Neuer VW T7 Multivan - Der glorreiche Sieben

Arne Olerth

 · 10.06.2021

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Foto: VW Nutzfahrzeuge

Volkswagen Nutzfahrzeuge erneuert seine Ikone: Der neue T7 Multivan ist noch vielseitiger, digitaler und komfortabler als bisher. Zudem gibt es ihn erstmals mit Plug-in-Hybrid-Antrieb

Es ist fast schon ein geschichtsträchtiger Augenblick, wenn VW Nutzfahrzeuge eine neue Generation des Bulli präsentiert. Immerhin reichen die Wurzeln mehr als sieben Jahrzehnte zurück. Und nicht nur das: Der Bulli ist heute Kult! Entsprechend hoch gesteckt sind die Erwartungen an den Neuen. Im Gegensatz zu bisherigen Modellwechseln wird der T7 das Ruder aber nicht gänzlich übernehmen. Vielmehr fächert der Hannoveraner Autobauer das Prinzip Bulli zu einem Dreiklang auf: Der Multivan kommt ab sofort als T7 und Transporter, artverwandte Nutzfahrzeuge, California und Caravalle hingegen laufen weiter als T6.1 vom Band. Und ab 2022 bereichern der ID. Buzz und seine Cargo-Version die Bulli-Welt um eine elektrisch angetriebene Ikone.

Verlagssonderveröffentlichung

Doch zurück in die Gegenwart: Volkswagen zieht das Tuch vom neuen T7 Multivan. Holla – das Ergebnis beeindruckt! Der neue Multivan zeigt ganz frische Proportionen. Waren die letzten Entwicklungsschritte eher kleiner Natur, so ist der jetzige Sprung markant. Ab sofort werden die letzten drei Buchstaben des Multivan groß geschrieben, der Bulli noch mehr in Richtung Van getrimmt. Sorgen, der Youngster könnte in Richtung Sharan zielen, zerstreuen sich beim Nähertreten. Der T7 wirkt deutlich wuchtiger, wahrlich bullig im Vergleich zum Van aus Wolfsburg. Noch dazu ist der T7 richtig groß: sieben Zentimeter länger (4,97 Meter) als der T6.1, derer vier breiter (1,94 Meter) und mit 1,90 Metern Höhe neun Zentimeter niedri­ger. Haube und Windschutzscheibe stehen jetzt flacher, was mit zum Best-in-Class-cW-Wert von 0,30 führt. Der Radstand wuchs um mehr als 12 Zentimeter auf 3,12 Meter. Auch eine Langversion wird es wieder geben (5,17 Meter), die über den gleichen Radstand verfügt.

Neue Proportionen also, aus denen das Team um Design-Grande Albert Kirzinger ein charismatisches Exte­rieur schuf. Dies wurde mit dem Red-Dot-Design-Award prämiert. „Wir haben den unverwechselbaren Charakter dieser Ikone in einem großen Schritt weiterentwickelt und bleiben der typischen Bulli-Linie doch treu. Bewusst zitieren wir zum Beispiel die den Körper umfassende horizontale Charakter-Linie eines T3“, gibt Kirzinger zu Protokoll. Diese Linie trennt das gläserne Greenhouse vom Rumpf. Vorne zieht sie sich durch die TFL-Signaturen der optionalen Matrix-Scheinwerfer und die beleuchtete Kühlergrill-Spange, die dem T7 einen unverkennbaren Look verleiht. Achtern läuft die Linie in horizontal ausgerichteten LED-Rückleuchten aus. Die Schiebetüren lassen sich genauso motorisch per Fußkick öffnen, wie die Leichtbau-Heckklappe aus Kunststoff. Etwa 200 Kilo wurden in Summe eingespart, etwa durch Alu-Teile an der Mc-Pherson-Vorder- und Schräglenker-Hinterachse. Und an den Sitzen im Fond, die mit 23 bis 29 Kilo ein Viertel leichter sind als bisher.

Noch mehr Variabilität im Fond

Überhaupt zeigt sich der Multivan- Fond deutlich weiterentwickelt, der durch Verlagerung der Klimakanäle an die Außenseite trotz reduziertem Aufbau dieselbe Innenraumhöhe aufweist als bisher. Mit dem neuen Panorama-Glasdach werden es gar einige Zentimeter mehr. Die Dreiersitzbank ist Geschichte, bis zu fünf Einzelsitze prägen den Fond. Diese können auf einem Schienensystem verschoben und – je nach Ausführung – um 180 Grad gedreht eingebaut werden. Zur Demontage müssen keine Schienensegmente mehr entfernt werden. Armlehnen sind genauso bestellbar wie Sitzheizungen für die äußeren Plätze. Anmutung und Materialwahl werden gehobenen Ansprüchen gerecht, sorgen laut Kirzinger für „ein Feeling wie in einem Learjet.“

Plug-In-Hybrid & TSI vor TDI

Der neue Multifunktionstisch kann jetzt bis nach vorne zwischen Fahrer und Beifahrer geschoben werden. Möglich wurde dies durch den Entfall des Handbremshebels – eine Taste übernimmt seine Funktion. Auch einen Getriebe-Wählhebel sucht man vergebens – das Serien- DSG wird dank Umstellung auf MQB-Technologie Shift-by-Wire geschaltet – mittels eines kleinen Bedienkubbels auf der Armaturentafel. Diese erinnert in ihrer Ausprägung an Golf und Caddy mit 10,25- Zoll-Digital Cockpit und 10-Zoll- Touchscreen auf einer Sichtachse (beides Serie). Auch ein Head-up-Display ist möglich. Der charakteristische Slider zum Steuern von Sitzheizung, Temperatur und Lautstärke hält genauso Einzug in den Multivan wie die Touchbedieninsel darunter.

Vor dem Beifahrer zitiert ein zweites Handschuhfach T2 und T6. Die Vordersitze mit Armlehne lassen sich deutlich tiefer herabsenken als bisher, die Sitzposition kann damit mehr in Richtung PKW getrimmt werden.

Dank modernster MIB3-Architektur ist der Multivan always online, es sind verschiedene Datendienst-Pakete ver­fügbar. Zwei Navi-Systeme sind im Angebot, alternativ lässt sich ein Navi auch online nachrüsten. Die Handy-Anbindung klappt via App-Connect drahtlos (Serie).

Natürlich ist der T7 Multivan state-of-the-art in Sachen Assistenz. Mehr als 20 Systeme sind lieferbar, darunter das lokale Warnsystem Car2X und der Travel Assist zum teilautonomen Fahren bis Tempo 210.

Neues auch unter der Haube: Einen TDI (150 PS) wird es geben, aber erst 2022. Los geht´s mit einem 1.5 TSI (136 PS, 220 Nm), einem 2.0 TSI (204 PS, 320 Nm) und dem eHybrid System: 218 PS, 350 Nm.

Und: Der Multivan zeigt noch immer ein Herz für Gespannfahrer, darf bis zu zwei Tonnen an den Haken nehmen. Wem das nicht reicht, der greife zum T6.1 Multivan 4Motion. Der zieht 500 Kilo mehr und wird weitergebaut – aber nur mit dem BiTDI-Motor mit 204 PS.

Das beste zum Schluss: Ausstattungsbereinigt wird der T7 Multivan günstiger, genaue Preise sind noch nicht bekannt. Bestellungen werden ab Herbst entgegen genommen.