Gute Fahrt
· 11.05.2026
Citroën arbeitet an einem elektrischen Kleinstwagen, der für 15.000 Euro auf den Markt kommen soll. CEO Xavier Chardon bestätigte gegenüber der britischen Fachzeitschrift Autocar, dass die französische Marke konkrete Vorschläge für ein neues A-Segment-Elektroauto entwickle. Ein solches Modell sei absolut entscheidend für den Marktanteil der Marke in einem europäischen Automobilmarkt, dessen Wachstum durch steigende Durchschnittspreise gebremst werde.
Der Automanager verwies auf die besondere Situation in Europa. Während sich die Märkte in den USA, China und Südamerika nach der Corona-Pandemie erholt hätten, fehlten in Europa weiterhin drei Millionen Neuwagenkäufer pro Jahr. Als wesentlichen Grund nannte Chardon das nahezu vollständige Verschwinden von Fahrzeugen 15.000 Euro aus dem Angebot. Gleichzeitig sei das Durchschnittsalter der Autos in Europa in den vergangenen fünf Jahren um mehr als zwei Jahre gestiegen und liege nun bei über zwölf Jahren.
Das geplante Stadt-Elektroauto soll im Oktober auf dem Pariser Autosalon mit einem Konzeptfahrzeug vorgestellt werden. Die Entwicklung orientiere sich an der bevorstehenden europäischen E-Car-Gesetzgebung. Citroën strebt eine profitablere Produktion an, um den niedrigen Verkaufspreis realisieren zu können. Der Fokus auf Bezahlbarkeit solle Kunden wieder Kaufkraft geben, die heute keine Neuwagen kaufen wollten. Zugleich wolle man sowohl Citroëns Marktanteil in Europa als auch den Elektroanteil an den Verkäufen erhöhen.
Chardon zog einen direkten Vergleich zur Situation Ende der 1940er-Jahre. Damals hätten besonders günstige und utilitaristische Volksautos wie der Citroën 2CV, der Fiat 500, der VW Käfer und der Austin Mini die Autoindustrie und die breitere Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg wieder belebt. Das neue Modell solle den Geist des 2CV aufnehmen, indem es günstig zu produzieren und günstig zu kaufen sei. Damit wolle Citroën einem großen Teil der Bevölkerung wieder Kaufkraft im Neuwagenmarkt verschaffen.
Der CEO ordnete dem Projekt genau denselben Zweck zu, den der 2CV bei seiner Einführung hatte. Allerdings solle das Fahrzeug nicht zwingend als Hommage gestaltet oder offen als spiritueller Nachfolger positioniert werden. Entscheidend sei nicht die Form, sondern der frühere Zweck des Fahrzeugs. Man könne den Bauern durch eine Krankenschwester ersetzen, erklärte Chardon und verwies damit auf die größere Bedeutung günstiger Autos für junge Berufstätige in städtischen Räumen.
Der 2CV bleibe für Citroën wichtig, doch Nostalgie um der Nostalgie willen sei kein Allheilmittel. Das neue Elektroauto solle vielmehr eine zeitgemäße Antwort auf aktuelle Marktbedingungen darstellen. Die Entwicklung konzentriere sich auf ein Stadt-Elektroauto, das die Anforderungen moderner Mobilität erfülle und gleichzeitig erschwinglich bleibe.
Das geplante Modell gilt als indirekter Ersatz für den früheren benzinbetriebenen Citroën C1. Wenn es in den nächsten Jahren erscheine, könnte es zu den günstigsten vollwertigen Elektroautos am Markt zählen. Der Preis solle mehrere tausend Euro dem des ë-C3 liegen, der bereits zu den erschwinglicheren Elektromodellen gehöre.
Chardon betonte die Notwendigkeit, Menschen zum Kauf neuer Autos zu motivieren. Diese müssten erschwinglich sein, um den stockenden europäischen Markt wieder zu beleben. Die Strategie ziele darauf ab, Kunden anzusprechen, die sich derzeit keine Neuwagen leisten könnten oder wollten. Das neue Kleinstwagenmodell solle dieser Zielgruppe wieder Zugang zum Neuwagenmarkt verschaffen.
Die Entwicklung erfolge im Einklang mit der kommenden europäischen E-Car-Gesetzgebung. Citroën arbeite daran, die Produktion so zu gestalten, dass sie trotz des niedrigen Verkaufspreises profitabel werde. Der Autohersteller sehe in dem Projekt eine Chance, sowohl den Gesamtmarktanteil als auch speziell den Anteil elektrischer Fahrzeuge in Europa zu steigern.
| Fahrzeugklasse | A-Segment |
| Antrieb | Elektrisch |
| Zielpreis | 15.000 Euro |
| Positionierung | Unterhalb Citroën ë-C3 |
| Konzeptvorstellung | Oktober 2026, Pariser Autosalon |
| Entwicklungsbasis | Europäische E-Car-Gesetzgebung |
| Einsatzgebiet | Stadt und Umland |