Gute Fahrt
· 08.04.2026
Der norwegische Automobilclub NAF führt zweimal jährlich den „El Prix"-Reichweitentest durch und unterzieht dabei Elektrofahrzeuge identischen Bedingungen. Die Winterausgabe 2026 stellte alle bisherigen Prüfungen in den Schatten: Temperaturen von bis zu minus 21 Grad im Jotunheimen-Gebirge machten diese Auflage zur kältesten seit der Einführung des Tests im Jahr 2020. Genau diesen extremen Vorzeichen bewies ein Prototyp des kommenden Kia EV2 seine Alltagstauglichkeit.
Der kompakte Elektro-SUV aus dem B-Segment absolvierte die anspruchsvolle Route von Oslo ins norwegische Hochgebirge mit einer einzigen Akkuladung. Die 61,0-kWh-Batterie ermöglichte eine Reichweite von 310,6 Kilometern, bevor der Ladestand kritisch wurde. Dieser Wert entspricht einer Reduzierung von 24,8 Prozent gegenüber dem WLTP-Normwert der GT-Line-Ausführung mit 19-Zoll-Rädern, der bei 413 Kilometern liegt. Zum Vergleich: Keines der 24 offiziell teilnehmenden Serienmodelle erreichte eine geringere Einbuße durch die arktischen Bedingungen.
Die Testbedingungen waren bewusst hart gewählt. Die Route führte durch verschiedene Höhenlagen mit entsprechenden Temperaturunterschieden. In den höchstgelegenen Abschnitten sanken die Werte auf minus 31 Grad. Solche Bedingungen stellen Elektrofahrzeuge vor besondere Herausforderungen, da niedrige Temperaturen die chemischen Prozesse in Lithium-Ionen-Akkus verlangsamen und die verfügbare Kapazität reduzieren. Zusätzlich benötigt die Kabinenheizung erhebliche Energie, die nicht für den Antrieb zur Verfügung steht.
Ein weiterer kritischer Aspekt bei winterlichen Bedingungen ist die Ladefähigkeit. Kalte Batterien nehmen Energie deutlich langsamer auf als temperierte Akkus. Der EV2-Prototyp demonstrierte jedoch auch hier seine Praxistauglichkeit: Die Gleichstrom-Schnellladung von zehn auf 80 Prozent dauerte 36 Minuten. Dieser Wert liegt nur sechs Minuten über der für optimale Bedingungen angegebenen Ladezeit von 30 Minuten.
Die 400-Volt-Architektur der E-GMP-Plattform (Electric Global Modular Platform) bildet die technische Basis des EV2. Kia setzt beim Einstiegsmodell seiner Elektropalette auf die bewährte Plattform, allerdings in einer kostenoptimierten Variante ohne die 800-Volt-Technologie der größeren Schwestermodelle EV6 und EV9. Dennoch unterstützt das System sowohl 11- als auch 22-kW-Wechselstromladen für die heimische Wallbox oder öffentliche AC-Ladepunkte.
Pablo Martinez Masip, Vice President Product & Marketing bei Kia Europe, wertet das Testergebnis als Beleg für die Zuverlässigkeit des Fahrzeugs. Der EV2 biete auch bei extrem niedrigen Temperaturen eine verlässliche Reichweite und erfordere trotz seiner Positionierung als Einstiegsmodell keine Kompromisse. Vielmehr stelle er eine erschwingliche und zugleich zuverlässige Möglichkeit dar, in die Elektromobilität einzusteigen.
Der Kia EV2 wird als zweites vollelektrisches Modell der Marke im slowakischen Werk Zilina vom Band laufen. Die Produktion beginnt zunächst mit der Standardbatterie-Variante, die über einen 42,2-kWh-Akku verfügt. Ab Juni folgt die Langstreckenversion mit dem 61,0-kWh-Akku sowie die sportlich ausgerichtete GT-Line-Ausführung. Die europäische Fertigung unterstreicht Kias Strategie, Elektrofahrzeuge nahe an den Absatzmärkten zu produzieren und Lieferketten zu verkürzen.
Das Werk in Zilina verfügt über eine Jahreskapazität von 350.000 Fahrzeugen und produziert bereits seit 2006 für den europäischen Markt. Mit der Integration der Elektromodelle in die bestehenden Fertigungslinien nutzt Kia die vorhandene Infrastruktur effizient. Der erste in Europa gefertigte Elektro-Kia war der neue Kompaktwagen EV4, der ebenfalls am „El Prix"-Wintertest teilnahm.
Der EV4 absolvierte den Test in der Ausführung mit 81,4-kWh-Batterie und 19-Zoll-Rädern. den extremen Bedingungen erreichte er eine Reichweite von 390 Kilometern, was gegenüber dem WLTP-Wert von 594 Kilometern eine Reduzierung von rund 34 Prozent bedeutet. Damit platzierte sich der EV4 sowohl bei der absoluten Reichweite als auch bei der kältebedingten Einbuße in den Top Five den 24 teilnehmenden Serienmodellen. Dieses Ergebnis bestätigt die Leistungsfähigkeit der E-GMP-Plattform auch widrigen Bedingungen.
Die offiziellen WLTP-Werte des EV2 werden zum Verkaufsstart im Frühjahr veröffentlicht. Sie werden von einem unabhängigen akkreditierten technischen Dienst standardisierten Labortestzyklen ermittelt, zu denen auch eine Referenztesttemperatur von rund 23 Grad gehört. Der NAF-Test liefert dagegen Erkenntnisse über das Verhalten realen Extrembedingungen, die für viele europäische Märkte relevant sind.
| Basis | Kia EV2 Prototyp |
| Plattform | E-GMP 400 Volt |
| Batteriekapazität (getestet) | 61,0 kWh |
| Batteriekapazität (Standard) | 42,2 kWh |
| Reichweite WLTP (GT-Line, 19 Zoll) | 413 km |
| Reichweite WLTP (Standardversion) | 448 km |
| Reichweite Wintertest | 310,6 km |
| Reichweitenverlust bei Kälte | 24,8 Prozent |
| Testtemperatur | bis minus 21 Grad |
| DC-Schnellladen | 10-80 Prozent in 36 Minuten |
| AC-Laden | 11 kW und 22 kW |
| Bereifung (getestet) | 19 Zoll |
| Produktionsstart Standard | Frühjahr 2026 |
| Produktionsstart Langstrecke | Juni 2026 |
| Produktionsort | Zilina, Slowakei |