Porsche 911 GT3 RSFlügel-Stürmer

Mika Wortmann

 · 31.10.2022

Porsche 911 GT3 RS: Flügel-StürmerFoto: Porsche

Auf Höchstleistung getrimmt geht der neue und 525 PS starke Porsche 911 GT3 RS an den Start. Aus dem Rennsport stammt nicht nur das innovative Kühl- und Aerodynamikkonzept

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Foto: Porsche

Riesige Nüstern auf der Haube und ein gigantischer Flügel am Heck – er hat schon etwas Animalisches an sich, der neue 911 GT3 RS. Mit 525 PS ist er auch ein echtes Biest. Sein Vierliter-Hochdrehzahl-Saugmotor basiert auf dem Aggregat des 911 GT3 und wurde in erster Linie über neue Nockenwellen mit geänderten Nockenprofilen auf Höchstleistung getrimmt. Das siebengängige Doppelkupplungsgetriebe (PDK) verfügt über eine gegenüber dem 911 GT3 verkürzte Gesamtübersetzung und bleibt dank der Lufteinlässe am Unterboden auch bei extremen Belastungen cool. Cool sollte auch der Pilot sein, denn der GT3 RS beschleunigt laut Porsche in 3,2 Sekunden von null auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 296 km/h.

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In nur 3,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h

Einhalt gebieten Aluminium-Monobloc-Festsattelbremsen mit je sechs Kolben sowie Bremsscheiben mit einem Durchmesser von 408 Millimeter. An der Hinterachse sitzen 380 Millimeter große Bremsscheiben und Vierkolben-Festsattelbremsen. Optional sind Keramikbremsen zu haben. Serienmäßig rollt der Bolide auf geschmiedeten Leichtmetall-rädern mit Zentralverschluss und straßenzugelassenen Sportschlappen der Dimensionen 275/35 R 20 vorn und 335/30 R21 hinten. Drei Fahrmodi stehen zur Wahl, nämlich Normal, Sport und Track. Im Track-Modus lassen sich unter anderem die Druck- und Zugstufe der Dämpfer an der Vorder- und Hinterachse separat und mehrstufig justieren. Auch die Hinterachs-Quersperre ist über Dreh-regler am Lenkrad verstellbar.

In Sachen Aerodynamik haben sich die Ingenieure so richtig ausgetobt. Ein Novum beim straßenzugelassenen GT3 RS ist das Mittenkühlerkonzept, das erstmals beim Le Mans-Klassensieger 911 RSR und anschließend auch im 911 GT3 R zum Einsatz kam. Anstelle des bisherigen Layouts mit drei Kühlern sitzt nun ein großer, schräg angeordneten Mittenkühler im Vorderwagen – also dort, wo sich bei anderen Neunelfern der Kofferraum befindet. Im frei gewordenen seitlichen Bauraum wurden aktive Aerodynamik-Elemente untergebracht. Die Luft aus dem Mittelkühler strömt über großflächige Nüstern auf der Fronthaube aus, wird über das Dach nach außen gelenkt und sorgt für kühlere Ansaugtemperaturen am Heck. Stufenlos verstellbare Flügel-
elemente an der Front sowie am zweigeteilten Heckflügel sorgen zusammen mit weiteren Aerodynamik-Maßnahmen für 409 Kilogramm Gesamtabtrieb bei 200 km/h. Damit generiert der neue 911 GT3 RS doppelt so viel Anpressdruck wie sein Vorgänger (Typ 991 II) und dreimal so viel wie ein aktueller 911 GT3. Bei 285 km/h beträgt der Gesamtabtrieb sogar 860 Kilogramm. Erstmals ist in einem Serien-Porsche ein Drag Reduction System (DRS) verbaut: Wenn es auf geraden Streckenabschnitten besonders flott vorangehen soll, lassen sich via DRS innerhalb eines definierten Arbeitsbereiches die Flügel auf Knopfdruck flach stellen. Bei einer Vollbremsung aus hohen Geschwindigkeiten kommt die Airbrake-Funktion zum Einsatz: Die Flügel-Elemente an Front und Heck werden maximal angestellt und erzeugen so eine Verzögerungswirkung, um die Radbremsen zu unterstützen.

Alles, was die Aerodynamik-Trickkiste hergibt

Nicht zu übersehen ist der Heckflügel mit Schwanenhalsaufhäng-ung. Er besteht aus einem feststehenden Hauptflügel und einem oberen, hydraulisch verstellbaren Flügelelement. Erstmals bei einem Porsche-Serienfahrzeug liegt die Oberkante des Heckflügels höher als das Dach. Auch beim Fahrwerk wurde tief in die Aerodynamik-Trickkiste gegriffen. Da die Radhäuser stark durchströmt werden, sind die Bauteile der Doppelquerlenker-Vorderachse wie im hochklassigen Motorsport als Tropfenprofile ausgeführt. Diese Aerolenker erhöhen den Abtrieb an der Vorderachse bei Höchstgeschwindigkeit um rund 40 Kilogramm.

Apropos Kilogramm: Dank des ausgiebigen Einsatzes von Kohlefaser (CfK) bringt der 911 GT3 RS gemäß DIN leer nur 1.450 Kilogramm auf die Waage. Aus CfK bestehen unter anderem die Türen, die vorderen Kotflügel, das Dach sowie der Frontdeckel. Auch im Innenraum kommt CfK zum Einsatz, zum Beispiel bei den serienmäßigen Vollschalensitzen.

Schwarzes Leder, Racetex und Sichtcarbon prägen das Interieur. Aufpreisfrei ist der 911 GT3 RS mit Clubsportpaket erhältlich. Es bietet einen Überrollbügel aus Stahl, einen Handfeuerlöscher, einen Sechs-Punkt-Gurt für die Fahrerseite und vieles mehr. Deutlich umfangreicher ist das aufpreispflichtige Weissach-Paket mit viel Sichtcarbon am Exterieur, einem optimierten Fahrwerk mit CfK-Elementen und PDK-Schaltpaddles mit Magnet-Technologie aus dem Motorsport. Sie sorgen für noch sportlichere Schaltvorgänge durch einen präziseren Druckpunkt und ein deutlich wahrnehmbares Klacken. Der neue Porsche 911 GT3 RS ist ab 230.112 Euro bestellbar.