Die Audi Charging HubsPositiv geladen

Martin Wittler

 · 29.04.2024

Die Audi Charging Hubs: Positiv geladenFoto: Victor Heekeren
An den Audi Charging Hubs können nicht nur Elektrofahrzeuge ihre Energiereserven wiederaufladen – sondern auch die Insassen. Und das mit Stil
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Foto: Victor Heekeren

Wer schon einmal eine Tour mit einem Elektroauto zurückgelegt hat, kennt die Situation: Mitten im Nirgendwo – am Rande eines Autohofs oder in einem gesichtslosen Industriegebiet – hängt der Wagen am Schnelllader. Drumherum gibt es außer Lagerhallen, Waschanlagen oder Tankstellen nichts weiter zu sehen. Das Ladeerlebnis? Ziemlich trist. Audi will das ändern. Dafür errichtet die Premiummarke des VW-Konzerns in Deutschland, Österreich und der Schweiz sogenannte Charging Hubs: Öffentliche Schnellladestationen, an denen jeweils unterschiedliche Service-Angebote genutzt werden können. So soll die Ladezeit zu echter Lebenszeit werden.

Derzeit gibt es fünf solcher Charging Hubs (siehe Karte). Wir haben den Audi Charging Hub in Berlin ausprobiert. Und zwar von Hamburg aus. Einfach sind das 300 Kilometer Strecke und rund drei Stunden Fahrtzeit. Die Tour von der Hanse- in die Hauptstadt legten wir mit dem Elektro-Aushängeschild aus Ingolstadt, dem SUV-Modell Q8 e-tron, zurück.

Schon auf dem Weg zeigt sich, dass Audi mit dem Konzept der Charging Hubs eine Marktlücke erkannt hat. Denn die Routenführung des Navigationssystems hat einen Stopp an einer Ionity-Schnellladestation eingeplant: Nach etwa zwei Stunden Fahrt, in der Nähe von Pritzwalk, machen wir Halt in einem kleinen Industriepark.

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Der Regen peitscht, die Temperaturen liegen knapp über dem Gefrierpunkt. Das Auto lädt, der Weg zur etwa hundert Meter entfernten Tankstelle für ein Heißgetränk macht keine Freude. Durchnässt sitzen wir dann wieder im Auto, nippen am Tankstellen-Kaffee und warten, bis es endlich weitergehen kann. Nächster Halt: Der Audi Charging Hub in Berlin.

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DAS LADEERLEBNIS

Bereits im Dezember 2021 eröffnete Audi die erste Ladelounge in Nürnberg. Dort stehen sechs Ladeanschlüsse, an denen E-Autos mit bis zu 320 kW geladen werden. Zudem lädt eine 200 Quadratmeter große Lounge zum Verweilen ein – elegant und bequem gestaltet. Tagsüber steht sogar ein Concierge bereit. Das Pilotprojekt kam gut an. Rasch entwickelte sich eine Stammkundschaft, die regelmäßig zum Laden vorfuhr. Audi hatte offenbar die richtige Idee gehabt. In der Folge wurden weitere Charging Hubs errichtet, darunter der Spot im Osten Berlins, im Bezirk Lichtenberg.

Anders als in Nürnberg gibt es hier zwar keine Lounge, doch Audi kooperiert dort mit der Feinkost-Kette „FrischeParadies“. Der Wagen also lädt an einem der vier Schnelllader mit bis zu 320 kW, die Reisenden können gleich nebenan eine kulinarische Reise antreten und Spezialitäten aus aller Welt einkaufen – oder im Bistro den Mittagstisch genießen und anschließend noch einen frisch zubereiteten Espresso schlürfen. Bei unserem Besuch stand übrigens Ente mit Rotkohl und Kartoffel-Pastinaken-Stampf auf dem Speiseplan. Doch auch fernab vom Kulinarischen hebt sich das Ladeerlebnis in einem Audi Charging Hub vom Gewohnten ab. Das beginnt bereits bei der Umgebung: Schnellladen im urbanen Raum – das ist eine willkommene Abwechslung. Dazu kommt die klare, großzügige Architektur der Ladestation. Nerviges Rangieren, bis das Auto endlich auf einem Ladeplatz steht hat, ist nicht nötig. Die vier Charging-Spots sind großflächig und barrierefrei angelegt. Dazu kommen Ladekabel, die an beweglichen Schwenk-Armen befestigt sind. So lässt sich das Schnellladekabel beispielsweise auch bequem und berührungslos quer über das Auto bugsieren. Ganz gleich, wo sich der Ladeanschluss des Autos befindet – er ist in jeder Parkposition einfach erreichbar.

Ad-hoc lässt sich Strom für 50 Cent/kWh laden – das ist günstiger als zum Beispiel beim Ladenetzwerk Ionity. An den Audi Charging Hubs können E-Autos aller Hersteller mit CCS-Anschluss laden. Jedoch bietet Audi den eigenen Kunden besondere Vorteile: Etwa eine Reservierungsoption, die den Charging-Spot für eine bestimmte Zeit freihält. Audi-Charging-Karten Besitzer laden dazu noch günstiger – nämlich für 35 Cent pro Kilowattstunde. Das ist weniger, als man etwa in Hamburg an den 11-kW-Säulen des regionalen Anbieters Hamburg Energie (49 Cent) zahlt. Fazit: Weniger zahlen, mehr geboten bekommen und auch die eigenen Energiereserven auffüllen – so macht Laden bei Audi besonders gute Laune.

