Gute Fahrt
· 12.01.2026
Cordula Pflaum wurde 1969 in Norddeutschland geboren und verbrachte ihre Kindheit in Ravensburg. Die Faszination für die Luftfahrt lag buchstäblich in der Familie: Ihr Vater arbeitete von 1961 bis 1966 beim Bodenpersonal der Lufthansa in Köln und prägte durch seine enthusiastischen Erzählungen früh ihre Träume vom Fliegen. Mit 19 Jahren wagte sie den entscheidenden Schritt und bestand als eine der wenigen Anwärterinnen den anspruchsvollen Eignungstest zur Pilotin.
1990 begann ihre zweieinhalbjährige Ausbildung, die sie zu einer der ersten Pilotinnen bei der Lufthansa überhaupt machte. Ihr Credo war von Anfang an klar definiert: "Ich wollte nie als eine Frau wahrgenommen werden, die fliegt. Sondern als ein Mensch, der fliegt." Diese Einstellung half ihr dabei, sich in der damals noch stark männerdominierten Branche zu behaupten und Respekt zu erlangen.
Zehn Jahre nach ihrem Karrierestart erfolgte 2002 die Beförderung zur Flugkapitänin - ein Meilenstein, der den Wechsel auf den linken Platz im Cockpit bedeutete. Doch damit waren ihre Ambitionen noch längst nicht erfüllt. Bereits zu Beginn ihrer Laufbahn stand auf ihrer persönlichen Bucket-List nicht nur das Fliegen selbst, sondern auch die Weitergabe ihres Wissens an die nächste Generation.
Ende der 1990er-Jahre durchbrach sie erneut Barrieren und wurde als erste Ausbilderin bei der Lufthansa tätig. Dieser Weg war steinig, da sie immer wieder mit dem Vorurteil konfrontiert wurde, männliche Kollegen würden einer weiblichen Ausbilderin nicht vertrauen. Pflaum ließ sich jedoch nicht beirren und ebnete den Weg für ihre Nachfolgerinnen. Heute ist sie eine von mittlerweile sechs Frauen in dieser Position und betont: "Junge Frauen sollen heute und in Zukunft ihre Stimme erheben. Dann stehen ihnen Chancen offen, von denen unsere Mütter nur träumen konnten."
Neben ihrer Tätigkeit als Kapitänin und Ausbilderin hat sich Pflaum eine weitere Spezialisierung erarbeitet, die ihre Vielseitigkeit unterstreicht. Als Beauftragte für das Critical Incident Stress Management bei der Lufthansa trägt sie Verantwortung für die psychologische Betreuung ihrer Kollegen in Krisensituationen. Die Grundidee dieses Programms besteht darin, dass erfahrene Pilotinnen und Piloten ihren Kollegen in schwierigen Momenten psychologische Erste Hilfe leisten können.
Ein prägendes Ereignis war der Absturz einer Germanwings-Maschine im März 2015 in den Westalpen, bei dem alle 150 Insassen ums Leben kamen. "Nach solch einem Unglück ist es wichtig, auch nicht direkt involvierte Crews aufzufangen. Und da gilt: Reden ist Gold", erklärt die erfahrene Kapitänin ihre Herangehensweise. Ihr Ziel ist es, psychologisch sichere Teams zu schaffen, die fernab von Hierarchien funktionieren und aufeinander Acht geben.
Diese Expertise bringt sie auch als Beraterin für Führungsfragen in Unternehmen ein. Als Expertin in der Bewältigung kritischer Situationen kann sie aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen, der weit über die Luftfahrt hinausgeht. Ihr Grundsatz lautet: "Generell vertraue ich darauf, dass wir schwierige Situationen immer meistern können. Und dieses Selbstvertrauen möchte ich meinen Kolleginnen und Kollegen mitgeben."
Zusätzlich zu ihrer praktischen Arbeit engagiert sich Pflaum als Speakerin rund um die Luftfahrt und hat ihre Erfahrungen im Buch "Guten Tag, hier spricht Ihre Kapitänin" niedergeschrieben. Diese Aktivitäten ermöglichen es ihr, ihre Botschaft über die Grenzen der Luftfahrtbranche hinaus zu verbreiten und als Vorbild für Frauen in technischen Berufen zu fungieren.
