Albrecht Reimold beendet zum 31. August 2026 seine Vorstandstätigkeit bei der Porsche AG. Der 65-Jährige übergibt das Ressort Produktion und Logistik planmäßig zum Ablauf seines Vertrags. Mehr als ein Jahrzehnt stand der Diplom-Ingenieur der Produktionstechnik an der Spitze des Bereichs und verantwortete in dieser Zeit grundlegende Weichenstellungen für die Zukunft des Sportwagenherstellers.
Seine berufliche Laufbahn begann Reimold 1980 mit einer Ausbildung zum Werkzeugmacher, die er als Bundessieger abschloss. Über ein Trainee-Programm kam er 1987 zu Audi, wo er verschiedene Stationen durchlief. 2009 übernahm er die Werkleitung in Neckarsulm. Zwischenzeitlich verantwortete er den Produktionsanlauf des Lamborghini Gallardo in Italien. Vor seinem Wechsel zu Porsche im Jahr 2016 leitete Reimold als Vorsitzender des Vorstands und Vorstand Technik das Mehrmarkenwerk von Volkswagen Slovakia in Bratislava.
Dr. Wolfgang Porsche, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Porsche AG, würdigt Reimolds Leistung: „Albrecht Reimold hat sich in der internationalen Automobilbranche über die vergangenen Jahrzehnte einen exzellenten Ruf erworben. Sein tiefes fachliches Wissen war die Grundlage, um die Porsche-Produktion und -Logistik über die Jahre substanziell weiterzuentwickeln."
Reimold selbst blickt auf eine intensive Zeit zurück: „Als ich vor mehr als zehn Jahren bei Porsche begonnen habe, war ich sehr stolz als gelernter Werkzeugmacher einen Vorstandsposten zu bekleiden. Heute blicke ich mit Stolz auf das zurück, was wir in dieser Zeit gemeinsam als Team geleistet haben. Nach rund fünf intensiven Jahrzehnten im Job fällt der Abschied nicht leicht."
Direkt zu Beginn seiner Vorstandstätigkeit 2016 stand Reimold vor einer besonderen Herausforderung: der Aufbau der Taycan-Produktion in Zuffenhausen. Mit dem ersten vollelektrischen Porsche entstand eine „Fabrik in der Fabrik" am Stammstandort. Die Integration der neuen Fertigungslinie in das bestehende Werk erforderte präzise Planung und Umsetzung.
In seine Amtszeit fielen mehrere Krisensituationen, die er mit seinem Team bewältigen musste. Die Corona-Pandemie stellte die Produktion vor logistische Herausforderungen, ebenso die weltweite Halbleiterkrise. Trotz dieser Unwägbarkeiten gelang es, die Fertigung stabil zu halten und weiterzuentwickeln.
Ein strategischer Schwerpunkt lag auf der Ausrichtung des Porsche Werkzeugbaus in Schwarzenberg. Die Experten dort spielten eine zentrale Rolle beim Anlauf des Joint-Ventures V4Smart, das Hochleistungsrundzellen für den T-Hybrid-Antrieb in verschiedenen 911-Modellen produziert. Diese Batteriezellen ermöglichen die Elektrifizierung der Sportwagen-Ikone ohne Kompromisse bei der Performance.
Bei der Gründung der Smart Press Shop GmbH & Co. KG war Reimold die treibende Kraft. Das Joint-Venture mit der Andritz Schuler GmbH betreibt in Halle an der Saale eines der modernsten Presswerke der Automobilindustrie. 2025 ging ein weiteres Großprojekt an den Start: der Porsche Smart Battery Shop s.r.o. im slowakischen Horná Streda. Die Batteriemodulfertigung produziert Hochvoltbatterien für den neuen Cayenne Electric.
Die Arbeit Reimolds Führung fand auch externe Anerkennung. Das Porsche-Werk in Leipzig erhielt 2025 den Automotive Lean Production Award für hochautomatisierte und digitale Produktion. Die Unternehmensberatung Kearney wählte das Werk Leipzig 2023 zu Europas Fabrik des Jahres. Die Standorte Zuffenhausen und Leipzig erhielten mehrfach die Platin-Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen.
Persönlich wurde Reimold 1997 mit dem Prof. Ferdinand Porsche Preis für seinen Beitrag zur Entwicklung des Audi Space Frame für die Großserienproduktion ausgezeichnet. 2014 erhielt er den Human Award der Universität Köln und Familie Kluge Stiftung für visionäres und verantwortungsvolles Handeln. Das Fachmagazin Automotive News Europe kürte ihn 2021 zum „Eurostar Winner" in der Kategorie Manufacturing Executive.
Christian Friedl übernimmt ab dem 1. September 2026 das Vorstandsressort. Der 49-Jährige startete seine Karriere bei Porsche 1999 nach dem Maschinenbaustudium an der Technischen Hochschule Regensburg. Er durchlief verschiedene produktionsnahe Positionen in den Bereichen Motorenmontage, Karosseriebau und Lackierung. Ab 2016 leitete er das Porsche-Stammwerk in Zuffenhausen. 2021 wechselte er als Leiter des Seat-Stammwerks nach Martorell, ehe er 2023 als Leiter Unternehmensqualität zu Porsche zurückkehrte.
Dr. Michael Leiters, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, sieht in Friedl den richtigen Nachfolger: „Albrecht Reimold hat unserer Produktion und Logistik in einem sehr volatilen Umfeld enorme Stabilität gegeben. Mit Christian Friedl vollziehen wir nun den geplanten Generationswechsel. Er bringt persönlich die besten Voraussetzungen mit, um unser Produktionsnetzwerk weiterzuentwickeln und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Standorte zu sichern und auszubauen."
Dr. Wolfgang Porsche ergänzt: „Albrecht Reimold hat die Digitalisierung von Produktion und Logistik konsequent umgesetzt. Er hat einen hohen Anspruch an die Exzellenz in seinem Team und ich bin überzeugt, dass Christian Friedl daran anknüpfen und gleichzeitig seinen eigenen Weg finden wird."