Arne Olerth
· 30.05.2023
Statussymbölchen – das ikonische Werbestatement der Sechziger-Jahre destillierte die ganze Tugendhaftigkeit des Volkswagen Käfers in einem Wort: begehrenswert in Design und Ausstattung, dabei ohne jeden Anflug von Protzerei. Eben einer, den man sich leisten will – und auch kann. Es sind jene Werte, die schon im Namen der Marke verankert sind.
So wie der Käfer diese in der Wirtschaftswunderzeit transportierte, trug sie der Golf in die Neuzeit der Marke. Beide Volkswagen waren kompakt, klassenneutral und von Jedermann bezahlbar. Mit dem Aufbruch in das E-Zeitalter sollte der ID.3 den Staffelstab übernehmen. Doch ist der erste E-Kompakte aus Wolfsburg mit einem Grundpreis von rund 40.000 Euro (Generation zwei) ein wenig nach oben entrückt, sein Design und das digitale Bedienkonzept fallen zudem weniger massenkompatibel aus als bei Käfer und Golf.
Bald aber könnte es etwas werden mit dem Elektroauto, das den Namen Volkswagen auch wirklich verdient: Der Autobauer zeigte jetzt die aufsehenerregende Studie ID. 2all, deren Serienversion einmal unter 25.000 Euro kosten soll. Noch dazu steht sie mit ihrem zeitlos wertigen Design in direkter Linie der jüngeren Kompakt- und Kleinwagen des Hauses, wohingegen die größeren ID.-Brüder einer ganz eigenen Design-Philosophie folgen.
Und das ist noch nicht alles: Die Besinnung auf bekannte Designlinien außen nämlich gewährt auch einen Vorgeschmack auf ein gänzlich neues Bedienkonzept im Inneren, das bewährte ergonomische Qualitäten neu herausputzt, ohne dabei sinnvolle Neuerungen zu übergehen. Ganz ehrlich: Wir freuen uns heute schon auf den kleinen Volkswagen-Stromer!
Der ID. 2all kommt im millionenfach bewährten Polo-Format. Er ist mit 4,05 Metern Länge einen Fingerbreit kürzer, übertrifft ihn mit 1,81 Metern Breite beziehungsweise 1,53 Metern Höhe aber um sechs beziehungsweise acht Zentimeter. In Sachen Radstand (2,60 Meter) schließt der kleine Stromer fast bis zum größeren Golf (2,62 Meter) auf, was auf entsprechend großzügige Innenraumverhältnisse schließen lässt.
Auf diesen citypraktischen Dimensionen hat der neue Designchef Andreas Mindt einen wahrlich sympathischen Kompaktwagen kreiert, einer der sofort als Volkswagen erkennbar ist. „Wir überführen die DNA unserer Ikonen in die Zukunft. Der ID. 2all ist deshalb auch eine Hommage an den Käfer, Golf und Polo.“ Sein Design verzichtet auf wilde Effekthascherei – und das ist auch gut so, sichert das doch die Attraktivität über viele Jahre. Vorne zieht der ID. 2all mit einem breiten Lächeln in der Schürze die Blicke auf sich, die Tagfahrlichtsignatur der optionalen Matrix-Scheinwerfer spannt sich in einer Lichtleiste über die gesamte Front. Achtern zitiert eine stämmige C-Säule die ikonenhafte Designsprache des Golf.
Schnörkelloses Design und eine intuitive Bedienung: Volkswagen kombiniert einen Touchscreen mit wenigen Tasten, Walzen und einem Dreh-/Drücksteller. Hier findet man sich sofort zurecht
Und dazwischen? Gibt es eine gerade verlaufende Fensterlinie, die genauso typisch für Volkswagen ist wie die geradlinige Flanke. „Die unterhalb der Fensterbrüstung verlaufende Feature Line liegt genau auf dem Goldenen Schnitt des ID. 2all. Auch ein Käfer oder Golf folgte immer dem Goldenen Schnitt“, erklärt Mindt. Das Verhältnis von drei zu zwei Fünfteln erzeuge Sympathie in der Wahrnehmung. Stark herausmodellierte Radhäuser, knackig kurze Überhänge und der kraftvolle Heckdiffusor würzen den Auftritt mit einem ordentlichen Schuss Dynamik. Die Lichtsignatur am Heck mit 3D-LED-Rückleuchten, Querspange und beleuchtetem Markenlogo runden den stimmigen Auftritt ab.
