Dino Medic
· 22.04.2025
Die ersten Modelle einer Baureihe haben einen ganz eigenen Charme, eine ganz eigene Geschichte. So ist es auch beim Porsche 356, dem ersten Serien-Porsche, und vor allem bei einem Exemplar: der Nummer 5006. Diese vier Ziffern bereiten Oldtimer-Fans und Porsche Aficionados noch heute Gänsehaut. Denn Nummer 5006, der erste noch erhaltene Porsche aus deutscher Produktion, galt lange als verschollen.
Die Geschichte dieses besonderen Wagens fangen die Autoren Thomas Ammann und Frank Jung mithilfe von Simon Braker für ihr Coffee Table Book direkt am Ort des Geschehens ein – bei den glücklichen Findern, Oliver Schmidt und Thomas König, zugleich Gründer des Automobilmuseums Prototyp in Hamburg. In fünf Kapiteln widmet sich das Buch der Auffindung des legendären Modells und der Historie der Marke Porsche von den Anfängen bis hin zur Serienproduktion des Porsche 356. Darüber hinaus wird die achtjährige Restaurierung des Wagens Schritt für Schritt dokumentiert.
Im ersten Teil des Buches nimmt uns das Autorenteam mit in den Moment im Jahr 2013, als eine anonyme Quelle die Spur zu einem vermeintlich sehr frühen Porsche 356 legt – und sich daraus ein kleiner Krimi entspinnt. Ein Wrack, irgendwo auf dem Land in Norddeutschland, sei aufgetaucht, das angeblich eine geradezu mystische Fahrgestellnummer tragen soll.
Der Anrufer gibt sich nicht zu erkennen. Beharrliche Recherchen und die ersten Fotos bestätigen Schmidt und König jedoch: Unter all den dicken Schmutz- und Ölschichten mitten im verwilderten Garten eines dahingeschiedenen Sammlers bei Bremen versteckt sich einer der ersten erbauten und noch erhaltenen Porsche aus deutscher Produktion. Ein Glückstreffer. Der Zustand? An vielen Stellen miserabel, doch nicht hoffnungslos.
Die Geschichte von Nummer 5006 zeigt in gewisser Weise eine Parallele zur Historie von Porsche. Denn bevor Ferdinand „Ferry“ Porsche seine Marke zu der machte, die sie heute ist, war es ebenso ein steiniger Weg. Die Autoren liefern im Buch nicht nur einen Überblick, wie die Zuffenhausener Sportwagenschmiede in den 1930er- und 1940er-Jahren um ihr Überleben kämpfte. Sondern man erfährt ebenfalls, welchen Einfluss sowohl das Werk Reutter als Karosseriebauer als auch die Zwischenstation im österreichischen Gmünd hatten. Mit technischen Zeichnungen und Skizzen, Verträgen und Fotoaufnahmen schafft das Buch ein Panorama, das zeigt, wie „Ferry“ Porsche die Marke konsequent von einer Konstruktions- und Entwicklungsfirma hin zum Hersteller eigener Sportwagen transformiert.
Die Restaurierung von Nummer 5006 erweist sich als aufwendig, aber nicht unmöglich. Vor allem die Fotografien von Thorsten Doerk fangen die akribische Arbeit eindrucksvoll ein. Dass diese frühe Karosserie in reiner Handarbeit gefertigt und weitgehend mit VW Teilen bestückt war, stellte die Spezialisten vor gewaltige Herausforderungen. Zahlreiche Bleche mussten von Grund auf rekonstruiert werden. Mithilfe historischer Vorlagen sowie Vermessungen und mit viel Gespür für traditionelle Spenglertechniken gelang es, möglichst viel Originalsubstanz zu retten. Der Clou: Selbst seltene Materialien wie Rosshaar für die Sitze sowie die spektakuläre Lackfarbe Marsrot wurden originalgetreu neu aufbereitet.
Im Anschluss erzählen dann noch Oliver Schmidt und Thomas König über ihr Museum in Hamburg, ihre Arbeit und den Fund ihres Lebens, bevor am Ende des Buches wunderbare Fotos den restaurierten Porsche mit der Nummer 5006 in allen Details zeigen. Ein Gewinn für alle, die sich für das erste noch erhaltene Modell der Zuffenhausener Edelschmiede interessieren – und für die die Einmaligkeit und die Schönheit alter Autos ein Genuss sind.
Die Wiederauferstehung einer Legende in Wort und Bild: „Porsche 356 – N0 5006 lebt. Der Start von Porsche in Deutschland“. Autoren: Thomas Ammann und Frank Jung, Mitarbeit von Simon Braker, Fotos von Thorsten Doerk. Erschienen 2024 bei Delius Klasing, 232 Seiten, 49,90 €