiern. Nach dem Qualifying weißt du: In zwei Stunden ist das Rennen, du musst fokussiert bleiben. Das ganze Wochenende war der Druck enorm – besonders im Qualifying, jeder redet auf dich ein und es geht um alles. Es ist immer schwierig, im Qualifying alles auf den Punkt zu bringen. Und da meine Leistung abzuliefern, hat mich sehr stolz gemacht und war etwas sehr Besonderes. Ich hätte mir keine bessere Situation wünschen können.
Rennsport liegt in Ihrer Familie: Ihr Vater war Motorrad-Rennfahrer. Wie kamen Sie ins Auto?
Preining: Mini-Motocross hat mich nicht begeistert. Mit sieben Jahren war ich im Urlaub aber das erste Mal auf der Go-Kart-Bahn. Von da an war ich Feuer und Flamme und es gab nichts anderes mehr, was mir mehr Spaß machte. In meiner Familie war Motorsport schon immer ein Thema. Mit neun Jahren fing ich an, die ersten Schritte im Rennsport zu machen, das ist im Vergleich schon recht spät – meine Familie war immer eine große Stütze.
In Ihrer Jugend fuhren Sie in unterschiedlichen Rennserien. Wie kamen Sie zur GT-Klasse und zu Porsche? Preining: 2015 wechselte ich vom Kart in die Formel 4. Meine Karriere dort war nur kurz. Ich hatte aber das große Glück, dass mich Porsche 2016 zu einer Sichtung eingeladen hat – das war eine besondere Herausforderung. Es war sehr schwierig, sich an das Fahrzeug zu gewöhnen. Karts oder auch Formel-Rennwagen sind viel kleiner und wendiger. Das ist ein komplett anderes Fahrgefühl, fast wie ein anderer Sport. Und ich war gerade erst 18. Ein GT-Auto hat mehr Leistung, mehr Gewicht. Die Fehlertoleranz ist sehr viel niedriger. Aber ich konnte dort überzeugen und bin bei Porsche unterkommen im Porsche Carrera Cup und Porsche Supercup.
Was hat Ihnen die Zeit im Porsche Carrera Cup und Supercup gezeigt?
Preining: Wenn du schnell in einem Cup-Auto bist, dann lernst du alles schnell fahren. Cup-Autos haben keine Traction Control – also Traktionskontrolle – oder ABS. Hier muss man wirklich präzise fahren können, es geht um Details. Es sind sehr fordernde Rennserien, besonders für einen Junior wie mich damals. In der Formel 3 sind alle gleich alt. Hier aber fährst du gegen erfahrene Rennfahrer, die dort schon zehn Jahre solche Rennen fahren. Wenn du dich hier durchsetzen kannst, dann kann man weit kommen.
Wenn Sie jetzt nach einigen Wochen auf die DTM-Saison blicken: Was war ausschlaggebend für den Gesamtsieg?
Preining: Es war eine wirklich herausragende Saison und Leistung, die bereits in der vorherigen Saison ihren Anfang nahm. 2022 ist unser Plan leider nicht aufgegangen. Aber das hat uns für diese Saison besonders motiviert. Das Ziel war von Anfang an klar: Wir wollen die Meisterschaft holen.
Welche Bausteine genau haben dazu beigetragen? Preining: Es lag früh auf der Hand, in welcher Konstellation das Projekt gefahren wird. Ich konnte mich sehr früh mit dem Team vorbereiten. Das Team ist in vielen Bereichen sehr jung und die Stimmung war zu jeder Zeit super. Bei Fehlschlägen oder zu großer Sieger-Euphorie kann so eine Stimmung schnell kippen, aber wir haben nie den Faden verloren. Gerade in so einer starken Meisterschaft wie der DTM ist Konstanz extrem wichtig.
DAS ZIEL WAR VON AN FANG AN KLAR: WIR WOLLEN DIE MEISTERSCHAFT HOLEN
2023 debütierte auch der neue Porsche 911 –der 992. Wie unterscheidet sich diese Version vom Vorgänger?
Preining: Der 992 ist auf jeden Fall eine große Verbesserung. Das Vorgängermodell 991.2 hatte oft kleine Nachteile in den wirklich schnellen Kurven. Da haben wir jetzt sowohl die generelle Pace als auch die Fahrbarkeit verbessert. Besonders wichtig in einer Meisterschaft wie der DTM ist in schnelleren Passagen nah dranbleiben zu können. Die verwirbelte Luft im Windschatten schadet der eigenen Aerodynamik – das ist viel besser beim 992 und wir konnten dadurch besonders beim Überholen einige wichtige Schritte machen.
Sie fahren bei verschiedenen Rennserien auf ganz unterschiedlichen Strecken. Wie bereiten Sie sich vor?
Preining: In Meetings mit den Ingenieuren und Mechanikern, mit dem Team und Fitnesstrainings. Aber auch viel mit Simulatoren, gerne im Winter.
Ihr DTM-Fahrerkollege Tim Heinemann ist über das Sim-Racing, also virtuelles Rennfahren, in den echten Motorsport gekommen. Und auch Max Verstappen fährt gerne online.
Preining: Ich fahre auch gerne mal Sim-Racing, wenn es die Zeit erlaubt. Es ist auf jeden Fall beeindruckend, was Tim geschafft hat. Es ist ein gutes Zeichen, dass es mehrere Wege gibt in den Profisport. Und ich hoffe definitiv, dass es da mehrere Fahrer ihm gleich tun werden. Ich finde es echt auch beeindruckend, wie gut die sind. Am Simulator gegen die wirklichen E-Profis habe ich überhaupt keine Chance. Genauso wie sie ohne entsprechende Vorbereitung in der DTM gegen uns auch nicht so gut aussehen würden. Aber das sind absolute Profis in ihrem Werk und das hat schon einen guten Grund, warum die damit ihr Geld verdienen können. Das finde ich echt cool.
Wo sehen wir Sie in diesem Jahr antreten?
Preining: Auf jeden Fall bei der DTM. Mein Plan ist es, das Rennprogramm mit ein paar weiteren Highlights auszuschmücken – ich bin zuversichtlich, dass ich auch in einer anderen Meisterschaft oder bei Einzelveranstaltungen dabei bin. Eine meiner Lieblingsstrecken – neben meiner Heimatstrecke Redbullring – ist der Mount Panorama Circuit in Bathurst, Australien. Ich liebe Australien und das Rennen an sich macht einfach extrem viel Spaß. Und es ist immer für eine Überraschung gut. Du darfst dich nie in Sicherheit wiegen. Es ist sehr schwierig dort – wie die grüne Hölle, nur mit Mauern. Und es ist das einzige Langstrecken-Rennen eigentlich, bei der die Intensität mit der DTM vergleichbar ist.
Und was fahren Sie privat?
Preining: Momentan den Porsche Cayenne Turbo S E-Hybrid. Der ist praktisch, hat Platz und ist aber auch sehr sportlich. Und man kann sich auch mal im Terrain austoben.