Fiat 500e erhält neue Batterie bis 2030

Gute Fahrt

 · 12.05.2026

Fiat 500e
Foto: Stellantis
Der Kleinwagen wird 2027 mit LFP-Akkus ausgestattet. Drei Jahre später folgt eine komplett neue Generation. Das Werk Mirafiori baut derweil Kapazitäten aus.

Batteriewechsel als Rettungsanker für den Stromer

Die Verkaufszahlen des batteriebetriebenen Kleinwagens aus Turin sprechen eine deutliche Sprache: Von rund 65.000 Zulassungen im Jahr 2023 brach die Nachfrage auf 30.000 Einheiten im darauffolgenden Jahr ein. 2025 sanken die Registrierungen weiter auf 24.000 Fahrzeuge. Als Hauptursache für diesen dramatischen Rückgang gilt die Preispositionierung, die viele potenzielle Käufer abschreckt. Verschärft wurde die Situation durch das Auslaufen staatlicher Kaufzuschüsse in mehreren europäischen Märkten. Ferdinando Uliano, Generalsekretär der FIM CISL, bestätigte nun die bereits seit Anfang 2025 kursierenden Informationen: 2027 soll der Stadtflitzer mit Akkus aus dem Joint Venture zwischen Stellantis und CATL ausgestattet werden. Die neue Lithium-Eisenphosphat-Chemie verspricht zwei entscheidende Vorteile gegenüber der aktuellen Technologie. Zum einen lässt sich durch die kostengünstigere Herstellung der Einstiegspreis senken, zum anderen steigt die Reichweite. Beides sind kritische Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit im hart umkämpften Segment der kompakten E-Mobile. Die Investitionssumme von 100 Millionen Euro, die der Konzern bereits angekündigt hatte, fließt in diese technische Weiterentwicklung. Der Zeitplan orientiert sich dabei an der Produktionsreife des spanischen Werks, das die LFP-Akkus fertigen wird. Ein früherer Start, wie ihn manche Beobachter für 2025 prognostiziert hatten, war aufgrund der Anlaufphase der Batteriefabrik nie realistisch.

Produktionsausbau in Mirafiori nimmt Fahrt auf

Das traditionsreiche Turiner Werk steht im Zentrum der Neuausrichtung. Bereits jetzt läuft der Hochlauf der Fertigungskapazitäten: 440 neue Mitarbeiter wurden eingestellt, um die gestiegenen Anforderungen zu bewältigen. Ab März 2026 geht eine zweite Produktionslinie in Betrieb, die das Volumen deutlich erhöhen soll. Das ambitionierte Ziel lautet, im kommenden Jahr etwa 100.000 Fahrzeuge vom Band laufen zu lassen – mehr als das Dreifache der aktuellen Stückzahlen. Diese Kapazitätserweiterung bereitet den Boden für die Doppelstrategie aus Hybrid- und Elektrovariante. Die Benzin-Elektro-Kombination wurde eingeführt, um kurzfristig Volumen zu generieren und die Entwicklungskosten zu amortisieren. Sie übernimmt eine Pufferfunktion, bis die überarbeitete E-Version mit den neuen Akkus verfügbar ist. Für die Belegschaft und die Region bedeutet diese industrielle Weichenstellung Planungssicherheit. Nach Jahren der Unsicherheit über die Zukunft des Standorts zeichnet sich nun ein klarer Fahrplan ab. Die Kombination aus beiden Antriebsvarianten soll die Auslastung stabilisieren und gleichzeitig unterschiedliche Kundenbedürfnisse bedienen. Während die Hybridversion Käufer anspricht, die noch nicht vollständig auf batterieelektrische Mobilität umsteigen möchten, richtet sich die E-Variante an urbane Nutzer mit kurzen Strecken und Lademöglichkeiten. Diese Parallelstrategie ermöglicht es, Marktanteile in verschiedenen Segmenten zu sichern.

