Gute Fahrt
· 30.12.2025
Der Wolfsburger Konzern hatte den elektrischen Kleinwagen auf der IAA im September als erschwingliche Alternative für die Masse angekündigt. Mit einem beworbenen Startpreis 25.000 Euro sollte der Stromer E-Mobilität einer breiten Käuferschicht zugänglich machen. Doch wie das Handelsblatt Berufung auf Händlerkreise berichtet, wird diese günstigste Variante zum Bestellstart im April 2026 nicht verfügbar sein.
Stattdessen können Kunden zunächst nur die höher motorisierte Version mit 155 kW und größerem Akkupaket konfigurieren. Diese Ausführung kostet nach Branchenschätzungen deutlich mehr als die beworbenen 25.000 Euro - Spekulationen bewegen sich eher in Richtung 30.000 Euro aufwärts. Konkrete Tarife liegen dem Handel bislang nicht vor, was die Unsicherheit zusätzlich verstärkt.
Die Einstiegsversion basiert auf einem einfacheren, günstigeren Batterietyp mit Lithium-Ferrophosphat-Technologie. Diese LFP-Akkus bieten weniger Reichweite, senken aber die Herstellungskosten erheblich. Der Hersteller bestätigte der Wirtschaftszeitung, dass die Basisversion erst später bestellbar sein werde, da die günstigere Batterie noch nicht verfügbar sei.
Die unterschiedlichen Verfügbarkeitstermine resultieren aus der komplexen Produktionsstrategie des Konzerns. Die leistungsstärkeren NMC-Akkus für den teureren ID.Polo bezieht der Hersteller direkt aus seiner ersten Fabrik für Batteriezellen der konzerneigenen Energietochter Powerco in Salzgitter. Diese Batterien mit Nickel-Mangan-Kobalt-Technologie sind bereits ab Bestellstart verfügbar und ermöglichen höhere Reichweiten.
Die günstigeren LFP-Akkus muss der Wolfsburger Konzern hingegen zunächst von externen Zulieferern zukaufen. Diese Abhängigkeit von Dritten führt zu den Lieferverzögerungen bei der Einstiegsversion. Während das Unternehmen selbst nur von "wenigen Wochen" Unterschied spricht, kursieren in Händlerkreisen deutlich längere Zeiträume.
Ein Händler berichtete dem Handelsblatt von internen Schätzungen, wonach die kleine Batterie bis zu einem halben oder sogar dreiviertel Jahr später verfügbar sein könnte. Diese erheblichen Abweichungen zwischen offizieller Kommunikation und Händlerinformationen verstärken die Verwirrung um den tatsächlichen Marktstart der beworbenen 25.000-Euro-Version.
Die verzögerte Verfügbarkeit der Basisversion könnte bei Interessenten für erhebliche Enttäuschungen sorgen. Ein Händler warnte gegenüber dem Handelsblatt: "Das kann dann schon bei dem ein oder anderen Kunden zu Enttäuschungen führen." Zwar seien gestaffelte Produktionsanläufe in der Automobilbranche nicht ungewöhnlich, doch der Konzern habe den Kompaktstromer über Monate hinweg explizit als 25.000-Euro-Fahrzeug positioniert.
Diese Kommunikationsstrategie könnte sich als problematisch erweisen, da potenzielle Käufer in der Zwischenzeit auf bereits verfügbare, erschwingliche Konkurrenzmodelle umschwenken könnten. Das Angebot günstiger Elektrofahrzeuge wächst kontinuierlich und umfasst bereits Modelle wie den Dacia Spring, Hyundai Inster, Citroën e-C3, BYD Dolphin Surf und Fiat 500e.
Der Wolfsburger Konzern steht mit dieser Problematik nicht allein da. Auch Renault kündigte den R5 für 25.000 Euro an, bot zum Marktstart Ende 2024 jedoch nur teurere Varianten ab 33.000 Euro. Die günstigeren Modelle folgten erst im Sommer 2025. Solche Praktiken könnten das Vertrauen der Verbraucher in Preisankündigungen der Automobilhersteller nachhaltig beschädigen.
Der elektrische Kleinwagen markiert einen wichtigen Wendepunkt in der Modellpolitik des Konzerns. Der aktuelle Polo mit Benzinmotor, der seit 2021 produziert wird, ist bereits der letzte seiner Art. Neue EU-Abgasregularien haben die Hürden für Verbrenner so hoch gesetzt, dass sie sich als Neuwagen für den Hersteller nicht mehr rechnen. Der Stromer wird den traditionellen Polo vollständig ersetzen, wobei der Zeitpunkt der Produktionseinstellung noch unklar ist.
Diese Transformation verdeutlicht den Wandel der gesamten Automobilbranche hin zur E-Mobilität. Kleinwagen-Käufer, die nicht auf batteriebetriebene Fahrzeuge umsteigen wollen, müssen künftig auf Alternativen wie den neu auf den Markt gekommenen Renault Clio ausweichen. Der Druck auf erschwingliche Elektrofahrzeuge wächst damit weiter.
Das Unternehmen verweist darauf, mit den zuerst verfügbaren Varianten einen Großteil der Kundennachfrage abdecken zu wollen. Diese Einschätzung könnte sich jedoch als Fehlkalkulation erweisen, wenn preisbewusste Kunden aufgrund der Verzögerung zur Konkurrenz abwandern. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Markteinführungsstrategie aufgeht oder ob der verspätete Start der günstigen Version dem Erfolg des Kompaktstromers schadet.