Fiat entwickelt neuen Pandina mit studentischen Designstudien

Gute Fahrt

 · 05.05.2026

Fiat Pandina
Foto: Stellantis
Die Italiener arbeiten an einem kleineren Nachfolger des aktuellen Panda. Drei studentische Entwürfe demonstrieren unterschiedliche Ansätze für urbane Mobilität.

Demokratischer Entwicklungsprozess für künftiges Stadtauto

Die italienische Marke verfolgt bei der Entwicklung ihres künftigen Kleinwagens einen ungewöhnlichen Weg. Olivier Francois, Chef der Turiner Traditionsmarke, möchte den Entstehungsprozess bewusst „demokratisch" gestalten und plant, Rückmeldungen aus der Öffentlichkeit in die weitere Arbeit einfließen zu lassen. Drei studentische Entwürfe bilden dabei den Ausgangspunkt für Diskussionen über die zukünftige Ausrichtung. Der kommende Kleinwagen, in Italien dem Arbeitstitel Pandina bekannt, soll sich durch Einfachheit und Kosteneffizienz auszeichnen. Francois formuliert die Philosophie klar: Ein Fahrzeug müsse zunächst nützlich sein, bevor es anspruchsvoll werde. Die Verantwortlichen haben beobachtet, dass Käufer nicht nach größeren Bildschirmen verlangen, sondern nach Funktionen, die tatsächlich sinnvoll sind. Auf diese Bedürfnisse wolle man konkrete Antworten liefern. Der aktuelle Kleinwagen bleibt laut Gaetano Thorel, Chef von Fiat Europe, noch bis mindestens 2029 im Programm. Das Modell wurde für die kommenden Euro-7-Emissionsstandards aktualisiert und wird weiterhin in Italien angeboten. Parallel dazu läuft die Entwicklung des Nachfolgers, der die bewährte Multi-Energie-Strategie fortführen soll. Erstmals könnte auch ein vollelektrischer Antrieb zur Verfügung stehen, ergänzt durch einen kleinen mildhybriden Benzinmotor. Diese Flexibilität sei entscheidend, betont Thorel, da manche Kunden auf Verbrennungsmotoren angewiesen seien, während andere bereits auf Akkuantrieb setzen wollten. Ein batteriebetriebenes Angebot könnte technisch gesehen auch Märkte außerhalb Südeuropas wieder erschließen, allerdings verweist Thorel auf das begrenzte Volumenpotenzial im europäischen A-Segment.

Ippo: Gemeinschaftsorientierter Ansatz für urbane Räume

Der erste studentische Entwurf trägt den Namen Ippo und präsentiert einen kompakten, aufrecht gestalteten Viersitzer mit lediglich zwei Türen. Charakteristisch sind die erhöhte Bodenfreiheit und eine hohe Dachlinie, die an die bestehende Modellreihe anknüpfen. Verkleidungen an Schwellern, Stoßfängern und Radläufen schaffen optische Verbindungen zur aktuellen Baureihe. Die Beschreibung des Entwurfs geht über reine Transportfunktionen hinaus. Ippo soll Interaktionen zwischen Menschen fördern und sich an den Rhythmus kleiner Städte anpassen können. Die verantwortlichen Studenten schlagen eine „menschlichere", gemeinschaftliche Perspektive auf Mobilität vor. Das Fahrzeug solle zu einer Erweiterung des öffentlichen Raums werden und das Gemeinschaftsgefühl in urbanen Umgebungen stärken. Dieser soziale Ansatz unterscheidet sich deutlich von konventionellen Kleinwagen-Konzepten, die primär auf individuelle Fortbewegung ausgerichtet sind. Die Gestaltung zielt darauf ab, mehr als nur ein Transportmittel zu sein und neue Formen der städtischen Interaktion zu ermöglichen. Dabei bleibt die Grundform kompakt und praktisch für enge Innenstadtbereiche, während die erhöhte Bodenfreiheit zusätzliche Vielseitigkeit verspricht. Die Verbindung zwischen funktionalen Anforderungen und sozialen Aspekten steht im Mittelpunkt dieses Ansatzes.

