Gute Fahrt
· 18.02.2026
Mercedes-Benz inszenierte im März 1999 auf dem Genfer Autosalon eine Doppelpremiere der besonderen Art. Auf einem Podest mitten im Markenstand präsentierte der Hersteller zwei Luxuscoupés der neuen Baureihe 215: den silbernen CL 500 und seinen großen Bruder CL 600. Letzterer erhielt einen Ehrenplatz, denn er verkörperte nicht nur die technische Spitze der damaligen Modellpalette, sondern zeigte auch eine Weltneuheit in seinem Innenraum. Die Frage, die Mercedes-Benz damals stellte, lautete: "Wie buchstabiert man die Zukunft des Automobils?" Die Antwort fiel vielschichtig aus und reichte von innovativer Fahrwerkstechnik bis zu unkonventionellen Materialien im Interieur.
Das Luxuscoupé trat mit dem markentypischen Vier-Augen-Gesicht seiner Epoche an und verband wie die S-Klasse innovative Technik mit höchster Exklusivität. der langen Motorhaube arbeitete der neu entwickelte V12-Motor M 137 mit 5,8 Litern Hubraum. Ein dezentes V12-Emblem an der Fahrzeugseite verwies auf die Zwölfzylinder-Motorisierung. Während der CL 500 bereits 1999 in den Handel kam, mussten Interessenten des CL 600 bis zum Frühjahr 2000 warten. Die lange Motorhaube, die elegante Dachlinie und das leicht gespannte Heck formten eine klare und kraftvolle Silhouette, die sportliche Exklusivität ausstrahlte.
Das Premierenfahrzeug trug die Sonderlackierung designo chromaflair, die je nach Lichteinfall und Betrachtungswinkel faszinierende Farbwechsel bot. Diese Lackierung unterstrich den exklusiven Auftritt und zeigte die Bandbreite der Individualisierungsmöglichkeiten, die das damalige designo-Programm ermöglichte – der Vorläufer des heutigen MANUFAKTUR-Angebots. Die Konstruktion der Türscharniere ermöglichte trotz langer und schwerer Türen ein bequemes Ein- und Aussteigen, unterstützt durch eine Zuziehautomatik. Bis zum 12. April 2026 können Besucher dieses Premierenfahrzeug in der Sonderausstellung "Youngtimer" des Mercedes-Benz Museums erleben, wo es im Bereich "Feinsinn" ausgestellt ist.
Die spektakulärste Innovation des Genfer Messefahrzeugs verbarg sich im Innenraum: Naturstein als Ziermaterial. Mercedes-Benz setzte erstmals Larvikit ein, eine norwegische Granitart, die sich auf Mittelkonsole und Türwangen des Luxuscoupés fand. Das sonst harte und spröde Mineral schmiegte sich weich wie ein organischer Werkstoff um Wölbungen und Kurven des Interieurs. Die Blautöne des Dekors leuchteten beim richtigen Lichteinfall verführerisch, das Material schimmerte sanft und tief. Diese außergewöhnliche Idee verblüffte Fachwelt und Öffentlichkeit gleichermaßen.
Die Produktion der Steinzierteile erwies sich als aufwendiger Prozess. Das harte Gestein wurde zunächst in hauchdünne Scheiben gesägt, die anschließend auf einer flexiblen Tragschicht fixiert wurden. Walzen brachen dann die Kornstruktur auf, während optische und haptische Eigenschaften erhalten blieben. Erst durch diese Behandlung ließ sich der hochwertige Werkstoff auch mit sehr engen Radien für die Innenraumgestaltung verarbeiten und nach Bedarf biegen oder schneiden. Mercedes-Benz brachte die Steinzierteile schließlich 2001 als Teil des Individualisierungsprogramms designo in Serie.
Neben dem Farbton designo labrador blue pearl, wie er im Genfer Premierenfahrzeug zu sehen war, bot der Hersteller ab 2001 auch die Variante designo viking green an. Die Natursteinzierteile stellten nur einen Teil des umfassenden Individualisierungsangebots dar, das Mercedes-Benz für den CL bereithielt. Das durchdachte Bedien- und Kommunikationssystem COMAND, hochindividuelle Sitzeinstellungen und ausgeklügelte Ablagesysteme zwischen den Vordersitzen rundeten das Konzept ab. Dort fand auch das integrierte Autotelefon in einer eigenen Ebene seinen Platz. In der Summe aller Ausstattungsdetails verdeutlichte der CL 600, dass sich echter Luxus aus technischem Optimum ergibt.
Ein Meilenstein der Fahrwerkstechnik feierte im CL der Baureihe 215 Weltpremiere: das aktive Fahrwerk Active Body Control, kurz ABC. Dieses System glich die sonst üblichen Karosseriebewegungen mit Hydraulikzylindern an den Achsen aus. Feinfühlige Sensoren lieferten die entsprechenden Signale, um ein höchst kultiviertes Fahrverhalten des leistungsstarken zweitürigen Reisewagens zu ermöglichen. Die Presseinformation von 1999 beschrieb das Ergebnis: "So stößt der Mercedes-Benz CL bei einem Maximum an Fahrkomfort in neue Dimensionen der Fahrdynamik vor."
Von dieser Technik profitierten auch die besonders sportlichen AMG-Versionen des CL, die in der Baureihe 215 erstmals angeboten wurden. Der CL 55 AMG kam in der Formel-1-Saison 2000 sogar als Safety-Car zum Einsatz. Fahrer Bernd Mayländer schätzte rückblickend in einem Interview die gebotene Kombination aus Hochgeschwindigkeitspräzision und Luxusambiente. An diesen Einsatz erinnerte das Sondermodell CL 55 AMG "F1 Limited Edition", das ab Sommer 2000 in einer auf 55 Fahrzeuge limitierten Kleinserie verfügbar war.
Dieses Sondermodell markierte einen weiteren technischen Meilenstein: Es war weltweit das erste Automobil mit Straßenzulassung, das eine Carbon-Bremsanlage mit innenbelüfteten Bremsscheiben aus faserverstärkter Keramik besaß. Der Hochleistungswerkstoff entstand als Komposit aus Kohlefaser, Kohlepulver, Harz und Silizium. Mit der Baureihe 215 definierte Mercedes-Benz die Coupés der Oberklasse neu und setzte Maßstäbe bei Luxus, Technik und Individualisierung. Die Sonderausstellung "Youngtimer" im Mercedes-Benz Museum zeigt noch bis zum 12. April 2026 in einer poppig-bunten Inszenierung zehn ikonische Fahrzeuge der 1990er- und 2000er-Jahre, darunter diesen besonderen CL 600 aus Genf.
| Basis | Mercedes-Benz CL 600, Baureihe 215 |
| Weltpremiere | Autosalon Genf, 11. bis 21. März 1999 |
| Marktstart CL 500 | 1999 |
| Marktstart CL 600 | Frühjahr 2000 |
| Motor | V12-Motor M 137 |
| Hubraum | 5,8 Liter |
| Fahrwerk | Active Body Control (ABC) |
| Sonderlackierung | designo chromaflair |
| Interieur-Naturstein | Larvikit (norwegische Granitart) |
| Steinfarben | designo labrador blue pearl, designo viking green |
| Serienstart Steinzierteile | 2001 |
| Sondermodell | CL 55 AMG F1 Limited Edition (55 Exemplare, ab Sommer 2000) |
| Bremsen F1 Edition | Carbon-Keramik-Bremsanlage |