Über 70 Länder hat Andy Wilman bereist, um für Top Gear, The Grand Tour und Clarkson's Farm zu produzieren. Vom turbulenten Irak bis zu den frostigen Gefilden des Polarkreises – Wilman kennt Straßen rund um den Globus. Dennoch fällt seine Antwort auf die Frage nach der idealen Sonntagsausfahrt unerwartet aus: Keine kurvigen Pässe, kein makelloser Teer und genau genommen nicht einmal eine richtige Straße. In seinem frisch erschienenen Buch „Mr Wilman's Motoring Adventure" schwärmt der Executive Producer von den Makgadikgadi-Salzpfannen in Botswana. Diese riesige, salzverkrustete Fläche bildete einst einen urzeitlichen See, dessen Ausmaße die Schweiz übertroffen haben sollen.
Wilman zieht einen kulinarischen Vergleich: „Eine gelungene Ausfahrt gleicht einem exzellenten Restaurant-Besuch. Fahrzeug und Strecke sind lediglich die Ingredienzen. Entscheidend sind die Begleiter, die Stimmung und was davon hängen bleibt." Top Gear erreichte in Spitzenzeiten rund 350 Millionen Zuschauer weltweit und präsentierte unzählige Routen. Doch die Fahrt, die Wilman am intensivsten im Gedächtnis geblieben ist, fand erst nach den offiziellen Aufnahmen zum finalen Grand Tour-Special in Botswana statt.
Als die Dreharbeiten abgeschlossen waren, startete die Crew von Kubu Island die Rückfahrt zum Lager – direkt durch die Salzpfannen. Wilman schildert in seinem Buch: „Es wirkte wie eine Star Wars-Militärformation – überall leuchteten rote Schlusslichter durch aufgewirbelten Staub. Rings um dich herum bewegen sich ganze Scheinwerfer-Formationen, und dir ist klar: Bleibt ein einziges Fahrzeug im weichen Salz hängen, steht die komplette Kolonne still. Die Herausforderung besteht darin, dass der salzhaltige Boden kontinuierlich am Steuer reißt und man das Tempo beibehalten muss. Keiner darf zurückfallen, deshalb hält man engen Kontakt. Und genau das erzeugt dieses außergewöhnliche Gefühl von Intensität."
Etwa eine Stunde dauerte diese Überquerung. Der salzige Untergrund stellte sich als heimtückisch heraus: Selbst das simple Geradeaushalten wurde zur Aufgabe, weil der Boden permanent an der Lenkung zerrte. Geschlossenes Fahren war essentiell, um niemanden zurückzulassen. „Der gesamte Planet wurde zu unserem Abenteuerspielplatz", erinnert sich Wilman. „Für mich bedeutete es ein außerordentliches Privileg, auf manchen der miserabelsten Pisten dieser Erde unterwegs gewesen zu sein. Denn wem bietet sich diese Chance schon?" Diese Fahrt verkörpert für Wilman sämtliche Elemente einer perfekten Sonntagsausfahrt: kein Teer, keine optimale Linie, keine Schutzplanken – stattdessen wilde Natur, ein gemeinsames Ziel und ein Moment, der allen Teilnehmern dauerhaft im Gedächtnis verankert bleibt.
In der Top Gear-Historie nahm Porsche stets eine bedeutende Position ein – von den Budget-Experimenten mit 924, 944 und 928 bis zur „Holy Trinity"-Gegenüberstellung in The Grand Tour, wo der 918 Spyder gegen LaFerrari und McLaren P1 antrat. Wilmans eigene Präferenzen waren allerdings immer pragmatischer ausgerichtet. „Meine Kollegen im Grand Tour-Büro haben mich regelmäßig aufgezogen, weil ich aus der gesamten Presseflotte stets die unspektakulärsten Modelle gewählt habe", berichtet er.
Vor einigen Jahren vollzog sich ein Wandel. Auf der Suche nach einem bequemen Reisebegleiter mit anständiger Reichweite und der Zustimmung seiner Kollegen fiel Wilmans Wahl auf seinen ersten Macan. Dem ersten folgte ein zweiter, schließlich ein dritter. „Wer ein SUV in dieser Größenordnung sucht, warum sollte der nicht einfach zum Macan greifen?", fragt er. Das Modell habe seine Perspektive auf die ideale Ausfahrt transformiert.
„Mittlerweile bin ich deutlich entspannter", berichtet Wilman. „Keine Turbulenzen mehr. Ich schätze heute ein herrliches, völlig normales Dasein und reise mit meiner Ehefrau und unserem Vierbeiner zu unserem Domizil in Süditalien." Nach Wüstenabenteuern, Schotterpisten und außergewöhnlichen Expeditionen bevorzugt er nun ein gemächlicheres Tempo. „Ich habe enorm viel gesehen", sagt Wilman. „Dies hier ist eine ruhigere Reise. Tatsächlich die perfekte: Italien, in unserem Macan."
Die botswanischen Salzpfannen bleiben trotzdem die unvergesslichste Fahrt. Nicht aufgrund optimaler Straßenbeschaffenheit oder perfekter Kehren, sondern wegen der Stimmung, der Begleiter und der bleibenden Eindrücke. Wilmans Philosophie verdeutlicht: Die ideale Ausfahrt definiert sich nicht durch technische Kennzahlen oder optimale Rahmenbedingungen. Sie entsteht dort, wo Erlebnis und Umgebung verschmelzen – ob auf salziger Kruste in Botswana oder unterwegs nach Süditalien.