Als der Fiat 124 Sport Spider im Jahr 1966 auf dem Turiner Automobilsalon seine Premiere feierte, zielte das Konzept von Anfang an auf den nordamerikanischen Markt. Europäische Hersteller füllten dort eine Lücke, die einheimische Marken bei kompakten Sportwagen hinterlassen hatten. Das Karosseriedesign entstand bei Pininfarina der Leitung von Tom Tjaarda, einem Amerikaner mit niederländischen Wurzeln. Der Designer verlieh dem 2+2-Sitzer eine markante Frontpartie mit flach auslaufender Motorhaube, die von ausgeprägten Kotflügeln mit runden Scheinwerfern eingerahmt wird.
Charakteristisch zeigt sich der elegante Hüftschwung der hinteren Kotflügel sowie der Knick zur Kofferraumkante. Pininfarina übernahm nicht nur die Gestaltung, sondern fertigte auch die Karosserien, die anschließend im Fiat-Werk Turin-Mirafiori komplettiert wurden. Das Chassis stammte von der Fiat 124 Limousine, wurde allerdings um 14 Zentimeter gekürzt und zusätzlich verstärkt. An der Vorderachse arbeiteten Einzelradaufhängungen, hinten kam eine Starrachse zum Einsatz. Ein Drehmomentrohr übernahm die Kraftübertragung zwischen Getriebe und Differential.
Der Motor basierte auf einer Konstruktion von Aurelio Lampredi, einem ehemaligen Ferrari-Techniker. Der Vierzylinder verfügte über einen Zylinderkopf aus Leichtmetall. Zwei obenliegende Nockenwellen wurden auf revolutionäre Weise von einem Zahnriemen aus Kunststoff angetrieben. Aus etwas mehr als 1,4 Litern Hubraum schöpfte das Aggregat 90 PS. Ein serienmäßiges Fünfganggetriebe und Scheibenbremsen an allen vier Rädern gehörten Ende der 1960er Jahre nicht zum Standard. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 170 km/h zählte der rund 930 Kilogramm leichte Roadster zu den sportlichsten Vertretern seines Segments.
Die einfache Handhabung überzeugte Publikum und Fachpresse gleichermaßen. Das Stoffverdeck ließ sich mit wenigen Handgriffen innerhalb von Sekunden öffnen. Hinter dem Lenkrad mit zwei sportlich gelochten Metallspeichen informierten fünf Rundinstrumente über die wichtigsten Betriebsdaten. Die Strategie ging auf: Bereits von der ersten Modellgeneration AS, die von 1966 bis 1970 gebaut wurde, gingen rund zwei Drittel aller Fahrzeuge in die USA.
Noch während die zweite Serie BS zwischen 1969 und 1970 vom Band lief, startete bereits die optisch überarbeitete Baureihe BS1. Diese wurde von 1970 bis 1972 produziert. Zu den Erkennungsmerkmalen zählten eine analoge Zeituhr, eine neue Mittelkonsole, geänderte Rückleuchten mit Rückfahrscheinwerfern sowie seitliche Chrom-Zierleisten. Der Kühlergrill erhielt eine Wabenstruktur mit mittig platziertem Markenemblem anstelle der bisherigen Variante mit drei Chromstreben. Die auf ein Zweikreis-System umgestellte Bremsanlage erhöhte die Sicherheit. Kopfstützen an den vorderen Sitzen und eine überarbeitete Hinterachse mit vier Längslenkern und Panhardstab verbesserten den Insassenschutz und die Fahrdynamik.
Im Jahr 1971 erhielt der Motor mehr Hubraum. Der 1,6-Liter-Vierzylinder leistete nun mit zwei Doppel-Fallstromvergasern von Weber oder Solex beeindruckende 110 PS. Das größere Triebwerk erforderte eine Modifikation der Motorhaube. Eigentlich wäre eine Hutze nur auf der linken Seite nötig gewesen, wo der größere, beinahe rechteckige Luftfilter platziert ist. Aus Symmetriegründen erhielt die Haube jedoch zwei markante Wölbungen. Von der Serie BS1 wurden sogar rund drei Viertel in den USA verkauft, allerdings aufgrund strengerer Abgasgesetze mit gedrosseltem Motor.
