BAUPLANLENKRADHEIZUNG – HEIZUNG FÜR DIE HÄNDE

Peter Kluever

 · 25.11.2021

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Foto: Jens Küster

Das Lenkrad lässt sich bei vielen Konzernmodellen auf Wunsch beheizen. Wir zeigen die Nachrüstung

Entscheidende Voraussetzung ist, dass beim betreffenden Modell die Lenkradheizung ab Werk geordert werden kann/konnte. Das trifft etwa auf die meisten Modelle des modularen Quer-Baukastens (MQB) ab Golf 7 zu. Noch einfacher ist eine Suche bei www.kufatec.de: Gibt es für das eigene Modell einen Kabelsatz, dann kann ein passendes Lenkrad angeschlossen werden. Wir haben die Nachrüstung an einem MQB-Fahrzeug durchgeführt. Die Bauschritte sind bei fast allen Modellen annähernd identisch, es gibt nur kleine Abweichungen. Bei der Beschaffung der Teile sollte man Vorsicht walten lassen: Zwar werden auf Internet-Auktionsbörsen wie eBay Lenkräder und Airbag-Wickelfedern zu verführerischen Preisen angeboten.

Verlagssonderveröffentlichung

Doch stammen die Teile nicht selten aus Unfallfahrzeugen, was versteckte Schäden an den sicherheitsrelevanten Teilen bedeuten kann. Das kann gefährlich werden! Bei der Auswahl des richtigen Lenkrads sind viele Optionen zu beachten: unten abgeflacht oder nicht, welche Lenkradtasten (und deren Generation), mit/ohne Schaltwippen an der Rückseite der Speichen, mit/ohne View-Taste, GRA oder ACC und anderes mehr. Hilfreich bei der Auswahl sind die PR-Nummern für Sonderausstattungen auf Seite zwei des Service-Heftes. Und natürlich der jeweiligen Marken-Partner, der im elektronischen Teile-Katalog (ETKA) das richtige Lenkrad heraus sucht.

Wir haben bei einem 2016er Touran anstelle des Serienlenkrades 5TA 419 091AE E74 die beheizbare Variante 5TA419091AF E74 (PR-Nummern 2ZW, 8T7, 8T8, ohne Schaltwippen) und die Wickelfeder 5Q0 953 569B (PR-Nummern 2ZD, 2ZW) verwendet. Bei anderen Autos, Ausstattungen und Modelljahren sind die hierfür passenden Teile zu verwenden. Erleichtert wird das, wenn man sich ein Vergleichsfahrzeug gleichen Modelljahres sucht, das bereits mit ab Werk mit beheizbarem Lenkrad ausgestattet war. Anhand dessen Fahrgestellnummer lassen sich dann im ETKA die gegenüber dem eigenen Auto abweichenden Teile heraus finden.

Die nachfolgend beschriebenen Umrüst-Arbeiten sind nur etwas für die Profis von der Fachwerkstatt, die im Hantieren mit Airbags geschult und dazu ermächtigt wurden. Wichtigste Vorbereitungen sind das Einstecken des Schlüssels und leichtes Drehen im Zündschloss (damit das Lenkradschloss nicht mehr einrastet) sowie das Abklemmen der Starterbatterie (SW 10). Das Kabel des Pluspoles anschließend so beiseite binden, dass es zuverlässig keinen Kontakt mehr zum Batteriepol haben kann. Vor weiteren Arbeiten am Auto wenigstens zehn Minuten warten, bis sich alle Stromspeicher geleert haben.

Nachrüstung bei fast allen MQB-Autos möglich

Dann gehen Profis an den Ausbau des Fahrer-Airbags. Dazu das Lenkrad maximal nach unten stellen und bis Anschlag heraus ziehen. Dann um 100 Grad nach rechts aus der Mitte drehen, so dass die Speiche annähernd senkrecht steht. Den Kunststoff-Griff vom Bord-Schraubendreher abziehen und die Klinge mit dem Kreuzschlitz-Ende von hinten in die Öffnung der Lenkrad-Speiche schieben. Dabei muss eine dünne Gummihaut durchstoßen werden. Ggf. kann ein kleiner Taschenspiegel bei dieser Arbeit hilfreich sein. Wenn die Schraubendreher-Klinge im Lenkrad anschlägt, um ein bis zwei Millimeter zurück ziehen und dann am lenkradabgewandten Ende nach oben ziehen. Dadurch wird der Airbag auf einer Seite entrastet.

Lenkrad um 170 Grad drehen (fast halbe Umdrehung) und das Ganze an der anderen Speiche wiederholen. Jetzt mit beiden Händen an einen blanken Massepunkt fassen (z. B. Schlossbügel der Fahrertür), um statische Aufladungen abzuleiten. Dann gegebenenfalls auf das Hupensymbol drücken, um den Airbag ganz auszurasten. Er lässt sich aus dem Lenkrad entfernen, wenn die weiße Verliersicherung aus dem gelben Vielfach-Stecker leicht heraus gezogen und dann der ganze Stecker abgezogen wird. Je nach Ausstattung muss noch ein kleinerer schwarzer Stecker (von den Lenkradtasten) entriegelt und abgezogen werden. Dazu Rastfeder drücken. Werkstatt-Fachleute wissen, dass sie den Airbag geschützt ablegen müssen, so dass er keinerlei statischen Entladungen ausgesetzt ist. Mit einem Zwölfer-Vielzahn-Einsatz die Mutter in der Lenkradschüssel lösen. Lenkrad genau waagerecht stellen, bevor es abgezogen wird.

