Der VW Käfer schreibt Automobilgeschichte

Gute Fahrt

 · 05.08.2025

Käfer Modellpalette von 1938 bis 1975
Foto: Volkswagen AG
Der VW Käfer entwickelte sich vom Nachkriegsfahrzeug zum globalen Erfolgsmodell mit über 21,5 Millionen produzierten Exemplaren. Am 5. August 1955 rollte der millionste Volkswagen in Wolfsburg vom Band, ein Meilenstein in der Erfolgsgeschichte des Kultautos, das zum Symbol des deutschen Wirtschaftswunders wurde.

Vom Nachkriegsfahrzeug zum Exportschlager

Die Geschichte des VW Käfers begann unter schwierigen Bedingungen in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Am letzten Donnerstag des Jahres 1945, direkt nach dem ersten Weihnachtsfest nach Kriegsende, lief im unter britischer Militärverwaltung stehenden Volkswagenwerk der erste Volkswagen Typ 1 vom Band - jenes Fahrzeug, das später als "Käfer" weltberühmt werden sollte. Die britische Besatzungsmacht hatte im September 1945 rund 20.000 Fahrzeuge bei den Wolfsburgern in Auftrag gegeben. Die ersten produzierten Exemplare wurden als Reparationsleistungen an die Alliierten geliefert, während ein weiterer Teil des Auftrags an die Reichspost, das Deutsche Rote Kreuz und andere Institutionen und Behörden ging.

Für Privatpersonen war der Erwerb eines Neuwagens erst im Laufe des Jahres 1946 möglich. Doch dann nahm der Erfolg des charakteristischen Fahrzeugs mit seiner markanten Buckelform schnell Fahrt auf. Die Produktion stieg kontinuierlich: 1946 wurden 10.000 Exemplare hergestellt, 1948 bereits 20.000 und 1950 erreichte man die beachtliche Zahl von 90.000 Fahrzeugen. Mitten im Wirtschaftswunder-Deutschland wurde am 5. August 1955 ein bedeutender Meilenstein erreicht: Der millionste Volkswagen - ein Käfer - lief unter großem Medienrummel in Wolfsburg vom Band. Tausende Beschäftigte und Gäste feierten dieses außergewöhnliche Ereignis, das den Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte markierte.

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Der damalige Firmenchef Heinrich Nordhoff erkannte früh, dass der noch schwache deutsche Markt allein für den langfristigen Erfolg nicht ausreichen würde. So begann bereits 1947 der Export in die Niederlande, und 1949 erreichten die ersten Käfer die Vereinigten Staaten. Interessanterweise verdankt das deutsche Auto seinen Namen gerade den Amerikanern, die es wegen seiner charakteristischen Form als "Beetle" bezeichneten - auf Deutsch: Käfer. Werksintern blieb dieser Kosename allerdings stets verpönt; offiziell sprach man vom "Typ 1".

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Die Exportstrategie erwies sich als außerordentlich erfolgreich. Ende 1953 wurde der Käfer bereits in 88 Länder exportiert, und die Produktion eilte von Rekord zu Rekord: 1957 wurden bereits zwei Millionen Käfer produziert, 1959 drei Millionen. Parallel arbeiteten die Ingenieure in Wolfsburg kontinuierlich an Verbesserungen des Fahrzeugs: größere Heckfenster, 12-Volt-Elektrik und stärkere Motoren hielten den Käfer konkurrenzfähig. Für die meisten Deutschen entwickelte sich der Käfer zum greifbaren Symbol des erreichten Wohlstands im Wirtschaftswunder und beflügelte ihre Reiselust - mit Familie und Gepäck ging es im Käfer über den Brenner nach Italien.

Vom Weltmeister zum Auslaufmodell

Der VW Käfer schrieb weiter Automobilgeschichte, als am 17. Februar 1972 das Exemplar mit der Nummer 15.007.034 fertiggestellt wurde. Damit überholte er den bisherigen Rekordhalter "Tin Lizzy" von Ford, von dem zwischen 1908 und 1927 exakt 15.007.033 Exemplare gebaut worden waren. Der Käfer avancierte damit zum meistgebauten Pkw der Welt - ein Titel, den er bis 2002 halten sollte, bevor ihn der Golf ablöste.

Doch die erste Nachkriegsrezession 1966/67, die das Ende des Wirtschaftswunders ankündigte, brachte auch für VW die erste ernsthafte Absatzkrise. Technisch hatte sich der liebevoll als "Buckel-Porsche" bezeichnete Wagen zunehmend totgelaufen: Die Luftkühlung stieß an ihre physikalischen Grenzen, das Fahrverhalten des Heckmotors wurde bei höheren Geschwindigkeiten zunehmend problematisch, und der begrenzte Stauraum entsprach nicht mehr den gewachsenen Ansprüchen der Kundschaft. Obwohl die Verkaufszahlen nicht schlagartig einbrachen, steuerte Volkswagen in eine strategische Sackgasse, da technisch moderne Nachfolgemodelle zunächst nicht ins Programm aufgenommen wurden.

Die entscheidende Wende schaffte der Konzern erst 1974 mit der Einführung des Golf, der mit Frontantrieb, Wasserkühlung und praktischer Heckklappe ein völlig neues Kapitel in der Unternehmensgeschichte aufschlug. Im selben Jahr lief im Wolfsburger Stammwerk auch der letzte dort produzierte VW Käfer vom Band. 1978 folgte schließlich das Ende der deutschen Käfer-Produktion mit dem letzten im Werk Emden gefertigten Exemplar.