Die Audi Charging Hubs

Aktuell gibt es Audi Charging Hubs bereits an fünf Standorten. Das Netz soll weiter ausgebaut werden. In Frankfurt am Main eröffnet demnächst Charging Hub Nummer sechs. GUTE FAHRT zeigt alle bisherigen Audi-Ladestationen und ihre Service-Angebote in der Übersicht.

gutefahrt/bildschirmfoto-2024-04-29-um-161402_fe44370ddfb860194d6c6c5073d844daFotos: Victor Heekeren (3), Audi (4)Fotos: Victor Heekeren (3), Audi (4)

1 Berlin

Vier Schnelllader mit einer Ladeleistung von bis zu 320 kW stehen in Berlin zur Verfügung. Audi kooperiert am Standort in der Hermann-Blankenstein-Straße mit dem „FrischeParadies“, einem Feinkostmarkt mit eigenem Bistro, in dem Speisen frisch zubereitet werden.


Fotos: Victor Heekeren (3), Audi (4)Fotos: Victor Heekeren (3), Audi (4)

2 Nürnberg

Der erste Charging Hub. Er wurde Ende 2021 eröffnet. Sechs 320-kW-Lader stehen am Standort am Messegelände an der Münchener Straße bereit. Eine Etage darüber erstreckt sich eine 200 Quadratmeter große Lounge mit diversen Entspannungsmöglichkeiten sowie Kaffee- und Snackautomaten.


Fotos: Victor Heekeren (3), Audi (4)Fotos: Victor Heekeren (3), Audi (4)

3 München

Am Charging Hub München Obersendling kann an vier Schnellladern mit bis zu 320 kW geladen werden. Der Charging Hub in der Zielstattstraße ist inmitten eines Wohngebiets und in unmittelbarer Umgebung diverser Cafés, Restaurants und weiterer Einkaufsmöglichkeiten errichtet worden.


Fotos: Victor Heekeren (3), Audi (4)Fotos: Victor Heekeren (3), Audi (4)

4 Salzburg

Vier Ladepunkte mit bis zu 320 kW können am Charging Hub in Salzburg genutzt werden. Gelegen ist die Audi-Station in malerischer Umgebung direkt vor dem Kapuzinerberg, einem der berühmten Salzburger Stadtberge. Diverse Restaurants sind in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen.


Fotos: Victor Heekeren (3), Audi (4)Fotos: Victor Heekeren (3), Audi (4)

5 Zürich

In unmittelbarer Nähe des Messegeländes ist in Zürich der erste Schweizer Charging Hub entstanden. Ein Snackautomat, Toiletten sowie ein Supermarkt befinden sich in der direkten Umgebung. An vier Schnellladern in der Hagenholzstrasse können die E-Autos mit bis zu 320 kW geladen werden. Für Audi-Kunden kostet jede geladene Kilowattstunde 0,36 CHF.


UNTERWEGS IM ELEKTRISCHEN LUXUS-SUV

Für die Reise und den Praxistest am Charging Hub in Berlin stand uns der Audi Q8 Sportback 55 e-tron zur Verfügung. 2019 kam der Wagen als erstes Elektro-Serienmodell von Audi auf den Markt – damals noch unter dem Namen e-tron. Mit der Runderneuerung im Herbst 2022 erfolgte einerseits die Umbenennung in Q8 e-tron, andererseits erhielt das SUV auch einige technische Optimierungen. So wurde etwa die Speicherkapazität des Akkus vergrößert. Im Testwagen steckte die neue 114-kWh-Batterie. Audi gibt für diesen Akku eine WLTP-Reichweite von bis zu 600 Kilometern an. Im Test konnten wir diesen Wert allerdings nicht bestätigen. Insbesondere bei der Fahrt über die Autobahn (Tempomat auf 130 km/h) lag der Verbrauch mit dem Q8 Sportback 55 e-tron bei weit mehr als 30 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Viel mehr als 300 Kilometer am Stück können in diesem Fall also nicht zurückgelegt werden. Um nicht mit einem nur minimal gefüllten Akku an die Ladesäule zu rollen, umfasste die Tour von Hamburg nach Berlin und wieder zurück insgesamt drei Ladestopps am Schnelllader. So richtig langstreckentauglich ist das nicht. Zumal auch die Ladegeschwindigkeit vom theoretischen Bestwert deutlich abweicht: Anstelle von bis zu 170 kW Ladeleistung kam der Testwagen an allen Schnellladestationen während des Tests maximal auf etwas mehr als 100 kW. Ob es mit dem Winterwetter zu tun hatte? Der Wagen erwies sich als komfortables und spurstarkes Modell – auch dank diverser Sicherheits-und Assistenzsysteme (technische Daten siehe rechts). Als Elektroauto zeigt der Q8 e-tron noch Schwächen, als luxuriöser SUV hingegen erfüllt er die Erwartungen. Übrigens ist auch der Preis entsprechend fürstlich, unser Testwagen etwa kostete 115.400 Euro.