Danach die obere Kunststoff-Abdeckung der Lenksäule ausrasten. So werden zwei Schrauben Tx 20 frei gelegt, die heraus zu drehen sind – ebenso eine dritte senkrecht unten an der Lenksäulenverkleidung. Nach Abnehmen dieses Kunststoffteiles können die gelben, schwarzen und weißen Stecker am Lenksäulen-Steuergerät entrastet und abgezogen werden. Dieses Modul enthält auch die so genannte Wickelfeder. Das ist eine dünne, flexible Leiterbahn, die fünf Umdrehungen aufgerollt wurde und Informationen vom drehenden Lenkrad (Hupe, MFL-Tasten) an das Steuergerät übermittelt (und in Gegenrichtung u.a. die Airbag-Zündspannung). Die Wickelfeder ist mit der Lenksäule verbunden und wird je nach Drehrichtung auf- oder abgerollt.

Wichtig ist, dass sich die Wickelfeder beim Aufsetzen des Lenkrads in Mittelstellung befindet. Damit nach links und rechts gleichermaßen zweieinviertel Umdrehungen möglich sind. Deshalb die rote Arretierung der Wickelfeder erst unmittelbar vor dem Aufsetzen des Lenkrads entfernen. Besteht Unklarheit über die Position, kann man den inneren Ring der Wickelfeder äußerst vorsichtig bis zu einem Anschlag drehen – und dann zweieinhalb Umdrehungen zurück. Wird – gar bei montiertem Lenkrad – mehr gedreht, reißt die Wickelfeder, so dass das gesamte Modul zu ersetzen ist. Die Wickelfeder wird nach Lösen dreier Torx-Schrauben getauscht gegen eine Variante, die über eine zusätzliche Stromzufuhr für die Lenkradheizung verfügt. Dazu hat sie eine zusätzliche zweipolige Steckverbindung zum Gegenstück in der Lenkradnabe. Für die Nachrüstung der Lenkrad-Heizung den zum jeweiligen Modell passenden Kufatec-Kabelstrang zwischen schwarzem Stecker und Lenksäulen-Steuergerät einfügen.

Fahrzeugspezifischer Kabelsatz erforderlich

Lenkrad wieder montieren und zusätzlichen Stecker für Beheizung anstecken. An der Unterseite der Lenksäule im vorhandenen Kabelkanal den Kufatec-Leitungsstrang mit Klebeband befestigen und nach links Richtung Sicherungskasten führen. Dort die Masse-Öse an den Masse-Punkt links im Fußraum anschrauben.

17438 oben auf der Seite verfügbar – für Abonnenten kostenlos). Die zweite Leitung verfügt üblicherweise über einen schmalen Federkontakt, der oben rechts auf Sicherungsplatz zwei eingerastet wird, wo auch ab Werk die Sicherung für beheizbares Lenkrad sitzt. Dort muss dann in die zweite Kontaktkammer die kurze Kufatec-Leitung eingepinnt sowie mit Dauerplus verbunden werden. Anschließend schmale 15-Ampere-Sicherung auf Platz zwei einstecken.

Umcodieren mit Diagnose-Software

Bei unserem Mustereinbau verfügte die Leitung über einen breiten Steckpin, so dass wir hierfür einen geeigneten freien Sicherungsplatz gesucht haben. Dessen zweite Kammer war bereits mit einem Kontakt belegt, der Dauerplus führte. Also mussten wir nur noch einen feinen (Telefon-)Draht von vorn durch die freie Kammer nach hinten durchziehen, dort den Kufatec-Federkontakt mit ein wenig Lötzinn „antupfen“ und per Telefondraht nach vorn durchziehen, bis er sauber in der Kontaktkammer verrastet war. Anschließend Zugdraht wieder „entlöten“ und alle Zinnreste entfernen. Dabei schnell arbeiten und das Kunststoff-Gehäuse nicht beschädigen!

Das Fahrzeug wieder komplettieren und dann mit einer Diagnosesoftware wie VCDS (von www.mft-shop.de) umcodieren: Im Klima- und Heizungssteuergerät 08 im Byte 11 Bit zwei und drei auf eins ändern. Je nach Modell kann dann über die Menü-Taste der Klima-Bildschirm am Mitteldisplay aufgerufen werden und die Softtaste für Lenkradheizung erscheint am unteren Bildschirmrand. Sollte das nicht der Fall sein oder auch eine Direkt-Bedienung gewünscht sein, wird ein neues Klima-Bedienteil mit kombinierter Taste für Sitz- und Lenkrad-Heizung erforderlich. Dann lässt sich im Menü auch vorwählen, ob die Lenkrad-Heizung mit der Sitz-Heizung gekoppelt werden soll. Jedenfalls gibt es keinen Grund mehr, im Auto zu frösteln!