Mercedes rettet A-Klasse mit radikalem Crossover-Konzept

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Foto: Daimler AG
Der Stuttgarter Hersteller vollzieht eine strategische Kehrtwende: Die totgesagte A-Klasse kehrt 2028 als eigenständiges Crossover-Modell zurück und soll junge Käufer ansprechen.

Strategische Kehrtwende im Kompaktsegment

Die ursprünglich von Konzernchef Ola Källenius ausgerufene Fokussierung auf das Luxussegment ist gescheitert. Zu massiv war der Widerstand der Händler gegen den geplanten Verzicht auf ein Nachfolgemodell im Einstiegsbereich. Die Zulassungszahlen belegen eindeutig die Notwendigkeit eines erschwinglichen Angebots: Allein in Deutschland wurden 18.480 Einheiten der aktuellen Baureihe zugelassen, was einem Anteil von 7,1 Prozent an den Gesamtverkäufen der Marke entspricht. Diese Zahlen verdeutlichen, dass ein Rückzug aus diesem Segment wirtschaftlich nicht vertretbar gewesen wäre.

Nach intensiven Gesprächen mit europäischen Vertriebspartnern entschied sich die Konzernführung für eine Neuauflage. Entwicklungschef Jörg Burzer bestätigte gegenüber der Automobilwoche, dass es sich um ein eigenständiges fünftes Modell auf der MMA-Plattform handeln wird. Diese neue Architektur, die Mercedes Modular Architecture, war ursprünglich nur für vier Fahrzeuge vorgesehen: den CLA als Limousine und Shooting Brake sowie die beiden SUV-Modelle GLA und GLB. Der klassische Kompaktwagen in Golf-Größe sollte aus dem Portfolio verschwinden. Doch die Realität des Marktes erzwang ein Umdenken.

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Die aktuelle Baureihe 177, die seit 2018 gebaut wird, erhält eine Verlängerung ihrer Produktionszeit bis Ende 2027. Parallel dazu wird auch die B-Klasse entgegen früherer Planungen noch bis 2026 gefertigt. Diese Entscheidung reflektiert die schwankende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und ermöglicht dem Konzern, flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren. Die Produktionsstrukturen, etwa im Werk Rastatt, erlauben die Fertigung von Fahrzeugen mit unterschiedlichen Antriebskonzepten auf derselben Linie.

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Revolutionäres Formkonzept als Brückenschlag

Das für 2028 angekündigte Nachfolgemodell bricht radikal mit der bisherigen Formgebung. Statt eines klassischen Schrägheckmodells plant der Hersteller einen Crossover, der Elemente eines SUV mit den praktischen Eigenschaften eines Vans verbindet. Diese Entscheidung fiel erst, nachdem Källenius die ersten Entwürfe gesehen hatte. Sein Urteil fiel eindeutig aus: "Das wird ein verdammt attraktives Auto, das müssen wir machen." Die neue Linienführung soll sich deutlich von der aktuellen Generation unterscheiden und erinnert möglicherweise an die hochbauenden ersten beiden Generationen der Baureihe.

Burzer betont, dass es sich um ein Fahrzeug handeln wird, "das es so bisher nicht gibt". Offenbar verschmelzen dabei Charakteristika der auslaufenden B-Klasse mit dem Kompaktwagenkonzept zu einer neuen Einheit. Die bullige Front typischer SUV-Modelle trifft auf den Nutzwert eines Vans – eine Kombination, die neue Käuferschichten erschließen soll. Während in Asien und den USA weiterhin primär auf Luxusmodelle gesetzt wird, richtet sich das neue Fahrzeug gezielt an europäische Kunden. Für diese Märkte sind sogar speziell angepasste Varianten in Planung, etwa mit langem Radstand für asiatische Käufer oder auf US-Bedürfnisse zugeschnittene Ausführungen.

Die technische Basis bildet die MMA-Plattform, die primär auf Elektroantriebe ausgelegt ist, aber auch Verbrenner ermöglicht. Bei den reinen Elektrovarianten arbeitet die Architektur mit 800-Volt-Technik und der neuen Elektronik- sowie Softwarebasis MB.OS. Der Basisantrieb ist bei den EQ-Versionen heckgetrieben, während der Allradantrieb 4MATIC über eine zusätzliche E-Maschine an der Vorderachse realisiert wird. Die Benzin-Mildhybride mit 48-Volt-Technologie starten hingegen mit Frontantrieb. Diese Flexibilität ermöglicht es, verschiedene Antriebskonzepte einem technischen Dach zu bündeln.

Neupositionierung im Wettbewerbsumfeld

Die Marktpositionierung des neuen Modells unterscheidet sich fundamental von der bisherigen Strategie. Während der aktuelle Einstieg in Deutschland bei knapp 38.000 Euro für den A 180 liegt, dürfte der Nachfolger deutlich dem neuen CLA angesiedelt werden. Dieser fungiert künftig als höher positioniertes Einstiegsmodell und startet aktuell bei 46.240 Euro für die Benzinvariante. Analysten gehen davon aus, dass das neue Crossover-Modell möglicherweise der 40.000-Euro-Marke starten könnte, um im Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben.

