VorstellungVW Golf R & GTI Clubsport – Neuer Sportbund

Joshua Hildebrand

 · 20.11.2020

Vorstellung: VW Golf R & GTI Clubsport – Neuer SportbundFoto: VW

Volkswagen präsentiert zwei Topmodelle des neuen Golf: den GTI Clubsport mit 300 und den R mit 320 PS. Letzterer kommt mit Torque Splitter, Drift-Modus und speziellen R-Anzeigen!

Volkswagen haut erneut einen raus. Um genauer zu sein, sogar zwei. Die Wolfsburger krönen ihre Golf-Baureihe mit zwei neuen Sportskanonen: dem GTI Clubsport und dem Topmodell R – zwei Versionen, die seit jeher ganz besondere Emotionen wecken.

Als der allererste Golf R, der Golf 4 R32 mit herzzerreißendem 3,2-Liter-V6, 241 PS und erstmalig DSG debütierte, waren nicht nur Fans der Marke sofort schockverliebt. Es war schlicht und ergreifend eine Sensation in der Kompaktklasse. Im Golf 5 R32 (2012) wuchs die Macht zu 250 PS aus. Mit Golf-Generation VI kam der Paradigmen-Wechsel: Aus R32 wurde R, aus dem Sechsender-Sauger ein Vierzylinder-Turbo mit zwei Litern Hubraum. Der war zwar weniger exklusiv, bot aber noch mehr Dampf (270 PS), entlastete die Vorderachse und war sparsamer – zumindest laut Normverbaruch. Während sich die Fans noch immer vom Downsizing erholen mussten, erblickte der nächste Nachfolger die Welt. Der ebenfalls vierzylindrige Golf 7 R von 2013 mit 300 bis 310 PS (Facelift). Heute sind wieder ein paar PS hinzugekommen: Der nagelneue Golf 8 R schöpft nun 320 PS und 420 Newtonmeter aus dem weiterentwickelten 2.0-TSI-Motor (EA888 Evo4). Damit beschleunigt die fünfte Auflage in 4,7 Sekunden auf 100 Stundenkilometer. Erst bei 250 km/h wird der Vorwärtsdrang elektronisch abgeregelt. 270 km/h sind optional drin, wenn man das R-Performance-Paket ordert. Dann thront zusätzlich ein größerer Spoiler auf dem Dach des flotten Hatchback und es werden 19- anstelle von 18-Zöllern installiert.

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Foto: VW

Torque Vectoring und Drift-Modus

Ganz neu bei Generation 8 ist nun der 4Motion-Allradantrieb mit sogenanntem „R-Performance Torque Vectoring“. Das neu entwickelte Hinterachsgetriebe verteilt die Antriebskraft variabel zwischen Vorder- und Hinterachse und – als Novum – ebenfalls variabel zwischen dem linken und rechten Hinterrad. Ein Torque Splitter kann 100 Prozent der Momente auf das kurvenäußere Rad lenken, abhängig von Fahrsituation und gewähltem Fahrmodus. Das „Gehirn“ dazu ist der Fahrdynamikmanager, den übrigens alle Golf 8 mit adaptivem Fahrwerk (DCC) besitzen. Dieser ist mit vielen weiteren fahrrelevanten Systemen wie der Progressiv-Lenkung, dem DSG oder der elektronischen Differenzialsperre XDS vernetzt und speziell auf den sportlichen R-Fahrer abgestimmt. In Folge sind auch neue Fahrmodi möglich. Wer das bereits genannte Performance-Paket hinzu ordert, bekommt neben den Modi Comfort, Sport, Race und Individual die zwei nagelneuen Fahrprofile namens Special (Nürburgring-Modus) und Drift implementiert. Besonders sportlich-versierte Fahrer können zudem das Anti-Schleuder-Programm ESC entweder auf Sport stellen oder komplett deaktivieren.

Die gesteigerte Querdynamik ist auch der physikalischen Überarbeitung des Fahrwerks geschuldet. So haben die Entwickler den Sturz an der Vorderachse deutlich negativiert (-1°20‘). Hinzu kommt das im Vergleich zur Serie um 20 Millimeter abgesenkte Sportfahrwerk, das unter anderem mit um zehn Prozent höheren Feder- und Stabilisatorraten neu appliziert wurde. Aufgrund eines steiferen Alu-Hilfsrahmens wurde indes das Gewicht der Vorderachse um drei Kilogramm gesenkt sowie die Querlenkerlager und Radträger an der Hinterachse modifiziert.

Nicht zuletzt bekommt der Golf R eine neue, um ein Zoll größere Bremsanlage, wodurch die Scheiben auf 357 mal 34 mm wachsen. Eine neue Stift-Alu-Bauweise senkt hier das Gewicht der ungefederten Massen um rund 600 Gramm pro Seite.