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Komplette Neuentwicklung für das nächste Jahrzehnt

Das Jahr 2027 markiert jedoch nur eine Zwischenetappe in der langfristigen Produktplanung. Für 2030 ist bereits eine vollständig neu konzipierte Generation in Vorbereitung. Anders als die Modellpflege mit den LFP-Akkus handelt es sich dabei nicht um eine Weiterentwicklung der 2020 gestarteten Baureihe, sondern um eine Neukonstruktion von Grund auf. Diese Entscheidung fügt sich in eine umfassendere industriepolitische Strategie ein. Die Europäische Union diskutiert derzeit Regelungen, die kompakte E-Fahrzeuge bis 4,2 Meter Länge mit besonderen Förderungen begünstigen könnten. Ziel ist es, die Produktion erschwinglicher Elektroautos auf dem Kontinent zu stärken und die Abhängigkeit von asiatischen Herstellern zu verringern. Der italienische Hersteller könnte von solchen Rahmenbedingungen erheblich profitieren. Die Neuauflage würde dann als wettbewerbsfähiges, in Europa gefertigtes Stadtauto positioniert, das sowohl preislich als auch technisch mit der internationalen Konkurrenz mithalten kann. Die Entwicklungsabteilung hat damit ausreichend Zeit, aktuelle Schwachstellen zu analysieren und bei der Neukonstruktion zu eliminieren. Gleichzeitig lassen sich technologische Fortschritte bei Akkus, Antrieben und Elektronik integrieren, die bis zum Ende des Jahrzehnts zur Serienreife gelangen.

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Zweiphasiger Fahrplan mit klaren Meilensteinen

Die Gesamtstrategie lässt sich in zwei deutlich voneinander abgegrenzte Phasen unterteilen. Phase eins umfasst die Jahre 2026 und 2027: Der Kapazitätsausbau in Mirafiori wird abgeschlossen, die Hybridvariante übernimmt die Volumenverantwortung, und die technische Überarbeitung mit den neuen Akkus aus dem CATL-Joint-Venture wird umgesetzt. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die akute Absatzkrise zu überwinden und den Stadtflitzer wieder wettbewerbsfähig zu machen. Die kostengünstigere Batterietechnologie soll den Zugangspreis senken und damit eine breitere Käuferschicht ansprechen. Gleichzeitig verbessert die höhere Reichweite die Alltagstauglichkeit, was ein weiteres Kaufhindernis beseitigt. Phase zwei beginnt 2030 mit der Markteinführung der komplett neuen Generation. Sie soll auf einer völlig überarbeiteten Plattform basieren und von möglicherweise günstigeren regulatorischen Rahmenbedingungen für kleine E-Fahrzeuge profitieren. Die Hybridversion dürfte dann auslaufen, da sie ihre Aufgabe als Brückentechnologie erfüllt hat. Der Fokus verschiebt sich vollständig auf batteriebetriebene Mobilität, allerdings mit deutlich verbesserter Kostenstruktur und Reichweite. Diese klare zeitliche Staffelung ermöglicht es dem Konzern, Investitionen zu strecken und gleichzeitig kontinuierlich am Markt präsent zu bleiben. Statt eines radikalen Bruchs setzt man auf Evolution mit einem klar definierten Zielbild für das nächste Jahrzehnt.


Technische Daten im Überblick

ModellFiat 500e (aktuell)
AntriebElektromotor
Zulassungen 2023ca. 65.000 Einheiten
Zulassungen 202430.000 Einheiten
Zulassungen 202524.000 Einheiten
Geplante Batterie ab 2027LFP-Technologie (Lithium-Eisenphosphat)
Batterie-LieferantCATL (Joint Venture mit Stellantis)
Investitionssumme100 Millionen Euro
ProduktionsstandortMirafiori, Turin
Geplantes Produktionsvolumen 2026ca. 100.000 Fahrzeuge
Neueinstellungen Werk440 Mitarbeiter
Neue Generation2030 geplant

Auf einen Blick

  • Verkaufszahlen brachen von 65.000 (2023) auf 24.000 Einheiten (2025) ein
  • 2027 erhält der Stromer kostengünstigere LFP-Akkus aus CATL-Joint-Venture
  • Werk Mirafiori stellt 440 neue Mitarbeiter ein und aktiviert zweite Produktionslinie ab März 2026
  • Hybridversion dient als Brückentechnologie zur Volumensicherung
  • Komplett neue Generation für 2030 angekündigt, möglicherweise mit EU-Förderung für Kompaktstromer

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