Burzer sieht in der MMA-Plattform ein "profitables Wachstumspotenzial" für Europa und betont, dass man vor allem für diesen Markt ein attraktives Einstiegsmodell anbieten wolle. Die Zielgruppe soll dabei jünger sein als bei bisherigen Modellen. Der Entwicklungschef spricht von einem "hochattraktiven Einstiegsmodell", das neue Käufer an die Marke heranführen soll. Diese Strategie markiert eine Abkehr vom bisherigen Kurs, der auf eine Ausdünnung des Portfolios und eine Konzentration auf margenstärkere Fahrzeuge setzte.

Die Erreichbarkeit und Skalierbarkeit stehen nun im Vordergrund, um das Einstiegssegment profitabel zu halten. Statt eines vollständigen Rückzugs aus der klassischen Einstiegsklasse setzt der Konzern auf ein neu zugeschnittenes Fahrzeug mit eigener Identität. Diese Neuausrichtung erfolgt nicht zuletzt aufgrund des Drucks durch die Konkurrenz: Selbst einstige Billigmarken haben den Stuttgarter Hersteller inzwischen überholt, was die Notwendigkeit einer breiteren Marktabdeckung unterstreicht.

Produktion und Markteinführung

Die Fertigung des neuen Modells wird nach Ungarn verlagert. Im Werk Kecskemét soll der Hoffnungsträger ab 2028 vom Band laufen. Diese Standortwahl ist eine bewusste Maßnahme zur Kostensenkung, denn die Produktionskosten sind dort deutlich niedriger als in Deutschland. Bereits im ersten Quartal wird auch die aktuelle Baureihe aus Rastatt nach Ungarn verlagert, bevor sie Ende 2027 endgültig ausläuft. Das bisherige deutsche Werk verliert damit seine Rolle in der Kompaktklassenfertigung.

Die flexible Produktionsstruktur ermöglicht es, sowohl Elektrofahrzeuge als auch Verbrenner auf derselben Linie zu bauen. Diese Anpassungsfähigkeit ist entscheidend, um kurzfristig auf Marktveränderungen reagieren zu können. Die schwankende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen hatte bereits zu einer strategischen Neubewertung geführt, die nun in der verlängerten Produktion bestehender Baureihen mündet. Bis das neue Modell 2028 auf den Markt kommt, bleiben die aktuellen Fahrzeuge länger im Programm als ursprünglich geplant.

Neben dem Basismodell dürfte der Hersteller auch wieder eine AMG-Variante ableiten, wie es bei der aktuellen Generation mit dem A 45 der Fall ist. Dies würde das Spektrum von einem erschwinglichen Einstiegsfahrzeug bis zur Hochleistungsvariante abdecken. Die MMA-Architektur bietet dafür die notwendige technische Grundlage, da sie sowohl bei Elektro- als auch bei Verbrennervarianten verschiedene Leistungsstufen ermöglicht. Für China und die USA sind darüber hinaus eigens angepasste Modelle in Planung, die den spezifischen Anforderungen dieser Märkte gerecht werden sollen.


Technische Daten im Überblick

MerkmalWert
ModellMercedes-Benz A-Klasse Nachfolger (ab 2028)
PlattformMMA (Mercedes Modular Architecture)
KarosserieformCrossover (SUV-Van-Mix)
AntriebsoptionenElektro (EQ) und 48-Volt-Mildhybrid-Benziner
Spannung (Elektro)800 Volt
Basisantrieb ElektroHeckantrieb
Allradantrieb Elektro4MATIC mit zusätzlicher E-Maschine vorne
Basisantrieb BenzinerFrontantrieb
SoftwarebasisMB.OS
ProduktionsstandortKecskemét (Ungarn)
Markteinführung2028
Erwarteter Einstiegspreis40.000 Euro (geschätzt)
Aktueller A 180 PreisAb 38.000 Euro
CLA Benziner PreisAb 46.240 Euro

Technische Daten: Aktuelle A-Klasse (W177)

MerkmalWert
BaureiheW177 (seit 2018)
ProduktionsendeEnde 2027
Neuzulassungen Deutschland18.480 Einheiten
Anteil Gesamtverkäufe7,1 Prozent
Einstiegspreis A 180Ab 38.000 Euro
Produktionsstandort aktuellRastatt (bis Q1, dann Kecskemét)
ProduktionsverlängerungBis Ende 2027

Auf einen Blick

  • Luxusstrategie gescheitert: Händlerdruck erzwingt Nachfolgemodell für 2028
  • Radikaler Formwechsel: Crossover statt klassischer Kompaktwagen mit SUV-Van-Mix
  • Fünftes MMA-Modell: Eigenständiges Fahrzeug neben CLA, GLA und GLB
  • Produktion in Ungarn: Fertigung ab 2028 in Kecskemét zur Kostensenkung
  • Preispositionierung 40.000 Euro erwartet, deutlich günstiger als CLA

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