Im September 2026 gelang Porsche die Herstellung von Batteriezellen, bei denen das Kathoden-Aktivmaterial ausnahmslos aus wiedergewonnenen Rohstoffen gefertigt wurde. Die benötigten Materialien – Kobalt, Nickel, Lithium und Mangan – wurden vollständig aus nicht mehr genutzten Hochvoltbatterien von Porsche-Modellen gewonnen. Das auf Recycling spezialisierte Unternehmen cylib bereitet die ausrangierten Batterien mit einem auf Wasser basierenden Verfahren auf und extrahiert die wertvollen Rohstoffe. Im Anschluss erfolgt die Verarbeitung zu frischem Aktivmaterial für neue Batteriekathoden.
„Die Herstellung von Batteriezellen aus komplett recycelten Rohstoffen wie Kobalt oder Lithium markiert einen bedeutenden technologischen Fortschritt", erklärt Joachim Scharnagl, bei Porsche verantwortlich für den Beschaffungsbereich. Seit 2025 läuft das Pilotvorhaben und erreichte nun jene Stufe, in der wiedergewonnene Materialien erstmalig Primärrohstoffe vollständig substituieren. Die im Rahmen des Vorhabens gefertigten Batteriezellen durchlaufen gegenwärtig Praxistests in Testfahrzeugen. Erste Resultate deuten auf eine mögliche technische Tauglichkeit der Methode hin. Zusätzliche Testergebnisse sind für die zweite Hälfte des Jahres 2026 angekündigt.
Zwei Zielsetzungen verfolgt das Vorhaben: die Wiedergewinnung kostbarer Rohstoffe sowie die Qualitätskontrolle des aufbereiteten Materials. Die gefertigten Batteriezellen müssen den strengen Porsche-Anforderungen hinsichtlich Wertigkeit und Leistungsfähigkeit entsprechen. Die gewonnenen Erkenntnisse aus den Versuchen sollen als Basis für einen potentiellen Einsatz in Serien-Batteriezellen dienen.
In den deutschen Porsche-Zentren nimmt der Recyclingprozess seinen Anfang. Porsche sammelt dort seit Mai 2026 nicht mehr verwendete Hochvoltbatterien und befördert sie zu cylib. Das Unternehmen verfügt über ein integriertes Netzwerk in Deutschland mit Niederlassungen in Dormagen, Aachen und Wernberg-Köblitz. Die Demontage sowie mechanische Aufbereitung der Energiespeicher findet in Wernberg-Köblitz statt.
Zunächst werden die Batterien entladen und zerlegt. Danach erfolgt die mechanische Zerkleinerung durch cylib. Das zerkleinerte Material wird zur sogenannten Schwarzmasse verarbeitet – ein Pulver, welches die wertvollen Rohstoffe beinhaltet. Im darauffolgenden Schritt extrahiert cylib die einzelnen Materialien durch hydrometallurgische Verarbeitung in Dormagen. Dieses Verfahren arbeitet auf Wasserbasis und umgeht energieintensive Hochtemperaturmethoden.
„cylib vollendet den Kreislauf beim Batterierecycling – vom ausgedienten Energiespeicher bis zum wiedergewonnenen Rohstoff", erklärt Dr. Lilian Schwich, Co-CEO und Mitgründerin von cylib. Das Unternehmen entstand 2022 in Aachen durch Dr. Lilian Schwich, Dr. Gideon Schwich und Paul Sabarny und ging aus der Forschungsarbeit an der RWTH Aachen University hervor. Die extrahierten Rohstoffe verwaltet cylib auf einem Materialkonto, welches Porsche und ausgewählten Partnerunternehmen ab 2028 für die Fertigung von Batteriezellen zugänglich sein wird.
Neben der Kreislaufwirtschaft verfolgt das Recyclingvorhaben auch die Zielsetzung, die Abhängigkeit von weltweiten Rohstoffquellen zu verringern. Kobalt, Nickel, Lithium und Mangan werden gegenwärtig vorwiegend außerhalb Europas gefördert und verarbeitet. Die Versorgungsketten sind empfindlich gegenüber geopolitischen Spannungen und Preisfluktuationen. Durch das Recycling in Europa etabliert Porsche eine alternative Rohstoffquelle.
Ab 2028 sollen die in Deutschland aufbereiteten Batterierohstoffe in Hochvoltbatterien für Porsche-Modelle Verwendung finden. Die verfügbaren Mengen sind abhängig von der Verfügbarkeit ausrangierter Batterien. Da die Elektromobilität bei Porsche erst seit kurzer Zeit expandiert, fallen momentan noch verhältnismäßig wenige Altbatterien an. Mit wachsender Anzahl von Elektrofahrzeugen wird auch die Menge recycelbarer Energiespeicher ansteigen.
Das Vorhaben ist Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie von Porsche. Das Unternehmen unterstützt die Nutzung ökologisch nachhaltigerer Materialien sowie kreislauffähige Konzepte entlang der Wertschöpfungskette. Neben dem Batterierecycling zählen hierzu der Einsatz zirkulärer Materialien, die Vermeidung von Abfällen und die Wiederaufbereitung von Fahrzeugkomponenten.
Die Erkenntnisse aus dem Pilotvorhaben werden bereits in die reguläre Batterieentsorgungsstruktur von Porsche integriert. Die Kooperation mit cylib ermöglicht das systematische Recycling ausrangierter Hochvoltbatterien aus sämtlichen deutschen Porsche-Zentren. Der Ablauf ist seit Mai 2026 etabliert und verarbeitet kontinuierlich Altbatterien.
Die wiedergewonnenen Rohstoffe werden auf dem Materialkonto verwaltet und stehen ab 2028 für die Fertigung neuer Batteriezellen bereit. Porsche beabsichtigt, die extrahierten Materialien sowohl für eigene Modelle als auch für ausgewählte Partnerunternehmen verfügbar zu machen. Die exakten Mengen und Verteilungsschlüssel sind bislang nicht bekannt.
Das Vorhaben demonstriert, dass Batterierecycling technisch realisierbar ist und Rohstoffe in ausreichender Qualität zurückgewinnen kann. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die wiedergewonnenen Materialien auch unter Serienbedingungen die Anforderungen erfüllen. Porsche möchte mit dem Vorhaben Erfahrungen sammeln, die für die zukünftige Skalierung des Recyclings erforderlich sind.
| Recycelte Kathoden-Materialien | Lithium, Nickel, Kobalt, Mangan |
| Anteil recycelter Rohstoffe im Aktivmaterial | 100 Prozent |
| Start reguläres Recycling | Mai 2026 |
| Verfügbarkeit für Zellproduktion | ab 2028 |
| Recycling-Standorte | Aachen, Dormagen, Wernberg-Köblitz |
| Gründungsjahr cylib | 2022 |