Porsche Macan 4SElektrischer Allradler im Härtetest

Gute Fahrt

 · 15.01.2026

Porsche Macan 4S, Kappadokien, 2025
Foto: Porsche AG
Der vollelektrische Porsche Macan 4S beweist in der türkischen Region Kappadokien seine Geländegängigkeit. Mit 380 kW Systemleistung, intelligentem Allradantrieb und bis zu 40 Millimeter zusätzlicher Bodenfreiheit meistert das SUV anspruchsvolle Offroad-Passagen zwischen bizarren Felsformationen.

Elektrischer Allradantrieb trifft auf vulkanische Landschaft

Die zentralanatolische Region Kappadokien präsentiert sich als anspruchsvolles Testgelände für den neuen Macan 4S. Bereits um fünf Uhr morgens beginnt in der Gemeinde Göreme der Trubel, wenn sich Touristen und Einheimische auf das tägliche Spektakel vorbereiten: den Start von bis zu 170 Heißluftballons über der von Vulkanismus geprägten Felsenlandschaft. Bei minus neun Grad Celsius und einer dünnen Schneeschicht verwandelt sich die ohnehin außergewöhnliche Szenerie in ein noch faszinierenderes Naturschauspiel.

Die Felsformationen aus Tuffstein, die an Spargelstangen oder Zipfelmützen erinnern, entstanden über Jahrtausende durch natürliche Erosion. Forscher gehen von Hunderttausenden dieser Gebilde aus, die seit 1985 zum UNESCO-Welterbe zählen. Die Kappadokier nutzten die weichen Felsen nicht nur als Behausungen, sondern schlugen auch Kirchen in das poröse Material. Diese historische Kulisse bildet nun die Bühne für den Test der Offroad-Fähigkeiten des elektrischen SUV.

Der Macan 4S verfügt serienmäßig über zwei Elektromotoren, die jeweils eine Achse antreiben. Das Porsche Traction Management (ePTM) verteilt die Antriebskraft binnen zehn Millisekunden zwischen Vorder- und Hinterachse – fünfmal schneller als konventionelle Allradsysteme. Diese Reaktionsgeschwindigkeit erweist sich auf den unbefestigten Wegen rund um Göreme als entscheidender Vorteil. Die Systemleistung von 380 kW steht bei aktivierter Launch Control zur Verfügung, das maximale Drehmoment beträgt 820 Newtonmeter.

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Offroad-Modus verwandelt Straßen-SUV in Geländewagen

Guide Atıl Ulaş Cüce führt die Expedition durch die Region, die er seit fast 30 Jahren kennt. Seine anfängliche Skepsis weicht schneller Begeisterung, als der Macan 4S seine Geländefähigkeiten demonstriert. Zwei Einstellungen im zentralen Display genügen, um das SUV auf anspruchsvolle Passagen vorzubereiten. Der Offroad-Fahrmodus optimiert die Allradsteuerung durch eine virtuelle Längssperre, welche die Differenzdrehzahl zwischen den Achsen begrenzt und damit die Traktion deutlich verbessert.

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Gleichzeitig hebt sich das Fahrwerk um 20 Millimeter in der ersten Stufe. Wer die Option Sondergelände aktiviert, erhält insgesamt 40 Millimeter zusätzliche Bodenfreiheit. Das optionale Offroad-Design-Paket steigert den Böschungswinkel an der Front auf bis zu 17,4 Grad. Diese Kombination aus elektronischer Regelung und mechanischer Anpassung ermöglicht es dem Macan 4S, Pfade zu bewältigen, die normalerweise spezialisierten Geländewagen vorbehalten bleiben.

Die Strecke führt über schmale Wege ohne Asphaltdecke, vorbei an markanten Felswänden, auf denen Telefonnummern von Abschleppdiensten prangen – ein Hinweis darauf, dass sich hier regelmäßig Mietwagen festfahren. Der Macan meistert Furchen und Buckel souverän. Die Insassen spüren weder Mühe im Fahrwerk noch im Antrieb, obwohl die Pfade zusehends anspruchsvoller werden. Die adaptive Dämpferregelung PASM mit Zweiventiltechnik steuert Zug- und Druckstufe individuell und wechselt blitzschnell zwischen Performance- und Komfort-Abstimmung.

