Audi-Einstieg in die Formel 1Der Grundstein ist gelegt

Joachim Fischer

 · 20.10.2022

Audi-Einstieg in die Formel 1: Der Grundstein ist gelegtFoto: Audi

Audi verkündete seinen Einstieg in die Formel 1 ab 2026.Die Ingolstädter werden zunächst als Motorenlieferant agieren, das F1-Team – der Chassis-Konstrukteur – wird momentan noch geheim gehalten

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Foto: Audi

Die Formel 1 befindet sich derzeit auf einem Höhenflug. Eine konsequente Globalisierung der Marke F1, ein funktionierendes Reglement, spannende Rennen und kostensenkende Maßnahmen für Teams und Motorenlieferanten bescherten dem GP-Zirkus im Jahr 2021 rund 1,5 Milliarden TV-Zuschauer rund um den Glo­bus. Das macht die Königsklasse des Motorsports zu einer der reichwei­tenstärksten Sportver­an­stal­tungen der Welt. Kein Wunder also, dass nicht nur immer mehr Sponsoren sondern natürlich auch Automobilhersteller mitmischen wollen.

Verlagssonderveröffentlichung

Mitte August 2021 einigte der FIA-Weltrat sich nun nach zähen Verhandlungen auf ein neues Motorenreglement für die Formel 1 ab der Saison 2026. Grob umrissen die Ziele: Deckelung der Kosten bei den Motorenherstellern auf dann 130 Millionen Dollar pro Jahr sowie eine Erhöhung des Anteils der elektrischen Leistung per E-Maschine und Batterie auf rund 50 Prozent plus die ausschließliche Verwendung von synthetisch, zu 100 Prozent nachhaltig hergestelltem Kraftstoff für die weiterhin verwen­deten 1,6-Liter-V6-Benziner mit einem Turbo­lader. Die Formel 1 soll also günstiger, grüner und bis 2030 sogar CO2-neutral werden – freilich ohne an Attraktivität und Spektakel fürs weltwei­te Publikum einzubüßen.

Damit waren für Audi alle internen Vorgaben erfüllt. Im Rahmen des belgischen F1-Grand Prix in Spa-Francorchamps Ende August verkündete der Audi-Vorstandsvorsitzende Markus Duesmann im Beisein von Oliver Hoffmann, Audi-Vorstand für Technische Entwicklung, Adam Baker, dem frisch gekürten CEO Audi Formula Racing, sowie F1-Boss Stefano Domenicali und dem Präsidenten des Automobil-Welt­verbandes FIA, Mohammed ben Sulayem, offiziell den Einstieg von Audi als Hersteller von Antriebseinheiten (Power Units) in die Formel 1 zur Sai­son 2026. Ein Paukenschlag war die Ankündigung letztlich nicht mehr, denn das Interesse der Ingolstädt­er (und anderer Marken) am Einstieg in die Formel 1 war schon länger bekannt. Doch bei den diffi­zi­len Verhandlungen gerade auch mit den bereits in der Serie aktiven Herstellern sowie den Teams, die meist für das Chassis verant­wortlich zeichnen, weiß man im F1-Zirkus nie so genau, ob am Ende auch etwas daraus wird. Jetzt ist die Tinte trocken!

Jetzt kann es losgehen!

Umso mehr freuten sich die Audianer: „Motorsport ist fester Bestandteil der Audi DNA“, sagte Markus Duesmann. „Die Formel 1 ist globale Bühne für un­­sere Marke und anspruchsvolles Entwicklungslabor zugleich. Die Kombination von High Performance und Wettbewerb ist in unserer Branche stets Treiber für Innovationen und Technologietransfer. Mit dem neuen Reglement ist für uns genau jetzt der richtige Zeitpunkt für den Einstieg. Denn die Formel 1 und Audi verfolgen beide eindeutige Nachhaltigkeitsziele.“ Und Oliver Hoffmann fügte hinzu: „Angesichts der großen Technologiesprünge, die die Serie 2026 in Richtung Nachhaltigkeit vollzieht, kann man von einer neuen Formel 1 sprechen. Sie transfor­miert sich und Audi will diesen Weg aktiv begleiten. Eine enge Anbindung unseres Formel-1-Projekts an die Technische Entwicklung der Audi AG wird Synergien ermöglichen.“ Die wird man in Ingolstadt auch dringend brauchen, denn quasi innerhalb von dreieinhalb Jahren aus dem Stand einen neuen Antriebsstrang für ein Formel-1-Auto zu entwickeln, ist eine Herkules-Aufgabe – noch dazu, wenn das dann gül­tige Reglement gerade erst ausbaldowert wurde.

Jede Menge Arbeit also für die Mannschaft von Audi Sport in Neuburg an der Donau, unweit vom Stammwerk in Ingolstadt. Adam Baker, gelernter Ingenieur und bereits für verschiedene Motorsport-Teams sowie Herstel­ler in leitenden Positionen tätig gewe­sen, wird als Chef der neu gegründe­ten Gesell­schaft „Audi Formula Racing“ das F1-Projekt leiten.

Die zu entwickelnde Power Unit ist ein Hybrid-Antrieb, bestehend aus einem Verbrenner, einem Elektromotor, dessen Batterie und der Steuerungseinheit.

Als Benzin-Motor schreibt das Re­gle­ment einen Sechszy­linder mit 1,6 Liter Hubraum sowie einem Turbo­lader vor. Ladedruck, Verdichtung und Verbrauch sind reglementiert. Das Triebwerk soll rund 400 kW (544 PS) leisten und ausschließlich mit synthetischem, nachhaltig hergestelltem Treibstoff betrieben werden.

Verbrenner und E-Antrieb etwa gleich stark

Ungefähr ebenso stark wird der künftige E-Motor aus­­fallen. Damit wird der Anteil der elektrischen Leistung deutlich höher sein als heutzutage. Der Akku, in die die Boliden rekuperieren, spielt natürlich auch eine entscheidende Rolle. Auf elektrischer Seite sind ebenso viele Parameter vorgegeben wie auf der Verbrenner-Seite. Insgesamt wird die An­triebs­­einheit wohl deutlich schwerer werden als es F1-Mo­­toren heute sind. Das wird wohl dazu führen, dass die Chassis etwas kompak­ter werden, um den Gewichtsnachteil ausgleichen zu können.

Derweil laufen die Arbeiten in Neuburg auf Hochtou­ren. Hochspezialisierte Mitarbeiter werden ein­gestellt, Hallen bei Audi Sport erweitert, die technische Infra­struktur aufgerüstet. Die nöti­gen Prüfstände für die Power Unit sind bereits vorhanden. Bis Jahresende soll alles Wesentliche stehen.

Bleibt noch eine spannende Frage: Für welches Team – und damit Chassis – wird sich Audi entschei­den? Möglichkeiten gäbe es mehrere, doch momentan wird das Sauber-Team (derzeit Alfa Romeo) aus der Schweiz hoch gehandelt. Es bleibt also spannend!