Gute Fahrt
· 11.02.2026
Nach vier Jahren Tesla-Dominanz vollzieht sich 2025 eine bemerkenswerte Wende auf dem europäischen Markt für batterieelektrische Fahrzeuge. Die Marke Volkswagen setzt sich mit 274.278 Neuzulassungen an die Spitze und verweist den US-Hersteller auf Rang zwei. Die Unternehmensberatung JATO Dynamics ermittelte für den kalifornischen Elektropionier lediglich 236.357 Registrierungen – ein Rückgang von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Wolfsburger hingegen steigerten ihren Absatz um 56 Prozent. Diese Entwicklung markiert einen Wendepunkt in der noch jungen Geschichte der Elektromobilität auf dem alten Kontinent.
Der Erfolg der Niedersachsen basiert auf mehreren Faktoren. Besonders die Nachfrage nach Mittelklassemodellen wie dem ID.7 erwies sich als Verkaufstreiber. Dieses Fahrzeug verzeichnete ein Wachstum von 137 Prozent und erreichte 76.241 Neuzulassungen. Auch der ID.4 legte mit einem Plus von 24 Prozent auf 80.069 Einheiten deutlich zu. Der kompakte ID.3 wuchs um 44 Prozent auf 78.610 Fahrzeuge. Diese breite Modellpalette über verschiedene Segmente hinweg verschaffte dem Konzern einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz aus Übersee.
Die Datenerhebung umfasst 28 europäische Länder, darunter wichtige Märkte wie Norwegen, Großbritannien und die Schweiz. Insgesamt wurden in Westeuropa rund 2,49 Millionen Elektrofahrzeuge neu zugelassen – ein Zuwachs von knapp 29 Prozent gegenüber den etwa 1,93 Millionen des Vorjahres. Der Marktanteil batteriebetriebener Fahrzeuge kletterte von 16,7 auf 21,1 Prozent. Während das Segment der Stromer kräftig zulegte, stagnierte der Gesamtmarkt mit einem Plus von lediglich 2,3 Prozent. Diese Schere verdeutlicht die zunehmende Bedeutung emissionsfreier Antriebe für die Automobilindustrie.
Der Erfolg beschränkt sich nicht allein auf die Kernmarke aus Wolfsburg. Der gesamte Konzern profitiert von einer geschickten Produktstrategie über mehrere Marken hinweg. Besonders die tschechische Tochter Skoda entwickelte sich zum Leistungsträger. Mit nur zwei Elektromodellen im Portfolio schaffte es die Marke, beide in die Top Ten der meistverkauften Stromer zu platzieren. Der neu eingeführte Elroq erreichte auf Anhieb Rang zwei der europäischen Zulassungsstatistik mit 93.870 Einheiten. Der bereits etablierte Enyaq steuerte weitere 65.673 Registrierungen bei. Zusammen kommen beide Modelle auf rund 160.000 Neuzulassungen – das entspricht fast 20 Prozent der Top-Ten-Zulassungen.
Diese Doppelstrategie aus Volumenmodellen und höher positionierten Varianten erwies sich als Schlüssel zum Erfolg. Während die Kernmarke mit dem ID.3 preisbewusste Käufer anspricht, bedient der ID.7 Flotten- und Langstreckenkunden. Die tschechische Schwestermarke wiederum punktet mit einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis im SUV-Segment. BMW folgt auf Rang drei der Herstellerwertung mit 193.653 Zulassungen, Skoda auf Platz vier mit 171.703 Einheiten. Diese Aufstellung zeigt, wie europäische Hersteller systematisch Terrain zurückgewinnen.
Die Modelloffensive des Konzerns trifft auf eine Phase der Schwäche beim bisherigen Marktführer. Dessen Angebotspalette gilt als vergleichsweise überschaubar und teilweise veraltet. Das Model Y bleibt zwar mit 149.805 Registrierungen das meistverkaufte Einzelmodell in Europa, musste jedoch einen Rückgang von 28 Prozent hinnehmen. Das Model 3 verlor sogar 24 Prozent und kam auf 85.393 Einheiten. Beide Fahrzeuge sind bereits seit mehreren Jahren am Markt und wurden nur punktuell überarbeitet. Die fehlende Modellvielfalt erweist sich zunehmend als Nachteil in einem Segment, das immer stärker umkämpft ist.
Die Elektrifizierung Europas verläuft keineswegs gleichmäßig. Deutschland kehrte 2025 an die Spitze des westeuropäischen Marktes zurück, nachdem es im Vorjahr hinter dem Vereinigten Königreich gelegen hatte. Mit mehr als 545.000 Neuzulassungen verzeichneten die Deutschen ein Plus von gut 43 Prozent. Der Marktanteil stieg auf 19,1 Prozent. Besonders der Dezember fiel mit fast 54.800 neu zugelassenen Stromern ins Gewicht – ein Monatswachstum von mehr als 63 Prozent. Viele Käufer und Flottenbetreiber dürften Entscheidungen vorgezogen haben, um sich bestehende Konditionen zu sichern.
Das Vereinigte Königreich wuchs ebenfalls, allerdings mit geringerem Tempo. Auf Jahressicht kamen mehr als 473.000 Elektrofahrzeuge neu auf die Straße, ein Plus von knapp 24 Prozent. Der Marktanteil liegt bei 23,4 Prozent. Hersteller mussten die Vorgaben der ZEV-Regulierung erfüllen, was zu einer hohen Durchdringung im Dezember führte. Frankreich verzeichnete ein moderates Wachstum von rund 13 Prozent auf gut 328.000 Neuzulassungen. Ausschlaggebend war vor allem das Schlussquartal, als die Wiedereinführung des Social-Leasing-Programms für zusätzliche Nachfrage sorgte. Der Elektroanteil erreichte 20,1 Prozent.