Hinterachslenkung erhöht Agilität im Gelände

Eine weitere technische Besonderheit des Macan 4S zeigt sich bei engen Kurven und beim Rangieren: Die erstmals in dieser Baureihe verfügbare Hinterachslenkung mit bis zu fünf Grad Einschlagwinkel. Bis etwa 80 km/h lenken die Hinterräder entgegengesetzt zu den Vorderrädern ein, was den Wendekreis reduziert und die Manövrierfähigkeit auf schmalen Bergpfaden verbessert. Bei höheren Geschwindigkeiten lenken beide Achsen gleichsinnig, was die Stabilität erhöht.

Die Lenkübersetzung an der Vorderachse fällt dadurch um 15 Prozent direkter aus. Auf den gewundenen Wegen durch die Felsenlandschaft erweist sich diese Technologie als praktischer Vorteil. Der Macan reagiert präziser auf Lenkbefehle und lässt sich trotz seiner Dimensionen agil durch enge Passagen dirigieren. Die Kombination aus elektrischem Allradantrieb, adaptiver Luftfederung und Hinterachslenkung schafft eine Geländegängigkeit, die man einem primär auf Straßenperformance ausgelegten SUV nicht zutrauen würde.

Die Route führt in eine Schlucht, deren Zufahrt so steil und schmal ausfällt, dass an den Felswänden Kontaktdaten eines Bergungsdienstes angebracht sind. Der Macan bewältigt die Passage bergab wie bergauf ohne Probleme. Das hohe Drehmoment der Elektromotoren steht ohne Verzögerung zur Verfügung, was präzise Dosierung auch bei niedrigen Geschwindigkeiten ermöglicht. Die Rekuperation unterstützt beim Bergabfahren und lädt gleichzeitig die Batterie.

Ballonfahrten als moderne Touristenattraktion

Während der Macan durch das Gelände navigiert, bereitet sich über den Tälern das tägliche Spektakel vor. Anfang der 1990er-Jahre brachte ein deutscher Reiseanbieter die Idee auf, Heißluftballons über Kappadokien fliegen zu lassen. Nach Ablauf des Vertrags blieb der Ballonfahrer und etablierte das Geschäftsmodell. Über die Jahre wuchs das Interesse kontinuierlich, Social Media verstärkten die Nachfrage exponentiell.

Heute besitzt die Region eine offizielle Genehmigung für 170 Ballons. An diesem Morgen starten rund 100 davon. Çağlar Aksoylu, ein 35-jähriger ehemaliger Basketballspieler, arbeitet seit vier Jahren als Ballonpilot. Er entwickle die Ballons, Körbe und Brenner mit, erklärt er, die Produktion erfolge in der Region. Sein Lieblingsaspekt am Beruf sei das Gefühl, jeden Tag auf einer Wolke zu schweben.

Der Macan 4S positioniert sich auf einer Anhöhe, von der aus sich das Tal überblicken lässt. Die Flammen der Brenner erhellen die Ballons in der Morgendämmerung und schaffen ein eindrucksvolles Bild über den bizarren Felsformationen. Das oakgrünmetallic lackierte SUV wirkt in dieser Umgebung wie ein Objekt aus einer anderen Zeit. Die Szenerie verdeutlicht den Kontrast zwischen jahrtausendealter Natur und modernster Elektromobilität.

Traditionelle Küche im Green Garden Restaurant

Nach der morgendlichen Exkursion führt die Route zum Restaurant Green Garden in der Ortschaft Ayvali, 20 Minuten entfernt. Auf asphaltierten Straßen zeigt der Macan 4S seine komfortable Seite. Die PASM-Dämpferregelung stellt sich auf entspanntes Cruisen ein, der Antrieb arbeitet nahezu geräuschlos. Das zweiteilige Glasdach, sanft getönt und vollelektrisch bedienbar, sorgt für großzügige Lichtverhältnisse im Innenraum.

Güler Gürbüz betreibt das Restaurant und kocht auf traditionelle Art. Das zentrale Element ihrer Küche bildet ein spezieller Outdoor-Ofen, der mit Terrakotta ausgekleidet ist. Laut Atıl existieren in der Region nur noch zwei dieser Öfen. Fleischgerichte werden darin besonders schonend und zart zubereitet. Die regionale Spezialität besteht aus Lammfleisch, das im Tontopf mit Gemüse, Zwiebeln und Knoblauch gekocht wird.

Die Pause bietet Gelegenheit, die zurückgelegte Strecke zu reflektieren. Der Macan hat anspruchsvolle Offroad-Passagen gemeistert, ohne dass technische Grenzen spürbar wurden. Die Kombination aus sofort verfügbarem Drehmoment, intelligenter Allradsteuerung und anpassbarer Bodenfreiheit schafft eine Geländekompetenz, die über das hinausgeht, was man von einem elektrischen Sport-SUV erwarten würde.

