Gute Fahrt
· 26.01.2026
Seit 2017 rollt die fünfte Generation des kompakten Spaniers über europäische Straßen – eine beachtliche Zeitspanne für ein Modell, das nun seine zweite optische Überarbeitung erhält. Während die erste Auffrischung im Jahr 2021 eher zurückhaltend ausfiel, gehen die Ingenieure diesmal deutlich weiter und nehmen sich Front, Heck sowie Innenraum vor. Der Polo-Bruder aus dem Volkswagen-Konzern bleibt dabei seiner bewährten Linie treu: keine Revolution, sondern Evolution mit Augenmaß.
An der Antriebspalette ändert sich nichts Grundlegendes. Drei 1,0-Liter-TSI-Aggregate mit 59, 70 und 85 Kilowatt stehen zur Wahl, ergänzt durch einen kräftigeren 1,5-Liter-Vierzylinder mit 110 Kilowatt. Letzterer ist ausschließlich der sportlichen FR-Linie vorbehalten und kommt serienmäßig mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Diese Kombination beschleunigt den 1.231 Kilogramm leichten Kompakten in 8,1 Sekunden auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 220 Stundenkilometern. Das maximale Drehmoment von 250 Newtonmetern steht bereits bei niedrigen Drehzahlen zur Verfügung.
Der Verbrauch nach WLTP-Norm wird mit 5,7 Litern angegeben, was im Praxistest durchaus realistisch erscheint. Nach einer dynamischen Testfahrt mit vielen Bergpassagen zeigte das Display zunächst 8,4 Liter, nach einer kompletten Runde mit Autobahnabschnitten und ökonomischer Fahrweise sank der Wert auf 6,3 Liter. Die verschiedenen Fahrmodi Sport, Normal und Eco zeigen dabei spürbare Unterschiede: Im Sparmodus schaltet das Getriebe früher hoch und drosselt die Leistungsentfaltung merklich.
Die optischen Veränderungen konzentrieren sich primär auf die Fahrzeugfront. Ein neu gestalteter sechseckiger Kühlergrill ersetzt die bisherige trapezförmige Ausführung, dazu gesellen sich überarbeitete Voll-LED-Scheinwerfer mit modifizierter unterer Kontur. Die Frontstoßstange wurde ebenfalls neu geformt und soll die Dynamik der Linienführung unterstreichen. Allerdings sorgt gerade diese Neugestaltung für kontroverse Diskussionen: Die Kombination aus sechseckigem Grill und den neu geformten unteren Ecken der Scheinwerfer erinnert stark an den ersten Opel Corsa F, der noch ohne den markanten Vizor-Kühlergrill daherkam.
Diese Annäherung an die Rüsselsheimer Formensprache kostet den Spanier ein Stück seiner bisherigen Eigenständigkeit. Dennoch bleibt die Gesamterscheinung klassisch kompakt und zeitlos. Besonders das Heck präsentiert sich mit neuem Stoßfänger, abgesetztem Diffusor und schwarzen Schriftzügen weiterhin ansprechend. Die keilförmige Silhouette bleibt erhalten und verleiht dem Fahrzeug seine charakteristische Optik.
Die optionalen 18-Zoll-Räder füllen die Radhäuser gut aus und setzen mit ihrem überwiegend schwarzen Styling einen gelungenen Kontrast zur Lackierung. Im Testwagen sorgte die Kombination aus knalligem Rotton und dunklen Felgen für einen sportlichen Auftritt. Die Proportionen wirken stimmig, ohne übertrieben aggressiv zu erscheinen – eine Balance, die im Kleinwagensegment nicht selbstverständlich ist.
Im Innenraum setzt der Hersteller auf Kontinuität statt Revolution. Nüchterne, funktionale Armaturen dominieren das Cockpit, zahlreiche physische Bedienelemente ermöglichen eine intuitive Handhabung ohne langes Suchen in Untermenüs. Eine klassische Handbremse und der konventionelle Automatikwählhebel sorgen für sofortige Orientierung. Die Schalensitze der FR-Variante bieten guten Seitenhalt ohne dabei unkomfortabel zu werden – ein Kompromiss, der bei sportlichen Fahrmanövern ebenso überzeugt wie auf längeren Strecken.
Das Infotainmentsystem präsentiert sich aufgeräumt und übersichtlich, die Menüstruktur erschließt sich schnell. Wer seine gewohnte Smartphone-Umgebung bevorzugt, nutzt die kabellose Android-Auto- oder Apple-Carplay-Integration. Allerdings zeigt sich bei der Rückfahrkamera eine Schwäche: Die Auflösung bleibt deutlich hinter aktuellen Standards zurück, das Bild wirkt matschig und unscharf.
Der Materialmix hinterlässt einen soliden Eindruck. Statt auf Hochglanzoberflächen setzt der Hersteller auf eine durchgehend matte Gestaltung, was der Kratzanfälligkeit zugutekommt. Auch haptisch fühlt sich alles ordentlich an, ohne Premiumansprüche zu wecken. Das Platzangebot auf den vorderen Sitzen ist ausreichend, im Fond wird es bei weit zurückgeschobenen Vordersitzen allerdings eng. Der Kofferraum bietet 355 Liter Volumen, bei umgeklappter Rückbank erweitert sich das Ladevolumen auf 1.165 Liter. Zum Vergleich: Der VW Polo kommt auf 351 Liter, der Opel Corsa auf 309 Liter, der Hyundai i20 auf 352 Liter.