Norwegen nimmt weiterhin eine Sonderrolle ein. Mit mehr als 172.000 neu zugelassenen Fahrzeugen wuchs der Markt um gut 50 Prozent. Der Elektroanteil erreichte im Jahresdurchschnitt fast 96 Prozent und lag im Dezember sogar bei rund 98 Prozent. Neben steuerlichen Vorteilen spielt auch die niedrige Vergleichsbasis des Vorjahres eine Rolle. Die Niederlande bestätigen ihre Position als stark unternehmensgetriebener Markt. Im Dezember entfielen fast zwei Drittel aller Neuzulassungen auf Stromer. Auf das Gesamtjahr gerechnet summiert sich das Volumen auf mehr als 156.000 Einheiten bei einem Marktanteil von gut 40 Prozent. Viele Unternehmen reagierten auf steuerliche Anpassungen, die ab 2026 greifen sollen.
Der Absturz des kalifornischen Herstellers hat mehrere Ursachen. Neben der bereits erwähnten mangelnden Modellvielfalt wächst der Konkurrenzdruck durch chinesische Anbieter. Die zunehmende Präsenz von in China produzierten Fahrzeugen auf dem Kontinent spiegelt nicht nur den Aufstieg chinesischer Marken wider, sondern auch Zulassungen in China produzierter europäischer Modelle. Dazu gehören Mini Cooper, Dacia Spring und Cupra Tavascan. Vom gefürchteten Sturm chinesischer Elektrofahrzeuge ist allerdings noch nichts zu sehen: Weder in den Top Ten noch den 25 meistverkauften Modellen findet sich eine chinesische Marke.
Hinzu kommt ein Imageschaden, ausgelöst durch politische Äußerungen von CEO Elon Musk. Diese sorgten in mehreren europäischen Ländern für Kritik und dürften sich negativ auf die Verkaufszahlen ausgewirkt haben. Beim Markenwert gab es einen Einbruch um 36 Prozent. Interessanterweise bewegte sich der Aktienkurs in eine ganz andere Richtung und verbuchte im Dezember mit 499 US-Dollar einen neuen Rekordwert. Investoren setzen offenbar eher auf das Robotaxi-Geschäft sowie den humanoiden Roboter Optimus als auf das klassische Automobilgeschäft.
Auch andere Hersteller kämpfen mit Herausforderungen. Der Volvo EX30, 2024 noch auf Platz drei der europäischen Modell-Hitliste mit 78.032 Einheiten, fand im Vorjahr nur noch 49.110 Käufer und rutschte auf Rang elf ab. Bemerkenswert ist dagegen der neue Polestar 4. Der Crossover basiert auf derselben Plattform wie der Volvo, ist jedoch fast ein Drittel teurer. Dennoch verkaufte er sich vom Start weg solide und sprang direkt auf Platz 19 mit 39.579 Neuzulassungen. Auch die koreanische Marke Kia kann sich über einen neunten Platz für das gerade gestartete Kompakt-SUV EV3 mit 66.571 Neuzulassungen freuen.
Spanien zeigt ein anderes Muster. Zwar wuchs der Markt auf knapp 102.000 Einheiten, doch im Dezember ließ die Dynamik nach. Austauschprogramme in einzelnen Regionen verloren an Wirkung. Der Elektroanteil bleibt mit 8,9 Prozent niedrig. Italien hingegen legte kräftig zu. Mit mehr als 95.000 neu zugelassenen Fahrzeugen verdoppelte sich das Volumen nahezu. Förderprogramme wurden vielfach in konkrete Zulassungen überführt. Gleichzeitig bleiben Zweifel, wie tragfähig diese Entwicklung ohne weitere Anreize ist. Über alle Länder hinweg zeigt sich ein klares Muster: Regulierung, Steuern und Fördermechanismen bestimmen das Tempo der Elektrifizierung. Der Übergang zur Elektromobilität ist kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen und wirtschaftlicher Anreize.
| Merkmal | Wert |
| Marke Volkswagen Neuzulassungen 2025 | 274.278 Einheiten |
| Wachstum gegenüber 2024 | +56 Prozent |
| Tesla Neuzulassungen 2025 | 236.357 Einheiten |
| Tesla Entwicklung gegenüber 2024 | -27 Prozent |
| VW ID.7 Neuzulassungen | 76.241 Einheiten |
| VW ID.7 Wachstum | +137 Prozent |
| VW ID.4 Neuzulassungen | 80.069 Einheiten |
| VW ID.4 Wachstum | +24 Prozent |
| VW ID.3 Neuzulassungen | 78.610 Einheiten |
| VW ID.3 Wachstum | +44 Prozent |
| Skoda Elroq Neuzulassungen | 93.870 Einheiten |
| Skoda Enyaq Neuzulassungen | 65.673 Einheiten |
| Tesla Model Y Neuzulassungen | 149.805 Einheiten |
| Tesla Model Y Entwicklung | -28 Prozent |
| Tesla Model 3 Neuzulassungen | 85.393 Einheiten |
| Tesla Model 3 Entwicklung | -24 Prozent |
| Gesamtmarkt Westeuropa E-Autos | 2,49 Millionen Einheiten |
| Wachstum Gesamtmarkt | +29 Prozent |
| Marktanteil E-Autos | 21,1 Prozent |
| Deutschland Neuzulassungen | 545.000 Einheiten |
| Vereinigtes Königreich Neuzulassungen | 473.000 Einheiten |
| Frankreich Neuzulassungen | 328.000 Einheiten |
| Norwegen Elektroanteil | 96 Prozent |