VW-Vitrine: Micro Machines - Winzig, witzig, wunderbarFoto: Fabian Houchangnia

Modellautos VW-Vitrine: Micro Machines - Winzig, witzig, wunderbar

Unbekannt

 9/26/2013, Lesezeit: 4 Minuten

Eigentlich waren sie einfach nur Massenware – aber ein kluges Geschäftsmodell und ihre hohe Fertigungsqualität machten die Micro Machines zu Kult-Modellen

  VW-Vitrine: Micro MachinesFoto: Fabian Houchangnia
VW-Vitrine: Micro Machines

And now for something completely different": mit diesen Worten aus dem Munde von John Cleese begannen die legendären Folgen von Monty Python‘s Flying Circus – und einen besseren Einstieg in die aktu­elle VW Vitrine gibt es wohl kaum. Schließlich geht es heute zwar auch um Modelle mit Kultpotential. Aber kunterbunte Winzlinge, die versehentlich vom Tisch geniest werden können, gab es in diesem Magazin noch nie.

Hersteller der Miniaturzwerge war der kali­fornische Spielzeugproduzent Galoob, produziert wurde von 1987 bis 1999 in China. Die Philosophie der Micro Machines war dabei denkbar einfach: Miniaturwelten, bestehend aus Fahrzeugen, Straßen, Figuren und Gebäuden zu schaffen, die Platz auf kleinstem Raum hatten. Der Plan ging auf, begünstigt auch durch die kluge Entscheidung von Galoob, hohe Qualitätsmaßstäbe bei der Produktion dieser Hobbits unter den Modellautos anzulegen. Zwar handelte es sich bei den aufwändig bedruckten Autos immer um Karikaturen, allerdings wirkten sie nie lächerlich oder gar billig. Die Marketingstrategie war der von Swatch nicht unähnlich: jedes Jahr gab es brandneue Modellreihen, Varianten und Farben. Da Micro Machines ausschließlich in Themensets mit vier bis sechs Modellen verkauft wurden, musste der Käufer – wollte er ein bestimmtes Modell unbedingt haben – gleich einen ganzen Satz erwerben.

  VW-Vitrine: Micro MachinesFoto: Fabian Houchangnia
VW-Vitrine: Micro Machines

So gesellten sich zu einer Themensammlung zwangsläufig immer wieder "ungewollte" Modelle, die als Tauschobjekte eingesetzt werden konnten. Bei teilweise bis zu fünfzig Themensets pro Jahr lief das Geschäft prächtig, in guten Jahren über­trafen die Verkäufe die der Konkurrenz von Hot Wheels oder Matchbox deutlich. Begünstigt wurde der Erfolg durch die niedrigen Produktionskosten, die durch die einfache Konstruktion - mit der Kunststoffkarosserie verschraubtes Metallchassis und Einheitsräder aus Plastik - erreicht wurden. Die Länge der Modelle lag zwischen drei und vier Zentimetern und wurde durch die Verpackungsgröße vorgegeben. Daher fielen die Maßstäbe der einzelnen Miniaturen höchst unterschiedlich aus: von 1:85 (Isetta) bis hin zu 1:140 (amerikanische Straßenkreuzer). Bei den VW Modellen sorgte die geringe Schwankungsbreite für ein homogeneres Erscheinungsbild in der Vitrine, durchschnittlich lag der Maßstab hier bei 1:110.

  VW-Vitrine: Micro MachinesFoto: Fabian Houchangnia
VW-Vitrine: Micro Machines

Wer bei Micro Machines auf eine komplette VW Sammlung Wert legte, musste sich dutzende unterschiedlicher Themensets zulegen, um an ein bestimmtes Modell zu kommen. So gab es etwa das gelbe 1303 Cabrio in Hippie Aufmachung nur im Set "Decades: The Sixties", den flaschengrünen 1965er Käfer mit elfenbeinfarbenen Flanken ausschließlich in der französischen Box "Les Voitures des Reves" aus dem Jahre 1996.

Es gibt auch Raritäten!

Auch bei Massenware wie den millionenfach hergestellten Micro Machines gibt es natürlich Raritäten und bisweilen sogar Skurriles: hierzu zählen seltene Varianten wie das 1303 Cabrio, das seine Farbe bei Temperaturschwankungen wechselt, der Brezelkäfer aus der Serie "Private Eyes", bei dem ein transparentes Dach den Blick ins Innere des Modells erlaubt, aber auch der Brezelkäfer mit Rückzugmotor und ungewohnter Diecast Karosserie. Abweichungen von der Standardgröße gab es bei Galoob nicht häufig, sie kamen aber gelegentlich vor. So zum Beispiel bei den unfassbar winzigen Mini Micro Machines in Form von Käfern und Schwimmwagen im Maßstab 1:240 (Länge 1,7 cm), oder 1997 beim Kübelwagen aus dem "Combat Pack # 2", der im ungewöhnlichen Matchbox Maßstab 1:58 gehalten war.

  VW-Vitrine: Micro MachinesFoto: Fabian Houchangnia
VW-Vitrine: Micro Machines

Kurz vor dem Verkauf Galoobs an Hasbro im Jahre 1999 endete die Karriere der Micro Machines mit einem Knall: fast schon als Zerrbild der ureigenen Firmenphilosophie wurde die Serie Motor Mouths ins Leben gerufen. Die batteriebetriebenen, lustig daher plappernden und mit beweglichen Lippen versehenen Großmodelle – der Käfer war immerhin stolze 21,3 cm lang – waren zwar gut gemacht, jedoch stieß derartiges Kinderspielzeug bei der treuen Sammlergemeinde auf breite Ablehnung.

Übrigens war auch Volkswagen selbst dem Charme der Kleinstmodelle erlegen: 1998 orderte der Konzern gleich 100.000 gelbe New Beetle bei Galoob, um sie liebevoll in die aufwändige Pressemappe einzubetten, die am 5. Januar anlässlich der Detroit Auto Show verteilt wurde. Quasi der Ritterschlag für ein ganzes Sammelgebiet, das mit überschaubarem finan­ziellen Aufwand und auf kleinstem Raum den Aufbau einer faszinierenden Kollektion historischer Volkswagen Modelle erlaubt.