Bereits ein Jahr später erfolgte eine erneute Motorisierungsänderung. Mit geringfügig kleinerem Hubraum und nur einem Doppelvergaser produzierte der 1,6-Liter-Vierzylinder noch 108 PS in Kombination mit dem Fünfganggetriebe beziehungsweise 104 PS beim Vierganggetriebe. Der Baureihencode lautete nun CS. Nach weniger als einem Jahr Bauzeit erhielt der Spider mit der Serie CS1 einen neuen Motor, den 1,8-Liter-Vierzylinder aus dem damals neuen Fiat 132. Die Leistung stieg bei der Europa-Version auf 118 PS mit Fünfganggetriebe.
Ebenfalls 1972 präsentierte Fiat eine Abarth-Version des Spider, die als Homologationsmodell für den Rallyesport konzipiert war und den Code CSA trug. Der 1,8-Liter-Motor leistete 128 PS, eine Einzelradaufhängung ersetzte die Starrachse hinten. Das Stoffverdeck wich einem Hardtop aus Kunststoff. Auch Motor- und Kofferraumhaube bestanden aus GFK, die Türen wurden aus Aluminium gefertigt. Innerhalb von drei Jahren liefen rund 1.000 Exemplare vom Band.
Trotz stärkeren Motors verkaufte sich der Spider in Europa ab Mitte der 1970er Jahre nur noch schleppend. Ab Herbst 1974 wurde das Cabriolet offiziell nur noch in den USA angeboten. Äußere Kennzeichen des Fiat 124 Spider America waren vor allem die überdimensionalen Stoßfänger, die den dortigen Vorschriften geschuldet waren. Als Option stand eine Dreigang-Automatik zur Verfügung. Der 1,8-Liter-Motor musste an die amerikanischen Emissionsbestimmungen und das bleifreie Benzin angepasst werden. Dadurch sank die Leistung zunächst auf 93 PS. Ab 1976 erforderte eine aufwändige Abgasreinigungsanlage weitere Einbußen von sechs PS.
Ab Juli 1978 trieb ein Zweiliter-Motor den Spider an. In Vergaserversion mit Code CS2 leistete er 83 PS, mit Einspritzung und Code CS0 waren es 102 PS. Eine Variante mit Turbolader brachte es auf 120 PS, wurde allerdings nur rund 700 Mal verkauft. Nachdem 1981 zunächst einige wenige Exemplare als Fiat 124 Spider 2000 i.e. mit Benzineinspritzung und Katalysator auch in Europa verkauft worden waren, kehrte das Cabriolet 1982 offiziell auf den alten Kontinent zurück.
Der neue Name Pininfarina Spidereuropa mit Code DS0 signalisierte: Pininfarina übernahm nun die komplette Produktion. Ohne Katalysator leistete der Zweiliter-Motor 105 PS, mit Abgasreinigung beispielsweise in Deutschland blieben 103 PS übrig. Im April ergänzte der Pininfarina Spidereuropa Volumex das Angebot. Ein mechanischer Roots-Kompressor steigerte die Leistung auf 135 PS. Aufgrund der nun erreichbaren Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h spendierte Pininfarina ein Sportfahrwerk und Breitreifen auf speziellen Leichtmetallfelgen.
Weitere optische Merkmale des Volumex-Modells waren Kotflügelverbreiterungen, eine mit Leder bezogene Innenausstattung, ein Abarth-Lederlenkrad sowie eine Ladedruckanzeige in der Mittelkonsole. Rund 500 Exemplare fertigte Pininfarina ausschließlich in Rot oder Schwarz. Die meisten davon gingen zum Basispreis von 29.600 D-Mark nach Deutschland. Im Jahr 1985 endete die Produktion des Spider endgültig. Innerhalb von 19 Jahren wurden inklusive Baureihe CSA rund 198.000 Stück gefertigt. Mehr als 80 Prozent gingen in die USA.
