Der neue Opel Frontera bietet Käufern eine fundamentale Entscheidung: Soll es der moderne Mildhybrid mit Verbrenner sein oder doch lieber die rein batteriebetriebene Variante? Beide Ausführungen des kompakten SUV unterscheiden sich nicht nur in der Antriebstechnik, sondern auch grundlegend in ihrem Einsatzprofil. Während die eine Version auf Flexibilität und Langstreckentauglichkeit setzt, konzentriert sich die andere auf emissionsfreie Mobilität im urbanen Umfeld. Der direkte Vergleich offenbart, dass die Wahl des Antriebs weit mehr als nur eine technische Frage ist – sie definiert den gesamten Nutzungscharakter des Fahrzeugs.
Die Benzin-Hybrid-Ausführung kombiniert einen 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbomotor mit einer 16 kW starken elektrischen Maschine. Diese Kombination erzeugt eine Systemleistung von 107 kW, was 145 PS entspricht. Besonders bemerkenswert ist das maximale Drehmoment von 230 Newtonmetern, das dem kompakten SUV eine durchaus sportliche Note verleiht. Die elektrische Komponente unterstützt den Verbrenner vor allem beim Beschleunigen und in Lastwechselsituationen, wodurch ein agiles Fahrverhalten entsteht. Im Alltag macht sich diese Konfiguration durch ein präsentes und spontanes Ansprechverhalten bemerkbar.
Die rein elektrische Alternative präsentiert sich mit deutlich bescheideneren Leistungsdaten. Mit 83 kW oder 113 PS liegt die Motorleistung spürbar der des Hybriden. Auch beim Drehmoment zeigt sich ein erheblicher Unterschied: 122 Nm stehen zur Verfügung – nahezu die Hälfte dessen, was der Benziner bietet. Trotz der für Stromer typischen direkten Kraftübertragung ohne Schaltverzögerung wirkt das Ansprechverhalten gemäßigter. Die Leistungsentfaltung erfolgt zwar unmittelbar, aber ohne die Dynamik, die der Hybrid an den Tag legt. Für entspanntes Gleiten durch den Stadtverkehr reicht die Motorisierung allemal, bei Autobahnfahrten oder beim Überholen außerorts stößt man jedoch schneller an Grenzen.
Bei der Frage nach der praktischen Alltagstauglichkeit zeigen sich die gravierendsten Unterschiede zwischen beiden Antriebskonzepten. Der Benzin-Hybrid benötigt im Durchschnitt 6,5 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer – ein Wert, der für ein modernes SUV mit dieser Leistung durchaus akzeptabel ist. Mit einer vollen Tankfüllung lassen sich bis zu 676 Kilometer zurücklegen, bevor ein Tankstopp notwendig wird. Diese Reichweite ermöglicht entspannte Urlaubsfahrten ohne ständige Routenplanung rund um Tankstellen. Selbst spontane Abstecher oder Umwege stellen kein Problem dar, da die nächste Zapfsäule meist in wenigen Minuten erreicht ist.
Völlig anders gestaltet sich die Situation beim E-Modell. Die im Test ermittelte Reichweite von 248 Kilometern liegt deutlich den Herstellerangaben, die idealen Bedingungen entstehen. Der Energieverbrauch beträgt 17,6 Kilowattstunden pro 100 Kilometer – ein Wert, der je nach Fahrweise, Außentemperatur und Streckenprofil noch steigen kann. Der verbaute Akku fasst 43,8 kWh, was in der Praxis bedeutet, dass man bei längeren Strecken fest mit Ladepausen rechnen muss. Eine Autobahnfahrt von beispielsweise 300 Kilometern erfordert mindestens einen Zwischenstopp.
Die Ladeinfrastruktur spielt dabei eine zentrale Rolle. An einer Schnellladestation mit 100 kW Leistung dauert das Aufladen von zehn auf 80 Prozent Akkukapazität 26 Minuten. Das klingt zunächst akzeptabel, bedeutet aber auch, dass man nach dieser Pause lediglich etwa 170 Kilometer weiterfahren kann, bevor der nächste Ladestopp ansteht. Für Pendler mit überschaubaren Tagesstrecken und einer Lademöglichkeit zu Hause oder am Arbeitsplatz stellt dies kein Problem dar. Wer jedoch regelmäßig längere Distanzen zurücklegen muss oder spontan flexibel sein möchte, wird mit der elektrischen Variante an seine Geduld- und Planungsgrenzen stoßen. Urlaubsfahrten oder Geschäftsreisen über mehrere hundert Kilometer werden zu einer logistischen Herausforderung, bei der jede Etappe sorgfältig durchdacht sein will.
Die unterschiedlichen Leistungsdaten schlagen sich unmittelbar im Fahrverhalten nieder. Der Benzin-Hybrid überzeugt durch seine lebendige Charakteristik. Die 230 Nm Drehmoment sorgen für kräftigen Vortrieb bereits aus niedrigen Drehzahlen, während die elektrische Unterstützung Turbolöcher weitgehend eliminiert. Beim Beschleunigen aus dem Stand oder beim Überholen auf Landstraßen zeigt sich die Kombination aus Verbrenner und E-Maschine von ihrer besten Seite. Das Zusammenspiel beider Antriebsquellen erfolgt nahtlos und für den Fahrer kaum wahrnehmbar. Auch bei höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn bleibt ausreichend Leistungsreserve verfügbar.