Innen überrascht der ID. 2all mit einem Raumangebot auf Golf-Niveau, erhält damit das Prädikat „erstwagentauglich“. Vier Erwachsene reisen komfortabel, über kürzere Distanzen dürfen auf der Rückbank auch mal drei Passagiere Platz nehmen.
Das Cockpit zeigt einen neuen Ansatz: Neben digitalen Instrumenten (10,9 Zoll), einem optionalen Head-up-Display und dem zentralen Touchscreen (12,9 Zoll) dominieren haptische Bedienelemente. Touchflächen am Lenkrad sucht man genauso vergebens wie den bekannten Slider jüngerer Volkswagen-Modelle. Stattdessen kommen Walzen und haptische Tasten zum Zuge, deren Bedienung selbsterklärend ist. Mittig etwa gibt es Tasten für rudimentäre Klima-Einstellungen, eine zentrale Walze dient der Lautstärkensteuerung.
Sogar der von Audi-Fans geliebte Dreh-/Drücksteller erlebt auf der ID. 2all-Mittelkonsole eine Renaissance. Auch das Multi-Lenkrad haben die Designer radikal entschlackt: zwei Walzen und vier Tasten – fertig. Vier Taster für die Fensterheber und ein rastender Spiegelversteller – Volkswagen besinnt sich auch hier auf bewährte Tugenden. Und legt neue auf: Etwa eine beeindruckende Variabilität in Sachen Gepäcktransport. Neben gewaltigen 490 Litern Stauraumvolumen – zum Vergleich: der Polo serviert 351 Liter – bietet der kleine Stromer auch eine umlagbare Beifahrerlehne. So passen auch lange Güter bis 2,20 Meter Länge hinein, etwa eine Haushaltsleiter.
Unter der Rückbank gibt es ein abschließbares 50-Liter-Staufach, geeignet zum Verstauen eines Ladekabels oder auch einer Aktentasche. Unter dem Kofferraumboden wartet der ID. mit einer großen Staubox auf, die ganze Getränkekisten aufnehmen kann.
Moment, sitzt bei den ID. nicht der Motor hinten? Richtig, das gilt für MEB-Fahrzeuge. Doch der ID. 2all wird auf dem brandneuen MEB Entry konzipiert und als erstes MEB-Auto über einen Frontantrieb verfügen. Sein Motor leistet 226 PS, der Sprints in weniger als sieben Sekunden auf Tempo 100 ermöglicht. Bei 160 km/h wird abgeregelt – der Reichweite zuliebe. Diese soll bei 450 Kilometern liegen – vertrauenserweckend.
Der ID. 2all trägt die Designlinien großer Volkswagen-Ikonen, gibt einen Ausblick auf kommende Modelle. Trotz Polo-Maßen bietet er Platz wie ein Golf – und noch mehr Gepäckraum
Auch beim Laden ist der Kleine ein ganz Großer, lädt in 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Im Gegensatz zu seinen ID-Brüdern kommt der ID. 2all nicht mit Mehrlenker-, sondern mit Verbundlenker-Hinterachse. Die bewährte Bauart kommt auch bei schwächeren Golf-Modellen zum Zuge, bietet neben Kosten- und Gewichtsvorteilen noch einen weiteren Pluspunkt: Sie baut deutlich schlanker, macht so die große Cargobox im Heck erst möglich.
Auf Wunsch staffiert Volkswagen den ID. 2all mit hochwertigen Technologien aus höheren Klassen aus: Ganz gleich ob IQ.Light, die Interieur-Lichtspange ID. Light, Travel Assist, Park Assist Plus mit Memory, Massagesitze oder Panorama-Glasdach – der Erstwagen-Anspruch wird auch anhand der Optionsliste deutlich.
„Wir transformieren das Unternehmen schnell und grundlegend – mit einem klaren Ziel: Volkswagen zu einer echten Love Brand zu machen. Der ID. 2all zeigt, wo wir insgesamt mit der Marke hinwollen: nah am Kunden, Top-Technologien und mit tollem Design.
Wir machen Tempo bei der Transformation, um die E-Mobilität in die Breite zu bringen“, gibt Volkswagen-Chef Thomas Schäfer zu Protokoll.
2025 soll die Serienversion des VW ID. 2all an den Start gehen. Wir freuen uns schon – auf das neue E-Statussymbölchen.