Gute Fahrt
· 09.01.2026
Das Jahr 2025 markiert einen Wendepunkt für die Elektromobilität in Deutschland. Mit 545.142 neu zugelassenen batterieelektrischen Fahrzeugen erreichten die Stromer einen historischen Höchststand. Das entspricht einem beeindruckenden Wachstum von 43,2 Prozent gegenüber dem schwachen Vorjahr. Der Marktanteil kletterte auf 19,1 Prozent, womit nahezu jede fünfte Neuzulassung auf ein rein batteriebetriebenes Fahrzeug entfiel.
Besonders der Dezember zeigte sich als starker Abschlussmonat. Mit fast 55.000 neu angemeldeten E-Autos war es der zweitstärkste Monat des gesamten Jahres und trug maßgeblich zum Gesamtergebnis bei. Mehr als jede fünfte Pkw-Neuzulassung im Dezember entfiel auf ein Fahrzeug mit rein elektrischem Antrieb, was die wachsende Akzeptanz dieser Technologie unterstreicht.
Doch Experten dämpfen die Euphorie. Constantin Gall von der Beratungsgesellschaft EY warnt vor vorschnellen Schlüssen: "Die Zahlen deuten auf den ersten Blick auf einen Boom hin. Tatsächlich aber gleicht das starke Wachstum nur den Absatzeinbruch des Jahres 2024 aus." Im Vergleich zu 2023 liegt die Steigerung bei lediglich vier Prozent. Der erhoffte Hochlauf vollzieht sich deutlich langsamer und zäher als ursprünglich erwartet.
Der Grund für die Zurückhaltung liegt im abrupten Ende der Umweltprämie Ende 2023, das 2024 zu einem dramatischen Absatzeinbruch führte. Die aktuellen Zahlen spiegeln somit eher eine Normalisierung wider als einen nachhaltigen Aufschwung. Dennoch zeigt sich, dass die Nachfrage nach emissionsfreien Fahrzeugen grundsätzlich vorhanden ist, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
Der Wolfsburger Konzern feierte 2025 einen triumphalen Erfolg in der Elektromobilität. Mit einem Marktanteil von 18,77 Prozent war VW die mit Abstand stärkste Marke bei den BEV-Neuzulassungen. Insgesamt kamen 102.339 neue E-Autos der Marke auf deutsche Straßen, was einem beeindruckenden Zuwachs von 64,8 Prozent gegenüber 2024 entspricht.
Der ID.7 krönte sich sowohl im Dezember als auch im Gesamtjahr zum unangefochtenen Spitzenreiter. Mit 2.934 Neuzulassungen im Dezember sicherte sich die Limousine den ersten Platz und erreichte einen Marktanteil von 5,4 Prozent den Stromern. Auf Jahressicht baute der ID.7 seinen Vorsprung weiter aus und kam als Limousine und Kombi auf insgesamt 34.563 Neuzulassungen.
Bemerkenswert ist die Dominanz des VW-Konzerns in den vorderen Rängen. Neben dem ID.7 belegten auch der ID.3 mit 31.938 Neuzulassungen und das Duo aus ID.4 und ID.5 mit 26.550 Einheiten die Podestplätze. Erst auf Rang sechs folgte mit dem BMW iX1 ein Fahrzeug außerhalb des Konzerns. Auch die tschechische Konzerntochter Skoda trug zum Erfolg bei: Der Elroq überholte zum Jahresende noch den etablierten Enyaq und kam auf 25.426 Neuzulassungen.
Die Konzernstrategie mit der modularen MEB-Plattform zahlt sich aus. Sieben der zehn meistverkauften Elektroautos stammen aus dem VW-Konzern, was die Schlagkraft der gemeinsamen Technologiebasis eindrucksvoll demonstriert. Skoda konnte seinen Absatz sogar mehr als verdoppeln und erreichte mit 50.823 Neuzulassungen einen Marktanteil von 9,3 Prozent.