Trotz ihrer intensiven Reisetätigkeit hat Pflaum ihre Wurzeln fest in Bayern verankert. Seit mehr als 20 Jahren lebt sie mit ihrem Ehemann, zwei Töchtern und Gebirgsschweißhund Benni in einer umgebauten Scheune im bayerischen Hallstadt bei Bamberg. Dieser Ort dient als Ruhepol in ihrem bewegten Leben, auch wenn sie betont: "Die Welt ist mein Zuhause." Diese Aussage versteht sie jedoch eher als Lebenscredo, das ihre offene Haltung gegenüber Menschen und Kulturen widerspiegelt.
"Egal woher sie kommen oder wo sie leben, ich begegne ihnen immer mit Neugier und Offenheit. Ich versuche, von ihnen zu lernen", beschreibt sie ihre Philosophie. Diese grenzüberschreitende Neugier haben auch ihre Töchter übernommen, die als leidenschaftliche Mitfliegerinnen die Welt erkunden.
Für ihre beruflichen Verpflichtungen legt Pflaum jährlich rund 60.000 Kilometer zurück - hauptsächlich zwischen ihrer bayerischen Wahlheimat und den Flughäfen München und Frankfurt am Main. Dabei setzt sie auf ihren Macan GTS, der perfekt zu ihrer Leidenschaft für leistungsstarke Motoren passt. "Ich bin Fliegerin aus Leidenschaft, weil ich gerne Technik bewege", erklärt sie. "Weil ich leistungsstarke Motoren mag." Segelfliegen wäre beispielsweise nichts für sie.
Zu Beginn ihrer Karriere stieg sie nach fünftägigen Dienstreisen im Jet in einen VW Käfer und vermisste dabei den gewohnten Schub. Mit dem GTS ist sie heute deutlich dynamischer unterwegs. Die Marke aus Stuttgart beschreibt sie treffend als "geradlinig, elegant, schnittig - und das durch und durch."
Mit 18.000 absolvierten Flugstunden hat Pflaum rechnerisch bereits 270-mal die Welt umrundet und mehr als 750 komplette Tage über den Wolken verbracht. Trotz dieser beeindruckenden Bilanz ist das Platz nehmen im Cockpit für sie immer noch aufregend. Ihr Arbeitsplatz, den sie liebevoll als "das schönste Büro der Welt" bezeichnet, bietet täglich neue Eindrücke und Herausforderungen.
Entgegen landläufiger Meinung hat sie während des Fluges keineswegs wenig zu tun, obwohl der Autopilot meist kurz nach dem Start die einfachen Aufgaben wie das Halten von Kurs, Höhe und Geschwindigkeit übernimmt. Die kritischen Momente liegen weiterhin in ihren erfahrenen Händen: die Reaktion auf verschiedene Wettersituationen, das Durchqueren von Turbulenzfeldern, die Absprache mit Fluglotsen oder die Überwachung des Spritverbrauchs.
Die prägendsten Momente über den Wolken kann sie nicht eindeutig definieren, da das Durchbrechen der Wolkendecke, der Blick auf Polarlichter, Sonne, Mond und Sternenhimmel bei jedem Flug aufs Neue beeindrucken. Dennoch gibt es besondere Highlights, die ihr im Gedächtnis geblieben sind. "Wenn man auf dem Weg nach Delhi zum Beispiel die Grenze zwischen Pakistan und Indien überfliegt, zeigt sich eine extrem lange Lichtschnur", beschreibt sie ein faszinierendes Phänomen. Die knapp 3.000 Kilometer lange Grenzlinie zwischen beiden Ländern gehört zu den wenigen, die nachts sogar vom Weltall aus sichtbar sind.
Fliegerisch besonders anspruchsvoll sind für sie hoch gelegene Flughäfen wie der im äthiopischen Addis Abeba auf 2.300 Metern Höhe oder das meist nebelige Kathmandu in Nepal. Trotz ihrer umfangreichen Reiseerfahrung ist ihre persönliche Bucket-List noch immer prall gefüllt: Bhutan, Grönland und Japan stehen ganz oben auf der Liste der noch zu entdeckenden Destinationen.