Mirijam Pelikan
· 01.07.2024
Eine Neun und zweimal die Eins. Nur drei Zahlen braucht es und jeder weiß, worum es geht – um den Porsche 911. Der gestalterische Vater des aktuellen Elfers ist Chefdesigner Michael Mauer. Seine Design-Philosophie ist simpel und doch anspruchsvoll. Er möchte die filigrane, unvergängliche Schönheit des 911er aus der Vergangenheit bewahren und sie in die Moderne des 21. Jahrhunderts holen. Für die richtige Mischung macht er nicht viele Worte: „Gutes Design ist ästhetisch überzeugend und es ist emotional berührend.“
Der 911er ist das beste Beispiel dafür, wie die Strategie ein starkes Gefühl beim Betrachter auslöst. In seinem Coffeetable-Book „911 Design“ aus dem Delius Klasing Verlag widmet sich Mauer nun dieser besonderen Design-Geschichte. Bilder von Starfotografen, spannende Texte von Porsche Kennern und Autoexperten wie Thomas Ammann und Elmar Brümer prägen diesen opulenten Bildband. Er ist das bislang einzige Werk über den 911er, in dem Michael Mauer selbst zu Wort kommt – und in dem er mit viel Liebe zum Detail alle acht Generationen des legendären Sportwagens Revue passieren lässt.
Der kreative Kopf hat sein Büro im Hochsicherheitsbereich von Style Porsche. Der liegt zentral im Entwicklungszentrum in Weissach nahe Stuttgart. Von dort aus wird nach den berühmten Thesen von Dieter Rams, einem der größten deutschen Industriedesigner, gezeichnet, gearbeitet und geschaffen. Innovativ, brauchbar, ästhetisch, verständlich, unaufdringlich, ehrlich, langlebig, konsequent – so ist perfektes Design nach Rams im Lehrbuch definiert. Diese Grundsätze begleiten auch einen Schaffensprozess à la Mauer.
Zudem gilt für Porsches Kreativchef: Gutes Design ist so wenig Design wie möglich. Für Mauer hat das nichts Widersprüchliches. Denn bei aller Reduktion, die bei ihm ein Muss ist, gilt immer sein Bestreben: Die Reduktion muss im Design perfekt umgesetzt sein. „Gestaltete Präzision“ ist sein Schlüsselwort. Mit diesem Anspruch erfindet der Designer seit Jahren das Kultmodell immer wieder neu.
Die einzigartige Geschichte des 911er beginnt vor sechs Jahrzehnten mit dem F-Modell. Im September 1963, auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt, gibt der Porsche 901 sein Debüt. Weil ein Markenkonkurrent ein Jahr später wegen einer geschützten Modellbezeichnung klagt, wird er zum 911er umbenannt. Dass dieser Ur-Elfer eine Ikone wird, ahnt in dieser Zeit noch keiner. Doch sein Charakter ist schon unverkennbar: Ohne protzig zu wirken, vereint der damalige Wagen gekonntes Muskelspiel und filigranes Design. Die Eckpfeiler seiner Optik stehen schon 60 Jahre lang und über Generationen hinweg fest.
„GUTES DESIGN IST EMOTIONAL BERÜHREND“
Eine lange, flache Haube, steil aufsteigende Windschutzscheiben und eine sanft abfallende Dachlinie – sie schaffen über Jahrzehnte den Porsche 911 Wiedererkennungswert. Auch wenn das Modell heute deutlich größer ist und den Weg von der Klassik in die Moderne optisch erfolgreich bestritten hat, bleibt man sich über all die Jahre in diesen Grundzügen treu.
Was auf die Serienfertigung im September 1964 folgt, sind immer wieder neue Serien, zahlreiche Design-Experimente und interne Kontroversen. Doch die Ruhe und die Klarheit in der Optik, das Prinzip, besser „eine Linie weniger zu wählen als eine zu viel“, und Purismus als Garant für wahren Luxus bestehen fort. Gerade die auf den Ur-Elfer folgende G-Serie, für die von 1973 bis 1989 fast 200.000 Fahrzeuge gebaut werden, sorgte in den eigenen Reihen für starken Gegenwind. Medien fragten auf der Titelseite, ob möglicherweise bald der letzte 911er gebaut würde.
Doch die Geschichte des Elfers endet nicht. Sei es der ab 1988 vom Band rollende 964er, der 993er oder der bis 2005 produzierte 996er, all diese Modelle wurden zum Teil der erfolgreichen und beständigen Entwicklung dieser Ikone. Jetzt, im 21. Jahrhundert, präsentiert sie sich unter Michael Mauer mit einer nie da gewesenen Modellvielfalt. Seit fast 20 Jahren führt der 61-Jährige das glorreiche Erbe des Elfers weiter, und eines ist sicher: Der nächste 911er made by Mauer kommt bestimmt. Die Zeit bis dahin können Sie sich wunderbar beim Blättern und Lesen in seinem Buch vertreiben.