2026Mercedes-Benz Classic feiert dieses Jahr 140 Jahre Automobilgeschichte

Gute Fahrt

 · 18.02.2026

Gottlieb Daimler lässt sich im Fond seiner „Motorkutsche“ aus dem Jahr 1886 von seinem Sohn Adolf chauffieren
Foto: Mercedes-Benz AG - Mercedes-Benz Classic Communications
Mercedes-Benz Classic blickt auf 140 Jahre Innovationsgeschichte zurück. Von der Erfindung des Automobils 1886 über Barényis Sicherheitskarosserie bis zu Rekordfahrten prägen technische Meilensteine die Marke.

Die Geburtsstunde der individuellen Mobilität

Am 29. Januar 1886 reichte Carl Benz das Patent für seinen dreirädrigen Motorwagen ein. Das Patent DRP 37435 für das "Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb" gilt als Geburtsurkunde des Automobils und gehört heute zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Dieser Tag markiert den Beginn der modernen individuellen Mobilität. Bertha Benz unterstützte ihren Mann von Anfang an und unternahm 1888 die weltweit erste Langstreckenfahrt in einem Automobil.

Nahezu zeitgleich entwickelte Gottlieb Daimler zusammen mit Wilhelm Maybach den schnelllaufenden Verbrennungsmotor und baute ihn in eine Kutsche ein. So entstand im selben Jahr das erste vierrädrige Automobil. Der Innovationsgeist der beiden Gründerväter prägt die DNA von Mercedes-Benz bis heute. Diese Denkweise definiert die Haltung des Unternehmens und der Marke bei neuen Produkten: Mit Pioniergeist und höchster ingenieurtechnischer Exzellenz gestaltet Mercedes-Benz kontinuierlich Fortschritt und Mobilität.

Neue Lösungen entstehen stets mit dem Ziel, erweiterte Möglichkeiten in Bezug auf Komfort, Sicherheit, Effizienz, Leistung und Sportlichkeit zu eröffnen. Die Innovationen von Mercedes-Benz prägen nicht nur die eigenen Produkte, sondern die gesamte Automobilindustrie sowie Gesellschaft und Mobilitätskultur. Das Jubiläumsjahr 2026 bietet Anlass, auf diese 140-jährige Geschichte zurückzublicken und die wichtigsten Meilensteine zu würdigen.

Barényis revolutionäres Sicherheitskonzept setzt Standards

Am 23. Januar 1951 wurde ein Patent für Béla Barényis Sicherheitskarosserie eingereicht. Die Serieneinführung erfolgte 1959 in den Heckflossen-Limousinen der Baureihe W 111. Das visionäre Prinzip mit Knautschzonen und einer stabilen Fahrgastzelle setzte einen Industriestandard. Definierte verformbare Knautschzonen vorne und hinten absorbieren bei einem Aufprall die kinetische Energie, während die stabile Fahrgastzelle dazwischen die Insassen schützt.

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Dieses revolutionäre Konstruktionsprinzip feierte 1959 in den Mercedes-Benz Heckflossen-Limousinen der Baureihe 111 Weltpremiere. Praktisch alle Automobilhersteller übernahmen anschließend dieses Prinzip. Der Mercedes-Benz Ingenieur Béla Barényi entwickelte dieses visionäre Karosseriekonzept, das am 23. Januar 1951 zum Patent angemeldet wurde. Als Pionier der passiven Sicherheit brach Barényi konsequent mit dem bis dahin vorherrschenden Ansatz, die gesamte Karosserie möglichst steif zu gestalten, um Insassen bei einem Unfall zu schützen.

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Stattdessen teilte er die Karosserie in Zonen mit unterschiedlichen Funktionen: Die vorderen und hinteren Knautschzonen dienen dazu, durch kontrollierte Verformung möglichst viel Aufprallenergie aufzunehmen und abzuleiten. Die besonders steif ausgelegte Sicherheitsfahrgastzelle in der Fahrzeugmitte bietet den Passagieren einen stabilen und sicheren Innenraum. Das Barényi-Patent Nr. 854 157 "Kraftfahrzeug, insbesondere zur Personenbeförderung" wurde am 30. Oktober 1952 erteilt. Es bildet einen Eckpfeiler der passiven Fahrzeugsicherheit und prägte nicht nur die Entwicklung des Mercedes-Benz W 111, sondern beeinflusste auch maßgeblich den Beginn systematischer Crashtests bei der damaligen Daimler-Benz AG ab 1959.