Mit der Einführung der Baureihe BS1 wurde der Fiat 124 Sport Spider auch für Rallyefahrer interessant. Mit kräftiger Unterstützung der Fiat Kundensportabteilung Squadra Clienti etablierte sich der Spider neben der Limousinenvariante des Fiat 124 als ernsthafter Siegkandidat. Neben der Leistungssteigerung auf bis zu 155 PS bei 7.500 Touren waren ein eng abgestuftes Colotti-Renngetriebe, Sperrdifferenzial und Leichtbauteile eine überzeugende Kombination. Wo erlaubt, senkten Türen und Hauben aus Kunststoff das Gewicht auf weniger als 900 Kilogramm.
Die Konkurrenz nannte die natürlich stets mit geschlossenem Verdeck antretenden Fiat 124 Sport Spider respektvoll Fetzendachbomber. Erst ab 1971 gab es ein Hardtop aus Kunststoff. Schon 1970 holten sich Alcide Paganelli und Beifahrer Ninni Russo im Fiat 124 Sport Spider den Titel in der Italienischen Rallyemeisterschaft. Im Januar 1971 ließen Håkan Lindberg und Beifahrer Sölve Andreasson mit Rang sieben bei der berühmten Rallye Monte Carlo aufhorchen.
Ein Jahr später gewann Lindberg, jetzt mit Copilot Helmut Eisendle, sogar die Rallye Akropolis und die Österreichische Alpenfahrt. Am Jahresende belegte Fiat Rang zwei in der Markenmeisterschaft hinter der hauseigenen Konkurrenz von Lancia. Ebenfalls 1972 wurde Fiat-Pilot Raffaele Pinto Rallye-Europameister. Mit Beginn der Saison 1973 löste der anfangs 165 PS, später bis zu 210 PS starke Fiat Abarth 124 Rallye in Gruppe-4-Version den 1600er Spider auf den Rallyepisten der Welt ab.
Europäische Versionen des Fiat 124 Sport Spider der ersten Baureihen sind inzwischen seltene Klassiker. Deutlich häufiger sind aus den USA reimportierte Exemplare. In Deutschland bewahren vor allem der Fiat 124 Spider Club Deutschland e.V. und der Fiat 124 Spider Club e.V. das Erbe des charismatischen Cabriolets.
| Präsentation | 1966 auf dem Turiner Automobilsalon |
| Bauzeit | 1966 bis 1985 |
| Bauart | 2+2-Sitzer Cabriolet |
| Karosseriedesign | Pininfarina, Tom Tjaarda |
| Karosseriefertigung | Pininfarina |
| Komplettierung | Fiat-Werk Turin-Mirafiori |
| Chassis | Fiat 124 Limousine, um 14 cm gekürzt und verstärkt |
| Vorderachse | Einzelradaufhängung |
| Hinterachse | Starrachse (später Einzelradaufhängung bei CSA) |
| Kraftübertragung | Drehmomentrohr |
| Motor Baureihe AS | 1,4-Liter-Vierzylinder, 90 PS |
| Motor Baureihe BS1 | 1,6-Liter-Vierzylinder, 110 PS |
| Motor Baureihe CS1 | 1,8-Liter-Vierzylinder, 118 PS |
| Motor Baureihe CSA | 1,8-Liter-Vierzylinder, 128 PS |
| Motor Volumex | 2,0-Liter-Vierzylinder mit Roots-Kompressor, 135 PS |
| Getriebe | Fünfganggetriebe serienmäßig |
| Bremsen | Scheibenbremsen an allen vier Rädern |
| Höchstgeschwindigkeit AS | bis zu 170 km/h |
| Höchstgeschwindigkeit Volumex | 190 km/h |
| Gewicht AS | rund 930 kg |
| Gesamtproduktion | rund 198.000 Stück |
| Exportanteil USA | mehr als 80 Prozent |
| Baureihen | AS, BS, BS1, CS, CS1, CSA, CS2, CS0, DS0 |
| Preis Volumex | 29.600 D-Mark |