Doch so schnell ließ sich die Ikone des Automobilbaus nicht vollständig verdrängen. Die Käfer-Herstellung wurde zunächst ins Werk Brüssel verlegt und dann vor allem nach Mexiko ausgelagert. Nach 1980 belieferte das mexikanische VW-Werk in Puebla den europäischen Markt, bis Volkswagen 1985 in Europa den offiziellen Verkauf des Käfers einstellte. In Brasilien und Mexiko, wo der Käfer eine ähnlich hohe Bedeutung für die Motorisierung der Bevölkerung hatte wie in Deutschland, verkaufte sich das Auto noch lange gut. Das allerletzte Exemplar lief erst am 30. Juli 2003 in Mexiko vom Band - es war der Käfer mit der Nummer 21.529.464.

Von den Anfängen bis zur Neuinterpretation

Die Ursprünge des Volkswagens reichen bis in die frühen 1930er Jahre zurück, als die NS-Führung - ähnlich wie beim Volksempfänger - ein "Auto fürs Volk" propagierte. Am 17. Januar 1934 verfasste der Ingenieur Ferdinand Porsche ein "Exposé betreffend den Bau eines deutschen Volkswagens". Das Fahrzeug sollte vier Personen Platz bieten, 100 Kilometer pro Stunde erreichen, 30-prozentige Steigungen bewältigen können, verschiedene Aufbauten tragen und nicht mehr als 1.000 Reichsmark kosten. Am 22. Juli 1934 erhielt Porsche den offiziellen Auftrag, dieses ambitionierte Projekt umzusetzen.

Bereits am 3. Juli 1935 präsentierte Porsche den ersten Prototyp der VW 3-Serie der Technischen Kommission des Reichsverbands der Automobilindustrie (RDA). Fahrgestell und Karosserie waren in der damals üblichen Holz-Blech-Bauweise hergestellt. In den folgenden Monaten wurden zahlreiche Nachbesserungen vorgenommen, unter anderem bei Spurbreite und Radstand. Bis 1936 entstanden drei Prototypen, denen Hitler später den Namen "KdF-Wagen" (KdF = Kraft durch Freude) gab.

Mit dem Geld vieler Tausend Sparer, die auf einen Volkswagen hofften, wurde 1938 im Flecken Fallersleben bei Braunschweig eine Fabrik errichtet: das Volkswagenwerk und spätere Wolfsburg. Doch statt der angekündigten 500.000 Modelle jährlich wurden nur wenige Hundert Käfer für die zivile Nutzung gebaut. Stattdessen montierten Deutsche und Zwangsarbeiter in dem Werk Flugzeugteile und Granaten und stellten Zehntausende Kübelwagen her, eine militärische Version des Käfers für Wehrmacht und SS.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das zu großen Teilen durch Bomben zerstörte Werk wieder aufgebaut. Ende 1945 ließ die britische Besatzungsmacht die Käfer-Produktion wieder anfahren. Der Wagen sollte zunächst als Dienstfahrzeug für Armee und Verwaltung dienen, doch dabei blieb es nicht. Der Käfer erwies sich als das Auto, nach dem die Zeit verlangte: preiswert, einfach zu reparieren und zuverlässig - ideale Eigenschaften für den Wiederaufbau.

Im Jahr 1998 versuchte Volkswagen mit dem "New Beetle", also dem neuen Käfer, an die glorreichen Zeiten anzuknüpfen. Der Wagen im Retro-Design war größer und komfortabler als sein historisches Vorbild und sollte ebenfalls zum Kult-Mobil werden. Dieses ambitionierte Ziel wurde jedoch nicht erreicht. Auch der spätere Nachfolger, der nur noch schlicht "Beetle" hieß, konnte die Erwartungen des Herstellers nicht erfüllen - im Sommer 2019 lief die Produktion im mexikanischen Puebla endgültig aus.


Im Überblick

  • Modell: Volkswagen Typ 1 (Käfer)
  • Produktionszeitraum: 1945-2003
  • Gesamtproduktion: 21.529.464 Exemplare
  • Produktionsstart: Dezember 1945
  • Millionstes Fahrzeug: 5. August 1955
  • Letztes Exemplar: 30. Juli 2003 (Mexiko)
  • Produktionsende Deutschland: 1978 (Werk Emden)
  • Exportländer (1953): 88 Länder
  • Konzeption: Ferdinand Porsche (ab 1934)
  • Ursprüngliche Anforderungen: 4 Personen, 100 km/h, 30% Steigung, max. 1.000 Reichsmark

Stärken und Schwächen

  • Zuverlässigkeit und Robustheit
  • Einfache Reparaturmöglichkeiten
  • Günstiger Anschaffungspreis
  • Weltweite Verbreitung und Ersatzteilversorgung
  • Kultstatus und hohe Wiedererkennbarkeit

  • Begrenzte Leistungsfähigkeit der Luftkühlung
  • Problematisches Fahrverhalten bei höheren Geschwindigkeiten (Heckmotor)
  • Begrenzter Stauraum
  • Technisch überholtes Konzept in den späteren Produktionsjahren
  • Eingeschränkter Komfort im Vergleich zu moderneren Fahrzeugen

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