Fahrer und Beifahrer nehmen auf einteiligen Sportsitzen Platz, die man bereits von den GT-Modellen kennt. Das Design fällt R-spezifisch aus, auf Wunsch gibt es eine schwarze Nappaleder-Ausstattung. Schalensitze zieren aktuell (noch) nicht die Optionsliste. Dafür besitzt das griffige Multifunktions-Sportlederlenkrad nun deutlich größere Schaltwippen. Auch das serienmäßige Digital Cockpit Pro erhält ein spezielles R-Layout. Dabei blickt der R-Golf-Pilot nun auf eine horizontale Drehzahlanzeige bis 8.000 Umdrehungen und sieht „blitzende“ Schaltempfehlungen, da das 7-Gang-DSG im manuellen Modus nun nicht mehr selbst hoch schaltet.

Zusätzlich können im digitalen Cockpit Daten wie Ladedruck, Getriebetemperatur und Momentenverteilung des Allradantriebes angezeigt werden. Nicht fehlen darf natürlich auch ein Laptimer. Passend zu den sportlichen Fahrwerten gibt es eine Motorsport-Optik mit sportlich designtem Frontstoßfänger, großen Lufteinlässen und Frontspoiler, der als Splitter ausgeführt ist. Alle schwarzen Elemente sind hochglänzend und schaffen einen weiteren Kontrast zur Fahrzeuglackierung und den Außenspiegeln in mattierter Chrom-Optik. Ebenso fallen die markanten Seitenschweller, der Dachkantenspoiler und die Heckschürze mit Diffusor auf. Weiter unten: der seit dem Golf 7 R typisch-vierflutige Klappenauspuff. Optional lässt sich dieser – Fans dürfen sich freuen – wieder durch ein Akrapovic-Derivat für 3.704 Euro ersetzen. Wie die anderen Sportmodelle des Golf trägt natürlich auch der R standardmäßig eine LED-Lichtleiste an der Front. Immer mit an Bord: die blaue Querspange und das neue R-Logo. Das Topmodell kann in den drei Farben Lapiz Blue Metallic, Pure White oder Deep Black Perleffekt geordert werden.

GTI Clubsport, der Zweite

Nicht viel weniger sportlich, aber mit einem Frontantrieb ausgestattet, zirkelt der GTI Clubsport um die Ecken. Die Extra-Scharf-Variante fährt sogar als zweitstärkster Werks-GTI aller Zeiten durchs Ziel – nur der auf 400 Stück limitierte Golf 7 GTI Clubsport S von 2016 war zehn PS stärker.

Mit 300 Pferdchen und 400 Nm Drehmoment leistet er 55 PS und 30 Nm mehr als das Serienpendant und beschleunigt dank ebenfalls serienmäßigem 7-Gang-DSG (DQ381) in knapp sechs Sekunden auf Tempo 100. Parallel dazu wurde die Progressivlenkung des Standard-GTI auf noch mehr Feedback getrimmt. Anders als beim Basis-GTI ist beim Clubsport nicht nur die elektronische Differenzialsperre (XDS) und das optionale Adaptivfahrwerk DCC inklusive Wankstabilisierung (1.018 Euro) mit dem Fahrdynamikmanager vernetzt, sondern auch die elektromechanische Vorderachsquersperre (VAQ). Das ermöglicht einen variablen Sperrgrad in Abhängigkeit der ESC-, EDS- und XDS+-Funktionen und vermeidet negative Lenkeinflüsse. Schließlich soll der neue GTI Clubsport mit diesen Änderungen nicht nur schneller, sondern auch neutraler im Grenzbereich sein – unabhängig davon, ob man das ESC auf „Sport“ stellt oder ganz deaktiviert. Der Über-GTI erhält übrigens dieselbe Bremsanlage wie der R, jedoch mit roten Sätteln und eigenem Schriftzug.

Die Karosserie des Clubsport-Modells ist dank standardmäßigem Sportfahrwerk um 15 Millimeter abgesenkt, DCC ist aufpreispflichtig. Besondere Erkennungsmerkmale sind die schwarz eingefassten Lufteinlässe an der Front, die Aerodynamik-Wings in Wagenfarbe, der speziellen Dachkantenspoiler am Heck sowie der markante Diffusor mit geänderter Abgasanlage und ovalen Endrohren. Laut VW wird es in Zukunft auch hier eine Akrapovic-Alternative ab Werk geben. 18-Zoll-Räder sind Serie, 19 Zoll gibt es gegen Aufpreis, genauso wie Matrix-LED-Licht. Auf die Option des Fünf-Punkt-Nebellichts muss beim CS aber verzichtet werden. Bei der Gestaltung des Innenraums setzt der Clubsport auf klassisch-begehrenswerte GTI-Insignien: rote Ziernähte an den Sitzen, der Mittelarmlehne und dem Multifunktionslenkrad mit Lochleder-Bezug sind gesetzt, die Sportsitze erhalten modell-eigene Art-Velours-Bezüge.

Sowohl das Topmodell der R GmbH als auch der besonders scharfe GTI Clubsport (ab 40.224 Euro) sind bereits bestellbar. Wer allerdings den stärksten Serien-Golf aller Zeiten haben möchte und auf Allrad nicht verzichten kann, der muss nochmal knapp 8.000 Euro mehr bezahlen. Um genau zu sein: 48.018 Euro bei 16-prozentiger Mehrwertsteuer. Die ersten Auslieferungen folgen Anfang des kommenden Jahres.