VW Polo 1.0 TSI DSG (110 PS) – Der kleine Golf

Joshua Hildebrand

 · 19.11.2021

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Foto: Jan Bürgermeister

VW Polo-Special Test Polo 1.0 TSI DSG (110 PS) – Der kleine Golf Volkswagen hat dem beliebten Polo ein Facelift spendiert: Er bekommt ein frischeres Design, neue Technologien und Ausstattungen. Wie nah er dem Golf auf die Pelle rückt und wie sich der 110 PS starke Top-TSI samt 7-Gang-DSG fährt, klärt der GF-Test!

Zu Beginn dieses Test möchten wir gleich mal eine Behauptung aufstellen: So gut wie jeder von Ihnen saß sicherlich schon mal in einem VW Polo. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden Sie sogar mal einen bewegt oder gar besessen haben. Bis heute wurden nämlich über 18 Millionen Exemplare produziert – ein wahrlich sehr beachtlicher Wert für einen Kleinwagen. In mehr als 45 Jahren wurde der Polo immer reifer und erwachsener. Schon das Vorfacelift des Polo VI kam den Proportionen eines Golf IV ziemlich nahe, übertrumpfte ihn gar beim Platzangebot und dem Kofferraumvolumen: 351 zu 330 Liter. Und nun? Bleibt der Polo fast gleich groß (4.053 Millimeter lang und 1.751 Millimeter breit), die Höhe wird mit 1.446 Millimeter angegeben. Der lange Radstand (2.552 Millimeter) und die kurzen Überhängen sorgen für viel Platz innen und knackige Proportionen außen. Der Polo lässt sich ab sofort in den neuen Ausstattungsvarianten „Polo“, „Life“, „Style“ und „R-Line“ konfigurieren. Während das derzeitige Sondermodell „Fresh“ für unter 16.000 Euro zu haben ist, beträgt der Preis für unseren Testwagen (Style) mit der 110-PS-Topmotorisierung mindestens 25.820 Euro. Sie haben recht: Ein ganzer Batzen Geld für einen vermeintlichen Kleinwagen. Doch dafür bietet der neue Polo wirklich eine ganze Menge!

Verlagssonderveröffentlichung

Mini-Golf mit Maxi-Technik

Optisch ist das Update vor allem an der neu gestalteten Front- und Heckpartie zu erkennen, obendrein gibt es vier neue Farben: Ascot Grey, Rauchgrau, Kings Red und Vibrant Violet (hier zu sehen). Der kleine VW hat nun immer Scheinwerfer und Heckleuchten mit LED-Technik an Bord, optional oder ab Ausstattung Style sogar erstmals auch das IQ-Light-LED-Matrixlicht mit beleuchteter Kühlergrill-Querspange. Und auch innen bietet der Polo Mehr-Werte, wie das nun generell serienmäßige Digital Cockpit, ein neu gestaltetes Multifunktionslenkrad und ein aufgefrischtes Infotainment (MIB3) samt permanenter Online-Anbindung. Dass der Polo mit der Zeit fährt, zeigt die Serienausstattung mit Apple Car-Play und Android Auto, also die kabellose Smartphone-Integration. Diese beinhaltet leider nicht automatisch die Möglichkeit des induktiven Ladens, die sollte daher für 120 Euro gleich mitbestellt werden. Weitere Extra-Kosten gehen zu Lasten der Navigation: Discover Media (8 Zoll mit Drehregler, 630 Euro) und Discover Pro (9,2 Zoll ohne Drehregler, 1.670 Euro) navigieren nicht nur souverän ans Ziel, sondern bringen auch die Verkehrszeichenerkennung ins Cockpit, die Pro-Version zudem eine Sprachbedienung. Weil WOB-P-6037 zusätzlich mit der Option der „Air Care Climatronic“ samt Aktiv-Kombifilter und 2-Zonen- Temperaturregelung (375 Euro) ausgestattet ist, werden die Funktion auch über ein neues Touch-Bedienteil gesteuert. Jenes funktioniert zwar gut und sieht auch modern aus, eine wesentliche Verbesserung zur Tasten-Drehregler-Bedienung stellt es aber nicht dar. Das Gesamtlayout ist stimmig: Der Mix aus digitalen Bedienelementen, klassischen Knöpfen, einem „richtigen“ DSG-Schaltknauf und einem betasteten Multifunktions( leder-)lenkrad hinterlässt einen guten Eindruck. Top sind auch die breiten und straff gepolsterten Stoffsitze mit grandiosen Komforteigenschaften. Erwähnt sein sollte unbedingt auch das gestiegene Sicherheitsniveau samt neuer Assitenzsysteme: Neben dem Front Assist mit Notbremsfunktion erhält nun jeder Polo serienmäßig den Lane Assist. Absolut neu ist der bereits von höheren Klassen bekannte Travel Assist, der teilautomatisches Fahren nach Level 2 ermöglicht und in bekannter Weise sehr souverän funktioniert.