Weltrekordfahrt mit Dieselmotor in Nardò

Vor 50 Jahren, im Juni 1976, erreichte Mercedes-Benz mit dem C 111-II D auf dem Hochgeschwindigkeitskurs in Nardò, Italien, einen Meilenstein in der über 140-jährigen Motorsportgeschichte. Ein Fünfzylinder-Dieselmotor lieferte einen dreifachen Weltrekord. Nach 64 Stunden stellten die Stuttgarter Rekordfahrer drei Weltrekorde und 16 Klassenrekorde für Dieselfahrzeuge mit bis zu drei Litern Hubraum auf. Sie legten Strecken von zehn Kilometern bis zu 10.000 Meilen mit Fahrzeiten zwischen einer und 24 Stunden zurück und erreichten dabei Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 250 km/h.

Das Rekordfahrzeug basierte auf dem futuristischen Experimentalfahrzeug C 111-II mit Wankelmotor aus dem Jahr 1970. Statt eines Vier-Scheiben-Wankelmotors kam für die Rekordfahrt vom 12. bis 15. Juni 1976 eine optimierte Version des Drei-Liter-Fünfzylinder-Dieselmotors OM 617 LA mit Abgasturbolader und Ladeluftkühler zum Einsatz. In der Mercedes-Benz Pkw-Serienproduktion der 1970er Jahre wurde der OM 617 als Saugmotor eingesetzt, beispielsweise im 240 D 3.0 (W 115) und 300 D (W 123) sowie im Exportmodell 300 D Turbodiesel (W 123) mit Abgasturbolader.

Im Rekordfahrzeug bewies das leistungsstarke Aggregat mit 140 kW (190 PS) seine Zuverlässigkeit im Dauerbetrieb anspruchsvollsten Bedingungen. Das Experimentalfahrzeug wurde für die Rekordfahrt auch aerodynamisch umfassend verfeinert. In der Tradition dieses legendären Erfolgs vor 50 Jahren steht die Rekordfahrt des Technologieträgers Mercedes-Benz Concept AMG GT XX mit Axialfluss-Motoren, die im August 2025 ebenfalls in Nardò stattfand: In 7,5 Tagen stellte er insgesamt 25 Rekorde bei 300 km/h auf.

Fahrassistenzsysteme im Härtetest auf Eis und Schnee

Im Februar 1986 präsentierte Mercedes-Benz neue Assistenzsysteme extremen Bedingungen in Finnland. Schnee, Eis und Minustemperaturen boten perfekte Voraussetzungen, als Mercedes-Benz vom 3. bis 8. Februar 1986 seine neuen Assistenzsysteme vorstellte. Eingeladene Journalisten konnten das automatische Sperrdifferential (ASD), die Antriebsschlupfregelung (ASR) und das automatisch aktivierte Allradantriebssystem 4MATIC ausprobieren.

Die Basis für diese innovativen Assistenzsysteme bildete das digitale Antiblockiersystem (ABS), das seit 1978 verfügbar war und gemeinsam von Mercedes-Benz und Bosch entwickelt wurde. Die neuen Traktionssysteme nutzten nun ebenfalls dessen Sensorsignale. ASD, ASR und 4MATIC wurden bereits auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt im Herbst 1985 gezeigt, gefolgt von einer Präsentation in Finnland harten Realbedingungen.

So funktionieren die neuen Systeme: Das automatische Sperrdifferential ASD begrenzt die Ausgleichsbewegung im Hinterachsdifferential, wenn ein Antriebsrad durchdreht, und sorgt für merklich verbesserte Traktion beim Anfahren und Beschleunigen auf rutschigen Oberflächen. Die Antriebsschlupfregelung ASR kombiniert Bremseingriffe am durchdrehenden Rad mit einer Reduzierung des Motordrehmoments über das elektronische Gaspedal. Dadurch bleibt der Vortrieb auch bei leistungsstarken Achtzylinder-Limousinen gut beherrschbar; das Fahrzeug beschleunigt selbst auf Eis stabil und kontrolliert. Der neu entwickelte Allradantrieb 4MATIC arbeitet normalen Bedingungen nur auf der Hinterachse; bei Traktionsverlust schaltet die Elektronik progressiv den Vorderachsantrieb zu und aktiviert zusätzliche Sperrfunktionen.

Neuheiten-Feuerwerk auf der ersten Nachkriegs-IAA

Auf der ersten Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main begeisterte Mercedes-Benz im April 1951 sowohl die breite Öffentlichkeit als auch Branchenexperten mit den neuen Pkw-Typen 220 (W 187) und 300 (W 186). Sie überzeugten durch Geräumigkeit, Komfort und Prestige. Weitere Unterscheidungsmerkmale der gehobenen Mittelklasse-Limousine und des Repräsentationsfahrzeugs waren ihre neuen Sechszylindermotoren.

