Gute Fahrt
· 22.02.2026
Volkswagen präsentiert zum 50. Geburtstag des Golf GTI ein außergewöhnliches Fahrzeug auf dem Circuit Castelloli nahe Barcelona. Der GTI Roadster, der eigentlich nie für den Straßeneinsatz vorgesehen war, rollt aus der Garage und überrascht mit seiner kompromisslosen Konzeption. Das Fahrzeug entstand ursprünglich als digitales Konzept für das Videospiel Gran Turismo, um 15 Jahre PlayStation-Partnerschaft zu würdigen. Die Designer um Klaus Bischoff nutzten die Gelegenheit, völlig frei von den Zwängen der MQB-Plattform und ohne Rücksicht auf Kostenkalkulationen zu arbeiten. Doch die damalige Führungsriege mit Ferdinand Piëch, Martin Winterkorn und Ulrich Hackenberg erkannte das Potenzial des virtuellen Entwurfs. Zum GTI-Treffen 2014 ließen sie das digitale Konzept in ein reales Fahrzeug überführen. Nun, zehn Jahre später, präsentiert sich das Unikat in einer neuen Folierung in Dark Moss Green Metallic, angelehnt an die Geburtstagsedition Edition 50. Während draußen auf dem Parkplatz die komplette Generationenfolge der GTI-Modelle steht und die neue Edition 50 mit ihren 220 kW (300 PS) glänzt, verkörpert der Roadster eine völlig andere Dimension der GTI-Philosophie.
Die Architektur des Roadsters unterscheidet sich fundamental von jedem serienmäßigen Golf. Statt einer konventionellen Karosserie präsentiert sich das Fahrzeug als offener Zweisitzer ohne Dach und mit minimaler Windschutzscheibe. Die Sitzhöhe erreicht kaum Hüfthöhe, was dem Fahrzeug eine aggressive, bodennah wirkende Silhouette verleiht. Spektakuläre Flügeltüren im Lamborghini-Stil ermöglichen den Einstieg in die Carbon-Sitzschalen, die durch einen massiven Mittelsteg getrennt sind. Das Cockpit reduziert sich auf das Wesentliche: Ein radikal vereinfachtes Rennlenkrad in Form einer waagrechten Acht, digitale Instrumente und rote Sicherheitsgurte prägen den Innenraum. Der Fahrer sitzt extrem tief, fast auf Asphaltebene, was die Wahrnehmung der Geschwindigkeit intensiviert. Die von Kühlrippen durchbrochene Motorhaube gibt den Blick auf die technischen Komponenten frei. Ein gewaltiger Heckflügel dominiert die Heckpartie und verspricht aerodynamische Anpresswerte, die in der GTI-Geschichte einzigartig sind. Die breiten Radhäuser und ausgestellten Kotflügel verleihen dem Roadster eine muskulöse Präsenz, die an Rennfahrzeuge erinnert. Diese kompromisslose Gestaltung zeigt, was möglich wird, wenn Designer ohne die üblichen Produktionszwänge arbeiten können.
der durchbrochenen Haube arbeitet ein 3,0-Liter-Sechszylindermotor mit zwei großen Turboladern. Die Leistung von 503 PS übertrifft selbst die stärkste Serienversion, die Edition 50, deutlich. Das maximale Drehmoment von 665 Newtonmetern steht bereit, um den leichten Roadster mit enormer Vehemenz zu beschleunigen. Die Kraftübertragung erfolgt über eine Doppelkupplung mit langem Schaltknauf, der präzise in die einzelnen Gänge einrastet. Anders als die meisten GTI-Modelle verfügt der Roadster über Allradantrieb, eine Technologie, die Volkswagen sonst dem Golf R vorbehält. Diese Konfiguration garantiert optimale Traktion beim Beschleunigen aus langsamen Kurven. Der Sound des Motors unterscheidet sich fundamental von den Vierzylindern der Serienmodelle. Das Aggregat brüllt, gurgelt und faucht durch seine Auspuffanlage, während die Turbolader ihre charakteristischen Geräusche beisteuern. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit liegt bei 309 Stundenkilometern, ein Wert, der die Aerodynamik des offenen Fahrzeugs beeindruckend erscheinen lässt. Der extrem tiefe Schwerpunkt, resultierend aus der bodentiefen Sitzposition und dem kompakten Aufbau, verleiht dem Roadster eine außergewöhnliche Kurvenstabilität. Selbst bei hohen Geschwindigkeiten auf der Rennstrecke bleibt das Fahrzeug narrensicher auf Kurs.
Die Testfahrt findet bei frostigen Temperaturen statt. Ohne Dach und mit minimaler Windschutzscheibe wird der Fahrtwind zum dominanten Element des Fahrerlebnisses. Bereits bei moderaten Geschwindigkeiten entwickelt sich ein Luftstrom von beachtlicher Intensität, der über die Motorhaube fegt und den Fahrer trifft. Die digitalen Instrumente zeigen rasant steigende Werte, während der Roadster die Start-Ziel-Gerade hinunterstürmt. Das Zusammenspiel aus Schalten, Bremsen, Einlenken und Beschleunigen erfordert volle Konzentration. Der Sound des Sechszylinders entfaltet sich ungefiltert, verstärkt durch die fehlende Karosserie. In den Schikanen demonstriert das Fahrzeug seine Agilität und den Grip des Allradsystems. Die Kontrolle bleibt jederzeit präzise, trotz der enormen Leistung und der ungewöhnlichen Fahrzeugarchitektur. Nach mehreren Runden wird deutlich, dass dieses Einzelstück nicht für den Alltagseinsatz konzipiert wurde. Die fehlende Wetterprotektion macht jede Fahrt zu einem intensiven, aber auch anstrengenden Erlebnis. Dennoch verkörpert der Roadster die Essenz dessen, was die GTI-Philosophie ausmacht: kompromisslose Performance, emotionale Fahrdynamik und der Mut zu außergewöhnlichen Lösungen. Das Fahrzeug bleibt ein einzigartiges Dokument der GTI-Geschichte, das zeigt, welches Potenzial in der Marke steckt, wenn alle Fesseln gelöst werden.
| Merkmal | Wert |
| Modell | VW Golf GTI Roadster |
| Karosserieform | Zweisitziger Roadster |
| Motor | 3,0-Liter-Sechszylinder |
| Aufladung | Zwei Turbolader |
| Leistung | 503 PS |
| Maximales Drehmoment | 665 Nm |
| Antrieb | Allradantrieb |
| Getriebe | Doppelkupplung |
| Höchstgeschwindigkeit | 309 km/h |
| Türen | Flügeltüren |
| Sitze | Carbon-Sitzschalen |
| Lackierung | Dark Moss Green Metallic (Folierung) |
| Entstehungsjahr | 2014 |
| Stückzahl | Einzelstück |