Der agile Polo bringt jede Menge Fahrspaß

Der 1,2-Tonner liegt satt auf der Straße und lässt erstaunlich hohe Kurvengeschwindigkeiten zu. Während die Serie auf 15-Zoll-Rädern rollt, ist unser Testwagen mit den hübschen 17-Zoll-Tortosa-Felgen (680 Euro) bestückt – das bedeutet auch: 215er- statt 185er-Pneus, welche das Fahrverhalten spürbar sportivieren. Und nein, ein DCC-Fahrwerk zieht auch mit dem Facelift nicht in den Polo ein, hier wahrt VW den Respekt-Abstand zum noch komfortableren Golf. Das ist aber kein Drama, weil schon das Serienfahrwerk in den allermeisten Lebenslagen tadellos funktioniert. Gleiches gilt für die nicht-progressive Lenkung, die mit angenehmen Rückstellkräften nachvollziehbar- linear arbeitet, und die Bremse, welche mit einer feinfühligen Dosierbarkeit gefällt. Zum harmonischen Gesamtpaket gesellt sich schließlich auch die Topmotorisierung mit 110 PS. Der Dreizylinder- Turbomotor ist mit einem Ottopartikelfilter ausgerüstet und erfüllt die neueste Abgasnorm Euro 6 AP. Das kleine Motörchen dreht aufgeweckt, knurrt nur im höheren Drehzahlbereich etwas angestrengt in den Innenraum. Nach nur einer kleinen Gedenksekunde des Turbos liegt das Maximal-Drehmoment von 200 Nm bei 2.000 Umdrehungen an.

Dann gelingt die Beschleunigung auf 100 km/h in zehn, flotte Spurts von 80 auf 120 km/h in 7,2 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt knapp 200 km/h – mehr als ausreichend. Das 7-Gang-DSG ist fest an den 110-PS-TSI gekoppelt und harmoniert mit dem Dreizylinder. Vor allem im S-Schaltmodus reizt der Automat das Drehzahlband fast vollumfänglich aus und schaltet sportlich-orientiert. Während die sechs Gänge zum Pflichtprogramm gehören, dient der siebte eher zum niedrigtourigen Spritsparen. Zugegeben: Die von uns getestete Leistungsstufe mag nicht der Knauserkönig im Polo-Motorenportfolio sein, jedoch bietet sie einen perfekten Kompromiss aus Leistungsfähigkeit und Genügsamkeit. Mit einem Durchschnitts-Testverbrauch von 6,3 Litern kann sich der Polo jedenfalls auch an der Tankstelle sehen lassen.

Und bei so einem Tankstopp stellt man sich dann doch unweigerlich die Frage: Braucht man eigentlich mehr Auto? Nicht wirklich! Objektiv gesehen bleibt der Golf zwar das Maß der Dinge, bietet er eben noch mehr Platz, Komfort und Ausstattung. Wer darauf aber verzichten kann, ist mit dem günstigeren Polo und der einfacheren Technik perfekt beraten. Falls es „nur“ um Leistung geht, gäbe es ja auch noch den neuen Polo-GTI mit Turbo-Vierzylinder und 207 PS – auch das ist irgendwie golfig.