Laden in Göreme und Übernachtung im Felsen

Zurück in Göreme steuert der Macan eine der wenigen Ladesäulen des Ortes an. Die Hochvoltbatterie mit 100 kWh Bruttoenergieinhalt zeigt noch 45 Prozent Restkapazität. Das 800-Volt-System des Fahrzeugs ermöglicht theoretisch eine Schnellladung von zehn auf 80 Prozent in nur 21 Minuten – vorausgesetzt, eine entsprechende CCS-Schnellladestation steht zur Verfügung. Die lokale Säule liefert 10,9 kW Ladeleistung, was für eine Übernachtung ausreicht.

Die letzte Station des Tages liegt drei Gehminuten bergauf: das Amber Cave Suites. Zehra Daşdeler führt das Hotel, das ihr Vater aufgebaut hat. Die Besonderheit: Die Zimmer befinden sich in Feenkaminen, den charakteristischen spitzen Felsen Kappadokiens. Die Kappadokier meißelten einst ihre Häuser in diese Tuffsteinformationen. Das Hotel verbindet dieses historische Erbe mit modernem Komfort.

Zehra beobachtet, wie sich der Tourismus in der Region verändert hat. Früher seien die Besucher für ein oder zwei Wochen geblieben, heute reichten vielen ein oder zwei Nächte für Instagram-Bilder. Sie ist jedoch überzeugt, dass sich auch diese Entwicklung wieder ändern werde. Ihre Worte spiegeln die Spannung zwischen traditioneller Lebensweise und modernem Massentourismus wider, die Kappadokien prägt.

Elektrische Mobilität in historischer Landschaft

Der nächste Morgen beginnt erneut früh. Der Akku des Macan 4S ist vollständig geladen, das Offroad-Programm aktiviert. Atıl führt zu einem Kletterpfad für Fahrzeuge, wo die aufgehende Sonne zwischen den Felsen hin und her springt. Die vulkanisch geprägte Landschaft mit ihren wundersamen Formationen entfaltet in diesem Licht ihre volle Wirkung.

Die Expedition durch Kappadokien demonstriert die Vielseitigkeit des elektrischen Antriebs. Während Verbrennungsmotoren im Gelände oft mit Hitzeentwicklung und erhöhtem Verbrauch kämpfen, arbeiten die Elektromotoren des Macan konstant effizient. Die Rekuperation gewinnt beim Bergabfahren Energie zurück, die präzise Drehmomentsteuerung ermöglicht feinfühlige Dosierung auch bei niedrigen Geschwindigkeiten.

Die Region Kappadokien, die laut einer alten Legende als Spielplatz der Götter diente, erweist sich als ideales Testgelände für moderne Elektromobilität. Die Kombination aus anspruchsvollen Offroad-Passagen, asphaltierten Verbindungsstrecken und begrenzter Ladeinfrastruktur stellt realistische Anforderungen. Der Macan 4S meistert diese Herausforderungen souverän und beweist, dass elektrische Antriebe auch abseits befestigter Straßen überzeugen können.


Im Überblick

AntriebZwei Elektromotoren (je einer pro Achse)
Systemleistung380 kW (516 PS) mit Launch Control
Drehmoment820 Nm
Batteriekapazität100 kWh (brutto)
Schnellladung10-80% in 21 Min. (CCS)
Stromverbrauch20,7-17,7 kWh/100 km (WLTP)
Bodenfreiheit+40 mm (Offroad-Modus)
Böschungswinkelbis 17,4 Grad (mit Offroad-Design-Paket)
Hinterachslenkungbis 5 Grad Einschlagwinkel

Stärken und Schwächen

  • Kraftverteilung binnen zehn Millisekunden durch ePTM
  • Bis zu 40 mm zusätzliche Bodenfreiheit im Offroad-Modus
  • PASM-Dämpferregelung mit individueller Zug- und Druckstufensteuerung
  • 800-Volt-System ermöglicht schnelles Laden
  • Hinterachslenkung verbessert Agilität und Rangierverhalten

  • Ladeinfrastruktur in abgelegenen Regionen begrenzt
  • Nur 10,9 kW Ladeleistung an einfachen Säulen
  • Offroad-Design-Paket für optimalen Böschungswinkel erforderlich

​​Gute Fahrt Video-Empfehlungen zum Porsche Macan 4S