Heiko P. Wacker
· 21.06.2023
Vor ziemlich genau 500 Jahren durchsegelte ein abenteuerlustiger Portugiese die Meerenge am südlichen Zipfel von Südamerika. Und auch heute noch ist die nach ihrem Entdecker benannte Magellanstraße ein wichtiger Handelsweg für Chile, das dort den direkten Zugang zum Atlantik und somit auch nach Europa hat. Und damit wären wir mitten in einer Erfolgsgeschichte der besonderen Art. Denn wo Fernando der Seefahrer nach neuen Handelswegen suchte – ihm ging es vor allem um Gewürze, das nur am Rande – da sucht Porsche heute nach neuen Chancen für unsere Welt der Mobilität. Die Rede ist von den eFuels, die nicht nur Besitzern klassischer Fahrzeuge neue Perspektiven eröffnen. Denn die synthetischen Kraftstoffe sind potenziell nahezu CO2-neutral.
Immerhin redet alle Welt von Nachhaltigkeit. Doch dieses Thema beherzigen die Fans der Zuffenhausener Marke schon lange. Immerhin wird ein echter Porsche zumeist vom ersten Augenblick an gehegt und natürlich auch geliebt – die Lebensdauer der Fahrzeuge ist beachtlich, die Zahl der Stuttgarter Klassiker, die noch fahrbereit in Sammlerhand auf die nächste Tour warten, ist kaum zu schätzen. Und wer je in einem historischen Elfer oder gar einem 356er Platz nehmen durfte, der weiß um die Faszination.
Doch auch moderne Fahrzeuge sind natürlich Kandidaten für eFuels, die mithilfe regenerativer Energie aus CO2und Wasserstoff hergestellt werden, wie Karl Dums betont. Er ist Teamleiter bei Porsche und berichtete kürzlich in einem Interview aus der Reihe „Perspektive Nachhaltigkeit“ aus seinem fachspezifischen Themengebiet. Denn ungeachtet der Markenausrichtung, „für die Entwicklung künftiger Fahrzeuge setzen wir den Fokus auf E-Mobilität“, gibt es nun mal eine Menge Fahrzeuge, die jetzt auf der Straße sind und auch künftig nicht elektrisch angetrieben werden. „Wir erreichen unsere ambitionierten Dekarbonisierungsziele jedoch nur, wenn wir auch die aktuellen Bestandsfahrzeuge in die Dekarbonisierung mit einbeziehen und diese möglichst bilanziell CO2-neutral fahren. Weltweit gibt es insgesamt etwa 1,3 Milliarden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor und insbesondere unsere Fahrzeuge sind bekannt dafür, dass sie lange gefahren werden können.“
Damit wären wir wieder bei den Klassikern, die natürlich auch von den eFuels profitieren können, denn diese „unterscheiden sich in ihren Grundeigenschaften nicht von Kerosin, Diesel oder Benzin aus Erdöl“, betont der Experte. „Porsche war eines der ersten Unternehmen, das sich politisch, regulatorisch und wirtschaftlich dem Thema gewidmet hat – und das wollten wir auch von Anfang an so kommunizieren und Anreize für andere Unternehmen schaffen.“
Karl Dums ist seit 2008 bei Porsche tätig, hat also einen guten Einblick in die Dynamik, die im Thema steckt. Von Anfang an war er mit innovativen Projekten im Antriebsbereich beschäftigt: „Zunächst mit der Elektrifizierung der ersten Porsche-Fahrzeuge, dann mit Antriebskonzepten und zuletzt habe ich die Abteilung für die Antriebsvorentwicklung und die Aggregatestrategie geleitet. Dort haben wir auch das eFuel-Projekt gestartet.“
Die eFuels sind eine Antwort auf die ungerechte Verteilung der erneuerbaren Energie: „In Deutschland haben wir eher zu wenig, an anderen Orten auf der Welt aber so viel davon, dass sie dort nicht direkt genutzt werden kann“, beschreibt Karl Dums das Dilemma. „Die höchsten Energiedichten, in Form von Sonne oder Wind, finden sich zum Beispiel in Wüstenregionen oder im Süden Chiles. Die dort vorhandene Energie muss also dorthin befördert werden, wo sie gebraucht wird. Das wird durch die Herstellung von eFuels möglich. Wir bei Porsche haben uns gemeinsam mit HIF Global, Siemens Energy, ExxonMobil sowie weiteren internationalen Partnern dazu entschieden, die Pilotanlage ‚Haru Oni‘ in Punta Arenas (Chile) zu bauen.“
Anfangs sollen sämtliche jährlich in Haru Oni produzierten 130.000 Liter für den Porsche Mobil 1 Supercup sowie andere Leuchtturm-Projekte wie die Porsche Experience Center verwendet werden. Für das Jahr 2026 wird erwartet, dass in Punta Arenas bereits 55 Millionen Liter und schon zwei Jahre später die zehnfache Menge Kraftstoff produzieren wird, der in die bereits vorhandenen Handelswege und Zapfsäulen fließen kann. Und auch verschiffen kann man eFuels natürlich – durch die Magellanstraße.