Porsche trauert um Motorsport-Legende Peter Falk

Gute Fahrt

 · 26.01.2026

Peter Falk, Porsche 959 Paris-Dakar, 2022
Foto: Porsche AG
Peter Falk prägte über drei Jahrzehnte den Motorsport bei Porsche. Der Ingenieur und Rennleiter verstarb am 23. Januar 2026 im Alter von 93 Jahren. Unter seiner Führung feierte Porsche sieben Le-Mans-Siege und elf Weltmeistertitel.

Vom Rallye-Copiloten zum Motorsport-Strategen

Am 23. Januar 2026 verlor Porsche eine prägende Persönlichkeit seiner Motorsportgeschichte. Peter Falk verstarb im Alter von 93 Jahren und hinterlässt ein beeindruckendes Lebenswerk. Der gebürtige Grieche kam am 27. November 1932 als Sohn eines Archäologen in Athen zur Welt. Seine Leidenschaft für Technik und Fortbewegung zeigte sich früh. Nach einer Ausbildung zum Autoschlosser studierte Falk Maschinenbau mit Schwerpunkt Kraftfahrzeugtechnik in Stuttgart. Der Weg in den Motorsport erschien konsequent.

Mit 23 Jahren bestritt Falk seine erste Rallye als Beifahrer seines Nachbarn Alfred Kling, der eine Werkstatt betrieb. Das Duo holte den Klassensieg. Es folgten weitere Erfolge bei der Rallye Genf und der Internationalen Deutschland Rallye 1957. Beim Straßenrennen Lüttich-Brescia-Lüttich erreichte das Team den sechsten Platz. Diese frühen Erfahrungen legten den Grundstein für eine außergewöhnliche Karriere.

Im Jahr 1959 begann Falk als einer von nur zehn Mitarbeitern im Fahrversuch bei Porsche. Die Abteilung war klein, die Aufgaben vielfältig. Fünf Jahre später wechselte er in die Vorentwicklung und Rennbetreuung. Dort verhalf er anderem dem Elfer zu seinen ersten motorsportlichen Einsätzen. Bei der Rallye Monte Carlo 1965 saß Falk als Beifahrer neben Herbert Linge beim internationalen Wettbewerbsdebüt des Porsche 911. Die beiden kannten sich bereits aus dem Jahr 1951, als sie bei der Deutschen Schwarzwaldfahrt noch auf Motorrädern gegeneinander antraten.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Die Rallye Monte Carlo 1965 beendeten Falk und Linge auf dem fünften Platz des Gesamtklassements. Von ursprünglich 237 gestarteten Teams erreichten nur 22 das Ziel. Für das Wettbewerbsdebüt des 911 stellte dies eine bemerkenswerte Leistung dar. Der Elfer bewies seine Zuverlässigkeit härtesten Bedingungen.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Wegbereiter legendärer Rennwagen und Erfolge

In den folgenden Jahrzehnten prägte Falk die technische Entwicklung bei Porsche maßgeblich. Er führte den 911 auf Rennstrecken weltweit zu Erfolgen und trieb die Entwicklung zahlreicher Modelle voran. Vom 904 bis zum 917 für Rundstrecken und Bergrennen reichte sein Einflussbereich. Von 1973 bis 1981 wirkte er als Versuchsleiter in der Serienentwicklung der Baureihen 911, 924 und 928. Damit prägte er die technische Ausrichtung der Marke auch jenseits der Rennstrecke.

Als Rennleiter verantwortete Falk wichtige Erfolge des Porsche 956 und 962 in der Gruppe C. seiner Führung gelangen Porsche in den 1980er-Jahren sieben Gesamtsiege beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Elf Weltmeistertitel kamen hinzu. Zu den weiteren Triumphen seiner Karriere zählten fünf Gesamtsiege in Daytona und zwei Gesamtsiege bei der Rallye Paris-Dakar in den Jahren 1984 und 1986. Für Falk selbst stellten der Sieg in Le Mans 1982 und der Erfolg bei der Rallye Paris-Dakar 1984 persönliche Höhepunkte dar.

Ende der 1980er-Jahre leitete Falk bis 1992 die Fahrwerkentwicklung. Er beteiligte sich an der Neuentwicklung der vierten Generation des 911 mit der internen Bezeichnung 993. Regelmäßige Teilnahmen an Renneinsätzen ließ sich der ehemalige Rennleiter nicht nehmen. Seine Expertise war auch nach dem offiziellen Karriereende gefragt.

Dr. Michael Steiner, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Mitglied des Vorstandes für Forschung und Entwicklung bei der Porsche AG, würdigte Falk mit den Worten: „Wir trauern um Peter Falk und sind in Gedanken bei seiner Familie. Er war mehr als ein Ingenieur und Rennleiter. Er war ein Visionär und Wegbereiter – und der Marke Porsche immer eng verbunden." Porsche würdige sein Wirken für die Marke mit tiefer Anerkennung.

Teamgeist und technische Brillanz vereint

Bei Rennfahrern, Kollegen und Mitarbeitern galt Falk als außergewöhnlicher Theoretiker und Praktiker zugleich. Er stellte stets den Teamgedanken über persönliche Anerkennung. Sein Motto lautete: „Ich habe immer gesagt, ich bin selber gar nichts, aber mein Team muss gut sein. Und das ist das Wichtigste." Renommierte Weggefährten wie Walter Röhrl und Hans-Joachim Stuck hoben seine Ruhe, Besonnenheit und seinen außergewöhnlichen Teamgeist hervor. Viele schätzten nicht nur seine technische Brillanz, sondern auch sein Menschsein und seinen feinen Sinn für Humor.

Nach dem Beginn seines Ruhestands im Jahr 1993 blieb Falk dem Unternehmen eng verbunden. Viele Jahre stand er dem Team Porsche Heritage und Museum als Zeitzeuge und Interviewpartner zur Verfügung. Auf renommierten Klassik-Veranstaltungen war er häufig zu Gast. An der Organisation verschiedener Oldtimer-Rallyes beteiligte er sich aktiv. Sein Wissen und seine Erfahrung gab er gerne weiter.

Peter Falk arbeitete mit Persönlichkeiten wie Ferdinand Piëch, Hans Mezger und Professor Helmuth Bott zusammen. Diese Zusammenarbeit prägte die erfolgreichste Phase des Porsche-Motorsports. Die Entwicklung des 959 Paris-Dakar, mit dem Porsche 1986 die legendäre Wüstenrallye gewann, zählte zu seinen herausragenden Projekten. Der Allradantrieb und die ausgeklügelte Technik des 959 setzten Maßstäbe.

Falk hinterlässt seine Frau Ruth und eine Tochter. Sein Vermächtnis lebt in den zahlreichen Erfolgen und technischen Entwicklungen fort, die er bei Porsche verantwortete. Die Motorsportgeschichte des Unternehmens ist ohne seinen Beitrag nicht denkbar.

Im Überblick

Geboren27. November 1932 in Athen
Gestorben23. Januar 2026
Alter93 Jahre
Porsche-Eintritt1959
Ruhestand1993
Le-Mans-Siege als Rennleiter7
Weltmeistertitel (Gruppe C)11
Paris-Dakar-Siege2 (1984, 1986)
Daytona-Gesamtsiege5