Der 2,2-Liter-Reihensechszylinder M 180 mit oben liegender Nockenwelle machte den Mercedes-Benz 220 zum Maßstab seiner Klasse in Bezug auf Leistung und Laufkultur. Der größere und leistungsstärkere M 186 im späteren Flaggschiff-Modell, bekannt als "Adenauer-Mercedes", machte dieses zum schnellsten Serien-Pkw in Deutschland zu jener Zeit. Beide Automobile spiegelten den Aufbruchsgeist der Ära wider, mit dem beginnenden Wirtschaftswunder am Horizont.

Die neuen Motorenentwicklungen ersetzten zwei Vorkriegskonstruktionen: den Vierzylinder M 136 und den Sechszylinder M 159. Mit 59 kW (80 PS) bei 5.300 Umin lieferte der M 180 mit oben liegender Nockenwelle Leistungswerte, die damals eher bei Sportwagen üblich waren. Der 85 kW (115 PS) starke M 186 des Typs 300 basierte strukturell auf dem M 159, schlug aber technisch konsequent neue Wege ein. Testberichte lobten die Drehfreude und die verfeinerten Laufeigenschaften des Motors. Mit beiden Motoren legte Mercedes-Benz im Jahr 1951 die Grundlage für viele nachfolgende erfolgreiche Sechszylinder-Aggregate, einschließlich des Motors der Sportwagen-Ikone 300 SL "Flügeltürer" (W 198).

Veranstaltungen und Jubiläen prägen das Classic-Jahr

Mercedes-Benz Classic plant für 2026 mehrere bedeutende Veranstaltungen. Vom 28. Januar bis 1. Februar 2026 widmet sich die Präsentation auf dem Salon Rétromobile in der Paris Expo Porte de Versailles der 1000 Miglia. Die Retro Classics in Stuttgart vom 19. bis 22. Februar 2026 gehört zu den größten Oldtimer-Messen Europas. Ein Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf dem Jubiläum "50 Jahre Mercedes-Benz Baureihe 123".

Vom 28. Februar bis 1. März 2026 findet die ModaMiami im Biltmore Hotel in Coral Gables, Florida, statt. Diese faszinierende neue Veranstaltung verbindet Design, Innovation und Kultur. Mehr als 400 herausragende Automobile können in exklusivem Ambiente erlebt werden.

Zwei bedeutende Persönlichkeiten der Markengeschichte feiern Geburtstage: Rudolf Caracciola wurde vor 125 Jahren am 30. Januar 1901 in Remagen am Rhein geboren. Als Mercedes-Benz Werksfahrer prägte er die Ära der S-Rennwagen und die erste Silberpfeil-Ära von 1934 bis 1939. Er wurde dreifacher Europameister im Grand-Prix-Sport, vergleichbar mit dem heutigen Formel-1-Weltmeistertitel. Sein Geschwindigkeitsweltrekord von 432,69 km/h auf der Autobahn im Jahr 1938 blieb 79 Jahre lang ungeschlagen.

Wilhelm Maybach wurde vor 180 Jahren am 9. Februar 1846 in Heilbronn geboren. Nach dem frühen Tod seiner Eltern wuchs er im Bruderhaus in Reutlingen auf, wo er 1864 Gottlieb Daimler traf und dessen langjähriger Entwicklungspartner wurde. Ab 1882 entwickelten die beiden den schnelllaufenden Verbrennungsmotor und integrierten ihn 1885 in das Reitwagen und 1886 in die motorisierte Kutsche. Maybachs Innovationen ermöglichten den Siegeszug des Automobils; ein Meilenstein war die Konstruktion des Mercedes 35 PS im Jahr 1900, des ersten modernen Automobils.


Technische Daten im Überblick

Patent Benz-MotorwagenDRP 37435, eingereicht 29. Januar 1886
Patent SicherheitskarosserieNr. 854 157, eingereicht 23. Januar 1951
Serieneinführung Sicherheitskarosserie1959 in Mercedes-Benz W 111
C 111-II D Rekordfahrt12. bis 15. Juni 1976 in Nardò
C 111-II D MotorOM 617 LA Fünfzylinder-Diesel
C 111-II D Leistung140 kW (190 PS)
C 111-II D WeltrekordeDrei Weltrekorde, 16 Klassenrekorde
C 111-II D DurchschnittsgeschwindigkeitÜber 250 km/h
Präsentation ASD/ASR/4MATIC3. bis 8. Februar 1986 in Finnland
IAA Frankfurt Premiere 220/30019. bis 29. April 1951
Motor M 1802,2-Liter-Reihensechszylinder, 59 kW (80 PS)
Motor M 186Reihensechszylinder, 85 kW (115 PS)