100 Jahre Le Mans - Erfolgsgeschichte ohne Fortsetzung

Gregor Schulz

 · 03.08.2023

100 Jahre Le Mans - Erfolgsgeschichte ohne FortsetzungFoto: Gregor Schulz, Porsche, Audi, Bugatti, Bentley
Großes Bild: 1937 holte Bugatti den ersten von zwei Siegen. Der stromlinienförmige Wagen hieß Typ 57G Tank
Die 24 Stunden von Le Mans – das berühmteste Langstreckenrennen der Welt. In den letzten 100 Jahren siegten 40-mal Marken, die Teil von Volkswagen waren oder sind

Themen in diesem Artikel

Le Mans lässt einen gewinnen, lautet ein beliebtes Bonmot zum berühmtesten Langstreckenrennen der Welt. Hier im Westen Frankreichs zählt vor allem Zuverlässigkeit – und Glück. Denn der schnellste Rennwagen nützt wenig, wenn der Cent-Artikel eines Zulieferers versagt, weil bei der Qualitätskontrolle geschlampt wurde. Oder Dreck auf der Strecke einen Reifen zerstört. Dann ist da noch der Faktor Mensch. Denn in Le Mans starten nicht nur Profis, sondern jede Menge betuchte Amateure, die ihr Geld nicht mit Rennen fahren verdienen, sondern es dafür ausgeben. Obendrein gibt es große Geschwindigkeitsunterschiede, denn in Le Mans fahren verschiedene Klassen – vom seriennahen GT bis zum reinrassigen Prototyp.

Bereits beim zweiten Rennen 1924 feierte Bentley den ersten von sechs Gesamtsiegen
Foto: Gregor Schulz, Porsche, Audi, Bugatti, Bentley

Vor genau 100 Jahren hat alles angefangen. Die 24 Stunden von Le Mans waren zunächst eine Leistungsprüfung für Serienwagen. Der Automobile Club de l’Ouest, kurz ACO, wollte einen Gegenpol schaffen zu den schon damals populären Grand-Prix-Rennen für hochspezialisierte Boliden. Das Vorhaben gelang, wenn auch nur bedingt. Während in den ersten Jahren tatsächlich nur mehr oder weniger serienmäßige Autos antraten, entstanden schon bald Rennwagen speziell für die 24 Stunden. Wegen der langen Geraden wurde schon damals auf möglichst geringen Luftwiderstand Wert gelegt, der höhere Geschwindigkeiten versprach. In den ersten Jahren bestand die Vorschrift, die ersten Runden mit geschlossenem Verdeck zu fahren – das der Fahrer zuallererst schließen musste. Dies ist der Hintergrund des berühmten Le-Mans-Starts, bei dem die Fahrer bis 1969 zu ihren Autos laufen und einsteigen mussten. Das Schließen des Verdecks war irgendwann verschwunden, der Sprint zum Auto geblieben.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Der Sieg des Porsche 917 K im Jahr 1970 war der erste des Rekordsiegers
Foto: Gregor Schulz, Porsche, Audi, Bugatti, Bentley
Drei neue 963 LMDh setzte Porsche-Partner Penske 2023 in Le Mans ein. Das Rennen war geprägt von Problemen, nur zwei Autos erreichten das Ziel
Familienehre: Selbstverständlich ließ es sich Dr. Wolfgang Porsche nicht nehmen, selbst nach Le Mans zu kommen. Links der inzwischen 86-jährige Teamchef Roger PenskeFoto: Gregor Schulz, Porsche, Audi, Bugatti, BentleyFamilienehre: Selbstverständlich ließ es sich Dr. Wolfgang Porsche nicht nehmen, selbst nach Le Mans zu kommen. Links der inzwischen 86-jährige Teamchef Roger Penske
Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Erst Bentley, dann Bugatti

Bereits das zweite Rennen gewann Bentley. Die Sportwagen-Marke aus England war der erfolgreichste Hersteller des ersten Le-Mans-Jahrzehnts mit weiteren Siegen in den Jahren 1927 bis 1930. 2003 knüpften die Briten – inzwischen Teil des VW-Konzerns – an diese Tradition an und holten Sieg Nummer sechs, wenn auch mit Unterstützung von Audi, die die Motoren lieferten.

1937 und 1939 waren die goldenen Jahre von Bugatti. Zu diesem Zeitpunkt waren Le-Mans-Rennwagen schon echte Sonderanfertigungen und hatten mit Serienautos nur noch die technische Basis gemein.

1951 startete erstmals Porsche im Departement de la Sarthe – auf Einladung des ACO. Sport war schon damals ein verbindendes Element, denn nur so lässt sich erklären, dass nur sechs Jahre nach Kriegsende ein deutsches Team in Frankreich willkommen war. Der erste Porsche-Einsatz endete mit einem Sieg in der Klasse bis 1,1 Liter. Auf den ersten Gesamtsieg musste Porsche noch weitere 19 Jahre warten. 1970 triumphierten Hans Herrmann und Richard Attwood im 917K in einem der Materialmordensten Rennen der Geschichte. Von 51 Startern erreichen nur sieben das Ziel.

Im Qualifying hatte sich Porsche nur dem späteren Sieger Ferrari und einem Toyota geschlagen geben müssen
Foto: Gregor Schulz, Porsche, Audi, Bugatti, Bentley

19-mal Porsche, 13-mal Audi

Nachdem Porsche sich endlich getraut hatte, gesamtsiegfähige Autos zu bauen – Ferdinand Piëch nannte den 917 noch Jahre später das größte Risiko seiner Karriere, stellte sich eine Siegesserie ein. Obwohl sich die Regeln änderten, blieb Porsche an der Spitze. Von den 29 Rennen zwischen 1970 bis 1998 gewann Porsche 16. Ein Jahr später betrat Audi die Bühne und siegte bei 18 Starts 13-mal – eine nie dagewesene Erfolgsserie über einen so langen Zeitraum. Bei den letzten beiden Einsätzen mussten sich die Ingolstädter allerdings hausinterner Konkurrenz geschlagen geben. Porsche war 2014 mit einem Prototyp zurückgekehrt und gewann dreimal hintereinander zwischen 2015 und 2017.

Zum großen Jubiläumsrennen am 10. und 11. Juli dieses Jahres meldete sich Porsche nach fünfjähriger Abstinenz mit einem Auto zurück, das schnell genug war für den Gesamtsieg. Das Werk schickte den flammneuen Porsche 963 ins Rennen, begleitet von einem Kundenteam. Der Porsche 963 entspricht dem aktuellen Reglement der Hypercars. Von den zwei Möglichkeiten, ein Hypercar an den Start zu bringen, wählte Porsche den Bau eines sogenannten LMDh (Le Mans Daytona hybrid). In dieser Klasse werden käufliche Chassis verwendet. Porsche hat das Auto, das nun auch anderen Herstellern zur Verfügung steht, zusammen mit den Spezialisten der kanadischen Firma Multimatic entwickelt.

Insgesamt vier 963 gingen an den Start, drei Werkswagen von Partner Penske und einer vom englischen Kundenteam Jota.

Durchwachsenes Rennen 2023

Letztlich erlebte Porsche ein Rennen zum Vergessen, auch wenn ein 963 – der private von Jota – das Rennen am Samstagabend bis zu einem Unfall anführte. Nach 24 Stunden blieben nur die Plätze 9, 22 und 40. Ein Auto war in der Nacht ohne Benzindruck stehen geblieben. Doch wer Porsche kennt, der weiß, dass sie im nächsten Jahr gestärkt zurückkommen werden.