Auf der Straße zeigt der kompakte Spanier seine Stärken. Nach kurzer Traktion-Suche stürmt die FR-Version freudig bis etwa 70 oder 80 Stundenkilometer, erst dann beruhigt sich der Vortrieb. Dennoch bleiben die Beschleunigungswerte bis rund 180 Stundenkilometer ordentlich. Das geringe Gewicht von 1.231 Kilogramm spielt dem Fahrzeug dabei in die Karten – es braucht keine Autoquartett-Siegerzahlen, um Fahrspaß zu vermitteln.
Das Fahrwerk schluckt Unebenheiten selbstbewusst weg, selbst im Sport-Modus wirkt die Abstimmung nie zu hart. Bei Lastwechseln neigt sich die Karosserie dynamisch nach außen, behält aber stets ausreichend Grip. Die Wendigkeit und Agilität machen den Wagen zu einem quicklebendigen Begleiter, der dabei nie unbeherrschbar wird. Das Doppelkupplungsgetriebe arbeitet schnell und angenehm mit, nach sportlichen Passagen hält es bewusst eine höhere Drehzahl, um für spontane Beschleunigungsmanöver bereit zu sein.
Auf schneebedeckter Fahrbahn erwies sich besonders der Eco-Modus als hilfreich, der durch zurückhaltende Leistungsentfaltung und frühes Hochschalten ein sicheres Handling garantiert. Die unterschiedlichen Fahrmodi machen sich deutlich bemerkbar und bieten für verschiedene Situationen die passende Abstimmung. Im Rahmen seiner Möglichkeiten ist die FR-Version ein spaßiger Kompakter, der durch sein geringes Gewicht und die ausgewogene Abstimmung überzeugt.
Die Lenkung arbeitet präzise, ohne übermäßig direkt zu sein. Das Kurvenverhalten bleibt neutral und berechenbar, was Vertrauen schafft. Selbst auf kurvigen Bergstraßen im Bochumer Süden zeigte sich das Fahrzeug von seiner besten Seite und bewies, dass 150 PS in einem leichten Kompakten mehr Freude bereiten können als deutlich höhere Leistungswerte in schwereren Fahrzeugen.
Der Einstieg in die Modellreihe beginnt bei 19.650 Euro für den 1,0-Liter-MPI mit 59 Kilowatt und Fünfgang-Schaltgetriebe. Die sportliche FR-Linie startet bei 25.750 Euro mit dem 70-Kilowatt-TSI und Fünfgang-Schaltung. Für das 85-Kilowatt-Aggregat werden 26.850 Euro mit Sechsgang-Schaltung oder 28.300 Euro mit Siebengang-DSG fällig. Die getestete Topversion mit 110 Kilowatt und Doppelkupplungsgetriebe kostet 30.100 Euro.
Im Wettbewerbsvergleich positioniert sich der Spanier interessant: Einen vergleichbaren VW Polo R-Line gibt es derzeit nicht, der stärkste Wolfsburger bringt es auf 116 PS. Wer mehr Leistung möchte, muss zum Polo GTI greifen, der bei 35.980 Euro startet. Ein Opel Corsa GS mit 145 Hybrid-PS steht bei 30.400 Euro, liegt also auf ähnlichem Niveau. Der Hyundai i20 N-Line mit härterem Fahrwerk wäre eine konsequentere Alternative gewesen, scheint aber derzeit nicht mehr bestellbar. Der neue Skoda Fabia 130 kostet 35.530 Euro und bietet mehr Leistung, ist aber auch deutlich teurer.
Für Käufer, die nicht unbedingt das neueste Modell benötigen, könnte ein Blick auf den jungen Gebrauchtwagenmarkt lohnen. Vorfacelift-Modelle umgehen die 30.000-Euro-Schwelle und bieten technisch nahezu identische Eigenschaften. Alternativ dürfte für viele Käufer auch die 116-PS-Version für 26.850 Euro einen guten Kompromiss darstellen, zumal der Leistungsunterschied im Alltag nicht dramatisch ausfällt. Die Topvariante richtet sich eher an Enthusiasten, die den letzten Quäntchen Dynamik aus dem Kompakten herausholen möchten.
| Modell | Seat Ibiza FR 1.5 TSI |
| Motor | 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner |
| Leistung | 110 kW (150 PS) |
| Drehmoment | 250 Nm |
| Getriebe | 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) |
| Antrieb | Frontantrieb |
| 0-100 km/h | 8,1 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 220 km/h |
| Verbrauch WLTP | 5,7 Liter/100 km |
| CO2-Emission | 128 g/km |
| Leergewicht | 1.231 kg |
| Zuladung | 564 kg |
| Länge x Breite x Höhe | 4.059 x 1.780 x 1.447 mm |
| Radstand | 2.564 mm |
| Kofferraumvolumen | 355-1.165 Liter |
| Max. Anhängelast | 1.200 kg |
| Basispreis | 30.100 Euro |