Der Stromer hingegen offenbart seine Stärken vor allem im städtischen Verkehr. Die direkte Kraftübertragung ohne Getriebe ermöglicht ein sanftes, aber bestimmtes Anfahren. Im Stop-and-Go-Verkehr punktet die elektrische Variante mit ihrer Laufruhe und der Möglichkeit zur Rekuperation, also der Energierückgewinnung beim Bremsen. Allerdings fehlt es an der Durchzugskraft, die der Hybrid bietet. Bei Autobahnauffahrten oder beim Einfädeln in den fließenden Verkehr muss man mehr Vorlauf einplanen. Die 122 Nm reichen zwar für den normalen Betrieb aus, vermitteln aber nicht das souveräne Gefühl, das der Benziner erzeugt.
Interessant ist auch das unterschiedliche Gewichtsmanagement beider Versionen. Während der Hybrid mit seinem kompakten Dreizylinder und der kleinen E-Maschine vergleichsweise leicht bleibt, bringt die Batterie des Stromers zusätzliches Gewicht auf die Waage. Dies beeinflusst nicht nur das Fahrverhalten, sondern auch den Energieverbrauch. Das höhere Gewicht muss bei jeder Beschleunigung bewegt werden, was sich direkt auf die Reichweite auswirkt. Gleichzeitig sorgt die tiefere Schwerpunktlage durch die im Unterboden verbaute Batterie für ein stabileres Kurvenverhalten. In schnell gefahrenen Kurven liegt der E-Antrieb satter auf der Straße, während der leichtere Hybrid etwas agiler um die Ecken tanzt.
Ein Aspekt, der bei der Kaufentscheidung oft unterschätzt wird, ist die Anhängelast. Hier offenbart sich einer der größten Unterschiede zwischen beiden Antriebsvarianten. Der Benzin-Hybrid darf bis zu 1250 Kilogramm ziehen – ein Wert, der für einen Wohnwagen, einen Pferdeanhänger oder einen größeren Bootstrailer durchaus ausreicht. Diese Zugkraft macht das Fahrzeug zu einem vielseitigen Begleiter für Freizeitaktivitäten und erweitert das Einsatzspektrum erheblich. Wer regelmäßig Anhänger bewegt, findet hier eine praktikable Lösung, die sich im Alltag bewährt.
Die elektrische Ausführung hingegen ist auf magere 350 Kilogramm Anhängelast beschränkt. Dieser Wert reicht gerade noch für einen kleinen Gepäckanhänger oder einen Motorradtransporter, schließt aber die meisten gängigen Anhängertypen praktisch aus. Ein durchschnittlicher Wohnwagen liegt bereits deutlich über dieser Grenze, selbst viele Bootstrailer sind zu schwer. Diese Einschränkung resultiert aus mehreren Faktoren: Zum einen belastet das Ziehen eines Anhängers die Batterie erheblich und reduziert die ohnehin begrenzte Reichweite dramatisch. Zum anderen sind die thermischen Belastungen für Motor und Leistungselektronik beim Anhängerbetrieb deutlich höher.
Für Käufer, die ihr Fahrzeug auch als Zugfahrzeug nutzen möchten, fällt die Entscheidung damit klar zugunsten des Hybriden aus. Selbst wer nur gelegentlich einen Anhänger bewegt, wird die zusätzliche Flexibilität zu schätzen wissen. Die elektrische Variante richtet sich dagegen an eine Klientel, die primär auf emissionsfreie Mobilität setzt und auf Anhängerbetrieb verzichten kann. Hier zeigt sich exemplarisch, wie stark die Antriebswahl den praktischen Nutzwert eines Fahrzeugs definiert. Beide Versionen tragen zwar denselben Namen, bedienen aber grundverschiedene Anforderungsprofile. Wer seine Prioritäten kennt, kann die richtige Wahl treffen – ein Kompromiss, der beide Welten vereint, ist technisch nicht darstellbar.
| Modell | Opel Frontera 1.2 DI |
| Antriebsart | Mildhybrid |
| Motor | 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner |
| Elektromotor | 16 kW |
| Systemleistung | 107 kW (145 PS) |
| Drehmoment | 230 Nm |
| Durchschnittsverbrauch | 6,5 l/100 km |
| Reichweite | bis zu 676 km |
| Anhängelast | 1250 kg |
| Modell | Opel Frontera Electric |
| Antriebsart | Vollelektrisch |
| Leistung | 83 kW (113 PS) |
| Drehmoment | 122 Nm |
| Batteriekapazität | 43,8 kWh |
| Durchschnittsverbrauch | 17,6 kWh/100 km |
| Reichweite (Praxistest) | 248 km |
| Ladeleistung | 100 kW |
| Ladezeit (10-80%) | 26 Minuten |
| Reichweite nach Ladung | ca. 170 km |
| Anhängelast | 350 kg |