Während deutsche Hersteller triumphieren, erlebt Tesla einen beispiellosen Absturz. Der US-Pionier der Elektromobilität musste 2025 einen dramatischen Rückgang von 48,4 Prozent hinnehmen und kam nur noch auf 19.390 Neuzulassungen. Der Marktanteil schrumpfte auf magere 3,56 Prozent – ein drastischer Rückgang gegenüber den 37.574 Neuzulassungen im Vorjahr.
Dieser Einbruch markiert einen Wendepunkt in der deutschen E-Auto-Landschaft. Tesla, einst der unumstrittene Marktführer und Technologievorreiter, verliert massiv an Boden gegen die etablierte deutsche Konkurrenz. Die Gründe sind vielschichtig: Neben der starken Konkurrenz durch heimische Modelle spielen auch Imagefragen und die kontroverse Rolle von Tesla-Chef Elon Musk eine Rolle.
Gleichzeitig drängen chinesische Hersteller verstärkt auf den deutschen Markt. BYD steigerte sich im Jahresvergleich um mehr als das Siebenfache und erreichte einen Marktanteil von 0,8 Prozent. Auch MG Roewe, Leapmotor und XPeng legten deutlich zu, allerdings von niedrigem Ausgangsniveau. Diese Entwicklung zeigt, dass der deutsche Markt zunehmend internationaler wird.
BMW hingegen konnte sich als zweitstärkste Marke etablieren. Mit 9,5 Prozent Marktanteil und 51.878 Neuzulassungen verzeichneten die Bayern ein Plus von 23,3 Prozent. Der iX1 entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Modelle und kam auf 18.957 Neuzulassungen. Auch andere deutsche Premium-Hersteller wie Audi konnten mit Modellen wie dem A6 e-tron punkten, der besonders in der zweiten Jahreshälfte an Fahrt aufnahm.
Der gesamte deutsche Pkw-Markt entwickelte sich 2025 moderat positiv. Mit 2.857.591 neu zugelassenen Personenkraftwagen wurde ein Zuwachs von 1,4 Prozent erreicht. Besonders bemerkenswert ist die Verschiebung bei den Antriebsarten: Während batterieelektrische Fahrzeuge und Plug-in-Hybride deutlich zulegten, verloren konventionelle Antriebe massiv an Boden.
Benzinbetriebene Pkw gingen um 21,6 Prozent auf 777.641 Fahrzeuge zurück und stellten nur noch 27,2 Prozent des Marktes. Diesel erreichte mit 395.022 Neuzulassungen ein Minus von 18,3 Prozent bei einem Anteil von 13,8 Prozent. Hybridantriebe insgesamt kamen auf 1.127.509 Einheiten und einen Marktanteil von 39,5 Prozent. Diese Verschiebung spiegelt sich auch in den Emissionswerten wider: Der durchschnittliche CO₂-Ausstoß neu zugelassener Pkw sank um 11,7 Prozent auf 105,8 Gramm pro Kilometer.
Die Bundesregierung hat im Oktober die Wiedereinführung einer E-Auto-Kaufprämie angekündigt, die im Laufe von 2026 kommen soll. Dies könnte den Absatz weiter ankurbeln und für zusätzliche Dynamik sorgen. Der Verband der Automobilindustrie rechnet für 2026 mit einem leichten Wachstum auf rund 2,95 Millionen Neuzulassungen.
Dennoch bleiben die Zahlen deutlich hinter dem Rekordjahr 2019 zurück, als fast 20 Prozent mehr Neuwagen zugelassen wurden. Die Transformation der Automobilbranche vollzieht sich schrittweise, aber unaufhaltsam. SUVs blieben mit 33,3 Prozent Marktanteil das stärkste Segment und wuchsen um 11,9 Prozent, während die Kompaktklasse um 9,5 Prozent zurückging.