Mit dem 911 GT4 R vollzieht Porsche Motorsport einen Strategiewechsel in der GT4-Kategorie. Erstmalig setzt der Hersteller auf die 911-Plattform, nachdem bislang ausschließlich der 718 Cayman die Basis bildete. Das neue Rennfahrzeug nutzt die technische Grundlage des aktuellen 911 Cup, welcher seinerseits auf dem straßentauglichen 911 GT3 der Baureihe 992.2 fußt. Zur Motorsport-Saison 2027 wird der GT4 R seine Renndebüts feiern.
Für Porsches Kundensport stellt die GT4-Kategorie eine zentrale Säule dar. Über 1.500 Rennfahrzeuge auf Cayman-Grundlage verließen seit 2016 die Produktionshallen. Global betrachtet gehört die GT4-Szene zu den dynamischsten Wachstumsbereichen im Kundenmotorsport. Meisterschaften wie die GT4 European Series oder die ADAC GT4 Germany fungieren als Sprungbrett für aufstrebende Piloten in Richtung GT3-Spitzensport. In der Hersteller-Wertung der SRO-Organisation rangiert Porsche aktuell auf Position drei (Stichtag: 19. Juni 2026).
Thomas Laudenbach, Verantwortlicher für Porsche Motorsport, erklärt: „Mit dem neuen Rennwagen auf Basis des Porsche 911 GT3 heben wir unser erfolgreiches GT4-Programm auf ein neues Niveau. Unser Schritt, die 911-Plattform in die GT4-Kategorie zu bringen, unterstreicht die wachsende Bedeutung dieser Klasse im internationalen Motorsport."
Im 911 GT4 R arbeitet der 4,0-Liter-Sechszylinder-Boxermotor aus dem 911 Cup-Programm. Das Triebwerk, das vom Motor des straßenzugelassenen 911 GT3 abstammt, entwickelt in der Rennkonfiguration bis zu 382 kW (520 PS). Maximal stehen bis zu 470 Nm Drehmoment zur Verfügung. Abhängig von der Balance-of-Performance-Einstufung (BoP), die im GT4-Reglement vorgeschrieben ist, können diese Parameter schwanken. Ab Werk liefert Porsche den Rennwagen mit Luftmengen-Restriktoren aus, die 53,7 Millimeter Durchmesser aufweisen. Diese begrenzen die Motorleistung auf 316 kW (430 PS).
Ein sequenzielles Sechsgang-Klauengetriebe mit Schaltwippen am Lenkrad und einer Vierscheiben-Rennkupplung überträgt die Kraft. Verglichen mit den bisherigen Clubsport-Varianten auf Cayman-Plattform verfügt der 911 GT4 R über breitere Spurweiten sowie eine fortschrittlichere Motorsport-Elektronik. Diese Komponenten sollen Rundenzeiten, Handling und Zuverlässigkeit im Rennbetrieb optimieren.
Matthias Scholz, Gesamtprojektleiter GT-Rennfahrzeuge, betont: „Der 911 steht wie kein anderes Fahrzeug für die Motorsport-DNA von Porsche. Diese in ein GT4-Fahrzeug zu übertragen, eröffnet neue Möglichkeiten in Bezug auf Performance und Fahrgefühl. Der neue 911 GT4 R profitiert von der bereits bei der Entwicklung des Cup-Elfers geleisteten Detailarbeit."
Beim Fahrwerk unterscheidet sich der GT4 R aufgrund der Reglement-Vorgaben vom 911 Cup. Die Felgen fallen jeweils um einen Zoll schmaler aus und werden mittels Fünf-Loch-Befestigung montiert, wie sie auch bei Serienmodellen üblich ist. Zweifach verstellbare Dämpfer und drei auswählbare Federraten ermöglichen flexible Anpassungen an verschiedene Streckenverhältnisse.
Wesentliche Karosserieelemente übernimmt der Rennwagen vom 911 Cup und nutzt dessen aerodynamische Entwicklungen. Der Heckflügel kann manuell in elf Stufen justiert werden. Komponenten wie Türen, Motorhaube, Aerodynamikteile sowie Cockpit-Elemente fertigt Porsche aus Naturfaser-verstärktem Kunststoff in Verbindung mit Epoxidharz. Zusätzliche Ballastgewichte gestatten die Anpassung an die jeweils durch die BoP festgelegte Gewichtsklasse.
Über ein 10,3-Zoll-Farbdisplay empfängt der Pilot alle wichtigen Informationen. Ein eingebauter Datenlogger und ein exaktes GPS-System unterstützen die Auswertung und Leistungssteigerung im Renneinsatz. Die Elektronik entspricht dem neuesten Entwicklungsstand aus dem Cup-Programm.
Michael Dreiser, Vertriebsleiter Porsche Motorsport, positioniert den 911 GT4 R als Erweiterung: „Unsere Kunden profitieren von einer deutlich größeren Bandbreite im GT4-Segment. Der neue 911 GT4 R schließt sich an das bestehende Cayman-Programm an und bietet ambitionierten Teams eine weitere leistungsstarke Option."
Die GT4-Kategorie entstand Mitte der 2000er-Jahre und verbindet seriennahe Technologie mit verhältnismäßig überschaubaren Betriebskosten. Sie repräsentiert eine bedeutende Einstiegsstufe unterhalb des GT3-Rennsports. Für Automobilhersteller bietet die Klasse die Chance, durch Kundenteams in zahlreichen nationalen wie internationalen Rennserien präsent zu sein. Angaben zu Preisen und Lieferbedingungen stehen noch aus.
| Motor | 4,0-Liter-Sechszylinder-Boxer |
| Leistung | bis zu 382 kW (520 PS) |
| Leistung mit Restriktor | 316 kW (430 PS) |
| Drehmoment | bis zu 470 Nm |
| Getriebe | Sequenziell, 6 Gänge |
| Kupplung | Vierscheiben-Rennkupplung |
| Restriktor-Durchmesser | 53,7 mm |
| Display | 10,3 Zoll Farbdisplay |
| Heckflügel-Einstellungen | 11 Positionen |
| Marktstart | Saison 2027 |