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Lumo su Misura: Flexibilität durch modulare Personalisierung

Die zweite Studie namens Lumo su Misura verfolgt einen radikal anderen Ansatz. In der Grundform erinnert der Entwurf an einen schmaleren, aufrechteren modernen MINI mit kantiger Formgebung und runden Scheinwerfern. Das zentrale Thema bildet hier die Flexibilität durch umfassende Personalisierungsmöglichkeiten. Das Fahrzeug soll sich mit seinem Nutzer entwickeln und den Kompromiss junger Fahrer zwischen Erschwinglichkeit und Selbstausdruck adressieren. Die Vision geht weit über übliche Individualisierungsoptionen hinaus: Theoretisch könnte sich das Fahrzeug vom Stadtauto zum Campervan, Offroader oder praktischen Minivan wandeln. Komponenten könnten neu oder aufgearbeitet gekauft oder alternativ gemietet werden. Dieses modulare Konzept ermöglicht eine Anpassung an wechselnde Lebenssituationen, ohne dass ein kompletter Fahrzeugwechsel notwendig würde. Ein Student könnte das Basismodell für den Stadtverkehr nutzen, für Wochenendausflüge Camping-Module hinzufügen und später bei Familiengründung zu einer Minivan-Konfiguration wechseln. Die kantige Linienführung mit den runden Leuchten schafft einen erkennbaren Charakter, während die schmale Bauweise für urbane Umgebungen optimiert ist. Die aufrechte Silhouette maximiert den Innenraum trotz kompakter Außenmaße. Dieser Ansatz könnte besonders jüngere Zielgruppen ansprechen, die Wert auf Individualität legen, aber budgetär eingeschränkt sind. Die Möglichkeit, Teile zu mieten statt zu kaufen, senkt die Einstiegshürden zusätzlich und ermöglicht temporäre Anpassungen ohne langfristige finanzielle Verpflichtungen.

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Fizz: Stillstand als soziale Innovation neu gedacht

Der dritte Vorschlag mit dem Namen Fizz entfernt sich am weitesten von klassischen Vorstellungen eines Supermini. Während die meisten Fahrzeugentwicklungen auf Fahrleistungen fokussieren, konzentriert sich dieser Entwurf auf die Nutzung im Stand. Die zentrale Fragestellung lautete, wie ein kleines Stadtauto beim Anhalten einen temporären sozialen Raum schaffen kann. Der verantwortliche Student formuliert die Philosophie prägnant: „Innovation bedeutet nicht, schneller zu fahren, sondern besser anzuhalten." Diese Perspektive dreht konventionelle Prioritäten um und betrachtet das Fahrzeug als flexiblen Aufenthaltsraum statt als reines Fortbewegungsmittel. Die Gestaltung folgt dieser Philosophie konsequent: In die Ecken gerückte Räder maximieren den nutzbaren Innenraum, eine aufrechte Verglasung sorgt für Transparenz und Offenheit. Ein hohes, flaches Dach schafft Stehhöhe im Inneren, während vordere und hintere Sitzbänke flexible Sitzanordnungen ermöglichen. Diese Konfiguration erlaubt es, den Innenraum als Treffpunkt, mobiles Büro oder Pausenraum zu nutzen. Die Räder an den äußersten Ecken verbessern zudem die Manövrierfähigkeit in engen städtischen Umgebungen. Für die technische Umsetzung des künftigen Kleinwagens werden verschiedene Stellantis-Architekturen in Betracht gezogen, darunter auch die Plattform des Fiat 500. Als Antrieb für die Verbrenner-Variante wird ein 1,2-Liter-Dreizylinder mit Mildhybridtechnik und etwa 52 kW oder 71 PS genannt. Die Kosten sollen durch konsequente Einfachheit niedrig gehalten werden. Thorel betont, der Kleinwagen müsse klein genug für die Stadt bleiben, aber groß genug für Familienfahrten, etwa von Mailand nach Neapel. Diese Balance zwischen Kompaktheit und Alltagstauglichkeit bildet eine zentrale Herausforderung bei der Entwicklung.


Technische Daten im Überblick

ModellbezeichnungPandina (Arbeitstitel)
AntriebsoptionenMildhybrid-Benziner und Elektroantrieb
Motor Verbrenner1,2-Liter-Dreizylinder
Leistung Verbrennerca. 52 kW / 71 PS
HybridtechnikMildhybrid-System
PlattformStellantis-Architekturen / Fiat-500-Basis
EmissionsstandardEuro 7
MarkteinführungNach 2029
ProduktionsstandortItalien
MarktverfügbarkeitZunächst Südeuropa
SitzkonfigurationVier Sitze (je nach Entwurf)
TürenanzahlZwei bis vier Türen

Auf einen Blick

  • Drei studentische Entwürfe zeigen unterschiedliche Ansätze für den künftigen Kleinwagen
  • Demokratischer Entwicklungsprozess mit Einbindung öffentlicher Rückmeldungen geplant
  • Multi-Energie-Strategie mit Mildhybrid-Benziner und erstmals vollelektrischem Antrieb
  • Aktuelles Modell bleibt bis mindestens 2029 im Programm und erfüllt Euro-7-Standard
  • Fokus auf Einfachheit, Kosteneffizienz und sinnvolle Funktionen statt großer Displays

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